# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 03 16_S118 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Pipin dagegen erkannten den Werth aller Beſtrebungen des Bonifacius vollkommen und leiſteten ihm auf alle Weiſe Beiſtand. Mit ih— rer Hilfe brachte er die Gründung der nothwen⸗ digen Bisthümer vollends zu Stande und ſetzte noch eine wichtige Einrichtung in's Werk: daß nämlich in jedem biſchöflichen Sprengel von Zeit zu Zeit beſonsere und für ganz Deutſch— land allgemeine Kirchenverſammlungen gehalten werden ſollten, um über Abſchaffung von Miß— bräuchen und Einführung guter Ordnungen zu berathen und Jedem ſeine Pflicht deſto mehr an's Herz zu legen. Im Jahre 742 hielt Bo⸗ nifacius ſelbſt eine allgemeine deutſche Kirchen— verſammlung und 743 eine andere ün Flan⸗ dern, auf welchen allen Geiſtlichen bei Strafe der Abſetzung Theilnahme an Jagd und Krieg unterſagt, dagegen ein ernſter geſitteter Wandel und treue Erfüllung ihrer Amtspflichten durch mancherlei Geſetze und Beſchlüſſe eingeſchärft wurde.“) Sehr angelegen ließ man ſich ſein die Ausrottung heidniſchen Aberglaubens und die Einrichtung von Anſtalten zur Bildung von Geiſtlichen. Zugleich aber wurde freilich auch die Unterordnung der deutſchen Kirche unter den Papſt immer feſter geſtellt, ohne daß man jedoch nur daran gedacht hätte, damit der Hoheit des Landesherrn im Mindeſten zu nahe zu treten. Kirche und Staatsgewalt blieben noch lange im freundlichſten Vernehmen, die Beſchlüſſe und Kirchenverſammlungen machte Herzog Karlmann als Major domus bekannt. Mit Hilfe der jun⸗ gen Herzöge und Kirchenverſammlungen gelang es nun auch dem Bonifacius, die Widerſacher, welche ſich hier und da noch ſeinen Anordnungen nicht fügen wollten, theils zum Schweigen zu bringen, theils ihrer Mnter zu entſetzen und un⸗ ſchädlich zu machen. Es waren dies theils rohe und ausſchweifende Geiſtliche, welche das Volk in ſeinem Aberglauben beſtärkten, damit ſie ſelbſt zügelloſer leben könnten, theils waren es Schwär⸗ mwer, welche ſich durch heiliges Leben und aller— lei abſonderliche Meinungen einen Anhang im Volke gemacht hatten, theils freier denkende Leute, welche wohl manche reinere evangeliſche Einſicht haben mochten, aber auch eine Abneigung hat⸗ ten, ſich einer ſtrengern kirchlichen Ordnung zu unterwerfen. Daß Bonifacius gegen dieſe Leute mit Ernſt und Strenge verfuhr und einige der Hartnäckigſten ſogar einkerkern ließ, hat man ihm auch zum Vorwurf machen wollen und ihn einen ſinſtern herrſchſüchtigen Mönch geſcholten. Allein welch ſchweres Opfer er ſeiner beſchworenen Amtspflicht und dem Wohle der Kirche mit ſolch ſtrengem Verfahren brachte, erſieht man aus einem Briefe an ſeinen Freund den Biſchof Daniel in England. Dem eklagt er mit großer Herzensangſt, daß er nicht wiſſe, wie er ſich gegen einige Geiſtliche verhalten ſolle, welche durch falſche Lehre und anſtößiges Leben dem ») Sie ſollten dafür ſorgen, daß alle ihre Beicht inder das Glaubensbetenntniß und das Vater Unſer auswendig lernten, damit ſie durch Glauben und Gebet ſelig würden; wer es nicht dazu gebracht hätte, ſollte kein Taufzeuge ſein dürfen. Bei Taufen ſoll'en die Prieſter die Entſagungen und Bekenntniſſe deutlich in der Landesſprache fragen, da⸗ mit ſie