# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 03 16_S117 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ommen war. Brüder die Rechte der Gemeinden auf Grund des geiſtlichen Prieſterthums aller Chriſten her— vorheben zu müſſen glaubten, ſchien es uns, als wäre es nicht bloß für uns im alten Deutſch⸗ land, ſondern auch für die Gemeinden über dem Meere das Nöthigſte, auf Grund der Lehre vom Amte die Grenzen zwiſchen Amt und Gemeinde recht deutlich hervorzuheben. Vom Staate freie oder frei gewordene Gemeinden ſchienen uns zu gar keinem friedlichen und gedeihlichen Zuſtand kommen zu können, bevor jene Grenzen erkannt und anerkannt wären. Während wir nun, unſre amerikaniſchen Brüder und wir, ein jeder Theil ſeiner Überzeugung folgten, konnte es nicht an— ders ſein, als daß wir uns hie und da unan⸗ genehm berührten. Ja, die Wichtigkeit der Sache trat zuweilen einmal ſo hervor, daß die Befürch— tung, als könnten wir unter dieſen Umſtänden fernerhin nicht mehr zuſammenwirken, ſich un⸗ ſerer Herzen zu bemächtigen anfieng. Mancher Aufſatz in dieſen Blättern gibt, wie unſere Leſer wiſſen, dieſe Befürchtung nicht undeutlich zu er— kennen. Dabei war aber gegenſeitig ſo viel Liebe vorhanden, daß uns die Sorge um die Einigkeit in Wahrheit quälend wurde. Wie es uns diesſeits ging, ſo ging es auch unſeren Brüdern über dem Meere. Durch die Synodalverhandlungen des Jahres 1850 wa— ren die jenſeitigen Brüder ihrer Überzeugung erſt recht gewiß geworden und ihre Uberzeugung rang mit ihrer Liebe zu uns um ſo ſchmerzlicher, als ſie uns auf einem Irrwege und zwar auf einem romaniſirenden glaubten. Sie hofften zur Hei⸗ lung des Schadens viel von einem Beſuche, den einer von uns bei ihnen jenſeits machen würde und ließen deswegen eine desfallſige Einladung der Synode Miſſouri ergehen, welcher wir aber, ſelbſt in ſchweren Kämpfen mit unſeren heimat⸗ lichen Zuſtänden, keine Folge geben konnten. — Auf unſere leider ganz nothwendig ablehnende Erklärung beſchloß die Synode Miſſouri, Ohio ꝛc. in für uns beſchämender Liebe zwei Boten des Friedens übers Meer zu ſenden, welche in den verſchiedenen lutheriſchen Kirchen ihre Überzeu⸗ gungen vom heiligen Amte vorlegen und auch uns die Wohlthat perſönlicher Berhandlung ge— währen ſollten. In der That, ein heiliger und edler Sinn, der lutheriſchen Kirche werth, ein Beweis, daß der rechte Gott zu Zion iſt. Wo man bei vorhandenen Differenzen nicht von ein⸗ ander flieht, ſondern zu einander eilt, ſich gegen den Satan, der Zwiſt anfacht und den ange⸗ ſachten zu einem mächtigen trennenden Feuer machen will, dadurch wehrt, daß man die Brü⸗ derhände feſter in einander ſchlägt, — wo man ſich nicht Ströme, Wälder und Prairieen, nicht den Oeran hindern läßt in ſolchem Tthun; da ſpricht JZEſus Segen und Sriedr Er ſtiſtet Frie⸗ den im Herzen, ehe noch das Verſtändniß und Erkenntniß einträchtig geworden iſt, — und hie— mit iſt faſt das Beſte ſchon geſchehen. Dem Liebesſinn, der Friedensluſt kommt der Geiſt entgegen, welcher in alle Wahrheit leitet. —. Bei ſolchem Sinn brauchts keine Haſt noch Eile, in Formeln und Sätzen einig zu werden. Hand Während unſere amerikaniſchen in Hand geht man in die Schule des heiligen men treten aus dem Gegenſatz der Einſeitigkeit in Sachen des Amtes auch gehen. — 14— Geiſtes, an deren Pforte für ſolche Schüler die Inſchrift ſteht: „Je länger, je lieber; je länger, je einiger und treuer!“ Unter den Gebeten und Segnungen der zu Milwankie verſammelten Synode von Miſſouri, Ohio ꝛc. zogen denn der vorige Präſident, Prof. Walther vom Concordia-College zu St. Lonis, und der gegenwärtige Präſident, Paſtor Wyne— ken von St. Lonis übers Meer, während Prof. Dr. Sihler von Fort Wayne nach St. Louis ging, um während der Abweſenheit der genannten Beiden deren Stelle im Kirchenregiment zu ver— ſehen. . . (In zehn Tagen fuhren die Brüder Walther und Wyneken von Nordamerika nach England, in zweien von Hull nach Hamb urg, wo ſie am 12. September ankamen. Sie begegne⸗ ten bei ihrer Aukunft durch ſchöne Fügung Got— tes einigen abgehenden Sendboten unſrer Liebe, (dem Miſſionar K. Diehlmann, dem für Fran⸗ kenhilf beſtimmten Paſtor Deindörfer ꝛc.) die auch ein ziemliches Häuflein Franken den Colo⸗ nien in Michigan zuführten. Der Oſt und Weſt! der lutheriſchen Kirche begrüßten ſich ſo zu Haar— burg mit herzlichen Freuden, und unſre ankom⸗ menden Brüder konnten ſo am Geſtade Europas entgegengeſandte Pfänder unſerer Treue, Zeugen unſerer ſchwindenden Bedenken empfangen.) Den beiden Präſidenten