# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 01_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 1. November 1845. No. 5. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Erinnerungen an die Zeit der Reformation. Wie Bugenhagen zur Erkenntniß kam. Als Johann Bugenhagen, geb. 1485 zu Wollin in Pommern, der später Luthers Beichtvater und ein wichtiges Werkzeug zur Beförderung der Reformation wurde, noch Schulrector in Treptow war und in päbstlicher Finsterniß stack, wurde er einstmals, gegen das Ende des Jahres 1520, von dem Kirchen-Inspector daselbst, Otto Slutovius, nebst seinen Collegen, zu Gaste geladen. Kurz zuvor hatte Slutovius die Schrift Luthers, „von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ unter dem Pabstthum, aus Leipzig von einem guten Freund erhalten. Diese Schrift wurde denn über Tische den Gästen vorgezeigt, und insonderheit Bugenhagens Urtheil über dieselbe begehrt. Letzterer las nun während des Essens etliche Seiten flüchtig durch, und brach bald darnach in die Worte aus: „Seitdem der Welt Heiland gelitten, haben zwar viele Ketzer die Kirche beunruhigt und hart angegriffen, keiner aber hat es so arg gemacht, als dieser Luther.“ Doch Bugenhagen konnte nicht umhin, das Buch mit nach Hause zu nehmen, um es ganz durchzulesen. Und was geschieht? Je weiter er hinein liest, desto mehr gehen ihm die Augen auf; tief bewegt geht er daher wenige Tage darnach wieder in die Gesellschaft seiner Collegen, und unter sie tretend und das Buch Luthers ihnen entgegen haltend, ruft er ihnen zu: „Was soll ich euch viel sagen? Die ganze Welt ist blind und steckt in großer Finsterniß. Dieser einige Mann sieht, was wahr ist.“ Bestürzt hören dies die Versammelten; es entsteht eine lebhafte Unterredung, Bugenhagen verficht die Schrift Stück für Stück, und siehe! in kurzem hat er die meisten und darunter den Abt selbst auf seine Meinung gebracht, so daß sie von nun an mit ihm anfangen, des Pabstes Gräuel den Leuten öffentlich zu entdecken und sie allein auf Christi Verdienst zu weisen. Als aber nun der Bischof zu Camin, Erasmus Manteuffel (der sich jedoch später auch noch zur Augsburger Confession bekannte), eine harte Verfolgung wider die evangelischen Bekenner erregte, zerstreuten sich dieselben, und Bugenhagen ging nun, begierig, Luthern zu sehen und zu hören, 1521 nach Wittenberg. Er trat also mit Luthern in Bekanntschaft, kurz ehe dieser nach Worms abreiste. Als hierauf Carlstadt die Bilderstürmerei anfing, widersetzte sich ihm Bugenhagen am eifrigsten und wurde daher nach Luthers Zurückkunft von der Wartburg einstimmig von der Universität und dem Stadtrath zum Pastor an der Kirche zu Wittenberg berufen, welcher er auch, außer vielen anderwärts geleisteten wichtigen Diensten, 36 Jahre lang mit Treue und Segen vorstand. Todesnoth, die rechte Probe des wahren Trostes. Herzog Johannes, der erstgeborne Sohn Georgs, des unversöhnlichen Lutherfeinds, war Luthern und seiner Lehre nicht weniger feind. Derselbe ließ daher einstmals Luthern durch den Maler Lucas Cranach sagen: Wäre sein Vater gegen ihn, Luthern, eisern gewesen, so wolle er künftig, wenn er ins Regiment käme, stählern gegen ihn sein. Luther antwortete lachend: Er besorge sich für ihn gar nicht und es wäre wohl besser, Herzog Johannes bekümmere sich um ein seliges Ende, als daß er solche vergebliche Gedanken führe, und gleichsam den Himmel erpochen wolle. „Denn ich weiß“ setzte er hinzu, „daß er seines Vaters Tod nicht erleben wird.“ Ueber diese Antwort, als ihm solche Cranach hinterbrachte, entsetzte sich Johannes sehr, gerieth in eine Schwermuth und bald darauf in Todesnoth. Hier tröstete ihn nun sein Vater mit den Worten: Daß er allein auf Christum, der Welt Heiland, sehen, und aller seiner Werke, wie auch der Heiligen Anrufung vergessen solle. Da dieses die Gemahlin des Sterbenden hörte, sagte sie: „Lieber Herr Vater! warum lässet man dieses nicht öffentlich im Lande predigen?“ Georg antwortete: „Liebe Frau Tochter, man soll's nur den Sterbenden zum Trost sagen, denn wenn die gemeinen Leute wissen sollten, daß man allein durch Christum selig würde, so würden sie gar zu ruchlos werden, und sich gar keiner guten Werke befleißigen.“ Siehe, lieber Leser, der arme Mensch meint, es besser zu wissen, wie er den Menschen könne fromm machen, als der liebe Gott. Die Herzöge Georg und Heinrich von Sachsen. Unter den regierenden Häuptern war, wie schon erwähnt, der in Dresden residirende Herzog Georg von Sachsen einer der heftigsten Gegner der Reformation, welche Gott durch den Dienst des seligen Luthers vor 300 Jahren bewerkstelligen ließ. Dieser Georg hatte einen Bruder, mit Namen Heinrich, welcher, in Freiberg residirend, nur einen sehr kleinen Landesantheil hatte, der aus nicht mehr als zwei Aemtern bestand. So viel ärmer jedoch Heinrich an irdischen Gütern war, als Georg, so viel reicher war er an Erkenntniß der evangelischen Wahrheit, als dieser. Was aber Heinrich durch Gottes Gnade erkannte, das bekannte er auch und suchte daher auch in seinem kleinen Ländchen so viel als möglich die Kirche von den eingeschlichenen Mißbräuchen zu reinigen. Sein Bruder Georg gestand ihm zwar auch in Briefen die stattfindenden Mißbräuche ein, aber er bat ihn, mit Abstellung derselben bis auf den Beschluß einer allgemeinen Kirchen-Versammlung zu warten. Als aber Heinrich antwortete: wozu ihn Gottes Wort und sein Gewissen verbinde, das zu thun, könne er nicht aufschieben, bis ihm Menschen Erlaubniß gegeben haben würden, so verlor er hiermit seines Bruders Freundschaft gänzlich. Doch Georg wurde endlich im Jahre 1539 todkrank und sah selbst ein, daß sein Ende herannahe, und da ihm kurz zuvor sein einziger Sohn gestorben war, so mußte er fürchten, daß, wenn er nicht Vorkehrungen treffe, sein evangelisch gesinnter Bruder Heinrich sein Nachfolger werden und dann gewiß auch in seinem Lande die von ihm gehaßte Reformation einführen werde. Georg setzte daher ein Testament auf, nach welchem Heinrich nur unter der Bedingung zur Regierung über seinen Landesantheil zugelassen werden sollte, wenn er der evangelischen Lehre entsagen und bei der alten (papistischen) Religion verbleiben würde. Zugleich wurden einige Räthe an Heinrich abgesendet, welche von diesem die Einwilligung in jene Bedingungen verlangen sollten. Sie thaten dies und führten dem Herzog dabei zu Gemüthe, welches bedeutende Privatvermögen sein Hr. Bruder noch außerdem hinterlasse. Heinrich aber antwortete: „Es gemahnt mich euer