# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 05 11_S168 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Heiligkeit Stimme Chriſti Stimme ſei, der durch ſie handele und rede.“ — So redet Luther vom Pabſt 1518; wie er ſpäter von ihm geredet, weiß alle Welt; man leſe z. B. in den Schmal⸗ kaldiſchen Artikeln den vierten des andern Thei— les, wo Luther den Pabſt auf das beſtimmteſte für den Antichriſt und ſeine (des Pabſtes) Stimme für das Brüllen des hölliſchen Löwen erklärt. Anſtatt daß man jedoch, wenn man von Lu⸗ ther's wieder an den Tag gebrachter reiner Leh— re redet, die früheren von römiſchem Sauerteige noch nicht ganz geſäu⸗ berten Lehrentwickelnngen ausſcheiden, und ſein ſpäteres lauteres rein-evange⸗ liſches Bekenntniß annehmen, und nur dies als Luther's wahre Lehre vor⸗ tragen ſollte, ſo thut man jetzt häufig das Ge— gentheil. Nicht nur berufen ſich ſehr häufig unwiſſende Römlinge auf Ausſprüche Luther's aus früheren Zeiten und verſchweigen ſpätere; ſondern ſelbſt Proteſtanten, ſelbſt angeblich ſtren— ge Lutheraner begehen dieſes Hyſteron Pro— teron, und berufen ſich, obgleich ſpätere ge— gentheilige Erklärungen Luther's da ſind, auf frühere, oder, wo Luther ſchon früh et— was zum Pabſtthum Gehöriges erkannt und ver— worfen hat, auf Späteres, wo er dieſes angeblich wieder zugegeben haben ſoll. Dieſer Verkehrung und Entſtellung der luthe— riſchen Lehre macht ſich unter Anderen auch das Buffaloer „Informatorium“ ſchuldig; ob mit Wiſſen und Willen, oder nicht, das weiß allein der Herzenskündiger; nach der Liebe wollen wir gern das Letztere annehmen. Für dießmal theilen wir zur Warnung zunächſt ein Beiſpiel davon mit, wie man ſich im „Informatorium“ auf Ausſprüche Luther's als lutheriſche Lehre beruft, die derſelbe in jener früheren Zeit gethan hat, von der er ſelbſt alſo ſpricht: „Da— her, chriſtlicher Leſer, wirſt du in meinen erſten Schriften und Büchern finden, wie viel Artikel ich dem Pabſt dazumal mit großer Demuth nachgelaſſen und eingeräumt habe, welche ich hernachmals für die ſchrecklichſte Gottesläſterung und Gräuel gehalten und ver⸗ dammet habe, und in Ewigkeit verdammt haben will.“ (Siehe; Vorr. zum 3. Wittenb. Theil.) — So heißt es nehmlich No. 14. des „Infor⸗ matoriums“ in einem Aufſatze, betitelt: Falſche Freiheit in der Kirche: „Ein etwan unge⸗ rechter Bann, wenn er wirklich vorkäme, iſt keine falſche Lehre, und giebt kein Recht zur Trennung. Wer da meint ungerecht gebannt zu ſein, ſoll nach Lutheri Lehre (dieſe Worte hat auch das „Informa— torium mit geſperrter Schrift) „in der Kirche bleiben und allda ordentlich und chriſtlich ſeine Beweiſe bringen und ſein Recht ſuchen. Gott wird es wohl offenbar machen. Aber ein böſer Menſch will durch eilige Trennung und Ausreißen ſein Unrecht verbergen, Joh. 3, 20.“ Es iſt nun allerdings wahr, als Luther noch tin gefangenes Gewiſſen hatte und, wie er ſich ſelbſt auscruckt, wenn er nur der Kirchen Na⸗ —166— men hörete, erſchrack, da hat er wirklich etwas Aehnliches noch gelehrt, was der anonyme Ver— faſſer jenes Aufſatzes ihm zuſchreibt. So heißt es z. B. in dem „Sermon von der Kraft des Bannes“ vom Jahre 1518, wo Luther den oben erwähnten Brief an den Pabſt ſchrieb: „Der unrechte Bann iſt ein köſtlicher Verdienſt; darum ſoll man den gerne leiden, wo man dei⸗ ner Entſchuldigung, die mit Demuth und Nie⸗ drigkeit geſchehen ſoll, nicht ſtatt geben will. Denn alsdenn kannſt du mit dem 109. Pſalm ſagen: Fluchen ſie, ſo ſegne du. Allein darauf habe Achtung, daß du die Gewalt der Kirche nicht verachteſt .. . Ja, haben wir Befehl vom HErrn Chriſto, uns mit unſerm Widerſacher auf dem Wege zu vertragen und verſöhnt zu werden, wie vielmehr will uns gebühren, mit der Kirchen, ob ſie uns gleich durch unwürdige Diener züchtiget, einig zu ſein? Denn ſie bleibet doch die holdſeligſte liebſte Mutter, all⸗ dieweil ſie bleibet; es bleibet aber die Kirche, dieweil Chriſtus ihr Bräutigam in Ewigkeit bleibet,“ (Siehe Luther's Werke, Hall. Ausg., Tom. XIX., S. 1097. 98.) Wer jedoch Luther's Schriften nur ein wenig kennt, der weiß, wie ganz anders Luther ſp ä— ter geurtheilt und wie er ſich da vor dem Na— men und Geſchrei: Kirche! Kirche! heiliges Amt! Diener Gottes! Hier iſt des HErrn Tempel! Hier iſt des HErrn Tempel!