# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 05 11_S161 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) —— lſch, daß ſie ſich dennoch vor dem Volke den Schein zu geben ſuchen, ſie ſeien trotzdem durch— aus moraliſche Menſchen, auf deren Worte man ſch allerdings verlaſſen könne; auch ihre Hand— kungen ſeien von edlen Grundſätzen geleitet ꝛr. Colcher heuchleriſcher, feiger Atheiſten giebt es! iuch hier in St. Louis, leider! die Menge, und grade viele unſerer armen Dentſchen, von Gott in verkehrten Sinn dahingegeben, ſind häufig ſumpfſinnig genng, daß ſie dem heuchleriſchen Geichwätze ſolcher Atheiſten von „Moralität, Erelſinn, reinen Beweggründen, guten Grund⸗ ääzen ꝛc.“ Glauben beimeſſen. Es hat jedochtheiſten gegeben, welche gerade— hnaus geſagt haben, was eigentlich ihre Reli— gon ſei. Am ehrlichſten geht damit u. A. der Buſenfreund des alten Fritzen, der atheiſtiſche Detior de ba Mettrie, heraus. Derſelbe chreibt z. B. Folgendes: „Die Glückſeligkeit iſt das Recht eines jeden Menſchen, er muß ſie finden, wo ſie iſt, ſie ge— den dem Laſterhaften ſowohl und ſo billig, als um Beſten. Der Genuß der Liebe in ſeinem natürlichen und den Thieren vernehmlichen Ver— ſande, die feinſte Kitzelung der Sinne iſt unſer titziges Gut, es macht allein, auch ohne die (bre und den Beifall der Welt, uns glücklich. Tieſes zu erhalten, muß ihn die Pedantinn (die ſe Kleinigkeit aufſticht), die Tugend nicht binern. Sie iſt ein Hirngeſpinnſt, eine Brut der Kunſt und ein fremdes Gewächs, das in mſerm Buſen nicht von Natur keunt. Rene, die ſo hartnäckig iſt, uns zu verfolgen, nuß man aus den Gedanken verbannen, und das unbequeme Gewiſſen, eine Frucht der in un— ſrer Kindheit empfangenen Schläge und Vor- rubeile, muß man betäuben, ſchweigen heißen, nd ſo lange ihm den Mund ſtopfen, bis es nichtmehr ſprechen kann. An Gott iſt nicht zu genken, und daß es kein anderes Leben gebe, it erwieſen; alſo hat man nichts zu fürchten, üs das einzige Weſen, das unſerem Glücke im Bege iſt: den Henker — vor dieſem Richter nuß der Philoſoph freilich ſich in Acht nehmen, da er ſonſt nichts weder über der Erde, noch un⸗ ur derſelben fürchtet.“ (Traité de la vie heureuse.) Die Cꝗ IIJIJIIJI Kirchliche Nachrichten. Herr Candidat Jeſaias Andreas Häckel, ge— kidet und eraminirt in Fort Wayne, erhielt von den durch die Wegberufung ihres zeitheri⸗ An Paſtors, Herrn M. Johannes, vacant ge⸗ vordenen ev. luth. Gemeinden am Sulphur⸗ pring und am Bigriver in Jefferſon Co., Mo., inen vrdentlichen Beruf und wurde in der letz— tren Gemeinde am Sonntag Cantate, den 9. Mi d. J., vom Paſtor Bünger, im Auftrage ns Herrn Präſes, feierlich odinirt. Der HErr Jeſus Chriſtus gebe zur Arbeit niſes neuberufenen Dieners am Wort ſeinen kichen Segen in der weit ausgebreiteten Pa⸗ ſein ſeligmachendes Wort wieder lauter und rein — 159— Waſhington, D. C., 1. Mai 1852. Geliebte Freunde in dem HErrn Chriſto Jeſu! Zu unſerer großen Freude können wir Ihnen, theure Glaubensgenoſſen, eine Mittheilung ma⸗ chen, an welcher Sie gewiß den aufrichtigſten und innigſten Antheil nehmen werden. Wir haben es nämlich geſehen und erfahren, daß der Herr nicht ewiglich verſtößt, ſondern er betrübt wohl—vergl. Jeremias Klagelieder, Capitel 2, Vers 14 und 15—aber er erbarmt ſich wieder nach ſeiner groͤßen Barmherzigkeit. Er läßt unter uns predigen und ſeine beil. Sakramente wieder nach ſeinem Willen verwalten, welches beides wir ſo lange Zeit entbehren mußten. Ihm ſei dafür Lob, Preis und Ehre! Es war am achten Sonntage nach dem Feſte der heil. Dreieinigkeit 1851, als auf unſere drin— gende Bitte und auf den Auftrag der Ehrwürdi⸗ gen Synode von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten, an welche wir uns um die Zuſendung eines Predigers gewendet hatten, der Hr. Paſtor Keyl, an der evangeliſch lutheriſchen Gemeinde zu Valtimore, zum erſtenmale zu uns kam, um uns Gottes Wort zu predigen. Ihn begleitete Herr Paſtor Wyneken, der damals auf der Reiſe nach Deutſchland begriffen war. Beide ehr⸗ würdige Herren predigten an dem genannten Sonntage, der eine Vormittags, der andere Nachmittags. Groß war unſere Freude an je⸗ nem Tage, Gottes Wort zu hören durch ihren Mund, den der Herr mit viel Weisheit zuge— richtet hat. Der Herr Paſtor Keyl kam darauf auf unſern Wunſch, wie mit freudiger Zuſtimmung