# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 01 20_S90 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſein, ſondern danke Gott, ſo ER Dir einen treuen Hirten geſchenkt, der nicht hart und ſtreng über die Gewiſſen herrſchet, und bitte Ihn, daß er Sein Lutheriſches Zion vor der Hierarchie und Prieſterherrſchaft in Gnaden bewahre und uns die heilſame Lehre des theuerwerthen Evan— ö gelii wie in allen ſo auch in dieſem Stück lau— ter und rein erhalte bis an's Ende. Vor allem aber bitte mit mir den barmherzigen Gott, daß ER doch dem armen verblendeten Mann, der in den Stricken des Vaters der Lügen ſo hart gefangen liegt, Gnade zur Buße geben wolle um Jeſu Chriſti Seines lieben Sohnes willen. Amen. Auguſt Crämer. Methodismus. Herr Mulfinger hat in drei Nummern des Apologeten auf unſern Aufſatz von den heiligen Sacramenten geantwortet. In ſeinem erſten Artikel überſchüttet er die evangeliſch-lutheriſche Kirche mit Läſterungen und Schmähungen und ſchilt uns Ochſen, Ismael, Papſt, Juqui-⸗ ſitor, falſche Propheten ꝛc., indem er zugleich unſere wohlgemeinte Belehrung höhniſch zurück— ſtößt und in ſeinen methodiſtiſchen Irrthümern halsſtarrig verharrt. Damit beweiſt er denn leider zur Genüge, daß er die Heiligungs-Gnade nicht beſitzt, ſondern ein vom Teufel verblende⸗ ter, boshafter und hoffärtiger Schwarmgeiſt iſt. In ſeinem zweiten Artikel hat Herr Mulſinger vie Unverſchämtheit, ſich ſeines Abfalls von der Lehre der evang. lutheriſchen Kirche noch zu rüh— men, wobei er uns zugleich eröffnet was er ei— gentlich für ein Mann ſei. „Ich hatte von Jugend auf (wie ich jetzt glaube, Lurch Gottes Gnade) einen gründlichen For— ſchungsgeiſt. Ich ſetzte daher in Manches, was ich nicht in der heiligen Schrift deutlich fand, ebwohl mir der Paſtor es ſagte, beſonders aber in die lut heriſche Lehre von der heiligen Abſo— lution, manchen Zweifel. . ..“ Alſo „ein gründ— licher Forſchungsgeiſt“ bewegt Herrn M., an der ſchritgemüßen ev. luth. Lehre von der h. Abſolu— tion zu zweifeln und ſie endlich zu verwerfen. Wir ſehen daraus, was dieſer grüudliche Mul⸗— ſingerſche Forſchungsgeiſt war, nämlich der eigene verderbte Geiſt, der natürliche Unglaube des Fleiſches. Hätte Herr M. ſich nicht auf ſeinen „gründlichen Forſchungsgeiſt“ verlaſſen, ſonderu demüthig den heiligen Geiſt um ſeine Erleuch— „ung angerufen, ſo würde er die Wahrheit ſicher⸗ lich erkkannt haben; denn dem Aufrichtigen läßt Gott es gelingen. Weil er ſich aber auf ſeinen kigenen Geiſt, d. h. auf ſein ungläubiges Fleiſch verliei, ſo ging es ihm nach dem Worte der heiligen Schrift,‚ 1 Cor. 2, 14.: Der natürliche Menſch vernimmt nichts vom Geiſt Gottes: es it ihm eine Thorheit und kann es nicht erken⸗ nen, denn es muß geiſtlich gerichtet ſein. Es war daher ganz natürlich, daß das Männ⸗— lein mit dem „gründlichen Forſchungsgeiſte“ die tvang. lutheriſche Lehre von der heil. Abſolution in der Schrift nicht finden konnte. Die Juden Er ſaat nämlich:“ —57.