# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 07 27_S188 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſolgungen der Kirche durch die römiſchen Kaiſer Tauſende und aber Tauſende lieber ihr Leben dahin gegeben unter den grauſamſten Qualen, als daß ſie auch nur einen Theil der hl. Schrift, der in ihren Händen war, der heidniſchen Obrig⸗ keit hätten ausgeliefert. Wohl wiſſet Ihr — oder könntet es doch wiſ⸗ ſen — wie im Laufe der Jahrhunderte der Teu⸗ fel, als der Vater der Lugen, eine Grundlehre der hl. Schrift uach der andern durch ſeine falſchen Lehrer gefälſcht und verderbt hat, um dadurch die ganze Summe der Heilswahrheit zu verderben und wo möglich zu nichte zu ma⸗ chen, aber der gnädige und ſtarke Gott hat mäch⸗ tiglich geholfen, treue Zeugen, einen Athanaſius, Auguſtin, Luther, erweckt, mit ſeinem reinen und kräftigen Worte die Lügen und Irrthümer zerſtreuet und die heilſame Lehre um ſo klarer an das Licht gebracht; er hat auch die Schriften der engliſchen und franzöſiſchen Gottesleugner, Eurer Väter im Unglauben, nach kurzer Dauer in die verdiente Schande und in die Nacht der Vergeſſenheit hinabgeſtoßen; und vergeblich iſt Euer Bemühen, euren Abgott Tom Paine wie⸗ der zu erwecken, deſſen geſchminkter Leiche Ihr kein Leben einblaſen werdet. Nur das wiſſet Ihr nicht, daß und wie es Gottes Gericht ſei — da nun einmal der Menſch ohne Glauben nicht beſtehen kann — daß ihr ſolchen Lugen⸗Apoſteln glauben muſſet, da ihr ſeinen Apoſteln nicht glauben wol let. Es ſind alſo alle Eure liſtigen Anſchläge und wüthenden Auläufe wider die hl. Schrift, dieſe Veſte der Wahrheit, völlig umſonſt und verlo⸗ loren, und eher muſſen Eure harten Köpfe alle an ihr zerſchellen, ehe ihr auch nur einen Stein ihres göttlichen Baues aus ſeiner Stelle rücken ſolltet. Ihr wiſſet aber auch gar wohl aus der innern Beſchaffenheit der hl. Schrift, daß ſie göttlichen Urſprungs und nicht aus menſchlichem Prieſter⸗ trug entſtanden ſeiz denn wie wäre dieſem mög⸗ lich geweſen, Jahrhunderte vorher eine Reihe in ſich zuſammenhangender Weiſſagungen zu⸗ künftiger Begebenheiten aufzuzeichnen, die zu ih⸗ rer Zeit ohne menſchliche Veranſtaltung und Leitung in Erfüllung gingen und eine geſchicht⸗ liche Wahrheit wurden, die ſelbſt von gleich⸗ zeitigen heidniſchen Geſchichtſchreibern berichtet wird? Wie wäre es möglich, daß z. B. Moſes und die Propheten Luͤguer oder doch Schwärmer ge⸗ weſen, indem ſie ihr Zeugniß erheben: „So ſpricht der HErr!“ da eben theils die Weiſſa⸗ gung, wie oben gemeldet, ſtets in Erfüllung ge⸗ gangen iſt, theils ferner die heil. Gebote, die ſie handeln, in Uebereinſtimmung ſtehen mit dem Sittengeſetz, das gleichfalls Gott der vernunf⸗ tigen menſchlichen Natur innerlich eingepflanzt hat und in beiden vollkommene Liebe zu Ihm und gleiche zum Nächſten erfordert, was eben die natürliche Stimme Eures eigenen Gewiſſens wider Euch bezeuget? Und was hatten denn dieſe Männer Gottes von ihrem Weiſſagen, Leh⸗ ren, Strafen und Drohen für Reichthum, Ehre und Wohlleben von der Maſſe ihres Volkes? Nichts als Armuth, Schmach, Schande, Haß, Elend, Noth und Trubſal, dieſe und jene auch den Ted. Ja! hätten ſie dem verderbten Hau⸗ fen nach der Luſt ſeines Fleiſches, nach ſeinen ſrechen