vorausgeeilt waren herrliche Briefe, z. B. von unſerm ehrwürdigen Freunde Sihler, welche, je mehr ſie auf die Lehre vom Amte eingingen, uns deſto mehr in den Stand ſetzten, zu ſehen, daß unſere beiderſeiti⸗ gen Überzeugungen in echtlutheriſcher Verwand— ſchaft ſtehen, daß Mipverſtändniſſe obgewaltet hatten. Wir ſchrieben Friedenshoffnungen, treu⸗ gemeinte Liebesverſicherungen übers Meer, noch ehe wir unſere Brüder von Angeſicht ſahen. Nun haben wir ſie geſehen, geſprochen, das Geſprochene erwogen, und wir dürfen wohl ſa— begehren abzuſchließen *), ehe die Sache ſpruch— reif iſt. Wir werden uns je länger, je mehr zur vollen Wahrheit finden, ihre für alle Verhält⸗ niſſe paſſende Darſtellung finden und die Kirche wird ſich deß freuen. Haben wir doch einerlei Grundanſchauungen von der Kirche; ſind wir doch eins in der Anerkennung eines göttlichen Hirtenamtes; — und iſt doch die Praxis unſter amerikaniſchen Brüder nach allem, was wir frä⸗ her ſchon erkannten und nun noch mehr zu erken⸗— nen vermögen, ſo durchaus voͤn uns als recht und gut erkannt, daß wir mit Freuden unſre Zög⸗ linge dieſen und keinen anderen Händen überlie⸗ fern wollen und werden! Es wird ſich alles weitere finden, zumal ja die eben genanntenPuncte nicht einmal die einzigen ſind, in welchen wir zuſammenſtimmen. Wir begegneten uns oft in der Behauptung, daß wir im Grunde einig! ſeien. Indem wir dieſes Zeugniß der Einigkeit, des Friedens und der Liebe hiemit öffentlich vor un⸗ ſern Brüdern diesſeits und jenſeits geben, er— lauben wir uns noch einfach diejenigen Puncte zu nennen, in welche für unſere amerikaniſchen Brüder nach unſerer Meinung ein Fortſchrinn zur Vollkommenheit erſtrebt werden dürfte: 1. Das Verhältniß der unſichtbaren Kircht zur ſichtbaren, die Nothweudigkeit der Le— bensäußerung und Lebensgeſtaltung der unſichtbaren Kirche in der ſichtbaren Welt; 2. Der von Gott gewollte Zuſammenhang der Einzelgemeinde mit der ganzen Kirche, die Darſtellung der Lehre vom Leib und ſeinen Gliedern in der pilgernden Kirche; 3. Die Scheidung zwiſchen Geſetz und apoſto⸗ liſcher Ordnung, der letzteren volle Würdi⸗ gung für die Leitung der ſichtbaren Kirche; 4. Die rechte Würdigung des Fortſchritts und der Siege der lutheriſchen Kirche in pieti⸗ ſtiſchen und andern verwandten Streitig⸗ keiten des vorigen Jahrhunderts. Wir glauben, daß es in der Macht und Er⸗ gen, daß uns unſere Friedenshoffnungen nicht kenntniß unſerer Brüder liegt, auch in den ge⸗ betrogen haben. In den Geſprächen ſchien es zuweilen, als gingen wir von ganz andern Punc⸗ ten aus, aber wenn wir eine Weile einander ent⸗ gegen gegangen waren, traf ſichs, daß wir zu— ſammen kamen und das im Frieden. Ganz an⸗ dere Verhältniſſe lehren oftmals Eine und die— ſelbe gemeinſame Wahrheit von verſchiedenen Seiten anſehen, auffaſſen, darſtellen, und dieſe Darſtellungen leiden denn zuweilen an einer ge⸗ wiſſen Einſeitigkeit. Wenn aber die Anſichten, Auffaſſungen, Darſtellungen ſich mit einander vergleichen, keine Leidenſchaft, keine Eigenheit die Blicke trübt; ſo kommt man zur rechten, All⸗ ſeitigen, öeumeniſchen Faſſung— und die Stim— heraus in den der Harmonie, der Einheit in der Mannichfaltigkeit. Gewiß, ſo wird es bei uns Profeſſor Walther wird eine Erpoſition zu achtzehn Theſen drucken laſſen, welche guf der Synode von Mil⸗ waukie angenommen wurden; die Erpoſition wird geprüft, beſprochen, gewürdigt werden. Weder wir, noch unſere amerikaniſchen Brüder nannten Punkten eine uns genügende Crklärung ſchon jetzt zu geben, namentlich was die erſten beiden Punkte betrifft, auf welche ſo viel ankommt. Aber es eilt uns nicht; im Gegentheil, wir wün⸗ ſchen, befriedigt von der wirklich vorhandenen Einigkeit, daß nicht zu ſchnell abgeſchloßen wer⸗ den möchte, daß wir im gegenſeitigen Austauſch unſerer Erkenntniß uns noch länger mögen führen laſſen vom Geiſte des Friedens und nicht ehet. den Schluß machen, bis wir zuſammen ſagen konnen: Nun iſt zur Sache das rechte Wort ge— funden, das wir der Nachwelt wie ein Symbo⸗ lum überliefern, für welches die Kirche der kom⸗ menden Zeit uns zufallen kann, wie wir dem Maaße der Erkenntniß zufallen, welches ſich in unſern kirchlichen, überlieferten Symbolen aus⸗ ſpricht. ) Ueber dieſe Worte haben wir ſpäter mit Herrn Pa ſtor Löhe uns beſprochen und demſelben verſichern müſſen, dah wir allerdings bercits abgeſchloſſen haben, der feſten Ueber⸗ zeugung, daß die Lehre in den betreffenden Punkten bereits entſchieden in den Symbolen unſerer Kirche vorliege. Anm. ves Red. ded „Lutheraner“