# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 07 17_S181 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Rlute erkauft hat. Euer iſt endlich alle Gabe und Troſt des heiligen Geiſtes, kurz, „alles,“ pricht der Apoſtel ſelbſt, „es ſei Pa ulus wer Apollo, es ſei Kephas oder tie Welt, es ſei das Leben oder der Red, es ſeidas Gegenwärtige oder das Zukünftige.“ Doch Paulus ſagt nicht nur zu allen gläu⸗ lgen Cͤriſten: „Alles iſt euſer,“ ſon⸗ umn er ſetzt auch hinzu: „Iher aber ſeid Hriſtei.“ Hiermit macht Paulus die hertlichkeit der gläubigen Chriſten noch grö⸗ zu. Hiermit erklärt er, daß die Chriſten nie⸗ nunden, auch keinem unter den höchſten Apoſteln, nzebören; daß ſie als Chriſten (denn hier iſt ürlich nicht von den Chriſten die Rede als Bür— zun eines irdiſchen Reiches), daß ſie, ſage ich, is Chriſten niemanden über ſich haben, als Hritum; daß ſie niemand's Eigenthum ſind⸗ s Cbriſti; daß niemand über ſie herrſchen, iemand ihnen Geſetze geben, niemand ihnen was gebieten, niemand einen Gehorſam von inen fordern kann, als Chriſtus; daß niemand ür Haupt, ihr HErr, ihr König, ihr Vater, iür Meiſter, ibr Hirt, ihr Führer, ihr Lehrer it, 1 Chriſtus. Wenn der Apoſtel ſpricht: „Ihr aber ſeid Chriſti,“ ſo iſt es daher hier⸗ nit entſchieden: die Chriſten ſind nicht um der Riediger willen da, ſondern die Prediger um diener der Prediger, ſondern die Prediger die Lirner der Chriſten; hiermit ſind die Prediger en jeglichen Throne, den ſie ſich unter den (hriſten zu erbauen erkühnen wollen, herabge— eßen und es unwiderruflich durch den heiligen Gliſt ſelbſt vor Himmel und Erde, vor Engeln und Menſchen mit kurzen und runden Worten kezgeugt: Die Kirche iſt über die Prediger, nicht die Prediger über die Kirche; nicht die Kirche hat das Amt und alle ſeine Herrlichkeit durch die Prediger, ſondern die Prediger haben daſſelbe durch die Kirche. Hiermit ſtimmt denn herrlich, was derſelbe hl. Apoſtel an anderen Stellen von den Chriſten ügt, ſie ſeien die Gemeinde des HErrn, welche du iſt ſein Leib, nehmlich die Fülle deß, der al⸗ I in allem erfüllet, das Jeruſalem, das dro— ken iſt, die Freie, die aller Gläubigen Mutter it, die Stadt des lebendigen Gottes, die Ge⸗ neinde der Erſtgebornen, die im Himmel ange⸗ ſhrieben ſind, die jungfräuliche Braut JIéſu Chriſti, des Sohnes Gottes. Damit ſtimmt ferner, was St. Petrus von den Chriſten ſchreibt: „Ihr aber ſeid das auserwählte Geſchlecht, das ſünigliche Prieſterthum, das heilige Volk, das Belk des Eigenthums, daß ihr verkündigen ſollt rie Tugenden deß, der euch berufen hat von der zinſterniß zu ſeinem wunderbaren Licht.