Freiheits⸗Geluſten wider den HErrn und den Gehorſam gegen ſeine Gebote geſchmeichelt und ihnen gepredigt, wonach ihnen die Ohren juckten, wie Ihr es thut gegen die abtrunnigen und ungehoͤrſamen Kinder, gegen das unſchlach⸗ tige und verkehrte Geſchlecht dieſer Zeit — dann hätten ſie freilich euren Lohn davongetragen, Geld, Ehre, Anſehn und gute Tage. Welche wahrheitsliebende Männer ſie aber waren und nur um die Ehre Gottes und um das Heil des Nächſten eiferten — das geht dar⸗ aus gleichfalls hervor, daß ſie keinesweges ſich in ihnen ſelbſt fur vollendete Heilige halten, vielmehr befliſſen ſind, ihr ſündliches Straucheln und Fallen nicht zu verbergen, wie von Moſes, David und Jeremiah bekannt iſt, ſondern es freimüthig zu bekennen, damit eben kein Menſch ſich an ihre Perſonen hänge, ſondern allein an das Wort des lebendigen Gottes. Ihr aber gehet auf nichts aus, als das blinde unwiſſende Volk an eure Perſonen zu hängen, daß es Eure Thorheiten und Lügen als nagel⸗ neue Weisheit und Wahrheit, eure Läſterungen des Heiligen als männlichen Freimuth, Euer Höhnen und Haſſen Gottes, Euren frechen Hoch⸗ muth und Stolz wider den HErrn als die Würde und edle Freiheit der menſchlichen Natur auer⸗— kennen. Nicht der Bibel, als Gottes Wort, ſollen ſie trauen, aber, was Ihr redet, das ſoll wie vom Himmel geredet ſein, das ſoll gelten auf Erden. Ihr wiſſet aber auch ſelber gar wohl von den mächtigen Wirkungen bieſes, dem Urſprunge und dem Inhalte nach weſentlich und eigentlich gött— lichen Wortes, welche Thaten es gewirkt hat im Laufe der Jahrhunderte — Thaten, die nicht im Winkel geſchehen ſind, davon auch die Welt⸗ geſchichte Zeugniß giebt, und gegen welche ge— halten alle Entdeckungen bisher unbekannter Erdtheile, alle Erfindungen im Bereich menſch⸗ licher Kunſt und Wiſſenſchaft, alle Erkenntniß und Lehre aus der Erforſchung natürlicher Dinge und der menſchlichen Seele, ſo wie der Geſchichte des menſchlichen Geſchlechts in allen Völkern und Zeiten, alle Erzeugniſſe der ſchönen Kunſte — Summa Alles, was die Menſchen aus na⸗ türlichen Kräften und Gaben hervorgebracht ha⸗ ben, in den Schatten zurücktritt und gleichſam in ein Nichts zerrinnet. Denn was haben auch die berühmteſten Entdecker, Erfinder, Feldherrn, Staatsmänner, Gelehrte und Kuͤnſtler, Denker und Dichter anderes gewirkt und geleiſtet, als, im beſten Falle, allerlei zeitlichen Nutzen und Vertheil, mancherlei irdiſche Erkenntuiß und Er⸗ fahrung. Was iſt dies aber gegen die weltumbildende und welternenernde Kraft des göttlichen Wortes, die von der Geſchichte ſonderlich ſeit Chriſti Ge— burt, die dieſe billig auch in ihrer Zeitrechunng als den Wendepunkt der Geſchichte des menſch⸗ lichen Geſchlechts hinſtellt, unabläſſig bezeugt wird? — Oder — ich frage Euch ſelber und fordere Eure Vernunft und Gewiſſen zum Urtheil heraus — wäre es möglich und denkbar, daß dieſe nieder— geſchriebenen Fabeln von dem gekreuzigten Ju⸗ den, Jeſus von Nazareth, wie Ihr Ihn und die Evangelien läſtert, durch die mundliche Verkun— digung der Apoſtel und ihrer Nachfolger aber⸗ gläubiſche Götzendiener und rohe, wilde Barba⸗ ren, bis daher aller Geſittung entfremdet, um die tägliche leibliche Selbſterhaltung mit der Na⸗ tur kämpfend, unter einander und mit benach⸗ barten Völkern, Stämmen und Horden in ſtetem Kampf und Krieg, in unerſättlicher Rachſucht, in grauſamen Blutdurſte ſich gegenſeitig aufrei⸗ bend, hin und her auch den erzürnten Gott und das erſchreckte Gewiſſen durch gräuliche Men⸗ ſchenopfer zu ſtillen verſuchend — ich ſrage Euch, wäre es müglich und denkbar, daß die Predißt K von einem gekrenzigten Juden durch 18 Jahr⸗ hunderte ſolche entartete und verkommene Volker, 1 Stämme und Horden dieſem elenden, verlore⸗ nen Zuſtande entriſſen und durch den Glauben an Chriſtum zu wahren Anbetern des dreieini⸗ gen Gottes im Geiſte und in der Wahrheit um— gewandelt, zu einer Gemeinde des lebendi⸗ gen Gottes, d. i. zur Kirche Chriſti geſammeit und durch die von Innen heraus mit ſtillmäch⸗ tiger Gewalt umbildende Kraft ſeines Geiſtes zu friedſamen, geſitteten, verſtändigen, liebrei⸗ chen, in allerlei heilſamer menſchlicher Wiſſen⸗ ſchaft und Kunſten des Friedens heranreifenden, in den Rechtsverband des burgerlichen Gemein⸗ weſens, d. i. der Staaten, ſich friedlich vereini⸗ genden Menſchen gleichſam neugeboren hätte?— Innerhalb dieſes großen Weitwunders aber, das ihr, als eine Thatſache der Weltgeſchichte, dieſer nicht ins Angeſicht leugnen köͤnnt und das ſia auch jetzt vor unſern Angen im 5ten Erd⸗ theile wiederholt — innerhalb deſſelben, wie viel tauſend und aber tauſend einzelnue Seelen. ſind nicht durch dieſes gnadenreiche Evangelium. 1 von der Finſierniß zum Lichte, von der Gewalt des Satans zu Gott bekehrt worden? Fruüher beteten ſie als Götter die einzelnen erſchaffenen Naturdinge und Naturkräfte an, die wohlthätigen, um ſich, wie ſie wähuten, da⸗ durch ihre Gunſt zu erhalten, die ſchädlichen, um die drohenden Uebel abzuwenden, beides 1 aber ans knechtiſcher Furcht; und in wahnwitz⸗ gem Aberglauben und Abgötterei knieeten ſie nie⸗ 3 der vor Holz und Stein, den Gebilden ihrer ein! genen Hand, die da Augen hatten und nicht ſahen, Ohren, und nicht hörten; — nach ihrer Bekehrung zu Chriſto aber erkannten, verehrten, beteten ſie an den dreieinigen Gott, den Schö⸗ pfer, Erhalter u. Regierer des ganzen Weltalls, lobten und prieſen ihn aus heiliger Liebe und in kindlicher Dankbarkeit um all ſeine großen Tha⸗ ten und Werke; und in Zeiten blutiger Verfol— gung, wie viele Einzelne haben nicht auf dem Scheiterhaufen, auf dem glühenden Roſte, un⸗ ter den Zähnen der wilden Thiere in unüber⸗ windlichem Glaubensmuth und in der ſeligen Gewißheit des ewigen Lebens den als ihren ei⸗ nigen HErrn und Heiland bekannt und angeru⸗ fen, Ihn gelobet und geprieſen, den Ihr, durch das Irrlicht des Satanus geblendet, als einen gekreuzigten Juden haltet und übel verläſtert. Und wenn Ihr gleich, wider die innerſte Stimme Eures Gewiſſens, Euch unterfinget, dieſes für fromme Schwärmerei zu erklären, ſo muſſet Ihr doch noch mehr durch die Thatſache zu Schan⸗ den werden, daß dieſe Heiligen des HErrn mit⸗ ten in ihren Qualen und Nöthen und in ihrem oft ſo peinvollen langſamen Dahinſterben kei⸗ nen Haß, Zorn, Bitterkeit und Rachgefühle wi⸗ der ihre Peiniger und Quäler in ihren Herzen genährt, ſondern Gott angerufen haben, dieſen arnien Verblendeten, die nicht wußten, was ſie thaten, Gnade zur Buße zu ſchenken, und alſo die Weiſung Ihres HErrn mit ihrem Leben be⸗