wüßten, wem ſis abſagten und was fie bekännten. —116— Fortgange des Werkes Gottes äußerſt hinderlich wären. Er möchte ja gern die brüderliche Ge— meinſchaft mit ihnen erhalten, wenns nur nicht wider das Gewiſſen wäre *). Der oberſte Stein auf den äußern Bau der deutſchen Kirche wurde im Jahre 745 gelegt, indem das Bisthum Mainz zu einem Erzbis— thume erhoben und dem Bonifacius übergeben wurder). Zehn Jahre lang beaufſichtigte die— ſer von da aus noch die Kirche im fränkiſchen Neiche und ſalbte in dieſer Zeit noch den Herzog Pipin zum Könige. Seine Hauptſorgfalt wandte er dem Kloſter Fulda zu, welches auf lange Zeit für ganz Deutſchland ein Hauptſitz der Ge— lehrſamkeit undtchriſtlichen Bildung wurde und der Kirche eine lange Reihe ausgezeichneter Die⸗ ner ſchenkte. Einer ſeiner tüchtigſten Schüler und Gehülfen, Sturmi, hatte es 744 geſtif⸗ tet. Dieſen ergriff nach dem mühevollen Umher⸗ wandern ein unwiderſtehlicher Drang, ſich in tiefe Einſamkeit zurückzuziehen und ſeinem Gott in der Stille zu dienen. Bonifacius billigte ſeinen Entſchluß, gab ihm noch zwei Gefährten und wies ihn an, ſich einen paſſenden Platz in dem ungeheuren Buchenwalde zur Anſiedelung zu ſuchen, der damals einen großen Theil von Heſſen bedeckte. Drei Tage lang ritten ſie auf Eſeln in den wilden Wald hinein, bis ſie an einen Ort kamen, wo nun die Stadt Hersfeld ſteht. Hier bauten ſie ſich Hütten aus Baum⸗ rinde, in welchen ſie lange Zeit in Gebet und und Faſten zubrachten. Dem Bonifacius ſchien aber dieſer Ort wegen der Nähe der wilden Sachſen zu gefährlich. Auf ſeinen Rath zog daher Sturmi noch tiefer in den pfadloſen Wald hinein und zwar ganz allein auf ſeinem Eſel, mit Gebet und Geſang wilden Thieren und ein— zelnen, wilden Horden Trotz bietend, bis er end— lich in eine Gegend von erhabener Schönheit an der Fulda kam. Dieſe ſchien ihm für ſeinen Zweck paſſend und froh kehrte er zu ſeinem Mei⸗ ſter zurück. Der eilte nun ſelbſt mit einer Schaar Gehülfen herbei. Zuerſt riefen ſie gemeinſchaft— lich den Herrn um ſeinen Segen zu ihrem Werke an, dann fielen krachend die Bäume unter ihren Art⸗ ſchlägen und bald erhoben ſich die erſten Anfänge des Kloſters Fulda und grüne Saatfelder lichte— ten den alten Wald. Sturmi mußte die barühm⸗ ) Einer dieſer Leute batte ſich ſelbſt das Prieſtertbum angemaßt, auf den Feldern Kreuze und Bethäuschen errich⸗ tet, das Volk da verſammeit und den Nirchen entzogen, ſich heiig nennen laſſen, behauptet, die Namen der Engel zu kennen und einen großen Anhang unter dem unwiſſenden Volke bekommen. Ein anderer, Klemens, hatte ein Kebsweib und mit ihr zwei Söhne erzeugt und dies mit dem a. T. vertheidigt, daß der überlebende Bruder die Frau des verſtorbeuen ehelichen ſolle. +) In einer Schlacht gegen die heidniſchen Sachſen war nämlich der Biſchof Gerond tödtlich verwundet und um ihn zu tröſten, ſein Sohn Gewilieb noch vor ſeinem Verſchei⸗ den von Herzog Karlmann zum Prieſter befördert und zu ſeinem Nachfolger ernannt worden. Da dieſer aber das Jahr darauf den, der ſeinen Vater getödtet, cigenhändig meuchlings erſtach und dennoch ſein Amt fortführte, ohne daß Jemeand ein Arg dabei hatte; ſo forderte ihn Bonifa⸗ cius 715 vor ſeine ſechste Synode in Fran'en, auf welcher⸗ acht