“ Da⸗ Unit ſtimmt endlich, was Chriſtus ſelbſt von ſei⸗ un Gläubigen ſagt: „Einer iſt euer Meiſter, Chriſtus; Ihr aber ſeid alle Brüͤder. Ihr wiſ⸗ ſt, daß die weltlichen Fürſten herrſchen, und die Mächtigen unter ihnen haben Gewalt und nan heißt ſie gnädige Herren. Aber alſo ſoll es unter euch nicht ſein; ſondern der Größeſte unter euch ſoll ſein wie der Jüngſte, und der in Chriſten willen; nicht die Chriſten ſind die — 179 Vornehmſte wie ein Diener;“ und was Chriſtus ferner an einer anderen Stelle von ſeinen Gläu⸗ bigen ſagt: „Wahrlich, ich ſage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, ſoll guch im Himmel gebunden ſein; und was ihr auf Erden löſen werdet, ſoll auch im Himmel los ſein. Denn wo zween oder drei verſammelt ſind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Sagt darum, welche Creatur darf es nun wagen, über einen gläubigen Chriſten herrſchen zu wollen? Wer es ſich erkühnen wollte, der ſoll wiſſen: ein jeder gläubige Chriſt iſt ein Glied am Leibe IEſu Chriſti, des Sohnes Got— tes; ſo wenig nun irgend eine Creatur im Himmel und auf Erden über Chriſtum, den Sohn Gottes, herrſchen kann, ſo wenig hat ir⸗ gend ein erſchaffenes Weſen, und wenn es ein Engel oder Erzengel wäre, Macht, einem Chri⸗ ſten, als einem Chriſten, ein Gebot zu ſtellen und ihn ſich unterthan zu machen. Wer deſſen ſich unterfängt, der iſt ein Kirchenräuber, der vergreift ſich damit an Chriſto ſelbſt, der macht ſich damit ſelbſt zu Gott, ja, erhebt ſich über Gott, wird ein Werkzeug und Genoſſe des An⸗ tichriſts, und begeht die Sünde Satans, der von vem Sohne Gottes ſelbſt begehrte, daß er vor ihm niederfalle und ihn anbete. Wohl daber allen, die zur Gemeinſchaft der gläubigen Chriſten gehören! Sie ſind Bürger einer himmliſchen freien kaiſerlichen Reichsſtadt. Die unter ihnen nach ihrer Wahl das Regier— amt verwalten, bilden nicht einen privilegirten Stand, vermöge deſſen ſie etwas beſäßen, was die Chriſten nicht beſäßen und was dieſen nur durch ſie zu theil werden könnte: ſondern jene oͤffentlichen Amtsträger ſind nur die Verwal⸗ ter der Güter, die die Chriſten beſitz en; ſie ſind nicht ihre Herren, ſondern ihre Mitbürger und Diener; der Chriſten einiger Herr aber iſt IEſus Chriſtus, der König aller Könige und Herr aller Herren. Sie ſind Glieder einer gro⸗ ßen Familie, in welcher ſie nicht nur alle Pro⸗ pheten und Apoſtel, ſondern ſelbſt alle himm— liſche Geiſter als ihre Brüder begrüßen. Sie ſind Sprößlinge eines auserwählten Geſchlech⸗ tes von prieſterlicher Würde und von königli⸗ chem, ja göitlichem Adel. Hienieden ſind dieſe Chriſten freilich mit Chriſto in dem Stande der Erniedrigung; hier tragen ſie daher noch, der Welt unbekannt, die Dornenkrone der Schmach, der Verachtung, der Unterwerfung und Unterdrückung; für menſch⸗ liches Auge noch unſichibar, liegen ſie als Got⸗ tes Wrizen noch verborgen unter dem Unkraute der ſichtbaren Gemeinden; ihr Leben iſt hier noch verborgen mit Chriſto in Gott: wenn aber Chriſtus, ihr Leben, ſich offenbaren wird, dann werden ſie auch offenbar werden mit ihm in der Herrlichkeit; dann werden ſie als Prieſter Got⸗ tes, des Allerhöchſten, in heiligem Schmuck ewig an den Altären des Himmels ſtehen und ihm ewige Opfer des Lobes darbringen, und, auf ihren Häuptern königliche Kronen tragend, in dem ererbten Reiche, das ihnen bereitet war von Anbeginn der Welt, als wahre Könige ewig mit Chriſto triumphiren und herrſchen. 