# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 05 11_S167 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) hervorgerufene Mißſtimmung zurückbleiben konn— l, ſondern daß wir uns auch faſt immer am Schluſſe, in der Wahrheit geeinigt, die Bru— derzand aufs Neue reichen mußten. Auch hier mußten wir mehrmals erfahren, daß man in Teutſchland nur zu häufig kirchlich und ſtaats— hrchlich, das Ziel eines chriſtlichen Staates und die Staatskirche für identiſch (gleichbedeutend) nimmt und denjenigen faſt mit Mißtrauen be— trachtet, der ſich nicht darüber freuen will, daß jezt auch nach der Revolution der Staat die Kirche wieder ins Schlepptau genommen hat, je, daß ſich, um es gerade herauszuſagen, die Kirche wieder mit dem Staate hat verkuppeln lſſen und nun die dadurch erhaltenen wenigen mageren Privilegien oft mit Verluſt deſſen, was zu ihren theuerſten Intereſſen gehört, nur zu tbeuer erkaufen muß. Ebenſo leid that es uns, hier manche der lieben Brüder nicht nur, wie bil— lig, die göttl. unveräußerlichen Majeſtätsrechte ter Obrigkeit vertheidigen, ſondern mitunter ſelbſt die liederlichſten und feigſten Eidbrüche derſelben dem gedrückten und entrüſteten Volke gegenüber entichuldigen zu hören, und ſo das Chriſtenthum bei dem armen Volke in den Verdacht bringen zu ſehen, als ob dasſelbe keinen Donner habe gegen die Schändlichkeiten gottloſer Tprannen auf dem Throne, die dem Volke erſt durch die zu Staats dienern gemachten rationaliſtiſchen Pfaffen den Glauben und damit die Scheu vor göttlicher und menſchlicher Ordnung; und ſo— daͤnn auch ſeine bürgerlichen Privilegien und Freiheiten genommen haben, und nun begehren, daß Niemand, auch nicht die berufenen Lehrer, Rusleger und Bertheidiger des Rechts, ja ſelbſt nicht die Legaten des Königs aller Könige, da— wider mit einem Wörtlein mucken. Außerdem übrigens, daß durch unſer Erſchei— nen unter den licben Brüdern in Stade der von tenſelben gegründete „Verein zur Unterſtützung der lutheriſchen Kirche in Rordamerika“ mit neuem Muthe und Liebeseifer erfüllt wurde, die Sache unſerer Kirche in dieſem Abendlande fort und fort auf jede Weiſe zu fördern, haſten wir noch die Freude, daß ſich Herr Conſiſtorialrath Dr. von Hanffſtengel bereit erklärte, ſeinen Einftuß zur Erwirkung einer Kirchenkollekte zu Gunſten unſeres Colleges wenigſtens in dem 6um Königreiche Hannover, mit einem eigenen Conſiſtorium, gehörigen) Bremer.-Verden'ſchen Herzogthum zu verwenden. Als wir nun leiblich und geiſtlich geſtärkt und geſegnet, Stade wieder verließen, nahmen wir unſeren Weg nach Leeſum bei Bremen. Hier in der Mitte naher Anverwandter Paſtor Wyne— kens, in dem Hauſe ſeines Schwagers, des Herrn Euperintendenten Ruperti, wollten wir nehm⸗ lich, von den ununterbrochenen Controverſen, in tie wir bisher faſt allenthalben verwickelt worden waren, ausruhend, das nahende liebe heilige Weihnachtsfeſt in zurückgezogener Stille feiern. Dies geſchah denn auch. Und Gott ſchenkte uns bier recht ſelige Tage, wie ſie nur eine durch rie gemeinſame