# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 02 02_S95 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) lichen Sanftmuth, wenn allerlei fündliche Unarten Eurer Kinder Euch zum Zorn reizen; in der Beharrlichkeit und Treue / wenn der Leichtſinn, die Unbeſtändigkeit und die Unluſt zu guter und feſter Gewöhnung Euch in Euren Kleinen begegnet; im unabläſſigen Beten und Fürbitten, wenn Ihr theils in Euch den Mangel an Liebe und Weisheit allezeit ſpüret, theils ſtetiglich erfahret, wie es mit den Kindern ſo oft nicht fortwill und ohne den Gnadenſegen Gottes mit all Eurer Arbeit der Liebe doch nichts ausgerichtet iſt; endlich in der Hoffnung, wenn dieſe und iene Eurer Kinder beim ſelbſtſtändigen Eintritt in das Leben durch Betrug des Teufels und Ver⸗ führung der argen Welt eine Zeitlang aus der Art ſchlügen und Eure treue Vermahnung in gegenwärtiger Zeit keine Frucht »aſte, 2 daß Ihr doch nicht ablaſſet, für ſie zum getreuen Gott zu flehen, zu ſeufzen und — zu hoffen. Summa: Auf ſo mancherlei Weiſe erziehet Euch Gott, indem Ihr, als ſeine Mithelfer und Pfleger Seine und Eure Kinder erziehet; und ſicherlich iſt die Frucht und der Gewinn nicht geringer, wo nicht gar größer, dennIhr in Eu⸗ ren eigenen Seelen von Gott habet, als der, den Eure Kinder durch Eure Zucht und Gottes Se⸗ gen von Euch davontragen. 222 So hätte icha Euch denn, Ihr lieben chriſtli⸗ chen Eltern, in dieſem erſten Briefe zunächſt die hohe Würde und Herrlichkeit Eures Berufs vor Gott ein wenig vor die Seele gehalten, daß und wie Ihr nämlich in dem großen Werke der chriſt— lichen Auferziehung. Eurer Kinder nicht nur Gottes Freunde ſeid, denen er ſein Herz, Rath und Willen auch in dieſem Stücke kundgethan, ſondern zugleich ſeine Mithelfer und Mitarbeiter, um vornämlich den unſterblichen Serlen Eurer Kinder u ewigen Leben mit zu verhelfen. * Das aoſſuth Zieber. * — Wohl hätt „der Lutheraner⸗ dleſes Mannes geſchwiegen Und das Fieber, das ſeine Ankunft und ſeine Reden faſt überall verurſacht hat, ver⸗ rauſchen laſſen, da die Perſönlichkeit und das Wirken deſſelben zunächſt keine unmittelbare Be⸗ ziehung auf die Kirche hat. Wohl hätte er auch darüber kein Wort verloren, daß ſelbſt die en⸗ gliſch⸗amerikaniſchen Prediger von allerlei Glau⸗ benspartheien Herrn Koſſuth ihre Hul digung dargebracht und dieſen neuen Stern mit Ehr⸗ furcht begrüßt haben, damit zufriedengeſtellt, daß Herr Koſſuth Reſpekt vor der Bibel aus⸗ ſpricht und kein Atheiſt und Spötter ſein will, wie wohl die meiſten Stimmführer der europä⸗ iſchen Demagogie und Demokratie dieſer Zeit unleugbar ſind. Denn „der Lutheraner“ iſt es bereits gewohnt, daß die Maſſe der hieſigen Secten⸗Prediger theils aus Mangel an gründ⸗ licher und nüchterner Schrift⸗Erkenntniß und an einem feſten und gewiſſen kirchlichen Stand⸗ punkte — da ſie eben nicht Diener der Kirche Gottes, ſondern ihrer beſondern Glaubenspar⸗ —92— thei ſind. — Politiſches und Kirchliches durch