# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 05 11_S158 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Am Schluſſe der Verhandlungen lud uns Herr Paſtor Löhe ein, noch einmal nach Neuendet⸗ telsau zu kommen; und da ja der Hauptzweck unſerer Reiſe war, das Band, welches unſere Synode und ihr Geſchick von Anfang an mit dieſem theuren Mann wie mit keinem zweiten in der Heimath verkettet hatte und das ſich lockern zu wollen ſchien, feſter und inniger zu ſchlingen, ſo nahmen wir die an uns ergangene Einladung mit Freuden an. Zuvor jedoch machten wir noch einen kurzen Beſuch in Erlangen, theils in Angelegen⸗ heiten des dort bereits begonnenen Drucks unſe⸗ rer Bekenninißſchrift, theils um, von den dortigen Hrn. Profeſſoren dazu aufgefordert, denſelben von demReſultate unſerer Verhandlungen in München Bericht abzuſtatten, theils endlich dazu von Herrn Dekan Bachmann veranlaßt. Letzterer nehm⸗ lich, ein treuer, inniger Freund Herrn P. Löhe's nnd deſſen Dekan, und tief ergriffen von dem drohenden Beſcheide, welchen das Oberconſiſto⸗ rium den gegen die gemiſchte Abendmahlsgemein— ſchaft in der Landeskirche Proteſtirenden gegeben hatte, beabſichtigte, die Glieder der theologiſchen Fakultät in Erlangen zu einer gemeinſamen ſchrifichen Demonſtration zu bewegen, durch welche das Oberconſiſtorium vermocht werden ſollte, der ausgeſprochenen Drohung (daß die Ein während der Zeit der Berathung über die Sache, von Paſtor Clöter Herrn Paſtor Löhe zukommender Brief hatte, ohne daß erſterer es beabſichtigen konnte, und derſelbe von dem Plane noch nichts wußte, auf jenen Platz hingelenkt. „Dort haben wir“, ſchreibt Herr P. L., „ein uns gehöriges fertiges Haus, uns gehöriges oder doch leicht noch zu erwer⸗ bendes Land zur Dotation, wohlfeiles Leben und eine An⸗ zahl von alten Freunden, denen ein Schullehrer ſeminar in ihrer Mitte lieb und werth ſein wird, zumal damit der Zweck des Pilgerhauſes richt auſgehoben wird. Dazu halten wir in Großmann, den Sie kennen lernten, einen taug⸗ lichen Mann, der unſere Achtung mit jedem Tage mehr ge⸗ wann .. ., der ſich bereit zeigte, glücklich und paßlich ver⸗ heirathet iſt, — deſſen Uberfahrt, Ausrüſtung ꝛc. uns nichts koſtet, während die neue Anſtalt durch ihn Orgel ꝛc. bekommt. Alle Umſtände bewogen, Sagina w für das neue Schul⸗ lehrer⸗Seminar zu beſtimmen. Dazu kommt noch, daß im März, April und Mai vier Schiffe von Harburg (wenigſtens ſcheint ein viertes zu Stande zu kommen) abgehen voll Leute, die von den Briefen ihrerVerwandten dorthin gezogen werden. Je mehr nun Leute in die Grafſchaft Saginaw gehen, deſto mehr werden ſolgen; je mehr die Anfangszuſtände über⸗ wunden werden, deſto mehr wird die neue Frankengemeinde locken. Wird es vollends mit unſerm kirchlichen Kamp fe nicht zu einem fröhlichen Ende kommen, ſo kann es ſtar ke Zuzüge geben. Da wird denn Pilgerhaus und Anſtalt eine Perle ſein, die immer ſchöner glänzen wird, je mehr ſich die Colonien heben; beide werden mit den Colonien einerlei Loos haben. Gedeihen die Schüler, ſo wird man ſie nicht verſchmähen, weil ſie von Saginaw kommen; und gedeiht die Anſtalt nicht, ſo iſt dort am wenigſten an Kraft und Geld ver⸗ loren. — So gehen denn Großmann mit fünf Schülern nach Saginaw ab mit beſtimmten Inſtructionen und der Weiſung für Lehrer und Schüler, ſich der Spnode von Miſſouri möglichſt innig anzuſchließen. Zugleich geht ein Verwalter (ein braver Mann, verheirathet, 50 Jahre alt) mit ab, dem Alles, was mir und meinen Brüdern gehört, übergeben