# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 02 02_S96 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lutberiſche und unkirchliche Verhalten des Hr. . Pf. Stohlmann in dieſer Sache offenbar wird. Was nun die perſönliche Gefinnung Koſ⸗ ſuth's, die herrſchende Geſammtrichtung feiner Seele auf Gott und Menſchen, betrifft, ſo iſt tieſe in ihrem innerſten Weſen freilich nur Gott, dem Herzenskündiger, allein bekannt, vor dem die geheimſten Bewegungen auch ſeiner Seele als ein aufgeſchlagenes Buch daliegen. In Betreff aber der Kundgebung ſeiner Ge⸗ ſinnunz in ſeiner herrſchenden Handlungs⸗ weiſe, ſeit er als der Führer der Ungariſchen Erbebung wider den Kaiſer von Heſhich eine ö Heſchichtl iche Perſon geworden iſt,? ſo Baachte ich, würde man Ein! ungerechtes Urtheil über ihn füllen, wrnt man ihn ſchlechthin mit den ange— ſthenſten delltſchen Volksbewegern und Volkser⸗ ucgern wider die Fürſten inzeine Klaſſe ſetzte. Denn wohl die meiſten dieſer letzteren treten zu⸗ gleich ganz offen als entſchiedene Ungläubige und Gottloſe, ja zum Theil als grobe Gottesleugner und Menſchenvergokterer auf, die, vom Irrlicht des Teufels geblendet, in ihren dämoniſchen Friiheitsgelüſten eigentlich den gründlichen Um⸗ ſurz aller göttlichenund menſchlichen Orduung, der Kirche, der Obrigkeit, der Ehe, des Eigen⸗ thums anſtreben, um auf den Trümmern deſſel⸗ UKn die Herrſchaft des Lügners und Mörders von Anbeginn, eine hölliſche und teufliche Frei⸗ heit, Gleichheit und Brͤderlichkeit Aufzurichten, rie Schreckenszeit der Franzöſiſchen Revolution zu erneuern und unter dei Scheine der Völker⸗ ö befreiung doch eigentlich nur die eigene Tyran⸗ ni zur Herrſchaft und Geltung zu bringen und ünwiſſentlich als Großwürdenträger Seiner höl⸗ lichen Majeſtät, als neue Marats, Dantons 2 üind- Robespierres Alles in Blut zu erſäufen. Und da ſie, der Geſinnung nach, abgeſagte und erbitterte Feinde des HErrn und ſeines Geſalb⸗ en ſo wie des Wortes und der Kirche Gottes ſind, ſo würden ſie, wenn ſie erſt die äußere Ge⸗ walt hätten, gar bald die Maske abwerfen und den blutigen Vertitgungstrieg wider die Gläu⸗ bigen des HErrn in allen Kirchen führen. Zu ditſen nun Kofſuth zu zählen, wäre, wie gſagt, eine entſchiedene Ungerechtigkeit, hervor⸗ gegangen aus gehnriſchein bünden Partheihaß und fleiſchlichem Eifer. Denn unſres Wiſſens iſt keine geſchichtliche Thatſache vorhanden, die u ſolchem Urtheil irgendwie berechtigte. Auf der andern Seite aber müſſen wir, ob⸗ Vohl ſich-Koſſuth ſelber in der Kirche zu Brork— hen einen »Lutheranet; genannt hat, auf das Eutſchiedenſte in Abrede ſtellen, daß er ein bibel⸗ karer und bibelfeſter, bekenniniptreuermule: ge⸗ ſunder Sohn der⸗ lurheriſchen Kirche ſei. Denn Lväre er dles wirklich im Jahre 1848 geweſen, wäre ihm die Bibel in That un Wahrheit „das Buch des Lebens,“ wie er ſich neuetvings den ihn damit befchenkenden Buchdruckern erklärt hat, ſo wäre er nicht n die Ungariſche Erhe⸗ bung wider Oeſtreich verflochten, vielweniger das Faupt geworden. Ein gefunder lutheriſcher Ehriſt nämilich⸗ weiß