# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 01_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 20 störbare Grundlage hat in der vernünftigen Menschennatur", die erhabenen Gedanken von einem unbekannten, stummen, stillen Gott und dem Grauen einer unenthüllten Ewigkeit. Tröstliche Lehre! Wie ganz geeignet, den Menschen über seine sich vorgesetzte Bestimmung, hier sich einzuwühlen in den Staub vergänglicher Güter, aufzuklären. — Doch damit dieses nicht geschehe, damit wir wider allen Menschenwahn, wider Trug und Zweifel, ein festes, gleich einem Licht am dunkeln Orte scheinendes, geschriebenes Wort Gottes (Petr. II. 1, 19.) besäßen, hat der nicht bloß lebendige, sondern auch persönliche Geist JEsu Christi etlichen vorerwählten Zeugen, die mit Christo gegessen und getrunken hatten, nachdem er auferstanden war von den Todten (Apostg. 10, 41.), einen lebendigmachenden Buchstaben der Schrift, wie vormals den Propheten des alten Bundes (Petr. I. 1, 11. II. 1, 21.) eingegeben, der uns die Gnadenlehre des Evangeliums, das den Geist des Glaubens zur Seligkeit gibt, ebenso wie den Buchstaben des tödtenden d. i. verdammenden Gesetzes (Cor. II. 3, 6 fg.) unverfälscht bewahren sollte.*) *) Man vergleiche außer Mos. II. 17, 14. 21, 4. 34, 27. IV. 33, 2. V. 31, 24 fgg. Jos. 24, 26. Kön. II. 22. Jerem. 30, 2. Offenb. 1, 3.19. ıc., besonders Jesaias 34, 16. Luc. 1, 1—4. 16, 29. Joh. 5, 39. 20, 31. 21, 24. Apgesch. 17, 11. Röm. 15, 4. Cor. I, 4, 6. Phil. 3, 1. Thess. II, 2, 2. 3, 17. Tim. II. 3, 15—17. Petr. II, 1, 16 fgg. Joh. 1, 1—4. Für Gelehrte handelt diesen Gegenstand ganz eigenthümlich ab der unübertreffliche Chemnitz im Anf. seines exam. concil. Trident. Welch ein Werk, 12 Männer von der niedrigsten Herkunft, schüchterne, ungebildete Leute, führten durch ihr mündliches und schriftliches Wort eine geistige Revolution über den ganzen Erdkreis herbei! Welche Beweisung des Geistes und der Kraft für die Wahrheit der Auferstehung JEsu Christi! Glaube du nicht, mein lieber Christ der groben Lüge, als sei es mit dem Abschreiben und Sammlung der heiligen Schriften so unordentlich und betrügerisch zugegangen, und so spät die letztere fertig geworden. Es kann zwar der Abschluß derselben, die mit seltener Treue und Sorgfalt durch Gottes gnädige Aufsicht wider aller Feinde List und Gewalt und der Ketzer Verfälschung erhalten wurden, gleich dem der Bücher des Alten Testaments, weder einer bestimmten Person, noch einem bestimmten Jahre zugeeignet werden; (den Anfang machte der Apostel Johannes mit den 4 Evangelien, welche Irenäus eine Säule und Grundveste unseres Glaubens nennt:) sondern er ging nach und nach unter der Leitung des unsichtbaren Hauptes und seines waltenden Geistes aus der Zeit und ihren Umständen selbst hervor, bis die Kirche ihre Uebereinstimmung öffentlich bekannte; wer aber aus den deutlichen und überflüssigen Merkmalen die Göttlichkeit der Schriften selbst glaubt, wird auch nimmermehr die bestimmte Abschließung und göttliche Obhut derselben bezweifeln, da eine zuverlässige Ueberlieferung der Geschichte uns belehrt, daß sie schon zu Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. von allen andern (menschlichen, wohl gar unnützen und untergeschobenen) als eine untrügliche Richtschnur im Glauben und Leben (Kanon †) abgesondert waren. (Schluß folgt.) †) Für das kanonische Ansehen der Schriften A. T. beweist als geschichtlich glaubwürdige Nachricht außer Jes. Sirach C. 48. 