# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 06 22_S174 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) matorium erſchienen iſt, weiß allein Gott der Herr, der Herzen und Nieren prüfet. Er gebe in Gnaden, daß ihr alleſammt mit euern Herren Predigern offene Augen des Verſtändniſſes an⸗ nehmet von ihm, der die Geiſtes⸗ und Leibesau⸗ gen öffnet. Möge es bald geſchehen! Das iſt mein aufrichtiger Wunſch. Dann werdet ihr auch den unter eurem Namen wider mich aus— gegangenen Aufſatz verwerfen und euch wun⸗ dern, wie ſo ſehr die Erkenniniß und das Gewiſ⸗ ſen bei euch verfinſtert und eingeſchläfert worden war. Gottes Gnade ſei mit euch. Euer euch aufrichtig liebender und für euch betender L. F. E. Krauſe, evang. luth. Paſtor. Macomb County, (Michigan) den 19. Mai, 1852. (Eingeſandt.) Sendbriefe an die lutherischen Eltern dieses Landes ü ber dienchriſtliche Kinder⸗Zucht. No. 2. Gnade und Friede in Chriſto! Ihr habet, meine Lieben, aus dem erſten Briefe nun hoffentlich klärlich erfehen, daß und wir Ihr, als chriſtliche Eltern, ſo hoher Gnade und Ehre von Gott gewürd igt ſeid; denn Ihr habet gewißlich Alle deutlich erkannt, daß Ihr in Eurer Kinderzucht Mithelfer und Mitarbeiter Gottes an Euren Kindern ſeid, die ja nicht bloß Euer Fleiſch und Blut, ſondern weſentlich und eigentlich vom Vater erfchaffen, vom Sohne er— löſet und vom heiligen Geiſte wiedergeboren und geheiliget, alſo ein dreifaches Eigenthum des dreieinigen Gottes ſind. Aber nicht nur dieſes ſind Eure Kinder, ſon⸗ dern zugleich auch die Hoffnung der Kirche und des bürgerlichen Gemeinweſens; und wie dieſe beiden nothwendig immer mehr verderben und verfallen müſſen, je mehr unchriſtliche Verwahr— loſung und Verziehung um ſich greift, ſo werden ſie in demſelben Maaße fröhlich gedeihen, in welchem wahrhaft chriſtliche Erziehung ſich aus— breitet, was freilich vorausſetzt, daß durch Got⸗ tes Gnade ſich immer mehr Erwachſene zum HErrn bekebren. Darum gilt es nun für Euch, ſo Ihr anders wollet chriſtliche Eltern ſein, allen Ernſt und Fleiß in rer Furcht Gottes daran zu fetzen, daß Ihr von früh an, nach Gottes Wort und Willen, dieſes ſein Eigenthum treuklich pfleget und ziehet, auf daß dereinſt, unter des Herrn Gnade und Segen, Eure Kinder auch Eure Freude und Kroͤne ſeien und Ihr mit ihnen das ewige Leben erlanget. Laſſet mich nun anheben, Euch brüderlichen Rath zu ertheilen, wie es mit wahrhaft chriſtli⸗ cher Kinderzucht bewandt ſei. Ich will aber, der Vollſtändigkeit wegen, von vorn anfangen, und meine Anſicht fagen, wie man verſtändig und chriſtlich der Kindlein wahr— nehme, che ſir der Eltern Worte klar verſtehen — 172— und die Zucht eigentlich anheben kann, alſo vor dem Ablaufe des erſten Jahres ihres Alters. — Hier nun beſchränkt ſich die Liebes-Arbeit der chriſtlichen Eltern vornämlich auf das Beten und Fürbitten, auf die Pflege und auf die Gewöhnung. Was nun das erſte Stück betrifft, ſo beginnt dasſelbe freilich ſchon früher, als das Kindlein das Licht dieſer Welt erblickt hat; denn aller— dings, nachdem es im Mutterleibe bereits vor Gott lebt, iſt es ja ſchon ein Gegenſtand der gläubigen Fürbitte der Eltern, ſo wie der gan— zen Kirche, daß der HErr es in dieſer „Tiefe der Erde,“ dahin ſeine Liebe dies göttliche Saamen— körnlein gepflanzet hat und innerlich ernähret, auch ferner ſegne und bewahre, bis daß es durch ſeine gnadenreiche und mächtige Durchhülfe, als geſunde Leibesfrucht, den mütterlichen Schooßr durchbricht und Herz und Augen der Eltern er— freuet. Nachdem es aber leiblich, und darnach durch die heilige Taufe geiſtlich geboren iſt, ſo gilt es nun für Euch, liebe Eltern, daß Ihr fortan ſte— tiglich für das Kindlein Euer Gebet und Für— bitte zum HErrn aufhebet, der, wie ER es aus Mutterleibe gezogen und durch das Waſſerbad im Wort wiedergeboren, nun auch hinfort ſein gnädiger und allmächtiger Vater, Erhalter und Regierer ſein will. Da gilt es nun für Euch, daß Ihr es täglich dem HErrn befeh let, daß ER es in ſeiner ſüßen und ſeligmachenden Taufgnade erhalte, ihm nicht zurechnen wolle die vielfachen Regungen der Erbſünde in mancherlei Eigenwillen und Bosheit, dagegen aber zurechne das Verdienſt und die Fürbitte des lieben HErrn Jeſu Chriſti und es es auch leiblich durch den Schutz ſeiner heiligen Engel vor allem Unfall und Herzeleid Inäslich behüte. Dieſes ſind