# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 01 20_S89 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) waren, die nur auf Zerſtörung und Verwüfkung der Gemeinde ausging, ſintemal ſie dann nim⸗ mermehr den ordentlichen Weg eingeſchlagen hät⸗ ten, oder doch mindeſtens nicht darauf verblieben wären. Es verhält ſich aber auch die Sache gar nicht einmal ſo, wie ſie Winkler dargeſtellt hat, vielmehr iſt es nach zweien Briefen der Leute an den Unterzeichneten vom 4. und 20. Auguſt v. J. gewiß, daß ſie von vornherein das Buffa⸗ loer Kirchengericht gar nicht anerkannt haben, wie ſie es denn auch nicht anerkennen konnten. Es heißt nämlich darin, ſie ſeien einzeln vorge— laden worden, wären aber in corpore erſchienen und hätten erklärt, daß eine ſolche Unterſuchung ihrer Conſtitution zuwider ſei, weshalb ſie die Herren nicht für ein Unterſuchungs-Committee erkennen könnten. — Wenn nun Winkler in ſeinem Bericht ferner ſagt, daß Crämer und Paſt. Hattſtädt von Monroe friſch weg dieſe in Sün⸗ den ſich wälzenden Menſchen mit Predigt verſorgt und den Unbußfertigen ohne Weiteres das heil. Abendmahl gereicht hätten, ſo hat erſterer vor ſeiner Abreiſe, da die förmliche Losſagung noch nicht erfolgt war, ſich ſtandhaft geweigert, ein Kind zu taufen, wiewohl er mit Thränen dare um gebeten wurde; Paſt. Hattſtädt aber hat nicht unbußfertige Rottierer, ſondern mit gutem Fug und Recht von einem offenbar gewordenen Wolf ausgegangene Chriſtenmenſchen mit Wort und Sacrament bedient, worauf wir übrigens weiter unten noch einmal zu reden kommen. Was Winkler von einem ſpäteren öffentlichen Einbruch in Kirche und Schule erzählt mit Sheriff, Con⸗ ſtables, Advocaten und dergleichen berührt zwar den Unterzeichneten eigentlich gar nicht, ſintemal er nicht dabei betheiligt war und nichts davon wußte, merkwürdig iſt es aber doch und darf nicht unge⸗ rügt gelaſſen werden, daß Winkler von einem offen⸗ bar gerichtlichen Act als von dem Einbruch einer Räuberbande zu reden im Stande iſt. — Wenn endlich Winkler in ſeinem Berichte weiter ſagt: alle Ercommunicirte hätten ſich darauf einen Rotten— prieſter, Namens Schaller, berufen, welcher das Werk glorreich weiter führe und ſelber weiter ge— führt werde, die Spnode von Miſſouri aber heiße all das gottloſe Weſen gut, befördere es, belobe es, belohne es mit Geld und bilde ſich ein, ſie breite damit Chriſti Reich aus: ſo ſollte das der Wahr— heit gemäß, wie ſie im Obigen mit gewiſſenhaf⸗ ter Treue dargelegt iſt, alſo heißen: die armen, gequälten Leute, die ſo lange unter Winklers Torannei und Prieſterherrſchaft geſchmachtet ha— ben, aber endlich unter Darlegung ihrer gewich— tigen und triftigen Gründe von ihm ausgegan— gen ſind, haben ſich hierauf den treuen luther. Paſtor Schaller zum ordentlichen Prediger beru⸗ fen, der im Segen unter ihnen wirket. Und die Synode von Miſſouri, die die ganze Sache mit Sorgfali geprürt, und nach vielen probaten Ac— teuſtücken abermal und abermal erwogen hat, konnte das a lemings nur gut heißen und fühlte ſich nach der Liebe Chriſti gedrungen, der