49. bes. V. 12. (um d. J. 234 v. Chr.), und ohne jetzt auf die Anführungen Christi und der Apostel im N. T. Rücksicht zu nehmen, die wichtige Beschreibung bei Josephus wider Aplon I. 3., welche bei Eusebius Kirchengsch. III, 10 sich wieder findet, und worin es, nachdem er die sämmtlichen kanonischen Bücher des A. T. aufgezählt hat (22, wenn das Buch Ruth zum Buch der Richter und die Klaglieder Jeremiä zu seinen Weissagungen gerechnet werden — vergl. die catalogos des Melito bei Euseb. IV, 25), genau übersetzt, also weiter heißt: Von dem Artaxerxes an (d. i. Artaxerxes Memnon, unter welchem persischen Könige der letzte Prophet Maleachi weissagte) bis auf unsere Zeit ist zwar Alles auch aufgeschrieben, es wird denselben Schriften aber nicht die Glaubwürdigkeit beigelegt, welche man den vorigen zueignet, weil da nicht mehr die genaue Prophetenfolge Statt findet. Aus der That selbst ist offenbar, wie hoch wir unsere Bücher halten; denn obgleich bereits ein so großer Zeitraum verflossen ist, so hat es doch noch Niemand gewagt, etwas hinzu oder davon zu thun oder etwas zu verändern. (Vgl. Mos. V. 4, 2. 12, 32. Sprüchw. 30, 6. Offenb. 22, 18 fg.) Allen Juden aber ist es sogleich von ihrer ersten Geburt an eingepflanzt, sie als Gottes Satzungen anzunehmen, standhaft dabei zu verbleiben und, wenn es nöthig wäre, gern dafür zu sterben.“ (Man vergleiche damit den Ausspruch St. Pauli Röm. 3, 2. 9, 4. Hebr. 11, 32 fg. Die Geschichte der Makkabäer.) Für den neutestamentlichen Kanon (d. h. eben das Verzeichniß der als göttliche empfangenen und aufgenommenen Bücher) außer Irenäus, Bischof zu Lyon † um 202 n. Chr., (wider die ketzerischen Parteien III. 1, 11 fg., wo der meisten heiligen Schriftsteller N. T. Erwähnung geschieht,) und Tertullian, afrik. Presbyter † 220 (in seiner Widerlegung der Ketzer, wo er sich auf die noch vorhandenen Originalschriften beruft, und gegen Marcion IV. und V., wo er eines evangelischen und apostolischen Kanons, nach dessen Muster Marcion den seinigen formirt habe, also schon vor d. J. 127 n. Chr., mit deutlichen Worten gedenkt,) besonders Eusebius (†340) in seiner Kgsch. III. 24, 25., womit jedoch der Katalogos des Origenes († 250) in Homil. VII. über Josua, (auch Eusebius VI., 25.) und des Athanasius (†372) in Ep. 39., u. a. m. zu vergleichen sind. Welche Hauptzeugnisse durch die Uebereinstimmung des ganzen (jüdischen und) christlichen Alterthums und die Aufführungen der einzelnen Bücher und ihres Textes bei Kirchenvätern von den ersten Zeiten an und die allgemeinen Uebersetzungen so unerschütterlich dastehen, daß selbst Celsus und Porphyrius nur den Inhalt, keineswegs aber die Echtheit der heiligen Bücher zu verdächtigen suchen. — Sollten sie aber wirklich, was lächerlich ist zu denken, nichts weiter, als eigentlich sogenannte Apokryphen und unter falschen Namen erdichtete Bücher sein, (denn die Apokryphen in unsern Bibelausgaben sind nicht erlogenen, obschon auch nicht göttlichen Ursprungs, weßhalb sie in der alten Kirche libri ecclesiastici hießen:) dann müßten noch vielmehr die Schriften der Kirchenväter, der Häretiker, die ihrer gleiche Meldung thun, der Unchristen, welche ihrer spotten, ja alle Werke des Heiden- und Judenthums dasselbe sein. Die Propheten des A. T. ließen ihre Weissagungen öffentlich anschlagen, damit sie allen bekannt werden möchten, (vgl. Habak. 