einander mengen, theils aus geſchichtlicher Un⸗ kenntniß und amerikaniſchem Patriotismus die hieſige Verfaſſung des bürgerlichen Gemeinwe⸗ ſens durchaus überſchätzen, theils endlich, da ſie meiſt von Volks Gnaden berufen, ja von ihren reſpectiv. Gemeinden zeitweiſe gemiethet und gedungen ſind, aus allerlei Menſchelei und Lie⸗ bedienerei, viel Mühe und Zeit waran ſetzen, popular und fashionable zu ſein und zu blei⸗ ben, und ſtatt die Nationalſünden und Natio⸗ nalgebrechen aus und nach Gottes Wort mit Ernſt zu ſtrafen und ihr ⸗Volk väterlich und chriſtlich zu erziehen, es lieber vorziehen, mit ih⸗ ren Gemeinden, je nach beſonderer Anregung, politiſch mitzuſchwärmen. ö niellndsendlich hätte auch dieſes den „Luthera⸗ ner“ nicht bewegt den Mund aufzuthun,“ daß der „Lutheran Observer““ in ſeinem Redakteur, Herrn Dr. Kurtz, von demſelben Koſſuthfiebr ergriffen iſt, da er ſammt ſeiner ſogenannten lu⸗ theriſchen Generalſyuode eben ſo unklar und enthuſiaſtiſch und mehr amerikaniſch, als kirch— lich, iſt, zudent den lutheriſchen Namen nur wi⸗ derrechtlich und als einen Raub trägt, indem er die Einheit und Reinheit des lutheriſchen Be⸗ kenntniſſes zerriſſen hat und theils pon refor⸗— mirter Irrlehre, theils von methodiſtiſchem Pie— tismus beherrſcht iſt. Dieſer bedauerliche Mann, der bis jetzt, trotz ſeines vorgerückten Alters, vor lauter pietiſtiſcher Vielgeſchäftigkeit weder zur Erkenntniß, noch zur Erfaͤhrung vom eigentlichen Weſen des rechtfer⸗ tigenden Glaubens gekommen zu ſein ſcheint und der deshalb keinen kirchlichen Standpunkt, keine Leuchte aus Gottes Wort hat, die Zeichen der Zeit richtig zu erkennen und zu beurtheilen — dieſer, von geſundem Schriftverſtand ſo ziemlich entblößte, amerikaniſche Doctor der Thrologie kann tfreilich nicht zanders, als auf eine Weile auch ein Stück Koſſuthianer zu ſein. Er wäre ja härter wie Stein und käller wie Eis, mit ſeinen Landsleuten, nachdem zudem Ronge und Co. dahin und Jenny Lind abgereiſet iſt, jetzt nicht für Koſſuth eine Weile mitzuſchwärmen und die eitlen Lobereien der „Baltimore Sun““ abdrucken zu laſſen, ja aus eigenen Quellen ſogar ein Gebet Koſſuth's beizufügen, das derſelbe an dem Grabe Ungariſcher Krieger ge⸗ halten hat, die in der Schlacht bei Rappoylna gefallen waren. Es ſtört auch den Ehrw. Hr. Dr. Kurtz keineswegs, der ſtets die Loſung: „die Bibel, die Bibel!“ im Munde führt, in⸗ deß er doch gleichzeitig das ſchriftgemäße Be— kenntniß der lutheriſchen Kirche — Gott gebe, aus Unwiſſenheit, und nicht aus Bosheit — verachtet, daß dieſes Gebet nicht nur durchweg ſchwärmeriſch iſt und aus Berkennung des Un⸗ terſchier es zwiſchen der chriſtlichen und der poli— tiſchen Freiheit, des ſchwärmeriſchen und chriſt— gläubigen Märtyrerthums, herrührt, ſondern auch folgende, ſchlechthin ſorfiwirrige Sielle darin vorkommt: „Durch ſolch ein Opfer, als das ihrige (nämlich ſeiner gefallenen ungariſchen Brü⸗ der) iſt, würde, o Gott, Deine Erde ge⸗ noch nicht gelernt, heiligt ſein, und wäre ſie durchaus mit Sünde befleckt. O Gott! auf dieſem heiligen Boden, über dieſen Grä⸗ bern kann kein Geſchlecht der Sklaven leben.