uin für alle Mal aus Gottes Wort, daß ein Volk, fofern es nichtblos chriſtlich heißen, — 93— ſondern-much chriſtlich ſein und handeln will, niemals und nirgend ein Recht vor Gott hat, ſich mit gewaffneter Hand wider die Obrig⸗ keit zu ſetzen, die dermalen Gewalt über daſſelbe hat. Und möge dieſelbe noch ſo unväterlich und ungerecht ſein. möge ſie noch ſo gewaltthä— tig alte verbriefte Voprechte vernichten, noch ſo tyranniſch die Unterthanen mit Abgaben und faſt unerträglichen Laſten beſchweren, Recht und Gerechtigkeit in vielen Fällen untertreten, die Gewaltigen und Reichen widerrechtlich begün⸗ ſtigen und die ärmeren arbeitenden Klaſſen über die Maßen belaſten: ſo handeln doch nimmer die Unterthanen (mögen ſie in Kiner näheren oder ferneren Gehorſamspflichtigkeit zur herr⸗ ſchenden Regierung ſtehen, habe dieſe Namen, welche ſie wolle) als Ehriſten d. i. Gottes Worte gemäß, aus dem Glauben u. mit gutem Gewiſſen, wenn ſie nach allerlei fruchtloſen Ver— ſuchen gütlicher Vorſtellung ihrer gerechten Be— ſchwerden und Bitte um deren Abſtellung, end⸗ lich durch Aufſtand mit der Gewalt der Waffen ſich ſelbſt Recht zu verſchaffen ſuchen. Denn es ſteht nun einmal geſchrieben Röm. 13.: „Jedermann ſei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat; denn es iſt keine Obrigkeit, ohne von Gott; wo aber Obrigkeit iſt, die iſt von Gott verordnet. Wer ſich nun wider die Obrigkeit ſetzet, der widerſtrebet Gottes Ordnung; die aber widerſtreben, werden über ſich en Urtheil empfahen. Dieſe Worte des HErrn nun — von St. Paulus zudem in einer Zeit geſchrieben, da Kaiſer Nero, ein grauſamer und faſt wahnwit⸗ ziger Unmenſch, Römiſcher Kaiſer war — dieſe Worte ſind nun klar genug für Jeden, der ſie oyne ighefärbte Brille, d. i. ohne menſchlich vor⸗ gefaßte Meinung lieſt; ſie ſprechen ſchlechthin von Obrigkeit, ohne alle nähere Beſchreibung, ob ſie gerecht oder ungerecht ſei, ob ſie ihre ge— bietende, ihre geſetzgebende und vollziehende Macht gewaltthätig erlangt habe oder nicht, ob ſie dieſe oder jene Länder und Völker durch Krieg und Sieg unter ſich gebracht, oder durch erbliche Throͤnfolge überkommen oder ob dieſe ſich ihr ſelbſt freiwillig untergeordnet bedingt oder unbedingt, ob' ſie beſchränkt oder unbe— ſchränkt regiere, ob ſie nach dem äußerlichen Rechte ihre Gewalt gerecht oder ungerecht hand— habe; denn ſo gottlos ſie immerhin, ihrer herr— ſchenden Geſinnung nach, ſein und handeln möge, ihr Stand un? Amt iſt von Gott geord⸗ net; und läßt ſie nur Gottes Wort, den Glau⸗ ben und das Gewiſſen frei, gebietet ſie nichts, das wider die 10 Gebote und den chriſtlichen Glauben ſtreitet — da allerdings Chriſten Gott mehr gehoͤrchen müſſen, als den Menſchen — ſo müſſen dieſelben, ſo ſie anders Chriſti Nach— folger und Kinder Gottes ſein wollen, eher alles leiren undedeſfen, Hab und Gut, Haut und Haar, Leib und Leben, als daß ſie ſich gewalt⸗ thätig wider'die Obrigkeit ſetzen, Gott in das Richter⸗ und Rächeramt fallen und durch Auf⸗ ruhr und Empörung mit gewaffneter Hand ſich ſelbſt Hülfe ſchaffen. merthanen