wohl die Hauptſtücke der väterli⸗ chen und mütterlichen Fürbitte im Laufe des er— ſten Jahres, damit ſich freilich auf Antrieb des heiligen Geiſtes, je nach Umſtänden, manch' Stoßſeufzerlein mengen wird, deſſen Inhalt je— doch dem in Euch bittenden heiligen Geiſte und dem getreuen Gotte und Vater, zu dem es auf⸗ ſteigt, wohl bekannter ſein wird, als Euch ſelber. Mit ſolchem Beten u. Fürbitten aber muß freilich auch verbunden ſein die ſtetige geiſtliche Opferung Cures Kindleins, daß Ihr dasſelbe nur habt, als hättet Ihr es nicht und ſein Leben oder Ster⸗ ben täglich in den Willen des HErrn befehlet. Was nun das andere Stück im Laufe des er⸗ ſten. Jahres, nämlich die Pflege des Kindleins betrifft, ſo iſt freilich von Nöthen, daß, ob ſie wohl ſich nur auf den Leib bezieht, Ihr doch da— bei allezeit die Wahrheit feſthaltet, daß nicht nur Euer Fleiſch und Blut, leiblich verzärtelt und vet⸗ weichelt, noch auch in gutgemeinter, aber unver⸗ ſtändiger Geſetzlichkeit, es leiblich zu frühzeitiz abhärtet, obgleich dieſe letztere Abirrung ſich viel ſeltener zuträgt, als jene erſtere; denn im Durch⸗ ſchnitt findet man es viel häufiger, daß die Kind⸗ lein mehr Nahrung und wärmere Kleidung und Bedeckung, zumal in der Wiege haben, alo wohl! gut wäre, wogegen das Haut und Nerven ſtär⸗ kende Waſchen und Baden des ganzen Leibes nicht ſo oft angewendet wird, als wünſchenswerth iſt. In Hinſicht endlich auf die Gewöhnung des Kindes, ſo fängt dieſe in der That in Bezug auf das Leibliche in gewiſſem Maaße ſchon in⸗ nerhalb ſeines erſten Lebensjahres an; und es iſt für die folgenden Jahre, darin durch ange— meſſene Zucht die Seele heilſam gezogen und ge⸗3 wöhni werden ſoll, nicht ſo ganz gleichgüllige als manche meinen, ob und wie das Kindlein,! bevor es das erziehende und gewöhnende Wurt verſteht, ſchon vor Ablauf des erſten Jahres ge— wöhnt worden ſei. Inſonderheit iſt hiermit g⸗ meint, welcherlei Weiſe die Mütter ſich halten in der Ernährung der Kinder; denn leider ge⸗ ſchieht es bisweilen auch von wohlgeſinnten und! ſonſt verſtändigen Müttern, dah fie kurz vor und nach der Entwöhnung den Kindern zu oft, zu viel und nicht ſelten auch höchſt unverdaulicht Speiſen, als z3. B. fettes Backwerk, fettes Fleiſch,! ſchweres Gemüſe und dergleichen reichen. Da⸗ durch aber wird nicht blos der Magen und ſeine Verdauungskraft geſchwächt, die naturgemäße geſunde Ernährung und die gedeihliche Erſtar⸗ kung des Kindleins verhindert und der Keim zu es wird auch zugleich eine böfe Gewöhnung, eine krankhafte Gier nach vieler und ungeſunder Spriſe in das Kindkein gepflaͤnzet und dadurch mittelbar durch ſeine Eltern von Adam ererbt, desgleichen die des Eigenwillens kräftig geſtärkt. — Umge⸗ kehrt dagegen, wenn das Kind in jener Zein zu beſtimmter Stunde ein beſtimmtes Maaß leicht verdaulicher und ihm angemeſſener Nahrungs⸗ mittel empfängt, als z. A. Milch, Weißbrodt, Brei und dergleichen, ſo wird nicht nur nicht ſein leibliches Wohlbefinden und Gedeihen ver⸗ hindert, ſondern ſchon jetzt die heilſame Gewöh⸗ nung zu Mäpßigkeit gleichſam keimartig in das Kind gepflanzt. x Die eigentliche Zucht und Gewöhnung des! Kindes aber, iubeſtimmteren Sinne, fängt al⸗ lerdings erſt nach Ablauf des erſten Lebensjahres an, wenn allmählig ſeine Vernunft erwacht, das! iſt. wenn es beginnt die Worte des Gebietens und Verbietens, ſaumt den ſie begleitenden; Geberden, welche die Eltern und ſonderlich die um der Seele willen, um künftighin ihr tüchtiger Mütter zu ihnen ſprechen, zu vernehmen und zu Diener und Mitarbeiter zu ſein, der Leib der verſtehen. angemeſſenen Wartung und Pflege bedarf, ſon⸗ dern auch um deß willen, daß ja auch er eine Creatur Gottes, vom Sohne erlöſet und vom heiligen. Geiſte als ſein Tempel bewohnt iſt. Daher gebühret es ſich, daß Ihr in ſolchen Pflegen Euch weder in fleiſchlicher Selbſtliebe an das Kindlein alſo hänget, daß Ihr es, als Da gilt es nun wiederum für die Erzieher, daß ſie vor allen Dingen täglich ihr Gebet zum Herin aufheben und zwar zuerſt füt ſich ſelbſt, daß ſie, durch die Gnade des heiligen Geiſtes, Erleuchtung und Weisheit bekommen, das betreffende Kindlein nach Gottes Willen und Wort zu ziehen u. daß ſolche Zucht der HErr auch! an dem Kinde ſegne; und bei diefen letzten Bit⸗ . ſpäteren böſen Krapkheiten gekegt; — ſonden die Gewalt der böſen Lüſte überhaupt, die ed8