# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 05 11_S156 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Landesſitte bei gutem bayriſchen Biere und ziemlicher Abendmahlzeit, dem Anſcheine nach als täglicher Gaſt, in plaudernder Geſellſchaft von Amts⸗ und Fanilienſorgen behaglich feierte; wes Glaubens aber der geiſtliche Herr war, ha— ben wir nicht entdecken können. Am andern Morgen fuhren wir in einem ge⸗ mietheten Wagen nach dem etwa 5 Stunden Weges von Gunzenhauſen entfernten Neuen⸗ dettelsau. Hier kam es, wie der Leſer er— warten wird, bald wieder zu einem lebendigen gegenſeitigen Austauſch über die mehrerwähnten Controversgegenſtände. Wir können es nun freilich nicht verhehlen, daß die mündlichen Ver— handlungen auch bei dieſer Zuſammenkunft keine in allen einzelnen Lehrpunkten völlige Einhellig— keit zu ihrem Ergebniſſe hatten. Inſonderheit ſtellte es ſich heraus, daß zwiſchen uns eine für jetzt nicht zu hebende Differenz in Betreff der Lehre von der Ordination ſtatt finde. Während wir nehmlich feſthielten, daß die Or— dination im engeren Sinne) nicht göttli— licher Einſetzung und eine, wenn auch noch ſo ehrwürdige u. heilſame, doch nnurea po-⸗ ſtoliſche kirchliche Ordnung zu öffentlicher fei— erlicher Beſtätigung der Vocation mit Gebet u. Handauflegung ſei; ſo erklärte hingegen Herr Paſtor Löhe, die Ueberzeugung nicht aufgeben zu können, daß die Ordination eine göttliche Ordnung und mehr, als eine bloße Beſtätigung des erhaltenen Berufes zum Predigtamte, ſei. Da aber wir auf unſerer Seite Herrn Paſtor Löhe bezeugen konnten, wie hoch und heilig uns dennoch die Handlung der Ordination ſtehe und wie ſehr wir den Leichtſinn und Frevel der— jenigen verabſcheuen, die, obwohl ſie die Ordi— nation hätten nachſuchen können, aus ir— gend welchen unlauteren Gründen ohne dieſe feierliche Weihe zum heiligen Amte die hochhei— ligen Funktionen deſſelben zu übernehmen ſich unterwinden; und da wir natürlich auch dieß gern zugeſtanden, daß das zur Ordinations— handlung gehörige Gebet, ſo es im Glauben und gegründet auf die dem heiligen Predigtamte gegebenen beſonderen herrlichen Verheißungen zu Gott geſendet wird, gewiß nicht unerhört bleibe, ſondern ohne Zweifel mit der Ausgieß— ung der nöthigen Amtsgaben ꝛc. gekrönt wer⸗ de; — da hingegen ferner Herr Paſtor Löhe auf ſeiner Seite als ſeine Ueberzeugung aus⸗ ſprach, daß alle Rechte und Herrlichkeiten, wel⸗ che Chriſtus erworben, urſprünglich nicht irgend einem Stande, ſondern der Gemeinde der Gläu⸗ bigen und Heiligen, der gerechtfertigten Kinder Gottes gehöre; — da endlich, wie wir es Herrn Paſtor Löhe zugeſtehen mußten, daß einzelne Theologen innerhalb unſerer Kirche und inſonderheit einige Kirchenordnungen mit ihm über die Ordination gleiche Rede führten, ſo Herr Paſtor Löhſe es uns zugeſtand, daß gerade die ausgezeichnetſten lutheriſchen Dog— 7) Denn daß die Ordination im weiteren Sinne, nehmlich die Ordnung des Predigtamtes ſelbiu (in welchem metonymiſchen Sinne die Handauflegung unter Anveren die Apologie braucht) göttlicher Einſetzung ſei, leugnen wir nicht nur