“ nicht mehr gef ürchtet, ſondern vielmehr gewiß gewußt hat: daß nicht die wahre Kirche, ſondern die falſchee, nicht die Prediger als Diener Chriſti, ſondern als Feinde Chriſti und Diener des Teufels an jemanden einen „ungerechten Bann“ vollziehen; da Chri— ſtus deutlich nicht von ſeiner Kirche, ſondern von der Synagoge des Satans ſagt: „Sie werden euch in den Bann thun,“ nehmlich euch, meine lieben Jünger und Chriſten (Joh. 16, 2.) Daher ja Chriſtus im folgenden Verſe nicht nur vom leiblichen Morden, ſondern auch vom ungerechten Bann ſagt: „Und ſolches wer— den ſie euch darum thun, daß ſie weder mei⸗ nen Vater noch mich erkennen.“ Ueber dieſen Spruch ſchreibt daher Luther in der Kür— chenpoſtille: „Wiewohl wir auch laſſen gel⸗ ten, daß die Papiſten auch der Kirchen Aemter üben, täufen, Sacrament reichen ꝛc., wo ſie es anders nach Chriſti Ordnung han⸗ deln. Aber wo ſie ſolch Amt wider uns (nehmlich durch ungerechten Bann) „wollen brauchen, das ſprechen wir aus dieſem Urtheil Chriſti nichtig und kraftlos, und halten ſie für die rechten Abgeſonderten und Abtrünnigen von der Kirche Chriſti.“ (Der Leſer leſe die ganze Predigt über dieſes Evangelium.) Ferner heißt es über jenen Tert in der Hauspoſtille: „Derohalb, wer dieſe zwei Kirchen recht unterſcheiden und urtheilen will, der darf nicht auf das Amt allein ſehen; denn auch die falſche Kirche kann das Amt recht haben und führen, und iſt den⸗ noch keine Kirche; wie man ſiehet, daß die falſche Kirche gar herrlich den Namen Gottes führet und rühmet. Daran ſoll man ſich nicht kehren. Denn da ſtehet das andere Gebot und lehrt uns, daß der Name Gottes auch un— nütz lich geführt werde. Dazu bitten wir in der erſten Vitte, im Vater Unſer, daß Gottes Name geheiligt werde; welches iſt je eine gewiſſe Anzeigung, daß derſelbe Name von Vielen ver⸗ unheiliget werde. Derohalb, wo die falſche Kirche zufährt und mit den Namen Gottes u. der Kirchen ban⸗ nen und verdammen will, da gilts Aufſehen's, daß du dich nicht laſſeſ ſchrecken, ſondern ein Unterſcheid macheſt, u. ſageſt: Ich höre. Gottes Namen wohl, ich höre wohl, daß du die Kirche rühmſt, aber ſolches können die Unchriſten auch. Derohalb muß man das Urtheil anders ſuchen, und am erſten dar⸗ nach ſehen, ob man auch Gottes Namen recht führe und des herrlichen Namens der Kirche nicht mißbrauche.“ (S. Predigt am Sonntag Eraudi. New Norker Ausg. S. 314. Doch Luther hat im Jahre 1530 eine ei⸗ gene „Schrift von den Schlüſſeln“ geſchrieben, ein wahrhaft güldenes Büchlein, das wohl werth wäre, wieder aufgelegt zu werden, indem darin, ſo zu reden, die rechte Quinteſſenz des lieben Evangeliums ſo klar und ſo tröſtlich, ſo kurz und doch ſo gründlich, ſo tief und ſo gewaltig wiedergegeben iſt, wie nach unſerer geringen Er— fahrung wohl kaum in einem anderen Buche. Daren ſpricht nun Luther auch von dem un⸗ gerechten Banne, und zwar unter Anderem Fol⸗ gendes: „Was ſagſt du aber zu dem Spruch Grego⸗ rii, droben angezeigt: Unſer Bann iſt zu fürchten, wenn er gleich un⸗ recht wäre? Das ſage ich darzu: Der Spruch ſei Gregorii oder ſeiner Mutter, ſo hat ihn der Teufel geſprochen; den Dok⸗ tor dürft ich noch fröhlich anſehen, der ſo lehren wollt, daß ich mich vor dem Unrecht und Lügen ſollt fürchten, wenn's gleich ein Engel vom Himmel wäre, und dürfte ſeinen ſchreckli⸗ chen Bann heißen nehmen und enhintern füͤh⸗ ren, und die Naſen dran wiſchen, da Adams⸗ kinder aufſitzen. Was ſoll denn auch ſolche ! ſchändliche Läſterung, die uns Chriſten darf un— verſchämt gebieten, öffentlich Unrecht und be⸗ kannte Lügen fürchten, und für einen Gott an⸗ beten? Wo St. Gregorius ſolches geſagt, ge⸗ meinet, und nicht gebüßet hätte: ſo müßte er im Abgrund der Höllen ſein, das darf keines Fragens. Doch will ich Gregorium nicht ver— dammen .... Du höreſt hie (Matth. 18, 15-—18.), daß es müſſen gewiſſe öffentliche Sünde ſein, gewiſſer bekannter Perſonen, da ein Bruder den andern ſündigen ſieht; dazu ſolche Sünde, die zuvor brüderlich geſtraft und zuletzt öffentlich vor der Gemeine überzeugt ſind, darum die Bullen und Bannbriefe, darin alſo ſtehet: ExXcommunica- mus ipso facto, lata sententia, trina tamen monitione praemissa. Item: De plenitudine potestatis „(wir thun hiermit nach gefäll⸗ tem Urtheile, doch nach voraufgegangener drei⸗ maliger Ermahnung, in Bann; deßgleichen: Nach unſerer Machtvollkommenheit ꝛc.),, das