wird und der mit Grozmann eine Actiengeſellſchaft ür Coloniſation begründen wird, ſo wie er alles klar ſieht. Es ſlehen dann von hier aus Tauſende bereit, wie ich ans be⸗ reits gemachten Anerbietungen erſehe. Zur Verwaltung ge⸗ hören auch Pilgerhaus (alſo das Außerliche des Semin ars), Caloniſation u. Unterſtützungegelder. — Die ganze Unterneh⸗ mung, ſo wie ſie jetzt angefangen iſt, koſtet blutwenig und hat darum auch ſchon bei Leuten Gnade gefunden, von denen ichs nicht erwartete. Bitte, ver. Br., kommen Sie der Sache freundlich entgegen.“ — 156— Proteſtirenden entweder ohne Bedingung in der Landeskirche verbleiben oder ihr Amt niederlegen müßten) keine Folge zu geben. Die deßhalb ge— pflogenen Verhandlungen, an denen wir Theil nahmen, ſo intereſſant und lebha ft ſie auch waren, hatten leider nicht den beabſichtigten Erfolg. Mit vollem Herzen und mit beredter Zunge ſchilderte hier der hochwürdige verehrte Herr Dekan die Verdienſte Herrn Paſtor Löhe's um die lu- theriſche Kirche Baierns, wie ſie kein anderer um dieſelbe babe, und die unabſehbar verderb— lichen und kläglichen Folgen, die ein Hinaus— treiben eines Löhe und vieler anderer, gerade der treueſten Diener der Kirche und Bekenner der Wahrheit, aus der bairiſchen Landeskirche haben werde, und die ſchwere Schuld, womit ein Jeder, der dies Unglück abwenden könne, und unthätig bleibe, ſich belaſte. Alle Verſuche jedoch, die Herren Profeſſoren für ein gemeinſames Ein— ſchreiten zu Gunſten Herrn Paſtor Löhe's und ſeiner Gleichgeſinnten zu gewinnen, ſcheiterten inſonderheit an dem entſchiedenen Entgegentre⸗ ten Herrn Profeſſors Höfling, aus deſſen jetziger Ausſprache hervorging, daß derſelbe zwar an der Lehre der lutheriſchen Kirche des 16. und 17. Jahrhunderts ſtreng feſtgehalten, aber die von der Kirche dieſer Zeit feſtgehaltene Praxis inſonderheit in Betreff des Abendmahlgenuſſes, nicht gebilligt wiſſen wollte. Mit Ausnahme des Herrn Profeſſors Dr. Delitzſch und Rudolph von Raumer, welcher letztere auch gegenwärtig war, und des Herrn Pfarrers Lehmus aus Fürth, der den Dekan nach Er— langen begleitet hatte und demſelben beiſtimmte, billigten die Herren Profeſſoren ſämmtlich mehr oder minder das Verfahren des Oberconſiſto⸗ riums, indem ſie erklärten, daß dasſelbe eine Sonderſtellung in der Landeskirche, wie ſie Herr Paſtor Löhe und ſeine Freunde vermöge ihrer Forderung in Anſpruch nähmen, nicht zulaſſen könnte, ohne ſich ſelbſt außzugeben und die Lan— deskirche, welche gegenwärtig in einem natür— lichen Läuterungsprozeß begriffen ſei, ihrer Auf⸗ löſung entgegenzuführen. Herr Prof.Delitzſch hingegen erklärte feierlich, daß, wenn es wirk— lich nicht möglich ſei, eine ſolche Sonderſtel⸗ lung in der bairiſchen Landeskirche einzunehmen, welche ja allein das Gewiſſen eines treuen Lu— theraners ſolvire, auch er damit nothwendig hin— ansgedrängt werde. Herr Prof. von Raumer erklärte ſich nun zwar nicht völlig mit den Grund— ſätzen und der Handlungsweiſe Herrn P. Löhe's einverſtanden, entwarf aber, auf Preußen hin⸗ weiſend, ein warnendes lebendiges Bild von dem, was zu erwarten ſtehe, wenn Männer, wie P. Löhe, P. Wucherer ꝛc., als Leute behandelt würden, die wegen ihrer anerkannt ſtreng luthe⸗ riſchen Grundſätze in der bairiſch-lutheriſchen Kirche keine Herberge mehr finden könnten; es werde dies für Tauſende *) das Signal werden *) In Baiern herrſcht das Vicariatsſyſtem; junge Can⸗ didaten kommen nehmlich in der Regel nicht ſogleich ins Amt als ſtändige Prediger, ſondern