# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 02 02_S94 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſammt ihrem Reichthum, Ehre und Luſt auffrißt und zu Staub und Aſche verwandelt; da gäbe 6 für einen Menſchen kein größeres Unglück, als eben zum Menſchen geboren zu ſein; denn nach einem immer nur kurzen und flüchtigen Schat⸗ tenleben voll Mühe und Arbeit, voll Angſt und Sorge, voll Plage und Strafe, voll Kämpfe undergerniſſe, voll verbitterter Genüſſe und ver⸗ itelter Hoffnungen käme dann der Tod und machte dieſem Schattenſpiel ein Ende. Aber, was noch ſchrecklicher iſt — da Gottes Geſetz und des Menſchen Gewiſſen, einmüthig bezeugen: „es iſt dem Menſchen geſetzt, zu ſter⸗ ben und darnach das Gericht,“ ſo müßten al⸗ ledings alle Eltern, ohne Erkenntniß und Troſt aus dem zweiten und dritten Glaubensartikel, bei der Geburt jedes neuen Kindes jammern und wehklagen; denn da in Folge von Adams Fall tin jeglich Kind aus ſündlichem Samen gezeuget iſt und von ſeiner Mutter in Sünden empfangen und geboren wird, ſo iſt auch ein jedes durch ſolche ſündliche Empfängniß und Geburt vor den Augen des heiligen und gerechten Gottes, der das gött⸗ liche Ebenbild in jedem Kindlein wiederfordert, luchwürdig und verdammlich; und darum wä⸗ ten, ohne Gottes Gnade in Chriſto, alle neu⸗ gebornen Kinder endlich nur eine Mäſtung des gefräßigen Nimmerſatt, des leiblichen Todes, der ſe zugleich zum ſteten Hohnlachen und Schaden— fteude des Satans, als wachſende Bevölkerung der Hölle in den ewigen Tod hinabſtieße. Aber nein! Gott ſei gelobet und gebenedeiet, um ſeiner unergründlichen und unausſprechlichen Erbarmung, um ſeiner freien und unverdienten Gnade in Chriſto willen! — denn er hat keinen Gefallen an dem ewigen Tod des Sünders, ſondern daß ſich derſelbe bekehre und lebe; und damit dieſer es könne und zur Vergebung der Sünden, zu Leben und Seligkeit durch den Glau⸗ ben an Chriſtum gelange, ſo hat Gott lieber den einigen und ewigen Sohn zu unſerm Geſetzes— Erfüller verordnet, und als unſern Sündentil⸗ ger, Schuldbezahler und Fluchträger am Stamm des Kreuzes daran geſetzet, als daß auch nur ein eben gebornes Menſchenkindlein ſollte ver— loren werden. Denn damit die unreine und befleckteEmpfäng⸗ niß aller Menſchenkinder gereinigt und gehei⸗ ligt ſei, iſt er vom heiligen Geiſt in Maria, der Jungfrau empfangen worden; und zum Troſte aller Mütter und Kinder, welche letztere vor der Geburt in Mutterleibe ſterben, hat Er, der le⸗ bendige Gottesſohn, unter ſeiner Mutter Herzen gelegen. Damit alen in Sünden gebornen Kindlein Gott verſöhnet und ihre Sündenſchuld erſtattet und bezahlet würde, iſt der liebe HErr Chriſtus von der Jungfrau Maria, als der Hei⸗ lige, Unſchuldige und Unbefleckte geboren und für alle ein Menſchenkind geworden, unter das Ge⸗ ſetz und deſſen Fluch gethan, auf daß ſie durch Ihn Gottes Kinder würden und nach der zeit— lichen Geburt das ewige Leben erlangten. So dürfet und ſollet Ihr chriſtliche Eltern Euch ja nun freilich herzlich freuen, nach