# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 06 22_S175 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) in bat man wohl auf ſein trügeriſches und werkF-⸗ btiliges Herz zu merken, daß es den einfältigen ttangeliſchen Glauben, der im Artikel der Recht⸗ ärrtigung lebt und webt, nicht übervortheile und rie nädige Erhörung Gottes nicht verhindere. Denn es begiebt ſich nicht ſelten, daß geſetzlich— goitesfürchtige Eltern den Segen Gottes und us Gelingen ihrer Zucht als eine nothwendige zrucht und Belohnung ihrer treuen Mühe und Abeit von Gott erwarten, und nicht eingedenk tleiben, daß und wie auch hier aller Segen eine hurlautere Gnade Gottes ſei, die man nicht ver— nienen, aber wohl durch feines geſetzliches Eigen— ricken verbindern könne. Und daher trägt es ſchwohl öfters zu, das der liebe Gott hier nicht tut nach der Eltern Erwarten und Begehren, ſücern zuvor das erbſündliche Verderben und nanchmal die beſonderen Züge desſelben in den Eltern aus den Kindern läſſet ſcharf und ſtark hervortreten, um zuvor die Eltern heilſam zu Emütbigen, die frine pietiſtiſche Werkerei von ünen auszutreiben und ſie erſt recht zu armen Eündern in Adam und darnach zu Gerechten in (briſto und aus theilweiſe krankhaften, eigen— licizen Werkheiligen zu geſunden Söhnen und Züchtern ſeiner Kirche zu machen, die auch für und in der chriſtlichen Kinderzucht im rechtferti— genden Glauben leben und weben. Und dann rt auch Gottes Wort dafür ihr Licht, der Elaube ihre Leuchte und die Gnade und Zucht ds heiligen Geiſtes ihr Lehrmeiſter und Weg— beiſer ſein und das rechte Beten und Fürbitten ritd auch nicht ſehlen. Nun laſſet mich daran gehen, Euch, liebe Elten, und vornämlich den lieben Müttern kinige Winke und Anleitung über die Zucht und (eäwebnung der Kindlein in den erſten Lebens— abren zu geben, bis etwa zum fünften oder ſchsten Jahre, wenn ſie anfangen, die Schule nu beſuchen. — Es iſt nun eine allgemeine Er⸗— ſbrung, daß vornämlich ſchon zwiſchen dem knten und zweiten Lebensjahre des Kindes ſein éigenwille und Eigenſiun ſehr ſtark und kennt— lch hervortritt und ſelbit den ungläubigen Eltern nie Lehre von der Erbſünde kräſtig dur die That predigt. Was habt Ihr nun da zu thun? Soilt Ihr er Unart nicht wehren, wie die Uas äubigen fiegen zu thun, die da wähnen und ſagen, ſie übte aus dem Unverſtande des Kindes her und nan könne hier nichts thun, bis das Kind ſei— hun Verſtand bekomme? — Mit Nichten. Biel⸗ nebrmuß es Euer ernſtes Anliegen ſein, dieſer Hart mit Weisheit und Kraft zu begegnen und zvar alſo, daß die heilſame Schärfe nicht in lueleſe Härte, die tragende Geduld aber nicht in Schlaffheit und Schwäche ausarte. Zur Tämpfung aber des eigenwilligen und tiguſinnigen alten Adams in Euren ein- bis peijährigen Kindern und zur Gewöhnung zum Etbotſam, welches beides natürlich auf das (Cägſie zuſammenhängt, ſind vorzüglich Gebete ünt Fürbitte, Wort und Geberde, Ruthe und andete Strafe die geeigneten Mittel. Was nun das erſte betrifft, ſo wird es Euch Haß gegen dir Seele des Kindes, ſcherlich nicht ſchaden, wenn Ihr, zumal bei — 173— ſtärkeren Ausbrüchen der Bosheit und des Eigen⸗ willens Eurer Kinder, Euch zuerſt immer von Neuem gründlich vor dem HErrn demüthiget, Euren und Eurer Kinder betrübten Sündenfall in Adam herzlich beklaget, darnach aber aus der Fülle von Chriſti Verdienſt gläubig die Gnade und Vergebung der Sünden ergreifet und Gott den heiligen Geiſt immer von Neuem um Gnade und Weisheit anrufet, die einzelnen Sünden— ſchäden in Euren Kindlein nach des Herrn Wort und Willen, nicht aber nach Eurem fleiſchlichen Herzensdünken und Meinen zu behandeln. Und bittet dann auch zugleich für Eure Kindlein mit Einfältigkeit des Herzens theils ins Gemein in der Weiſe, der bereits oben Erwähnung geſche— hen, theils im Beſondern, daß Eure Zucht durch Wort oder Ruthe oder ſonſtige Strafe in dieſem und jenem einzelnen Falle an den Kindlein recht geſegnet ſei. In der Anwendung des Wortes nun zur Brechung des Eigenwillens iſt von Nöthen, daß vasſelbe kurz und beſtimmt ſei und mit feſtem, freundlichem Ernſte geredet werde, weder bitt⸗ weiſe, noch im zornmüthigen Tone; und hilfty das Wort der Mutter oder des Vaters nicht als— bald, ſo muß die Ruthe oder eine andere, dem beſonderen Eigenwillen entſprechende Strafe hin⸗ zukommen. Rußert ſich z. V. der Eigenwille mit beſonde— derem Trotz und Ungeberdigkeit des Leibes ver— bunden, ſo ſind die Schläge recht eigentlich an ihrem Orte, und zwar ohne längeres Reden vor- und nachher und werden ihre heilſame Wirkung nicht