nicht, ſondern halten wir auch als ein Kleinod unſeres allerheiligſten Glaubens von ganzem Herzen feſt. — 154— matiker auf unſerer Seite ſtehen und den von uns vertretenen Lehrtypus in dem genannten Punkte aufgeſtellt haben: ſo konnte es nicht feh— len, die noch vorhandene Differenz durften und konnten wir beiderſeits für kein Hinderniß anſe— hen, daß wir uns nicht trotz derſelben die Bru— derhand reichen und noch ferner gemeinſchaftlich das Werk des Herrn treiben ſollten. Wir müſ⸗ ſen überhaupt bekennen, wenn man auch bei ge— wiſſen Auseinanderſetzungen Herrn Paſtor Lö— he's in ſeinen Druckſchriſten, wo er von der! Kirche ſpricht, wie ſie geſtaltet ſein ſollte, zuwei— len ſtutzig wird und wohl auf die Gedanken kommen mag, als ob denſelben bedenkliche Prin⸗ cipien zu Grunde liegen: hört man den vortreff— lichen Mann ſelbſt, nicht nur wenn er an heili— ger Stätte mit glühender Beredtſamkeit alles mit ſich fortreißt, ſondern auch wenn er im Pri- vatgeſpräch in ſchlichter Rede ſeines Herzens Grund aufthut; lernt man überhaupt den Mann voll der edelſten Einfalt, Wahrheit, Milde und Demuth mit jener Hochhaltung jedes Kindes Gottes und jedes Guten, was er und wo er es findet, näher kennen: da ſchwinden alsbald alle Bedenken und man muß es ſich ſagen: hier iſt kein Hauch von Prieſterſtolz zu erblicken, hier iſt jene Demuth, die ſich ſelbſt vergißt und nur der Kirche, der „werthen Magd,“ und ih— res Blutbräutigams gedenkt, hier herrſcht Chri— ſti Geiſt, hier ſchlägt ein treues lutheriſches Herz. So ſchieden wir denn auch diesmal im Frieden und in der feſten Ueberzeugung, daß es dem Teufel doch nicht gelingen ſolle und werde, etwas zwiſchen uns und dieſes theure Werkzeug Gottes zu werfen, das uns gegenſeitig von ein— ander trennen und den Segen des Verbunden⸗ ſeins in Glaube und Liebe vernichten könnte. Am 15. November kehrten wir nach Nürn— berg zurück. Noch immer nehmlich hatten wir, inſonderheit wegen der in Erlangen nothwendig zu vollendenden Arbeit, keine Zeit gefunden, ei— ne Anſtalt, die ſich in Nürnberg befindet und dir uns ſo nahe angeht, genauer in Augenſchein zu nehmen; und das ſollte nun endlich geſchehen. Es iſt dies die dort unter Leitung des Herrn Katecheten Friedrich Bauer beſtehende, ſo benannte Miſſſions vorbereitungs⸗ Anſtalt. Als nehmlich im Jahr 1846 das hieſige Predigerſeminar zu Fort Wayne faſt aus⸗ ſchließlich aus Mitteln, die die Liebe der Brüder in Deutſchland unter Anregung und treuthäti⸗ ger Vermittelung Herrn Paſtor Löhe's darreich— te, und durch den Eintritt einiger eben daher ge— ſendeter Studenten ins Leben gerufen wurde, ſo gründete ein Kreis von gleichgeſinnten Candida— ten zu Nürnberg zugleich eine Vorbereitungsan⸗ ſtalt zunächſt für jenes Seminar, da vorauszu— ſehen war, daß letzteres wohl längere Zeit ſich mit wenigen Ausnahmen alleinig durch Zöglin⸗ ge aus der alten Heimath ergänzen werde. Hierzu kam, daß immer mehr Jünglinge drüben ihr Verlangen äußerten, in das hier errichtete Seminar aufgenommen zu werden, die man un⸗ geprüft nicht über das Meer zu ſenden wagte. „Was daher die Hauptaufgabe der