dem zweiten Artikel, daß alle Eure Kinder mit Euch durch den HErrn Chriſtum thatſächlich erlöst ſind von der Schuld der Sünde, von dem Zorn Gottes, von dem Fluche des Geſetzes, von der Anklage des Gewiſſens, von der Furcht des Todes, von der Gewalt des Teufels und von der ewigen Pein der Hölle; daß auch ihnen der HErr für Sünde Gerechtigkeit, für Schuld Ver⸗ dienſt, für Strafe Gnadenlohn, für Iluch Segen, für Tod und Verdammniß das ewige ſelige Le⸗ ben erworben hat. Und das iſt nun eben das gnädige endliche Abſehen Gottes, darum Er durch Euch Kinder ins Leben rufet, daß ſie durch den HErrn Chriſtum das ewige Leben erlangen mögen und auch durch ſie der Himmel mit Heili⸗ gen und Seligen bevölkert werde. So oft du alſo, du chriſtliche Mutter, wenn gleich unter heftigen Schmerzen und mit großer Arbeit der Seelen und des Leibes ein Kindlein zur Welt gebierſt, ſo ſollſt du, und wenn dir über ſolchem Kampfe auch die Seele ausführe, es doch nimmer wie Rahel Benoni d. i. Sohn meiner Schmerzen, ſondern vielmehr Angeſichts des HErrn Chriſti, der auch dieſes Knäblein bereits erlöſet hat, wie Jakob, Benjamin d. i. Sohn der Rechten nennen, dieweil ihm durch den HErrn Chriſtum, den weſentlichen Sohn der Rechten, die Kindſchaft Gottes und die ewige Seligkeit und Herrlichkeit bereits erworben iſt. Denn wie durch Eines d. i. Adams Sünde die Verdammniß über alle Menſchen gekommen iſt, ſo iſt auch durch Eines d. i. Chriſti Gerechtigkeit, die Rechtfertigung des Lebens über alle Men⸗ ſchen gekommen. Wie aber werden nun Eure Kinder der Gnade des himmliſchen Vaters, des Verdienſtes des Sohnes, der gnadenreichen Einwohnung des heil. Geiſtes, der Vergebung der Sünde, der Kindſchaft Gottes und des ewigen Lebens theil⸗ haftig? Autwort: durch die Gnadenwirkung des heil. Geiſtes mittelſt des Evangelii und der heil. Taufe und mittelſt des dadurch in den See⸗ len der Kinder erweckten Glaubens, durch wel⸗ chen ſie Chriſtum ergreifen und ſich aneignen und Kinder des Vaters, Brüder und Schwe⸗ ſtern des Sohnes, Wohn⸗ und Werkſtätten des heilig. Geiſtes werden. Das iſt nun die geiſt⸗ liche Wiedergeburt Eurer Kindlein, da allerdings ohne Euer Zuthun und Mitwirken — nur daß Ihr ſie zum Waſſerbad im Wort herzubringet — Gott der geiſtliche Vater und die Kirche. Chriſti die geiſtliche Mutter Eurer Kindlein iſt und ſol⸗ che Geburt in der Ahnlichkeit der Geburt des HErrn Chriſti erfolgt, der eben damit auch geiſt⸗ lich in den Herzen der Kinder empfangen wird. Nachdem aber dieſes große und unaus⸗ ſprechliche Gnadenwunder, das in der That viel größer und herrlicher iſt, als das der leiblichen Geburt, in Euren Kindern geſchehen iſt: ſo wi⸗ derfährt Euch, liebe Eltern, nun die größte Ehre von Gott — und darin beſteht nach dem dritten Artikel die erhabenſte Würde und Herr⸗ lichkeit Eures elterlichen Berufes — daß Ihr nun auch Mithelfer und Mitarbeiter des heil. Geiſtes an den durch die heil. Taufe und den Glauben wiedergeborenen und geheiligten See⸗ len Eurer Kinder ſein ſollet. Ihr habet ſie von nun