— können auch den Herrn Chriſtum in der heil. Schrift nicht finden, wie wohl er Kern und Stern derſelben iſt. Denn wenn Moſes geleſen wird, hängt die Decke vor ihrem Herzen. Wenn es aber ſich bekehrete zu dem Herrn, ſo würde die Decke abgethan. 2 Cor, 3, 15. 16. Wer ſich zum Herrn bekehret, der findet auch die evang. lutheriſche Lehre von der heil. Abſolution mit wunderbarer Deutlichkeit und Klarheit in der beil. Schrift gegründet. Denn Chriſtus hat ſeiner Kirche die Schlüſſel des Himmelreichs, oder dit Gewalt, in ſeinem Namen Sünde zu verge⸗ ben und zu behalten, an drei verſchiedenen Or⸗ ten, Matth. 16, 19. u. 18, 18. Joh. 20, 23. mit den klarſten, deutlichſten Worten übergeben. Oder iſt es nicht deutlich, wenn Chriſtus ſpricht Joh. 20, 23.: Welchen ihr die Sünden erlaſ⸗ ſet, denen ſind ſie erlaſſen; und welchen ihr ſie behaltet, denen ſind ſie behalten? Fürwahr, Chriſtus hätte nicht verſtändlicher reden, nicht deutlicher die Abſolution einſetzen können, wie das Jeder, auch Herr M. bekennen muß, wenn er ehrlich ſein, d. h. der Stimme ſeines Gewiſ⸗ ſens und der Mahnung des heil. Geiſtes folgen wollte. Und damit wir ja nicht wähnen ſollen, daß das Schlüſſelamt bloß den Apoſteln für ihre Perſon gegeben ſei, gebietet der Herr Chriſtus denſelben ausdrücklich: Lehret ſie (alle Völker) halten alles, was ich euch befohlen habe, Matth. 28, 20., womit er es auf das Beſtimmteſte als ſeinen Willen erklärt, daß das Schlüſſelamt bis ans Ende in ſeiner Kirche im Schwange gehen ſolle. Wer denn aber dennoch muthwillig, ob— wohl belehrt und gewarnt, der Kirche die Gewalt, Sünde zu vergeben und zu behalten, abſpricht, der verläſtert und verleugnet Chriſtum und ſein Wort, wie er das wohl erfahren wird an jenem Tage. Indeß wird es weder dem Teufel, noch den Schwärmern gelingen, die evang. luther. Lehre von der heil. Abſolution zu widerlegen, denn ſie iſt auf Gottes Wort gegründet. Weiter ſpottet Herr M. über mich gar herrlich: „Vielleicht hat er auch in irgend einer Ecke der Bibel, die ich noch nicht entdeckt habe, ein Erem— pel aufgefunden, daß ein Apoſtel nach Altluthe⸗ raner Art abſolvirt hat.“ Mit dieſen Worten beweiſt Herr M. nur wieder auf das Traurigſte ſeine Unverſchämtheit und Unwiſſenheit. Ohne die evang. lutheriſche Lehre von der heil. Abſolu— tion nur im Geringſten zu kennen, verläſtert er ſie, wie denn ein ſolcher elender Schwarmgeiſt thun muß. Was iſt denn nun die Abſolution? Sie iſt weſentlich nichts anders, als das Evangelium, oder die Predigt von der Vergebung der Sün⸗ den. Nach Chriſti Befehl nämlich: Predigt das Evangelium aller Creatur, Marc. 16, 15. ſoll allen Menſchen die frohe Botſchaft gebracht wer— den: Chriſtus hat euch erlöſt und mit Gott verſöhnt, hat euch Vergebung der Sünden, Le⸗ ben und Seligkeit erworben. Dieſe Predigt kann und ſoll nun auch an Einzelne, die ſie be⸗ gehren. gerichtet und ihnen verkündiget werden: Sei getroſt, auch dich hat Chriſtus erlöſt, auch dir ſind deine Sünden vergeben. Das Cvangelium iſt aber nicht