# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 04 13_S134 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und nach ihrem ganzen Weſen immer mehr ge⸗ heiligt und in ſein Bild verklärt werden. Biſt du aber ein Chriſt, iſt dir's denn nicht genug, wenn du hörſt: Daß ich immer völliger werde, das iſt das Gebot meines Gottes? Oder willſt du etwa ſprechen: Da ich durch die Heiligung nicht ſelig werden kann und ſoll, ſo will ich auch der Heiligung nicht nachjagen, obgleich ſie Got⸗ tes Wille iſt? das ſei ferne. Aber noch mehr! Der heilige Apoſtel ſagt ferner am Schluſſe unſerer Epiſtel auch dieſes: „Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, ſondern zur Heili⸗ gung.“ Hieraus erſehen wir, eben darum ſind wir in das Reich der Gnade berufen, damit wir durch die Gnade zur Heiligung kommen. Die Heiligung iſt das letzte Ziel des ganzen Werkes unſerer Seligmachung; eben darum werden uns die Sünden vergeben, damit wir von der Sünde befreit werden können; eben darum hat uns Gott der Vater aus Gnaden zu ſeinen Kindern in der heili— gen Taufe angenommen, damit wir nun als ſeine Kinder wandeln; eben darum ſind wir durch Gott den Sohn nicht mit Gold oder Silber, ſondern mit ſeinem heiligen theuren Blut und mit ſeinem unſchuldigen Leiden und Ster⸗ ben erlöſ't, erworben und gewonnen von allen Sünden, vom Tod und der Gewalt des Teufels: auf daß wir ſein eigen ſein und in ſeinem Reiche unter ihm leben und ihm die⸗ nen, in ewiger Gerechtigkeit, Unſchuld und Seligkeit, gleichwie er iſt auferſtanden vom Tode, lebet und regieret in Ewigkeit; eben, darum hat uns Gott der heilige Geiſt durch das Evangelium berufen, daß er uns auch mit ſeinen Gaben erleuchte, und im rechten Glauben heilige und erhalte. Wer ein Chriſt geworden iſt, der iſt alſo damit zum Lauf nach dem Himmel, zum Kampf gegen die Sünde, und zum heiligen Prieſterthum Gottes berufen. Wer daher wohl ein begnadigter Chriſt ſein, aber in der Heiligung nicht fort und fort wachſen will, der will ein Läufer ſein und nicht laufen, der will ein Kämpfer ſein und nicht kämpfen, der will ein Opferprieſter Gottes ſein und nicht opfern, der verleugnet daher, daß er ein Chriſt iſt. Doch, m. L., der heilige Apoſtel geht noch weiter und ſchärft die Nothwendigkeit der Heili⸗ gung uns noch ernſtlicher ein, indem er ſpricht: „Daß ihr meidet die Hurerei, und ein jeglicher unter euch wiſſe ſein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Luſtſeuche, wie die Heiden, die von Gott nichts wiſſen; und daß Niemand zu weit greife, noch vervortheile ſeinen Bruder im Handel; denn der HErr iſt der Rächer über das alles, wie wir euch zuvor geſagt und bezeugt haben.“ Ihr ſehet, der heilige Apoſtel erin— nert hier ſelbſt die Chriſten, wenn ſie der Heili— gung nicht nachjagen, ſondern der Sünde wie— der Raum geben wollen, an Gottes Raſche und Zorn. Das ſcheint nun freilich faſt zu viel zu ſein, daß ſelbſt begnadigten Chriſten, —132— wenn ſie in der Heiligung nicht völliger werden wollen, mit Gottes Zorn und Rache gedroht werden. Aber laßt uns das nicht befremden. Der Grund iſt dieſer: Zwar macht die Heili— gung nicht zu einem Chriſten (vielmehr kann der Menſch erſt dann der Heiligung nachjagen, wenn er ſchon vorher ein Chriſt geworden iſt), allein ein Chriſt ſein und der Heiligung nicht nachjagen, das iſt unmöglich. Wie es in der Natur überall, wo Leben iſt, keinen Stillſtand gibt, wie in der Natur ein ewiges Regen und Bewegen und Fortſchreiten ſtatt findet, ſo gibt es auch im Reiche der Gnade, im Chriſtenthum, keinen Stillſtand. Wer in ſeinem Chriſtenthum nicht vorwärts geht, der ſteht nicht ſtill, wie er meint, ſondern geht rück— wärts; und wie ein Kind, wenn es nicht wächſt, gewiß kränkelt und ſiecht, und wie ein Baum, der keine neuen Zweige mehr treibt, gewiß dem Abſterben ſich naht: ſo kränkelt und ſiecht und ſtirbt der Chriſt geiſtlich ab, welcher nicht in Er— leuchtung ſeines Verſtandes durch immer beſſere Erkenntniß der Wahrheit, in der Reinigung und Erneurung ſeines Herzens und im Eifer des Le— bens in guten Werken zunimmt. Und wie das Kränkeln und Siechen des Kindes endlich zum Tode und das Abſterben des Baumes zum Ster— ben und Dahinfallen kommt, ſo muß auch der Chriſt, der in der Heiligung immer weiter zu— rückbleibt, endlich geiſtlich ſterben und wieder dahinfallen in die