2. Doch, meine Theuren, nachdem wir nun ſo erſtlich die wunderbare Herrlichkeit der gläubi⸗ gen Chriſten in dem Spiegel des Wortes ein wenig beſchaut haben, ſo laßt mich euch nun 2. vor die Seele führen, wie ihnen dieſelbe nach und nach immer lauter abgeſprochen worden und welch' eine ſchmähliche und verderbliche Herrſchaft die Prieſter über die Chriſten vor der Reformation ſich angemaßt haben. Daß es dahin kommen werde, dies hat ſchon St. Paulus im 2. Capitel ſeines 2. Briefes an die Theſſ. den Chriſten zur Warnung vor⸗ ausgeſagt. Als nehmlich mehrere theſſalonichiſche Chriſten meinten, daß der jüngſte Tag ſchon zu ihren Zeiten vorhanden ſei, antwortete ihnen der hl. Apoſtel mit den merkwürdigen Worten: „Laſſet euch niemand verführen in keinerlei Weiſe. Denn er kommt nicht,“ nehmlich der jüngſte Tag, „es ſei denn, daß zuvor der Abfall komme, und geoffenbaret werde der Menſch der Sünde, und das Kind des Verderbens. Der da iſt ein Widerwärtiger, und ſich überhebt über alles, das Gott oder Gottesdienſt heißt, alſo, daß er ſich ſetzet in den Tempel Gottes, und giebt ſich vor, er ſei Gott.“ Hiermit ſagt es der hl. Apoſlel voraus, daß in dem Tempel Goites d. h. in der chriſtlichen Kirche, ein Antichriſt oder Widerchriſt ſeinen Thron aufſchlagen und ſich göttliche Gewalt über die Chriſten anmaßen werde. Ditſe apoſtoliſche Weiſſagung iſt nun aller⸗ dings nicht alſobald völlig erfüllt worden. So lange die treuen und demüthigen Apoſtel noch lebten und in der Kirche das Wächteramt noch verwalteten, ſorgten ſie dafür, daß kein Prieſter⸗ ſtolz aufkommen und die heiligen Freiheiten und Rechte der Kinder Gottes antaſten durfte. Un⸗ ter der apoſtoliſchen Kirchenregierung hatten und übten daher die gemeinen Chriſten das Necht der Wahl ihrer Prediger, das Recht des Urtheils über die Lehre, das Recht in den Kirchengerich⸗ ten und Synoden zu reden, zu ſtimmen und zu richten, das Recht die Kirchenordnungen zu machen und ſich ſelbſt aufzulegen ꝛe. Satan feierte jedoch ſchon damals nicht, fo daß ſchon der Apoſtel klagen mußte: „Es reget ſich ſchon bereits die Bosheit heimlich.“ Schon zu der Zeit der Apoſtel nehmlich fanden ſich hie und da ehr⸗ und herrſchſüchtige Lehrer, welche in der Kirche anſtatt des Hirtenſtabes des gött⸗ lichen Wortes das Seepter ihres Willens und Eigendünkels zu führen ſuchten. So erwähnt Johannes in ſeinem 3. Briefe eines gewiſſen Diotrephes, von welchem er ſagt, er habe in ſeiner Gemeinde der Erſte ſein wollen, habe! Brüder nicht aufnehmen wollen, und denen ge⸗ wehrt, die dies thun wollten, und ſie eigenmäch⸗ tig in den Bann gethan und aus der Gemeinde geſtoßen. Kaum hatten jedoch die theuren Apoſtel ihre Augen geſchloſſen, ſo regte ſich die vormals heimlich ſchleichende Bosheit ſchon offenbarer. Hegeſippus, der erſte chriſtliche Kirchengeſchicht⸗ ſchreiber, ſagt: Bis zu dem Tode Johannis des Apoſtels ſei die Kirche eine Jungfrau geweſen,