eine allge⸗ meine, nugewiſſe, zweifelhafte Vertröſtung, es könne vielleicht wohl einmal ſein, daß auch Dir mit der Zeit die Sünden vergeben werden, wenn Du recht eifrig beteſt, ringſt, der Heiligung nachjagſt und durch gute Werke dich der gött⸗ lichen Gnade würdig machſt, ſondern es iſt ein wirkſames Gnadenmittel, eine Kraft Gottes, die da ſelig macht alle, die daran glauben; ein le⸗ bendiges, kräftiges, ewiges, wahrhaftiges Got⸗ tes Wort, wodurch uns die Vergebung der Sün⸗ den nicht von ferne gezeigt, ſondern als gegen⸗ wärtig wirklich und wahrhaftig vorgeſtellt und angeboten und den Gläubigen auch gegeben und mitgetheilt wird. Gewiß wird kein Chriſt daran zweifeln, da der Gichtorüchige, zu welchem Chriſtus ſprach: „Sei getroſt, mein Sohn, deine Sünden ſind dir vergeben“ (Matth. 9, 2.), wirklich abſol⸗ virt, d. h. wirklich von allen ſeinen Sünden losgeſprochen ſei. Warum? weil Chriſti Wort die Wahrheit und es unmöglich iſt, daß Chriſtus, der der wahrhaftige Gott iſt, lüge. Wie ſelig war demnach der Gichtbrüchige, da er aus dem Munde unſeres Heilandes das ſüße Troſtwort hörte: „Deine Sünden ſind Dir vergeben.“ Auf dieſes Wort konnte er ſich ſicher und ruhig, als auf einen ewigen Felſen verlaſſen; damit konnte er alle Bedenken, Zweifel und Anfechtun— gen ſiegreich niederſchlagen; denn er hatte ja Gottes eigne, untrügliche Zuſage und Verhei— ßung, daß ihm ſeine Sünden vergeben ſeien. Wie troſtlos, wie ſchrecklich wäre es nun für uns, wenn wir nach Chriſti ſichtbarem Abſchied von ſeiner Kirche im Evangelio nur ein zweifel— haftes, ungewiſſes Menſchenwort hätten. Wir würden dann nie zur Glaubensfreudigkeit ge— langen, da dieſelbe nur in der Zuverſicht beſteht, daß Gottes Gnaden-Verheißung wahrhaftig iſt und auch uns gilt; wir würden ſomit immer fragen müſſen: wer weiß, ob auch dir deine Sünden vergeben ſind? Um nun aber auch uns und allen Menſchen ſein Heil und den Troſt der Crlöſung zu ſchenken, hat Chriſtus ſeiner Kirche die Gewalt gegeben, die Sünden zu vergeben, d. h. durch das Evangelium ſie von ihren Sünden zu abſolviren. Und indem Chriſtus ſpricht: Welchen ihr die Sünde erlaſ— ſet, denen ſind ſie erlaſſen ꝛc. Joh. 20, 23. u.: Wer euch höret, der höret mich, Luc. 10, 16., ſo befiehlt er uns damit, das Evangelium und die Abſolution, die uns durch die Diener der Kirche verkündigt wird, nicht als ein Menſchen⸗ wort zu verachten, ſondern als Gottes eigenes wahrhaftiges Wort hochzuachten und zu glau— ben. Es iſt daher vollkommen ſchriftgemäß, wenn wir in unſerm kleinen luth. Catechismus bekennnen: Ich glaube, was die berufenen Diener Chriſti aus ſeinem göttlichen Befehl mit uns handeln, ſonderlich, wenn ſie die öffentlichen und unbußfertigen Sünder von der chriſtlichen Gemeine ausſchließen und die ſo ihre Sünden bereuen und ſich beſſern wollen, wiederum ent⸗ binden, daß es alſo kräftig und gewiß ſei, auch im Himmel, als handelte es unſer lieber Herr Chriſtus mit uns ſelber. Demnach findet jeder aufmerkſame Bibelleſer