Biſchöte, lauter geborne Engländer, erſchienen. Gewilieb wurde ſeines Visthums entſetzt und Bonjſacius von Karl⸗ mann und Pipin als Erzbiſchof von Mainz eingeſetzt und als Oberhaupt der ganzen deutſchen Kirche anerkannt. üteſten Klöſter bereiſen, um ihre Einrichtung ken⸗ nen zu lernen und die beſten für die neue Stif⸗ tung zu benutzen. Sie wurde zu Winfrids Freude bald die berühmteſtein ganz Deutſchland rund der Hauptſitz der Wiſſenſchaften. In kutzer Zeit ſtieg die Zahl der Mönche auf 400, dit ihre Zeit zwiſchen Gebet, Studiren und Hand⸗ arbeit theilten. Schon durch die Gründung dieſes Kloſters allein hat ſich Bonifacius un— ſterbliche Verdienſte um Anbau des Landes, um Pflege der Wiſſenſchaften und um das Wohl der deutſchen Kirche erworben. Je mehr ſich aber ſein Werk allenthalben befe⸗ feſtigte und gedieh, deſto heftiger wurde in dirſen raſtloſen Geiſte das Verlangen, Neues zu ſchaffen, obgleich er nun ſchon in hohem Alter ſtand. Wo er angefangen hatte, da wollte er auch aufhö⸗ ren, — bei den Frieſen, denn daß die Bekeh⸗ rung dieſes kräftigen und tüchtigen Volksſtam⸗ mes unvollendet bleiben ſollte, ließ ihm keine Ruhe. Seine erſte Sorge aber war, ſein biſchöfs liches Amt einem tüchtigen Nachfolger zu hin⸗ terlaſſen, der die chriſtliche Kirche in Deutſchland in gutem Schwunge erhielte. Einen folchen. fand er in ſeinem Freunde und Landsmann Lublus und nun ließ er Nichts unverſucht, um für dieſen das Erzbisthum Mainz zu erlangen. Rührend ſpricht ſich ſeine herzliche Fürforge für ſeine Untergebenen aus, wenn er in dieſer Sache dem Beichtvater des Königs Pipin ſchreibt: Faſt alle meine Schüler ſind Fremde; einige ſind Prieſter, zum Dienſte der Kirche und der Bölker beſtellt; andere Münche, welche in die Klöſter vertheilt ſind, um die Kinder leſen zu, lehren, und manche ſind ſchon Greiſe, welche mich lange Zeit unterſtützt und mitmir gearbei⸗ tet haben. Für dieſe Alle bin ich beſorgt, daß ſie nach meinem Tode ſich zerſtreuen, wie die Schafe ohne Hirten und daß die Völker an den. „Grenzen das Geſetz Chriſti verlieren! Darum:; bitt' ich Euch im Namen Gottes inſtändig, daß Ihr meinen Sohn und Mitarbeiter Lullus zu dieſem Dienſt der Völker und der Kirchen als Prediger und Lehrer der Prieſter möget anſtellen laſſen. Und ich hoffe, daß in ihm, ſo Gott will, die Prieſter einen Führer, die Mönche einen Lehrer in ihrer Regel und dieſchriſtlichen Völker einen treuen Prediger und Hirten erhalten. Ich bitte beſonders deshalb darum, weit'meineprieſter⸗ an der Grenze der Heiden ein armſeliges Leben⸗ führen. Brod zum Eſſen können ſie ſich erwerben, aber Kleider nicht; ſie müſſen ferner unterſtüßt werden, wie ich ſie bisher unterſtützt habe, wenn ſie an jenen Orten zum Dienſt der Völker aus— harren ſollen. Gern beſtätigte Pipin den ſo ihm empfohlenen Mann zu Bonifacius Nachfolger und ſo übergab dieſer ſein Amt dem trenen Freund, pries Gott für ſolchen Beweis ſeiner. Gnade und ſtärkte ſich durch kurze Ruhe zu ſeiner neuen Miſſion. ö Noch in demſelben Jahre fuhr er mit einem kleinen Gefolge von Geiſtlichen und Mönchen und etlichen Dienern den Rhein hinab. Ver⸗ gebens ſuchten ihn ſeine Freunde mit Thränen! zurückzuhalten und beſchwuren ihn, ſein ſelbſt! Fendlich zu ſchonen. Er felgte dem Rufe ſeines