müſſen meiſt erſt während einer längeren Reihe von Jahren als Vicare an den vakanten Gemeinden oder an der Seite invalider Prediger dienen. Dies erzeugt natürich in mancher Beziehung um ſo größere zum Austritt, ein großes Schisma werde dit unvermeidliche Folge und endlich nur durch Ver⸗ folgungen, Einkerkerungen ꝛc. dem Weiterumſich⸗ greifen der Bewegung, jedoch nur ſcheinbar, zu ſteuern ſein. Das Ende war, daß Herr Dekan Bachmann, der einen ähnlichen vergeblichen Verſuch bei den Pfarrern zu Nürnberg gemacht, ſich entſchloß, die Sache nun allein auf ſeine Schultern zu nehmen und ſich mit ſämmtlichen Pfarrern ſeines Capitels zu vereinigen, dem ſchreiben Vorſtellung zu thun und dasſelbe zu beſchwören, in dieſer Sache nicht das gedrohete geſchehen. Unſer Bericht von dem ungünſtigen Ausgang unſerer Miſſion in München machte natürlich hier einen ebenſo ungünſtigen Eindruck. Wir ſchieden, wie es uns erſchien, beiderſeits mit dem Wunſche, daß auch das Vorhandene nicht zwi— von meinem theuren alten Freunde, Herrn Prof. Dr. Delitzſch, den ich jetzt in einem Kampfe ſah, welcher freilich mehr ſagen will, als eine wiſſenſchaftliche Fehde, und der auch dem ge— lehrteſten deutſchen Profeſſor, ſo er ein Chriſt manche Thränen und Seufzer auspreſſen muß. Gott wolle ihn zu einem neuen Jacob Andreä für die bayriſch-lutheriſche Kirche machen, der einſt auf eine ſo bewunderungswürdige Weiſe mit ſeinen bis an den Tod fortgeſetzten ireniſchen Beſtrebungen die unbeſtechlichſte Treue gegen die Wahrheit und gegen ſeine Kirche verband und auf dieſem Wege eine Wirkſamkeit für das Wohl der Kirche entwickelt hat, ſo geſegnet, wie Weniger, von denen uns die Geſchichte der lu— theriſchen Kirche berichtet. So kehrten wir denn Sonnabends den 22. November noch einmal nach Neuendet⸗ telsau zurück, wo wir nun bis zum 27. deſſ. M. verblieben. Es würde uns zu weit führen, alles das Einzelne hier aufzuführen, was uns dieſen längeren Aufenthalt ebenſo ge— winnreich, wie genußreich gemacht hat. Wir erwähnen erſtlich nur, daß uns durch den in dieſe Tage fallenden Sonntag und Wochenpre⸗ digttag noch einmal Gelegenheit wurde, den mit ſeltenſter geiſtl. Beredtſamkeit begabten Mann wiederholt das Wort Gottes öffentlich ſeiner Ge⸗ übelſtände, je häufiger ſelbſt weniger contracte Prediger von der Freiheit, ſich einen Vicar zu halten, Gebrauch machen und Varanzen um dieſer leicht zu erlangenden Aushülfe wil⸗ len über die Gebühr verlängert werden. Gerade aber was Herrn Paſtor Löhe betrifft, ſo hat dieſe Einrichtung einen großen Segen gehabt. Derſelbe iſt nehnilich in Folge derſel⸗ ben auch eine längere Reihe von Jahren in den verſchieden⸗ ſten Gemeinden und Gegenden Baierns Vicar geweſen, hier und überall ſind durch ſeinen Dienſt weitverbreitete Erweckun⸗ gen geſtiftet worden; hier überall finden ſich geiſiliche Kinder dieſes geiſtlichen Vaters oder doch ſolche, die in den von ihm ausgegangenen Erweckungsſtrom hineingezogen worden ſind; hier überall giebt es daher auch erweckte Chriſten, die dit Schritte Herrn Paſlor Löhe's mit Aufmerkſamkeit verſolgen, die auf ihn als ihren Vorgänger mit vollem Vertrauen ſehen und die daher allerdings ſeinen einfachen Austritt aus der Landeskirche als ein Zeichen zum Aufbruch auch für ſie an⸗ ſehen würden. Oberconſiſtorium in einem officiellen Geſammt⸗ Rußerſte eintreten zu laſſen. Das iſt denn auch ſchen uns liegen möchte, und mit Wehmuth. Inſonderheit ſchmerzlich war mir der Abſchied! iſt, wie denn dieſer theure Mann es iſt, wohl