ihres Kirchenvermögens beraubten Gemeine eine Un⸗ terſtützung zufließen zu laſſen und glaubt wirk— lich etwas zur Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden beigetragen zu haben, da nun auch —86— in Detroit das Wort Gottes lauter und rein ge⸗ predigt und die Sacramente nach Gottes Ein⸗ ſetzung verwaltet werden. Schließlich möchten wir doch wiſſen, wie man behaupten könne, daß eine Seele ohne Ausſöhnung mit der Kirche hin⸗ übergegangen ſei, weil ſie demBefehl ihres Herrn getreu einen falſchen Propheten gemieden hat. — Ein würdiges Seitenſtück zu Winklers erſtem Bericht liefert ſein zweiter Beitrag, in welchem er einen Briefwechſel mit Paſtor Hattſtädt ver⸗ öffentlicht und denſelben mit einer Einleitung, mit Randgloſſen und einer Schlußbemerkung ausgeſtattet hat. Darin heißt es unter anderm in der Einleitung: nachdem Herr Crämer im Mai und Juni 1850 ſein Rottenweſen in Detroit getrieben und darauf unſer Kirchengericht bis 31. Juli verſammelt geweſen war, eilte ſchon im Auguſt Herr Paſtor Hattſtädt von Monroe her— bei, den Rottengeiſtern beizuſpringen und das angezündete Feuer ja nicht wieder verlöſchen zu laſſen. Was Crämer für ein Rottenweſen in Detroit getrieben habe, davon iſt im Obigen ſatt— ſam gehandelt und bedarf dieſe ſchnöde Schmä— herei keiner weitern Widerlegung. Damit fällt aber auch die Anſchuldigung gegen Paſtor Hatt⸗ ſtätt in ihr jämmerliches, Nichts zuſammen. Was er gethan, daß hat er in chriſtlicher Ordnung ge— than und die üble Nachrede, als hätte er das Abendmahl ohne vorhergegangene Beichte und Abſolution gereicht, wird er leicht ertragen kön— nen. Was aber die acht Punkte betrifft, die Winkler in ſeinem zweiten Brief an Paſtor Hatt ſtädt zuſammengeſtellt hat, ſo diene darauf zur Erwiderung: ad 1. Falſche Lehre iſt der Miſſeuriſchen Synode auch von Pſt. Winkler Schuld gegeben— worden, auch er iſt alſo den Beweis ſchuldig, um ſo mehr, da ihn die Buffaloer Synode we⸗ der aus Gottes Wort noch aus den Symboli⸗ ſchen Büchern und gläubigen Lehrern der Kirche geführt, ſondern ihre Beſchuldigung nur keck, ſophiſtiſch und lügenhaft behauptet hat. ad 2. Hatte Winkler nach ſeiner Conſtitu⸗ tion das Recht nicht, eine Sache, die ſtrittig ge— worden war, ehe die Gemeine einer Synode angehörte, vor eine ſolche zu bringen, der er ſich erſt im Verlauf der bereits eingeleiteten Unter— ſuchung angeſchloſſen; dazu ſo iſt die Committee allein durch ſeine Schuld nicht zu Stande ge⸗ kommen. ad 3. Sind die betreffenden Amtsbrüder des Pſt. Hattſtädt nicht blos ſogenannt glaub— würdig, ſondern von gutem Leumund, alſo daß es Hr. Pſt. Winkler ſchwer werden dürfte, ſie durch ſeine Lügen zu verdächtigen. Freilich ha— ben dieſelben nichts unterſuchen können, aber eben aus Winkler's Schuld, und gerade weil er die Unterſuchung hintertrieben und ſich geſcheut hat, an's Licht zu kommen, iſt es nur zu gewiß, daß die Ausgeſchloſſenen mit Unrecht von ihm gebannt worden ſind. ad 4. Sind die mit Unrecht Ausgeſchloſſe- nen und die von Winkler mit gutem Fug und Recht Ausgegangenen allerdings zu