2, 2.) und nach Verlauf einiger Tage wurden sie von den Priestern hinweggenommen und in das Tempelarchiv gelegt, indem diese sie für die Nachkommenschaft oft wider ihren Willen aufbewahren mußten, (s. Calvin's Vorrede über Jesaias.) Wie durfte da ein Betrug unterlaufen vor den Augen eines ganzen Volkes, unter welches so unzählige Abschriften späterhin auch im Auslande verbreitet waren? Und zwischen dem Tod der Apostel und der öffentlichen Bekanntmachung der neutestamentl. Schriften ist so wenig Zeit verflossen, daß auch hier an Täuschung nicht zu denken, ein Betrug rein unmöglich ist. Seitdem nun aber der heilige Kanon festgestellt worden ist, gilt keine Berufung mehr auf neue Offenbarungen (Pf. 19, 8 fg. Joh. 8, 31 fg. 36. Galat. 1, 8 fg. Hebr. 1, 1. 2., denn wer die Apostel höret, der höret Christum selbst, Luc. 10, 16.,) noch auf mündliche Satzungen (s. die nächst vorhergehende Anm.) — wie die Enthusiasten und die sectirerischen Vertheidiger der römischen Traditionen wollen. Frucht sündlicher Menschengefälligkeit. Als Kaiser Carl V., der nach Luthers Tode die Lutheraner wieder mit den Papisten vereinigen wollte, einst nach Augsburg kam, machte des Kaisers Canzler, Dr. Soldius, dem Hauptpastor zu Augsburg, Caspar Huberinus, den Antrag, zwar nach dem Styl und der Weise der Lutheraner zu predigen, aber doch in Gegenwart der kaiserlichen Hofleute nicht gegen den Pabst zu reden und sich überhaupt des Wortes „Papisten“ auf der Kanzel während des Kaisers Anwesenheit in der Stadt zu enthalten. Huberinus, der sonst ein treuer Lehrer des reinen Evangeliums war, ließ sich auch durch den genannten Soldius, der sein Schwager war, dazu bewegen, die Bestrafung der falschen Lehre eine Zeitlang einzustellen. Doch was geschah? Nicht lange darauf wachte dem armen Huberinus sein Gewissen auf; er erkannte mit Schrecken, daß er die Wahrheit verleugnet habe, und gerieth in große Seelenangst; kein Trost wollte mehr helfen; er verzweifelte und fuhr endlich mit Ach und Wehe dahin. — O daß sich durch dieses Beispiel mancher Prediger unserer Tage warnen lassen möchte, der aus falscher Friedensliebe keinen Irrthum strafen will und so der Menschen Ehre höher achtet, als Gottes Ehre. Schreckliches Testament. Dillher erzählt in seinem „Weg des Lebens“ Folgendes: Ein Kaufmann, der vorher eine Profession getrieben hatte, wurde todkrank. Er ließ einen Notarius nebst Zeugen holen, sein Testament zu machen, hub aber also an: Vorerst vermache ich meinen Leib und meine Seele dem Teufel und allen höllischen Geistern zu ewiger Qual und Pein. Erschrocken hörte die Gattin des Sterbenden diese Rede und fragte, um ihn abzulenken, wie er's mit ihr gehalten wissen wolle. Du sollst, sprach aber derselbe, mit mir im höllischen Feuer brennen, denn du bist Ursach gewesen, daß ich um Geld und Guts willen dem Teufel gedienet habe; ich konnte nimmer Prachts genug schaffen, mußte deswegen mein Handwerk aufgeben und ein Kaufmann werden, die Leute übersetzen, lügen und trügen; darum sollst und mußt du's nicht besser haben, denn ich, und mußt ewig mit mir brennen. Bezahlt: Den 1. Jahrg. Hr. Bücher. Die erste Hälfte des 2. Jahrgangs die Hrn. Alt, Leibrock. Den 2. Jahrgang Hr. Succop. Erh. von Hrn. Stock $6,19. Der „Lutheraner“ ist stets zu haben in der Wohnung des Herumträgers, Hrn. Gräbers (südliche fünfte Straße, der Oelmühle gegenüber), ferner bei Hrn. Quast (Olive-Straße, zwischen der zweiten und dritten, unterhalb des Theaters) und bei dem Herausgeber. Gedruckt bei Weber und Olshausen.