ſeiner Gemeinde noch ein paar Mal zu uns, und nach⸗ dem wir auf Grund einer, dem Worte Gottes und dem Bekenntniß der evangeliſch-lutheriſchen Kirche gemäßen Conſtitution zu einer Gemeinde uns vereinigt hatten, beriefen wir Herrn Paſtor W. Nordmann am 2. Rovember, 1851, zu un⸗ ſerem Prediger und Seelſorger. Derſelbe nahm die Berufung zu unſerer Freude an, konnte aber nicht ſogleich zu uns kommen, da ſeine früheren Gemeinden bei Baltimore vor der Ankunft eines Nachfolgers nur durch ihn verſorgt werden konn— ten. Eine geraume Zeit verging, ehe der Nach— folger eintra—von dem 2. November, 1851, bis zum Sonntag Lätare bediente Herr Paſtor Nord⸗ mann uns und ſeine früheren Gemeinden.— Endlich kam die Zeit, der wir mit großer Sehn— ſucht entgegen geſehen hatten, daß er bei uns oh— ne Unterbrechung bleiben und in ſein heil. Amt bei uns eingeführt werden konnte. Es geſchah letzteres am Palmſonntag. Der Herr Paſtor Keyl, von dem Hrn. Paſtor Brohm in New Rork, Vicepräſes der Ehrw. Sy⸗ node von Miſſouri, Ohio und anderen Staaten mit der Einführung beauftragt, traf zu dem Zwecke in Begleituug einiger Glaubens-Brüder und Schweſtern am Vorabend des genannten Tages bei uns ein. Am andern Morgen fuhrte uns der erſte Eiſenbahnzug etwa 70 unſerer lie⸗ ben Glaubensgenoſſen, Männer und Frauen, Gemeinde zu Baltimore zu. Sie wollten mit uns zum Lobe und Dank des Höchſten für ſeine Gnade, die er an uns erwieſen, ſich vereinigen, und das Sänger⸗ uud Muſikchor unter ihnen wollte mit Pſalmen und Lobgeſängen den HErrn für ſeine Barmherzigkeit preiſen. Um 10 Uhr des Morgens begaben wir uns mit unſeren Freunden in das Haus, deſſen kleinerer Saal uns ſonſt für unſere Gottesdienſte dienen muß. Zu dem Gottesdienſte an dieſem Tage hatten wir, weil eine größere Anzahl Zuhörer wie gewöhn⸗ lich zu erwarten war, die auch kam, einen grö— ßeren Saal darin gemiethet, der zum freundli⸗ chen Gotteshauſe wurde. Dem Eingange deſ⸗ ſelben gegenüber, an der Hinterwand, ſtand auf einer Erhöhung, die mit einem ſchönen Teppich belegt war, unſer Altar, behangen mit einem purpurſeidenen Gedecke, an deſſen Vorderſeite ein goldenes Kreuz und beſetzt mit einem Crueifix, zu deſſen Seiten Vaſen mit Blumen und zwei ſilberne Leuchter mit brennenden Kerzen ſtanden. Hinter dem Altar war eine weiße Altarwand, mit friſchem Grün bekleidet, worauf die Worte aus dem Sonntags⸗Evangelium ſtanden: Ho⸗ ſiana dem Sohne David's! Der Gottesdienſt begann mit dem „Kyrie, Gott Vater in Ewig— keit,“ worauf der Herr Paſtor Nordmann am Altar die Herzen zu dem Vater im Himmel hin⸗ wies, indem er ſang: „Ehre ſei Gott in der Hö⸗ he!“ welchen Zuruf die Gemeinde unter Beglei⸗ tung von Inſtrumentalmuſik der Baltimorer Gemeinde mit dem Geſang: „Allein Gott in der Höh' ſei Ehr'“ beantwortete. Darauf ſang Herr Paſtor Nordmann am Altar: „Der HErr ſei mit Euch,“ und die Gemeinde: „Und mit deinem Geiſte.“ Nach dem Abſingen der Col— lecte verlas er die Epiſtel. Auf dieſelbe folgte der Hauptgeſang, No. 44, und nach demſelben die Verleſung des Evangeliums. Darauf führ— te das Muſik⸗ und Sängerchor der Baltimorer Gemeinde ein Muſikſtückes war der erſte Theil des 96. Pſalms —ohne Zweifel zu aller Anwe⸗ ſenden Erbauung mit großer Fertigkeit auf. An dieſes Muſikſtück ſchloß ſich ſodann der Glaube. Es folgte die Predigt des Herrn Paſtor Keyl über das Sonntags⸗Evangelium. Er zeigte, daß der HErr noch immerdar einziehe in die Herzen der Menſchen mit ſeinem beſeligenden Worte und mit ſeinen heiligen Saeramenten, wenn beides im wahren Glauben angenommen würde. Wie immer, ſo oft uns dieſer theure und hochverehrte Diener des HCrrn deſſen Wort ver⸗ kündigte, ſo erhielten wir auch durch dieſe Pre— digt reiche Lehre, Rath, Troſt und Frieden. Am Schluß der Predigt nahm er, ſichtbarlich der Freude über ſein unter uns mit Gottes gnädiger Hülfe begründetes Werk ſich hingebend, Bezug auf das Einziehen des HErrn zu uns, mit deſ⸗ ſen lauterem und reinem Worte und mit den heiligen Sacrameuten. Nach der Predigt ſang das Baltimorer Sängerchor das Lied: „Macht hoch die Thür, die Thür macht weit!“ Darnach folgte die heilige Handlung der Einführung. Es trat Herr Paſtor Nordmann ſammt den Vorſte⸗ hern der Gemeinde vor den Altar, und Herr Pa⸗ wchie. Söhne und Töchter der benachbarten lutheriſchen ſtor Keyl ermahnte erſteren, ſeine Heerde mit lau⸗