Herrſchaft der Sünde. Ach, m. Th., es iſt hier wahrlich kein Scherz zu treiben; Tauſende und aber Tauſende ſind ſchon begnadigte Chriſten geweſen, und weil ſie die tägliche Buße und den Eifer in der Heiligung ſcheuten, entweder langſam wieder in den geiſt— lichen Tod dahin geſunken, oder im Sturme der Verſuchung zum Unglauben oder zur Sünde plötzlich dahin gefallen, um nie wieder aufzuſte⸗ hen. Sie waren einſt lebendige Glieder an dem Leibe Jeſu Chriſti, grüne Zweige an ſeinem Weinſtock und eifrige Kämpfer in den Reihen der ſtreitenden Kirche, aber ſpäter mußten ſie entweder abgeſchnitten werden, als anſteckende faule Glieder, oder ſie verließen ſelbſt die Fah— nen des Herzogs ihrer Seligkeit, oder ſie hingen doch nur wie verdorrte Zweige am Baume des Gnadenreichs und jetzt liegen ſie, ewig ausge— ſchloſſen von der Gemeinſchaft der triumphiren— den Kirche im Himmel, in dem ſchauerlichen Ge— fängniß der Verlorenen, daraus keine Rettung, keine Erlöſung, keine Rückkehr iſt. O welche Hölle muß gerade der vor andern in der Hölle empfinden, der einſt ſchon in Gnaden war, und nun verbannt iſt von Chriſti Augeſicht auf ewig! Der ſchoͤn hier einmal ſchmeckte die Kräfte der zukünftigen Welt und das gütige Wort Gottes, und dort ewig trinken muß aus dem Kelch des Zornes Gottes, ohne einen Strahl von Hoff— nung, je wieder eine Empfindung des Friedens und der Freude zu erfahren! O unausſprech— licher Jammer! O namenloſes Herzeleid! — Darum, o Chriſt, laß dir geſagt ſein, was der HErr ſpricht: „Ringet darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn viele werden, das ſage ich euch, darnach trachten, wie ſie hinein— kommen, und werden es nicht thun können;“ und was der Apoſtel ſchreibt: „Schaffet, daß ihr ſelig werdet, mit Furcht und Zittern.“ X⸗ nes alte Lied ruft dir daher zu: Ringe recht, wenn Gottes Gnade, Dich nun ziehet und bekehrt, Daß dein Geiſt ſich recht entlade Von der Laſt, die ihn beſchwert. Ringe, denn die Pfort' iſt enge, Und der Lebensweg iſt ſchmal, Hier bleibt alles im Gedränge, Das nicht zielt zum Himmelsſaal. Haſt du ſchon die Perl' errungen, Denke ja nicht, daß du nun Alles Böſe haſt bezwungen, Das uns Schaden pflegt zu tbun. Nimm mit Furcht ja deiner Seele, Deines Heils mit Zittern wahr. Hier in dieſer Leibeshöhlt Schwebſt du täglich in Gefahr. Halt ja deine Krone feſie, Halte männlich, was du haſt; Necht beharren iſt das Beſie, Rückfall iſt ein böſer Gaſt. Ach bedenket's wohl, ihr Streiter, Steitet recht und fürchtet euch; Geht doch alle Tage weiter, Bis ihr kommt ein's Himmelreich. Eilet, lauſt dem Herrn entgegen, Sprecht: Mein Licht, ich bin bereit, Nun mein Hüttlein abzulegen, Mich dürſt't nach der Ewigkeii. Amen — Reiſebericht des Redakteurs. (Fortſetzung.) Als wir nach Bayern kamen, fanden wir die dortigen kirchlichen Berhältniſſe in ein neues Stadium fortgerückt. Das Oberconſiſtorium hatte eben auf die, von Herrn Paſtor Löhe und mehreren demſelben befreundeten Amtsge⸗ noſſen eingegebenen Klagen, den rechtlichen Be⸗ ſtand der lutheriſchen Kirche in Bapern betref⸗ fend, ein Reſeript erlaſſen. In dieſem Reſcript waren die Bedenken der letzteren für unge⸗ gründet erklärt, denſelben der ungekränkte Be⸗ ſtand einer lutheriſchen Kirche in Bayern zuge⸗ ſichert und das Verbleiben in derſelben zur Ge— wiſſenspflicht gemacht worden. Eine gemeln⸗ ſame Beſprechung war nöthig. Eine ſolche war denn auf den 9. Oktober anberaumt worden⸗ Sie wurde in Schwabach gehalten. Die Einladung Herrn Paſtor Löhe's, dabei mit gegenwärtig zu ſein, nahmen wir natürlich mit. großer Freude an. Das Reſultat der Beſpre⸗ chungen iſt bereits mitgetheilt worden; es be⸗ ſtand, um es hier mit Wenigem zu wiederholegg der Haupiſache nach darin, daß die Betheiligti eine ſchriftliche Erklärung an das Oberconſiſo⸗ rium des Inhaltes aufſetzten und unterzeichne⸗ ten, daß ſie zwar auf Grund der Zuſicherung, des Oberconſiſtoriums, der Beſſerung wartend, im Eompler der Landeskirche verharren wolltenſ daß ſie aber von aller in derſelben gepflogentg gemiſchten Abendmahlsgemein⸗ ſchaft wiſchen Lutheranern und Refermir⸗ ten oder Unirten) ſich hierdurch ſchriftlich und von nun an auch thatſächlich losſagen müßten. Dieſer Schritt, die Ausführung eines hier auch. von uns vertretenen Grundſatzes, hatte natür lich unſere vollſte Billigung. — Von großer Wich⸗,