als E beff en; haben wider werk herrſchender Zeitmeinungen, alles Gaukel⸗ ſpiel und Schwärmerei der Kinder des Tages⸗ noch ſo gottloſe und ungerechte Obrigkeit durch— aus keine anderen Waffen, als beſcheidene Vor⸗ ſtellung und demüthige Bitte, in welcher es ih⸗ nen mehr leid ſein muß, daß die Regenten Un⸗ recht thun, als daß ſie, die Regierten, Unrecht leiden. Hilft ſolches Bitten nichts, ſondern wird der Druck darnach eher härter als ſchwä⸗ cher, ſo haben ſie die Sache Gott zu befehlen, der geſagt hat: Rächet euch ſelber nicht, meine Liebſten, ſondern gebet Raum dem Zorn (Got⸗ tes); denn es ſteht geſchrieben: „Ich will ver— gelten, ſpricht der HErr.“ Und fahren ſie darin fort und üben ſie ſich ferner, im Glauben und in der Liebe Ehriſti für ihre verblendete und bethörte Obrigkeit Fürbitte zu thun, ſo wird Gott über kurz oder lang der Zweien Eines thun, entweder er wird ihre gottloſe und unge— rechte Obrigkeit bekehren oder, ſo ſie fortfährt, Ihm zu widerſtehen, ſie hinabſtoßen, als der die Gewaltigen vom Stuhle ſtößet und ſchreck— lich iſt unter den Königen auf Erden und die Königreiche giebt, wem Er will. Zudem ſollen gottſelige Chriſten unter dem Drucke harter und ungerechter Fürſten auch die⸗ ſes bedenken, daß Gott dieſelben nach ſeiner heilſamen Strafordnung wider das unſchlachtige und verkehrte Geſchlecht, deſſen allezeit die Rehr⸗ zahl in jedem Staate iſt, zur Geißel geſetzt hat, ähnlich wie er andere gemeine Plagen, Hunger Schwert und Peſtilentz in die Lande und unter die Völker ſendet, daß die Unbußfertigen ſich be⸗ kehren und den HErrn, ihren Gott, ſuchen. Die Gläubigen aber, wie ſie dieſe und andere Landplagen als das liebe Kreuz Chriſti willig⸗ lich aufnehmen und tragen, um in täglicher Tödtung des alten und täglicher Belebung des neuen Menſchen immer gründlichere Chriſten zu werden und nicht blos Bekenner ſondern auch Nachfolger ihres HErrn und Heilandes zu ſein, ſo laſſen ſie ſich böſe Fürſten auch dazu dienen, durch die ſie alſo, wider deren Wiſſen und Wil— len, zu den rechten freien Bürgern des Himmel⸗ reichs immer geſchickter werden; denn wie der Teufel mit all ſeiner Liſt und Gewalt doch nichts anderes kann, als dem HErrn Chriſto beſtändig in die Hände zu arbeiten, ſo können ſeine Diener, die gottloſen Fürſten, auch nichts anders, als durch ihre noch ſo arge Wütherei und Unſinnigkeit das Reich Gottes immer mehr zu bauen. Wahre Chriſten nun, die ſich alſo, wie eben kürzlich angezeigt, auch gegen ungerechte Obrig⸗ keit halten, das ſind rechtſchaffene Lutheraner, nämlich Leute, die nicht der Bibel einen blos äuſerlichen Reſpekt im Allgemeinen beweiſen, ſolche Stellen aber, die den faulen Fleck treffen, entweder dahinten laſſen, oder ihnen, nach menſch⸗ lichem Dünkel, einen fremden Sinn unterſchie⸗ ben, ſondern die mit ungeheuchelter Ehrfurcht ſich jedem erkannten klaren und maßgebenden Got⸗ tesworte unterwerfen, den liebſten Wahn aus dem Herzen reißen, ja eben lieber die rechte Hand abhauen und das rechte Auge ausreißen, alle Einreden der floiſchlichen Vernunft, alles Blend⸗