# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 01 20_S87 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſtands. Hr. Pft. Winkler kann nicht läugnen, daß er ſchon am Samſtag geſagt, er könne mit dem Unterzeichneten nicht anders mehr als vor dem Vorſtand verhandeln, und zwar ſo hat er dies, das weiß er ſelber wohl, in unmittelbarer Beziehung darauf geſagt, als der Unterzeichnete wegen der Beſchuldignng falſcher Lehre mit Recht Beweis von ihm forderte, nicht aber hat es ſich darum gehandelt, ihm das Treiben der Rottierer darzulegen, was ja auch ganz zweckwidrig gewe⸗ ſen wäre, ſintemal nicht dieſe ſogenannten Rot⸗ tierer, ſondern nur Winkler ſich der Unterſu⸗ chung entziehen wollte, welche Unterſuchung die ganze Lage der Dinge viel beſſer an den Tag bringen mußte, als dies eine einſeitige Darſtel⸗ lung nimmermehr zu thun vermochte. Auch das iſt unrichtig und nur geeignet irre zu leiten, wenn Winkler behauptet, er habe den Unter⸗ zeichneten ausdrücklich allein eingeladen, und die Worte „ihn allein“ groh drucken läßt⸗ Denn darnach muß man glauben, daß die aus⸗ geſprochene Bedingung, unter welcher derſelbe überhaupt noch vor den Vorſtand kommen konnte, die geweſen ſei, daß er allein käme. Aber der Unterzeichnete hat ja Winkler's Einladung noch ſchriftlich in Händen, und die lautet: „Herr P. Crämer iſt eingeladen auf heute Abend 8 Uhr in mein Haus. Friedrich Winkler.“ Da iſt ja offenbar kein Wörtlein von einer unerläßlichen Bedingung des Alleinekommens geſagt. Vielmehr verſteht es ſich, wie bereits erwähnt, von ſelber, daß die Zeugen zugegen ſein mußten, vor welchen die Beſchuldigung fal⸗ ſcher Lehre ausgeſprochen worden war. Wenn dann Winkler weiter berichtet, er habe gleich an der Thüre wegen der Begleiter Vor— ſtellungen gemacht und erklärt, daß auf dieſe Weiſe nicht verhandelt werden könnte, Crämer habe ſich aber nicht bedeuten laſſen, ſondern ſei mit ſeinen Leuten 2 Stuben und die Küche hindurch hinaus auf die porch gedrungen, wo einige Vorſteher und Glieder der Gemeine ver— ſammelt geweſen wären; habe dieſelben mit lau⸗ ter Stimme haranguirt und ſie in ſein Intereſſe zu ziehen geſucht, ſo iſt auch hier wieder Lüge an Lüge gereiht. Es fehlt ſo viel, daß das Auftreten Crämers und ſeiner Begleiter dem Ueberfall einer Räuberbande ähnlich geweſen ſei, wie Winkler zu behaupten dreiſt genug iſt, daß ſie ſich vielmehr ſtill und ruhig zu Winkler's Haus begaben, beſcheidenlich an die Thüre poch— ten und warteten, bis ihnen Winkler aufthat, der ſie nun freilich mit donnernder Stimme alſo empfing: „was wollen dieſe Männer, die haben hier nichts zu ſchaffen,“ und dann hinwegeilte und ſie an der offnen Thür ſtehen ließ. Nach— dem ſie nun längere Zeit gewartet hatten und Winkler, den ſie von einem augenblicklichen Un— willen übereilt glaubten, nicht wieder kam, tra⸗ ten ſie in das erſte offne Zimmer, das ſie aber leer fanden. Sie gingen in's zweite, auch hier war niemand, wohl aber hörten ſie da, daß Leute auf der porch verſammelt wären. Ganz befremdet traten ſie da hinaus, um doch zu er— fahren, was das alles heißen ſolle; hier aber wurden