# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 09 01_S1 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 1. St. Louis, Mo., den 1. September 1844. No. 1. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar fünf und zwanzig Cents für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 6¼ Cents verkauft. Vorbemerkungen über Ursache, Zweck und Inhalt des Blattes. Die deutsche Bevölkerung des Westens von Amerika wird offenbar mit jedem Tage größer. Mit derselben wächst hier zugleich die Anzahl derjenigen, welche sich zu dem Glauben bekennen, den einst Luther den Deutschen gepredigt hat. Es stehen jedoch hier die Glieder keiner andern kirchlichen Gemeinschaft so verwaist da, als die der evangelisch-lutherischen. So viel ihrer auch hier sein mögen, die sich noch Lutheraner nennen, so leben sie doch so zerstreut und sind von allen Mitteln meist so ganz entblößt, daß sie an vielen Orten kaum im Stande sind, in einen Gemeindeverband zu treten und einen Prediger ihres Bekenntnisses zu bestellen, der ihnen diene. Die deutschen Lutheraner sind daher hier in nicht geringer Versuchung, den Glauben ihrer Väter zu verlassen; entweder nach Kirche, Gottesdienst u. dergl. gar nichts zu fragen, oder in anderen hier bestehenden Gemeinschaften Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse zu suchen. Unsere theuern Glaubensbrüder in diesem Theile unseres neuen Vaterlandes bedürfen darum allerdings der Ermunterung, ihrem Glauben treu zu bleiben; sie bedürfen der Warnung vor den Gefahren des Abfalls, deren so viele ihnen hier drohen; sie bedürfen Waffen, sich gegen diejenigen zu vertheidigen, die es ihnen streitig machen, daß der Glaube der rechte sei, den sie von Jugend auf aus ihrem Catechismus gelernt haben; sie bedürfen den Trost, daß die Kirche, zu der sie sich bekennen, noch nicht verschwunden sei, daß sie daher keineswegs Ursache haben, bei irgend einer andern Gemeinschaft Zuflucht zu suchen. Dieses gewiß von vielen empfundene Bedürfniß, und die Ueberzeugung, daß es unsere Pflicht sei, unsern hiesigen Mitbürgern darüber Rechenschaft abzulegen, was in unserer Kirche geglaubt und gelehrt, und nach welchen Grundsätzen daher von uns gehandelt werde: dieß hat den Unterzeichneten bewogen, in Verbindung mit mehreren seiner Amts- und Glaubensbrüder in Missouri und Illinois, ein Blatt unter obigem Titel herauszugeben. Dasselbe soll nehmlich dazu dienen: 1. mit der Lehre, den Schätzen und der Geschichte der lutherischen Kirche bekannt zu machen; 2. den Beweis dafür zu liefern, daß diese Kirche nicht in der Reihe der christlichen Sekten stehe, und nicht eine neue, sondern die alte wahre Kirche Jesu Christi auf Erden sei, daß sie daher noch keinesweges ausgestorben sei, ja, nicht aussterben könne, nach Christi Verheißung: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Unser Blatt soll ferner 3. dazu dienen, zu zeigen, wie ein Mensch als ein wahrer Lutheraner recht glauben, christlich leben, geduldig leiden und selig sterben könne; und endlich 4. die im Schwange gehenden falschen, verführerischen Lehren zu entdecken, zu widerlegen und davor zu warnen, und insonderheit diejenigen zu entlarven, die sich fälschlich lutherisch nennen, unter diesem Namen Irrglauben, Unglauben und Schwärmerei verbreiten und daher die übelsten Vorurtheile gegen unsere Kirche in den Gliedern anderer Parteien erwecken. Vielleicht nicht wenige, wenn sie dieses lesen, werden uns entweder die Fähigkeit absprechen, das Ziel, das wir uns selbst gesteckt