einer recht⸗ gläubigen lutheriſchen Gemeinde zuſammenge⸗ treten, waren alſo mit nichten partheiiſche Rot⸗ tierer, ſondern eine predigerloſe) Gemeinde, und konnten ſomit in kirchlichen Dingen gar wohl zengen. Uebrigens lehren die Mlſſourier kei⸗ neswegs, daß jedweder Haufe eine Gemeine Chriſti ſei, wohl aber ſagt Chriſtus ſelbſt: wo zwei oder drei verſammelt ſind in meinem Na⸗ men, da bin ich mitten unter ihnen. — ad 5. Hat Pſt. Hattſtädt alſo keineswegs fu ſcher Lehre Vorſchub geleiſtet, und ſicherlich hatte er von Gott Beruf und Auftrag, der Gemeine in Detroit zu dienen, da er ja in ordentlicher Weiſe von ihr gerufen war. ad 6. Iſt Pſt. Hattſtädt nicht auf Hören⸗ ſagen fremder, betheiligter, partheiiſcher Leute, ſondern auf den Bericht glaubwürdiger, mit der Sache betrauter Amtsbrüder nach Detroit ge— gangen, keineswegs aber dort in Winkler's Ge⸗ meinde eingebrochen. ad 7. So haben weder Rottierer noch de— ren Helfer dem Pſt. Hattſtädt etwas vorgelogen; Hr. Pſt. Winkler aber war nicht weiter zu be⸗ fragen, weil er ſich bereits der ordentlichen Un⸗ terſuchung entzogen hatte. ö ad 8. So brauchte Pſt. Hattſtädt nicht vor der Uebertretung einer Negel zu erſchrecken, die er nicht übertreten hat, und ſomit erweiſt ſich das über den, Lutheraner“ und in den Anmerkun⸗ gen Geſagte hier als gänzlich unſtatthaft; wie denn dies alles aus unſerm obigen Bericht ei⸗ nem Jedem ſattſam einleuchten wird, der nuy unpartheiiſch prüfen und urtheilen will. Was endlich die Schlußbemerkung des gan— zen Schmäh- und Lügenartikels des Hr. Pſt. Winkler betrifft, ſo ſind ſich weder Walther noch Crämer bewußt, junge ſchwache Prediger wider die Kirche des HERRN ſündigen zu machen. Sie haben in dieſer Sache auch keine Ungerechtigkeit ihres Wiſſens begangen, vielmehr ſich derer, die ſchnöde Ungerechtigkeit erlitten, treulich angenommen und damit den ſprechen⸗ den Beweis geliefert, daß ſie eben kemen Gefal⸗ len an denen haben, die Unrecht thun. — Und ſo wäreſt Du denn, mein tieber Leſer durch das Labyrinth von Verdrehungen, Lügen, Schmähworten und Läſterungen des Winkleri⸗ ſchen Artikels hindurch geführt, da Dir oft Ge— duld wird Noth geweſen ſein, wie es denn dem Schreiber Dieſes ſelbſt oft Ueberwindung gekoſtet hat, von einem ſich lutheriſch nennenden ö Paſtor ſo viel Unredlichkeit und einen ſo gehäſſ „ gen, verläumderiſchen Sinn aufdecken zu müſ⸗ ſen. Aber bedenke, es gilt die Ehre Gottes, deſſen Name mehr denn einmal über ſo viel Lä⸗ ge und Unwahrheit von Winkler angerufen und ſomit freventlich misbraucht worden iſt; es gilt das Heil unſterblicher Seelen, die etwa noch in den Ketten hierarchiſcher Tyrannei gefangen lie⸗ gen und der Berichtigung und Ermunterung be⸗ dürfen, ſich auch von ſolchen zu thun; es gilt.! die Wahrheit, die nichts ſcheut, als verborgen zu bleiben; es gilt die Schwachen, die etwa durch Winkler's dreiſtes Lügenreden, wenn es ungeſtraft bliebe, irre gemacht werden dürften. Darum ſo laß Dich die Mühe des Leſens, Ver⸗ gleichens und Prüfens nicht verdrießen; laß aber auch dieſe Zeilen an Dir nicht vergeblich