# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 04 27_S140 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Leſer, die Ihr die Wohlfahrt der Kirche auf Eurem Herzen traget, durch das mitgetheilte Zeugniß erwecken, wenn Ihr mit Bitten und Flehen für unſere heilige Kirche vor Gott tretet, auch dieſer Schaar von Jünglingen zu gedenken, die ſich von Chriſto haben anwerben laſſen, um in den großen heißen Kämpfen dieſer letzten be— trübten Zeit die Fahne ſeines reinen Wortes vorauszutragen. — Doch wir gehen weiter. Unſer Aufenthalt in Erlangen verlängerte ſich unter Anderem auch darum um ſo Vieles, weil wir zu dieſer Zeit auch von anderen Orten her wiederholt die freundlichſten Einladungen erhielten, welche dankbar anzunehmen wir nicht umhin konnten. Erſtlich nehmlich waren es die gläubigen luthe— riſchen Stadtprediger zu Nürnberg, die uns mehrmals veranlaßten, in ihrer Mitte zu erſchei— nen, namentlich die Herren Paſtoren Pürk— hauer, Reuther, Vorbrugg, Heller, Steger, Friedlein, Merkel, Diet⸗ zel und Rüdel, mit denen wir aber zu ver— ſchiedenen Malen noch außerdem eine ganze Schaar gleichgeſinnter gläubiger Prediger aus der Umgegend verſammelt fanden. Wir wur⸗ den aufgefordert, über unſere hieſigen kirchlichen Zuſtände genauen Bericht abzuſtatten, und man vernahm denſelben mit der lebhafteſten Theil— nahme. Es kam hierbei natürlich auch die vor einigen Jahren eingetretene Störung des brü— derlichen Verhältniſſes unſerer Synode zu dem bairiſchen Central-Miſſions-Verein zur Spra— che, deſſen Ausſchuß bekanntlich in Nürnberg ſeinen Sitz hat. Mit großer Freude vernahmen wir hier, daß alle nöthigen Schritte gethan ſei— en, dieſen Verein, der als eine von der Re— gierung geſtiftete und abhängige Anſtalt aller⸗ dings anfänglich einen unentſchiedenen Charak⸗ ter hatte und aus ſehr heterogenen Cungleichar— tigen) Beſtandtheilen zuſammengeſetzt war, auf eine reinkirchliche Grundlage zu ſtellen, ja, daß dieß thatſächlich ſchon geſchehen ſei und es nur noch der bereits höheren Orts nachgeſuchten und demnächſt zu erwartenden Genehmigung und Beſtätigung bedürfe. Je mehr wir uns jedoch freuten, hier einen ſo zahlreichen Kreis gläubiger lutheriſcher Kirchendiener zu finden, um ſo weher mußte es uns thun, zu erfahren, daß auch zwiſchen dieſen theuren Männern und Herrn Paſtor Löhe kein inniges Einverſtändniß ſtatt fand, daß vielmehr die erſteren des letzteren jüngſt gethane Schritte in Betreff der Reforma⸗ tion der bairiſchen Landeskirche nicht durchaus gutheißen wollten, obwohl ſie ſämmtlich die Nothwendigkeit, daß z. B. die gemiſchte Abend⸗ mahlsgemeinſchaft und die ſonſt hie und da eingeſchlichene unirte Praris abgethan würde, anerkannten; ſie waren aber insgeſammt der Meinung, daß, da ſchon ſo viele Uebelſtände nach und nach mit dem wiederkehrenden Glau⸗ ben theils von ſelbſt gefallen, theils durch die kirchlichen Oberbehörden abgeſtellt worden ſeien, man den angefangenen ruhigen und natürli⸗ chen Entwickelungsgang durch herausfordernde Schritte nicht ſtören ſollte. Paſtor Wyneken erhielt die Aufforderung, in Nürnberg das Wort — 138— Gottes auch einmal öffentlich zu verkündigen, welcher derſelbe natürlich auch willig entſprach. Unerwähnt kann ich hier nicht laſſen, daß wir in Nürnberg auch ſonſt in mehreren chriſt— lichen Familien eine beſchämende Liebe genoſſen, inſonderheit in denen der Herren Zeltner, Fabricius, Dr. Beck, Fleiſchmann. Auf Herrn Katechet Bauer beabſichtige ich in der nächſten Nummer zurückzukommen, wo ich deſſelben mit Mehrerem gedenken werde. Ein zweiter Ort, wo wir während der Zeit unſeres Aufenthaltes in Erlangen wiederholt Beſuche abſtatteten, war Fürth, wo wir in dem Hauſe des treuen vortrefflichen Paſtors Stirner (nächſt Herrn Katechet Bauer Mitherausgeber des „Correſpondenzblattes der Geſellſchaft für innere Miſſion im Sinne der luth. Kirche“) die freundlichſte brüderliche Auf— nahme fanden und köſtliche Stunden verlebten. Hier nahmen wir auch Gelegenheit, die daſigen anderen gläubigen Herren Paſtoren, Krau ß⸗ old und Lehmus, zu beſuchen, die uns ebenfalls mit brüderlicher Liebe entgegen kamen. Von Herrn Paſtor Stirner dazu aufgefordert, legte ich hier öffentlich in der Stadtkirche vor einer ebenſo zahlreichen als aufmerkſamen Zu— hörerſchaft ein Bekenntniß unſeres Glaubens ab. (Fortſetzung folgt.) (Eingeſandt.) Ueber den letzten Bericht der deutſchen ev. luth. Synode von Pennſylvanien. *) Leider finden ſich auch in dieſem