Liebe zu dem Einen HErrn ge— deiligte, blutsverwandtſchaftliche Liebe bereiten lann. Vom Herrn Superintendenten dazu auf⸗ — 16⁵ — gefordert, predigte ich auch hier einmal, nemlich am zweiten heil. Weihnachtsfeiertage, da Paſtor Wyneken ſich unwohl befand. In dieſen Tagen erhielten wir Briefe aus St. Louis, die den dringenden Wunſch der Rückkehr wenigſtens Pa⸗ ſtor Wyneken's ausſprachen. So gern wir nun noch eine Reiſe nach Berlin und Breslau unter⸗ ternommen hätten, um hier die theuren Brüder aus der preußiſchen lutheriſchen Kirche von An-⸗ geſicht zu Angeſicht zu ſehen und kennen zu ler— nen, ſo glaubten wir doch durch die erhaltenen Nachrichten aus der Heimath einen Wink erhal— ten zu haben, daß die von Gott beſtimmte Zeit unſerer Rückkehr gekommen ſei, dem wir folgen müßten. So ſchickten wir uns denn zur Rück⸗ reiſe in Gottes Namen an; die jedoch in Folge einer, durch Verſehen eines Freundes verſpäte— ten Nachſendung unſerer Reiſeeffecten erſt am 29. Derbr. erfolgen konnte. Theils um der in dieſer Jahreszeit ſtürmiſchen und gefährlichen Fahrt über die Nordſee auszuweichen, theils verführt durch eine irrige Nachricht von der Wohlfeilheit der Tour über Calais und London, ſchlugen wir dießmal dieſe Reiſeroute ein. Mittags am angegebenen Tage fuhren wir mit dem Dampfwagen von Bremen ab und zu— nächſt über Hannover, Minden, Bielefeld, El— berfeld, Düſſeldorf nach Cöln, wo wir Nachts halb 11 Uhr ankamen. Von da fuhren wir wie— der halb 12 Uhr über Aachen, Verviers, Lüttich, Mecheln, Lille nach Calais, hier am ſolgen⸗ den Tage den 30. Dec. Nachmittags um halb vier Uhr ankommend. Um 6 Uhr nahm uns ein Dampfſchiff auf, das uns bei einer lieblichen ruhigen Fahrt in zwei Stunden über den Canal nach Dover an der engliſchen Küſte brachte. Hier mußten wir bis früh um 2 Uhr warten, wo wir wieder per Eiſenbahn abfuhren. Nach zwei— ſtündiger glücklicher Fahrt waren wir in Lon— don. Da wir aber gehört hatten, daß noch an dieſem Tage ein Dampfſchiff von Liverpoohnach Philadelphia abſegle, ſo eilten wir mit dem näch— ſten Eiſenbahnzug, der früh 6 Uhr abging, dahin ab. Leider hatten wir es uns aber vergeblich verſagt, die mancherlei ſehenswürdigen Merk— würdigkeiten der großen engliſchen Hauptſtadt in Augenſchein zu nehmen. Als wir am 31. Dec. Nachm. 2 Uhr in Liverpool ankamen, er⸗ fuhren wir nehmlich, daß jenes Schiff (City of Mancheſter) zwar noch nicht in See gegangen, aber eben abzuſegeln im Begriff ſei und nun keine weiteren Paſſagiere aufnehme. So waren wir denn genöthigt, hier bis Sonnabend 3. Januar zu verweilen, an welchem Tage wir hierauf auf das königliche Poſtdampfſchiff „Aſia“ gingen, mit dem wir nach einer zwar meiſt höchſt ſtürmiſchen und kalten,*) doch glücklichen Fahrt den 16. Januar in New Rork ankamen. Tiefer Schnee, der faſt alle Communication mit dem Weſten in die— ſen Tagen abgeſchnitten hatte, hielt uns bis Dienſtag den 20. deſſ. M. in New Rork zurück, wo »Bei der penetranteſien Kälte und ſteter Näſſe hatten wir Paſſagiere der 2. Cajüte nie Gelegenheit, uns