haben, zu erreichen; oder sie werden fürchten, daß unser Blatt den Geist der Unduldsamkeit athmen, und somit Haß Verschiedenglaubender unterhalten und nähren werde. Auf das erste Bedenken haben wir nur dieses zu antworten: Wir erkennen selbst gewiß lebendiger, als irgend jemand, wie viel uns abgeht, den Beruf des Herausgebers eines christlichen Zeitungsblattes in seinem großen Umfange zu erfüllen; wir wissen aber, daß es in göttlichen Dingen nicht auf große Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit ankommt, seinen Brüdern nützlich zu sein, sondern auf rechte lebendige Erkenntniß der seligmachenden Wahrheit und auf ein einfaches Zeugniß von derselben. Uebrigens haben wir die Absicht, in diesem Blatte die geistreichsten Lehrer unserer Kirche, insonderheit Luthern, selbst reden zu lassen, und wir meinen, daß schon allein diese mit dem Blatte dargebotenen Gaben dasselbe so gehaltvoll machen werden, daß sich der Leser das Unsrige wenigstens als eine geringe Zugabe gefallen lassen kann. Was das zweite Bedenken betrifft, so wird es gewiß bald gehoben werden, wenn die Leser nur einige Blätter mit Aufmerksamkeit und ohne Vorurtheil werden geprüft haben. Wir sind selbst eine geraume Zeit von mancherlei Irrthümern gefangen gewesen, und Gott hat mit uns Geduld gehabt und uns mit großer Langmuth auf den Weg der Wahrheit geleitet; dessen eingedenk werden daher auch wir gegen unsere irrenden Nächsten Geduld beweisen und uns alles sündlichen Richtens und Verdammens durch Gottes Gnade enthalten. Wir werden nicht sowohl die irrende Person, als vielmehr ihren Irrthum angreifen. Wir werden uns auch nicht als solche geberden, die allein rein lutherisch sein und die Wahrheit allein besitzen wollen, sondern nur Zeugniß geben, daß Gott auch an uns Großes gethan und uns zur lebendigen Erkenntniß der alleinseligmachenden Wahrheit gebracht hat. St. Louis, Mo., im August 1844. C. F. W. Walther, Pastor der deutschen ev.-luth. Gemeinde ungeänderter Augsburgischer Confession hier. Zeugnisse Luthers: Welches der Hauptartikel der christlichen Lehre sei. In seiner herrlichen Auslegung des Briefes an die Galater schreibt derselbe: „In meinem Herzen herrscht allein und soll auch herrschen dieser einige Artikel, nehmlich der Glaube an meinen lieben Herrn Christum, welcher aller meiner geistlichen und göttlichen Gedanken, so ich immerdar Tag und Nacht haben mag, der einige Anfang, Mittel und Ende ist. Und wiewohl ich sehr viel Worte davon gemacht, empfinde ich dennoch gleichwohl, daß ich von der Höhe, Tiefe und Breite dieser unmäßigen, unbegreiflichen und unendlichen Weisheit kaum und gar nehrlich ein geringes, schwaches Anheben erreichen, und kaum etliche kleine Stüflein und Bröcklein aus der allerköstlichsten Fundgrube habe an das Licht bringen mögen. — Dieser Artikel ist der einige feste Fels und die ewige beständige Grundveste alles unseres Heils und Seligkeit: nehmlich, daß wir nicht durch uns selbst, viel weniger durch unsere eigene Werke und Thun (welche freilich viel geringer und weniger sind, denn wir selbst), sondern daß wir durch fremde Hülfe, nehmlich, daß wir durch den eingebornen Sohn Gottes, Jesum Christum, von Sünden, Tod und Teufel erlöset und zum ewigen Leben gebracht sein.“ Ferner schreibt Luther in seiner Vorrede zur Erklärung des Propheten Amos von Brentius: „Solche Gabe Gottes, so vornehmlich in Dir vor andern ist, habe ich sonderlich lieb, daß Du die Lehre von der Gerechtigkeit des Glaubens in allen Deinen Büchern so treulich 1