neueſten Be— richt wieder eine Menge Beweiſe für den oft er⸗ hobenen aber immer unbeachtet und unwider— legt gebliebenen Vorwurf, daß dieſe Synode in Lehre und Praxis ihrem Bekenntniß zu der un— veränderten Augsburgiſchen Confeſſion ganz un⸗ verkennbar widerſpreche; denn wie der Baum aus der Frucht, ſo wird die Lehre aus der Praris erkannt. So gewiß nun z. B. ein Menſch, der da flucht und ſchwört, unmöglich den Namen Gottes im Herzen heiligen, oder wer ſeinen Nächſten betrügt und übervortheilt, ein Freund der Gerechtigkeit ſein kann; eben ſo gewiß kön— nen diejenigen nicht bei der Lehre der heil. Schrift und der Augsburg. Confeſſion bleiben, welche in Worten Etwas billigen oder in Werken an Et⸗ was Theil nehmen, was dieſer Lehre geradezu zuwider iſt. ö Vor allem ſteht die Pennſylv. Synode hinſicht⸗ ſichtlich ihres „brüderlichen“ Verhältniſſes zu den Reformirten, Unirten, Methodiſten und Herrnhuthern in offenbarem Wider— ſpruche mit der heil. Schrift. So ermahnt z. B. St. Paulus alle Chriſten 2 Corinth. 6, 14. 17: „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Un— gläubigen; gehet aus von ihnen und ſondert euch ab.“ Wenn das Werk, das die Reformir⸗ *) Leider erſcheint dieſer Aufſatz, der ſchon längere Zeit vor der Zurickkunft des Redalteurs eingeſandt war, erſt in dieſer Nummer. Die lieben Leſer wollen ſammt dem Herrn Ein ſender dieſe Verſpätung mit den Umſtänden eutſchuldi⸗ gen, die eine ſolche Unordnung leicht herbeiführen konnten. R. ten treiben, dasſelbe iſt, was wir treiben, und kein fremdes: warum nehmen wir nicht auch den Namen, reformirt, an, oder warum nennen ſich die Reformirten nicht lutheriſch; „Fremd“ aber heißt bekanntlich das, was nicht zu uns ge— hört, wie vieſer Begriff (fremdes Joch) durch das folgende Wort „ungläubig“ näher beſtimmz wird. Allein unter den Ungläubigen ſind nichi blos ſolche Leute zu verſtehen, die gar keinen Glau⸗ ben haben, denn ſonſt hätte die chriſtliche Kitcht von Anfang an mit allen Ketzern Gemeinſchaft halten müſſen, da die meiſten von ihnen das meiſte aus der Bibel bis auf gewiſſe Stücke an⸗ nahmen. Vielmehr heißen Ungläubige im ſtreng⸗ ſten Sinne alle die, die auch nur ein einziges Stück der Bibel nicht glauben wollen und folh⸗ lich an einem fremden Joche ziehen. Wer z.B. nicht glauben will, daß die heilige Taufe die kleinen Kindlein wirklich eben ſo ſelig mache wit Petrus und Paulus ſelig waren; wer nicht glau⸗ ben will, daß Chriſtus laut ſeiner Worte im heil Abendmahle auch den Unwürdigen ſeinen Leib und Blut mit dem Munde zu eſſen und zu trinken gibt, kann der mit Recht gläubig genannt wer⸗ den? Und wo in aller Welt iſt der Meiſter zu finden, der aus dem Befehl des heil. Geiſtes: „Gehet aus von ihnen und ſondert euch ab,“ den Sinn heraus oder hineinbrächte: „Ge ein zu ihnen und machet Gemeinſchaft m ihnen?“ Auch die Augsb. Confeſſion bekennt ſich nicht: zu einem ſolchen „brüderlichen“ Verhältniß, na⸗ mentlich zu den Reformirten. Ja die letzteren ſelbſt haben ein ſolches Verhältniſt dadurch un— möglich gemacht, daß ſie bei der Überreichung der Augsb. Confeſſion dieſelbe nicht mit unter⸗ ſchreiben wollten und ein beſonderes davon abweichendes Bekenntniß abfaßten, auch dann ſechs Jahre ſpäter der mit den Lutheranern ge ſchloſſenen Concordia wieder untreu wurden. Und wie iſt es möglich, mit denen in brüderlicher Gemeinſchaft zu ſtehen, von denen wir im zehnten Artikel der unveränderten Confeſſion bekennen, daß wir die, welche anders vom heil. Abendmahl lehren, als dort gelehrt iſt, verwerfen! Sollten nicht die Reformirten ſelbſt ſo viel Ehrgefühl haben, zu verlangen, daß diejenigen, welche als Brüder zu ihnen ſtehen wollen, ſolche Verwer⸗ fung zuerſt zurücknehmen müßten? Welcher rechtſchaffene Lutheraner aber dürfte dies thun? So hat die Pennſylv. Synode auch abenmalz reformirte und presbyterianiſche Prediger als berathende Mitglieder aufhe⸗ nommen (Seite 5.), um damit den Synoden an⸗ derer Bekenntniſſe, die ein AÄhnliches thun, ein Compliment zu machen, und ja nicht ſchroff und abſtoßend zu erſcheinen. Denn im Ernſte kann man doch gewiß nicht in kirchlichen Angelegen; heiten den Rath derer begehren, deren Lehre wir verwerfen müſſen. Ja die Sonode hat ſogar einen reformirten Prediger als ſolchen in das lutheriſche Miniſterium aufgenommen (S. 40.) ohne von ihm einen Widerruf ſeines bisherigen Bekenntniſſes und ſeine entſchiedene Zuſſimmun zu der unveränderten Augsb. Confeſſion zu vn⸗ö langen.