verfehlen, wenn ſie mit N achdruck und Maß zugleich ertheilt werden. Folget hierbei, Ihr lieben Mütter, ja nicht dem verkehrten Exempel der meiſten Engliſchen, die die Ruthe auch in ſolchen Fällen nicht ge⸗ brauchen, ſondern folget Gottes Wort, das da— ſpricht: „Beuge ſeinen Nacken, dieweil er noch“ ö klein iſt“, und „wer der Ruthe ſchonet, der haſſet! ſeinen Sohn“; denn in That und Wahrheit iſt! ſolch' verderbliches Wachſenlaſſen des Eigenwil⸗ lens aus jleiſchlicher Weichlichkeit, um gleich— verhaltens durcz W ſam dem eigenen Fleiſche nicht wehe zu thun, ein deſſen Erbſünde dadurch kräftig geſtärket wird. Auf der andern Seite aber habet Ihr bei dieſem und ähnlichen Falle über Euch zu wachen, daß Ihr, nachdem Ihr Hielleicht aus Trägheit oder Weichlichkeit der Ruthe geſchonet habet, dann nicht über das Maß der heilſamen Strafe hinausgebet und während der Vollziehung derſetben, in wachſen⸗ ſt nicht zu beſorgen, der Zernmüthigkeit, mehrere und heftigere Schlä— ge gebet, als die Sache erforderte “.. zes Seufzerlein zum HErrn und ein ſofortiges Niederdrücken des aufſteigenden Zornes der Ertheilung der Züchtigunng wird Euch hierbei ſchon richtig leiten. *) Hierber gehört auch die Unart mancher Mütter, in Aufwallungen von Arger und Zorn, iyre Rinder, zumal wenn ſie ſchon ätter ſind, mit der Hand an den Nopf foder ins Geſicht zu ſchlagen, welches in der That ſehändlich und ö ſchimpflich iſ, da im Antlitz ſelbſt des gefallenen Menſchen die Spuren des göttlichen Ebenbildes noch erkennbar ßno. Ein kur⸗ Je entſchiedener und weislicher zugleich Ihr holjen, pedantiſch und maſchinenartig, theils 0 — nun bereits zwiſchen dem erſten und zweiten Le⸗ bensjahre beginnt, den Eigenwillen in Euren Kindern zu brechen, deſto beſſer wird es Euch, unter Gottes Gnade und Segen, gelingen, ſie gleichzeitig zum Gehorſam zu gewöhnen, daß ſie alsbald thun, was Ihr gebietet, und laſſen, was Ihr verbietet. Wie nun Gott iu der Haushaltung des Ge— ſetzes den Kindern Israel Strafen drohte und dieſe auch, bei Fruchtloſigkeit der Drohung, wirk— lich dann vollzog, wenn ſein Volk immer wieder übertrat, d. i. that, was Gott nicht wollte; und wie Gott ferner ihnen anch äußerliche Belohnun— gen und Segnungen verhieß, wenn ſie auf den Steigen ſeiner Gebote wandelten, und thaten, was dem HErrn wohlgefiel: — alſo ſollet Ihr in dieſem Ziehen und Gewöhnen Eurer Kinder zum Gehorſam auch thun, daß Ihr, je nach Größe und Art der Übertretung, Strafe auf den Ungehorſam, und dieſen und jenen kleinen Lohn auf den Gehorſam ſetzet; jenes, um ſie durch heilſame Furcht vor dem öfteren und gröberen Ülbertreten zurückzuſchrecken; dieſes, um ſie zum Thun des Gebotenen und Lafſen des Verbotenen freundlich und väterlich heranzulocken. Und es ſo beides weislich und chriſtlich gehandelt wird, daß ſie durch Anwen— dung der Strafe und ſonderlich der Schläge in bloße knechtiſche Furcht, und durch dieſe oder jene kleine Belobung und, Belohnung in Selbſtge⸗ rechtigkeit oder Werkheiligkeit gerathen möchten. Denn herrſcht nur dort, bei Austheilung der Strafe, der evangeliſche Geiſt und die Liebe Chriſti und hier der väterliche heilſame Ernſt, der in dieſem und jenem kleinen und ſeltenen Geſchenke und Lobe T) nicht den verdienten Lohn, ſondern die freie Gunſt zu erkennen giebt, ſo wird beiden übelſtänden gewebret ſein; und was vornämlich den letzteren anbelangt, ſo giebt! ja das tägliche Leben und Wandeln der Kinder lacer ſe ſo viele Gelegenheit zu gerechter und heil— ſamer Strafe durch Wort und That, daß ein ſeltenes und ſparſames Anerkennen des Wohl⸗ ort oder That, ihnen nicht! weſentlich ſchädlich oder gefährlich fein wird. Run iſ es freilich unmͤglich, für alle Fäille dieſes Ziebeus und Erwöhnens der Kindlein, zum (Gcherſam beſondern Rath und Eni zu geben. Doch giebt es einige leitende Grun ſätze der chriſtlichen Weisheit und Liebe, die in den einzelnen Fällen auszuſühren und anzuwen— den ſind. Dieſe ſind nun vornämlich folgende, welche befonders die lieben Mütter wohl zu be⸗ berige. baben: „Sehet zu, daß Ihr EureKinder weder utdn 11 eſchränket, noch allzu fehr freitaſſet; d rurch das Uebermaß der Eiſchräntun.—rine Abirrung, die freilich bier faſt nirgends gefun den wird, —werden die Kinder theils ſieif, unbe⸗ *— den * 1) Es iſ freilich hierbei auch im Auszruck Seisbeit unz Vorſicht nöthig, daz man nich: das Kind ſe.ber lobe“, und 3. B. ſagt: „Du eien gutes Kind“ u. dal⸗; ſondern dem geberiamen Verhaltend Brifall giebt, als z. B.: „das »ar recht, daß du das gethan (oder gelaſſen) haſt,“ und der⸗ gleichen.