“ öů Hat denn der Hr. Dr. Kurtz ſo wenig Bi⸗ belverſtand und in ſeinem brennenden Enthuſſi asmus für den betenden Koſſuth ein ſo kaltes Herz für die Ehre ſeines Heilandes, daß ihn dieſe Stelle nicht vielmehr entrüſtet und zu chriſt⸗ lichem Mitleiden für den bibliſch ſo unklaren, auf gut ſchwärmeriſch betenden Koſſuth bewegi hat? Oder weiß er wirklich nicht, daß ſel nicht einmal der Tod und das Blut der chriftli chen Glaubens- und Blutzeugen, geſchweige das von politiſchen Schwärmern (auf das Glimpf⸗ lichſte ſie zu nennen), ſondern allein das Blü! des Sohnes Gottes die ohne ihn fluchbeladene und mit Sünde befleckte Erde geheiligt hat? Hat denn dieſer Lehrer der Kirche aus dem Zten Hauptſtück des kleinen lutheriſchen Katechismus daß das wahre erhörliche Chriſtengebet allein auf Gottes Befehl und Ver⸗ heißung ruhe und aus einfältigem, geſunden Glauben an den HErrn Chriſtum und ſein Ver— dienſt, nicht aber aus ſchwärmeriſchem Unver⸗ ſtand und menſchlicher Meinung herfließen müſſe? Doch, wie geſagt, ſelbſt dieſe Thorheit des mitſchwärmenden Schwindel- und Flattergeiſtes, des Hr. Dr. Kurtz, hätte „den Lutheraner“ nicht bewegt, über das Koſſuthfieber ein ärzt⸗ liches Gutachten abzugeben, wenn nicht die „N. Rorker Staatszeitung“ Folgendes meldete: „Am Sonntag Morgen wohnte Koſſuth, be⸗ gleitet von dem Mayor und Hrn. Pulszky dem Gottesdienſte in der lutheriſchen St. Matthäus⸗ Kirche in der Walker Str. bei. Herr Stohl mann hielt die Predigt mit Beziehung auf die Ankunft des Mannes, der offenbar von Gott geſchickt ſei, um die Völker aus der Knechtſchaft x zu erlöſen, und flehte in ſeinem Gebet um den Segen Gottes für Koſſuth und ſeine heilige Sache.e“d Hält es ſich nun wirklich alſo, wie hier be⸗ richtet wird, ſo iſt nur folgendes Entweder A Oder vorhanden. Entweder Hr. Pſt. Stohl⸗ mann iſt bibliſch eben ſo unklar und ſchwärme⸗ riſch, als Hr. Dr. Kurtz, oder er hat beſſere Er⸗ kenntniß, macht aber, um popular und fashio- nable zu ſein, aus Menſchengefälligkeit und Liebedienerei die neue herrſchende Schwärmerei für Koſſuth und ſeine Sache mit. 6 Da nun aber Hr. Pſt. Stohlmann ſowohl perſönlich, als auch im Zuſammenhange mit ſei⸗ ner Synode ſich offen zu dem ungeſchmälerten und ungefälſchten Bekenntniß der lutheriſchen Kirche mitbekennt: ſo iſt „der Lutheraner,“ der daſſelbe Bekenntniß theikt, aus lutheriſcher und kirchlicher Ehrenhaftigkeit und um des Bekennt⸗ niſſes und Gewiſſens willen genöthigt, das Schweigen zu brechen, das unkirchliche Verhal⸗ ten des Herrn Pſt. Stohlmann zu ſtrafen und bei dieſer Gelegenheit aus Gottes Wort Koſſuth und ſeine Sache zum Unterricht für alle aufrich⸗ tigen Lutheraner ein wenig zu beleuchten. Er will aber mit dem Letzten den Anfang ma⸗ chen, weil erſt aus ſolcher Berichtung das un⸗