Vorberei⸗ tungsanſtalt betrifft, ſo gilt es hier,“ wie ſich 7 der Vorſtand derſelben in einem früheren Nh⸗, resbericht ſelbſt ausdrückt, „unterrichtend zu prüfen undprüfend zu unterrich ten. Sie betrachtet zunächſt ihre Aufgabe alh gelöſt, wenn die möglichſt ſichere Ueberzeugung gewonnen iſt, daß die Glaubensrichtung, der Charakter, die Bildungsfähigkeit und die nöthi— gen Lehrgaben bei einem Jüngling vorhanden ſeien, welche ihm zu ſeinem künftigen hohen Be⸗ ruf unerläßlich ſind (Tim. 3, 1.) Da ſich jedoch eine Sicherheit des Urtheils nur durch längeren und genaueren Umgang und durch eingehenden Unterricht namentlich in theologiſchen Gegen⸗4 ſtänden gewinnen läßt, an dem die vorhandenen Kräfte gemeſſen werden können: ſo wird die Rrü⸗ fungszeit zu einer Lehrzeit benutzt, dazu nehm— lich, in den wichtigſten theologiſchen Kenntniſ⸗ ſen, ſo wie in allgemeinen Kenntniſſen und Fer⸗ tigkeiten Grund zu legen, ſie weiter auszubilden und zur praktiſchen Ausübung des künftigen Berufes Anleitung und Gelegenheit zu geben Die Erforderniſſe zur Aufnahme ſind: nicht mi— telmäßige, ſondern ſehr gute Begabung im al⸗ E gemeinen und für den geiſtlichen Beruf insbe⸗ ſondere; gute Schulbildung, namentlich Richtih⸗& keit und Gewandtheit in der mündlichen und ſchriftlichen Ausdrucksweiſe; eine in der Schule der Erfahrung ſchon gereifte chriſtliche Erkenn- niß und aufrichtiges Zugethanſein zum lutheri— ſchen Bekenntniß; rechter Ernſt in der Heiligung des Lebens und Wandels; ein gutes Gerücht ! und empfehlende Zeugniſſe. Außerdem: eine gute Geſundheit, Befreitſein von bindenden Pflichten, Einwilligung der Eltern, ꝛc.“ Die Anſtalt hat einestheils eine ſelbſtſtändige Stol⸗ lung, anderntheils iſt ſie als der im Jahre 18409 gebildeten „Geſellſchaft für innere Miſſion im Sinne der lutheriſchen Kirche“ weſentlich zugehörig zu betrachten. Dies beweiſt ſich dadurch, daß Unterrichtsplan, Haus- und Lebensordnung von den „Obmän⸗ nern“ gut geheißen werden müſſen und die Aus⸗ ſendung von Zöglingen erſt nach der von ihnen erfolgten Zuſtimmung geſchehen kann. Un— ſcheinbaren Urſprungs iſt die Anſtalt in der Stille gewachſen zugleich mit ihrer nordamerika⸗ niſchen Zwillingsſchweſter, der ſie in freier Liebe dient und mit der ſie auf's innigſte verwachſen zu einem Ganzen verbunden iſt —„gleichſam,“ wir es in jenem Berichte heißt, „ein Baum mit dop⸗ pelter Wurzel, einer im alten heimathlichen Bo⸗ den und der andere überm Weltmeer, doch alſo, daß Schatten und Früchte den geiſtlich verlaſſe⸗ nen Glaubensbrüdern und Stammesgenoſſen in Amerika zu gute kommen.“ Bis zum Schluſſe des Jahres 1849 hatten bereits 46 Zöglinge in der Anſtalt Unterricht erhalten, davon bis dahin ſchon 18 (nach Fort Wayne) ausgeſendet wor⸗ den. Eine weſentliche Veränderung iſt in dem letztgenannten Jahre mit der Anſtalt dadurch vorgegangen, daß der erſte Vorſteher derſelben, Herr Katechet Bauer, durch freiwillige Nieder⸗ legung des von ihm vormals bekleideten Amtes als Lehrer an der Kreis-Landwirthſchafts- und Gewerbſchule zu Nürnberg in die Lage geſett wurde, ſich ausſchließlich den Zwecken der A⸗