zu wärmen; dazu waren die Räume der zweiten Cajüte mit Gütern ge⸗ füllt und wir daher allein auf das jetzt nicht eben comforta⸗ ble Sommerhäuschen angewieſen. wir jedoch in dem Hauſe unſeres lieben Bruders Brohm und in der Mitte ſeiner theuren Ge⸗ meinde wohl geborgen waren. Am genannten Tage begannen wir endlich den letzten Theil un⸗ ſerer Reiſe, der zugleich der mühſeligſte war. Wir reiſten auf der Eiſenbahn nach Dunkirk und von da über Erie und Painesville nach Cleve⸗ land. Am 24. Jan. trafen wir in Cheve⸗ hand ein, wo wir ebenfalls in dem Hauſe eines theuren Bruders, Herrn Paſtor Schwan's und von vielen Gliedern ſeiner Gemeinde, in wel⸗ cher wir recht wackere Chriſten kennen zu lernen Gelegenheit fanden, es immer deutlicher empfin⸗ den konnten, daß wir bereits bis an die Schwelle unſerer Heimath gekommen ſeien. Von hier be⸗ nutzten wir wieder die Eiſenbahn über Colum— bus nach Xenia. Wurde nun auch die allerletzte Strecke des zurückzulegenden Weges, wo wir die Perſonenpoſt (die aber meiſt nur dieſen ehren— vollen Namen trug), gebrauchen mußten, faſt mit jeder Station immer beſchwerlicher, ſo über— wanden wir doch alles mit Freude, da jeder Schritt weiter nach dem fernen, zum Theil un— wirthbaren Weſten uns doch unſeren Liebſten auf Erden immer näher brachte. Am 2. Febr. kamen wir glücklich hier an und hatten daher endlich nur Urſache, mit den Unſrigen in Haus und Gemeinde Gott zu loben und zu preiſen, der in einer Zeit, in welcher jeder Tag neue Nachrichten von ſchrecklichen Reiſe-Unglücksfällen brachte, auf einer ſo weiten Reiſe zu Waſſer und zu Lande uns ſo gnädig hatte bewahren laſſen, daß wir nie unſern Fuß auch nur an einen Stein geſtoßen haben. F m Luther's Lehre vom ungerechten Bann. Es iſt eine bekannte Sache, daß Luther in den erſten Jahren ſeines Kampfes wider die Mißbräuche der römiſchen Kirche nicht nur ſehr gemach ging, ſondern auch aus Mangel an völ⸗ liger Erleuchtung noch vieles zugeſtand, was er ſpäter nicht zugeſtand, wovon er ſpäter vielmehr das Gegentheil gelehrt und davon er auch vieles ausdrücklich widerrufen hat. Wir erinnern nur an die Lehre vom Fegefeuer und vom Pabſtthum. Was den erſten Punkt betrifft, ſo hat Luther bekanntlich früher das Fegefeuer anerkannt, aber ſpäter eine eigene Schrift unter dem Titel: „Wi⸗ derruf vom Fegfeuer,“ herausgegeben. Was den zweiten Punkt betrifft, ſo ſchrieb Luther noch im Jahre 1518 Folgendes an den Pabſt Leo X.: „Ich höre, Allerheiligſter Vater, daß gar ein böſes Gerücht über mich gehe .., als der ich mich ſollte unterſtanden haben, die Wür— de der Schlüſſel und Gewalt des höchſten Bi⸗ ſchofs zu verkleinern . . . Derhalben, Heilig— ſter Vater, falle ich Ew. Heiligkeit zu Fuße, und ergebe mich ihr ſammt Allem, was ich bin und habe. Ew. Heiligkeit handele mit mir ihres Gefallens. Bei Ew. Heiligkeit ſieht es, meiner Sache ab- oder zuzuſallen, mir recht oder un⸗ recht zu geben, mir das Leben zu ſchenken oder zu nehmen. Es gerathe nun, wie es wolle, ſo will ich nicht anders wiſſen, denn daß Eurer