an zu betrachten, nicht blos als euer Fleiſch und Blut, darin Ihr ei⸗ gentlich nur Euch ſelbſt in Euren Kindern lie⸗ ben würdet — wie denn in der That ſolse blos natürliche und fleiſchliche Liebe, der Geßimung nach, nichis anderes iſt, als eine erweiterte Selbſtſucht — ſondern Ihr habet ſie zu betrach⸗ ten, als vom Vaier erſchaffen, vom Sohne erlö ſet und vom heiligen Geiſte wiedergeboren und ge⸗ heiligt, als ein dreifaches Wunder⸗ und Liebes⸗ werk des dreieinigen Goues, als die edelſte und ſüßeſte Erdengabe deſſelben, Euch als Haushal⸗ tern und Pflegern anvertraut, damit Ihr in recht⸗ ſchaffener Gottesfurcht, lebendigem Glauben an den HErrn Chriſtum und in geheiligter Liebe zu Euren Kindern allen Fleiß daran ſetzet, durch Beten und Fürbitten, durch Zucht und Gewöh⸗ nung, durch Beſchränken und Freilaſſen, durch Lehre und Beiſpiel in Euren Kindern die Erb⸗ ſünde und den alten Menſchen ſchwächen und die Taufgnade und den neuen Menſchen ſtärken zu helfen, damit aus ſolchen Pflänzlein des HErrn Bäume der Gerechtigfeit werden, gepflanzt an den Waſſerbächen, die da unter ſich wurzeln und über ſich Frucht tragen, Gott dem HErrn zum Preiſe und zum Lobe ſeines heiligen Na⸗ mens. Denn obwohl Gott, der heilige Geiſt, auch ohne Euer Zuthun und Mitwirken ſolch großes Ding ausrichten könnte, ſo hat es ihm doch beliebet, nach dem Wohlgefallen ſeines Wil⸗ lens, Euch in dieſem Reinigen, Beſchneiden und Begießen ſeiner Pflanzung, in dieſem heiligen, ihm wohlgefälligen, Werke, zu ſeinen Mithelfern und Mitarbeitern anzunehmen, theils um gegen die Kinder ſein Bild und Ehre an Euch leuch⸗ ten zu laſſen und in dieſen eine ehrerbietige Scheu und kindliche Liebe zugleich gegen Euch zu erwecken, theils um Euch ſelber durch die Ausrichtung dieſes ſchweren und ſüßen Werks in der chriſtlichen Heiligung zu fördern und zum Himmel zu erziehen; denn indem Ihr nach Got⸗ tes Wort und Willen Eure Kinder auferziehet in der Zucht und Vermahnung zum HErrn, werdet Ihr zugleich von dieſem ſelber erzogen und ge⸗ fördert in der rechtſch affenen Buße zu Gott, wenn Ihr Euer ſündliches Eben⸗ bild in Euren Kindern, als in einem lebendigen Bußſpiegel, vor Cuch erblicket; in ungeheu⸗ chelter Gottes furcht, wenn Ihr, wie bil⸗ lig. Sorge tragt, durch dieſes oder jenes ſünd⸗ liche Wort, Werk und Geberde daſſelbe in Eu⸗ ren Kindern zu erwecken; im wahren Glau⸗ ben an den HErrn Chriſtum, wenr Euer Lehren und Wehren, Eure Mühe und Ar⸗ beit an dieſem und jenem Kinde lange wie ver⸗ loren erſcheintz in der Liebe Chri ſti, wenn Ihr die Trägheit, Stoörrigkeit, Bosheit und Selbſtſucht Eurer Kinder zu überwinden habet: in der Geduld Chriſti, wenn Ihr, bei allem väterlichen Ernſt und Eifer wider die aus⸗ brechende Sünde und das Aufkommen ſündlicher Gewöhnungen, doch das innere erbſündliche Verderben Eurer Kinder tragen, ja es leiden müſſet, wenn der Teufel dieſe glimmenden Koh⸗ len zuweilen zur hölliſchen Flamme anbläſet, bis auf Euer gläubiges Schreien zum HErrn ſeine Gnade ſie wieder dämpfet; in der ch riſt,