ſie alsbald von Winkler und ſeinen Leu⸗ ten mit großem Toben empſangen, indem erſte⸗ rer durchaus es nicht geſchehen laſſen wollte, daß die 3 Männer, bisher Glieder ſeiner Ge⸗ meine, zugegen wären. Was nun Winkler ha⸗ ranguieren nennt, war weiter nichts als eine einfache Darlegung des Zweckes unſeres Hier⸗ ſeins, nämlich den Beweis zu hören, inwiefern der Unterzeichnete falſcher Lehre zu bezüchtigen ſei; und was derſelbe darſtellt, als habe man ſeine Leute in's Intereſſe ziehen wollen, war ein Verſuch, jeden einzeln zu überzeugen, daß Wink⸗ ler, wenn er auch nur auf äußere Ehrbarkeit Anſpruch machen wolle, verbunden ſei, die vor Zeugen gemachte Beſchuldigung auch vor den⸗ ſelben Zeugen zu erhärten. Das koſtete aber nicht geringe Zeit und Mühe, indem ſelbſt einer der Vorſteher ſo wenig im Stande war zu be— greifen, warum es ſich hier eigentlich handle, daß er vielmehr glaubte, man ſei da, die Sache auszumachen, und ſich darüber in die rohen Worte ausließ: „meinen Sie denn, daß man dieſen (2s. v. :) Sauſtall in einer Viertelſtunde ausmiſten kann?“ Wahr iſt es freilich, daß eine ärgerliche Rede eines andern Vorſtehers, die Winkler, wiewohl nicht ohne Verdrehung, in ſeinem Berichte anführt, einen Eindruck auf den Unterzeichneten gemacht hat, nämlich den des Abſcheus und ſchmerzlichen Bedauerns, daß man ſo gottlos ſein und einem den Lärm zur Laſt legen konnte, den man doch allein ſelber erhob. Winkler aber war nicht dahin zu brin— gen, daß er auch nur den Artikel angegeben hätte, in welchem unſere Synode falſch lehren ſolle, ſondern berief ſich nun erſt, nicht aber, wie er in ſeinem Bericht fälſchlich angiebt, ſchon gleich am Samſtag, auf den zweiten Synodal⸗ brief des Hr. Pſt. Grabau, indem er vorwen⸗ dete, es ſei jetzt nicht Zeit, denſelben durchzuneh— men; man ſolle ſich erſt demüthigen und den⸗ ſelben ſtudieren. Es wurde ihm vorgehalten, daß es ſich nicht um jenen Synodalbrief, ſon⸗ dern um ſeine Beſchuldigung handle, die er als Theologe doch müſſe beweiſen können; es wurde ihm verſichert, daß man ſich gern, wenn er den Irrthum aus Gottes Wort nachweiſen könne, auch vor ihm demüthigen wolle; es wurde ihm dargethan, wie es ſeine heilige Pflicht ſei, die ſchwere Anſchuldigung, wofern er ſie nicht be— weiſen könne, zurückzunehmen; er wurde gebe— ten und beſchworen, ſich doch nicht im Eigenſinn zu verhärten: aber alles war vergeblich, viel⸗ mehr gerieth er allerdings dergeſtalt in Wuth, daß er den Unterzeichneten dreimal mit dem Arm auf die Bruſt ſtieß. Zwar ſucht Winkler dies dadurch zu entkräften ja als handgreifliche Lüge darzuſtellen, daß er erſtens anführt: Erämer habe die Sache zu verſchiedenen Malen verſchie⸗ den und widerſprechend erzählt: aber das wolle er doch erſt beweiſen; dann, daß er ſich auf die Staturen beider Perſonen, ſeiner eignen näm⸗ lich und der des Crämer beruft, gerade als ob es ein unmöglich Ding ſei, daß ſich kleine Per⸗ ſonen, zumal wenn ſie vom Zorn überwältigt ſind, wie Winkler dazumal ſo offenbarlich gewe⸗ ſen war, daß auch ſein Angeſicht wie Purpur die Anſchuldigung falſcher Lehre beweiſen oder ſie glühte, an Leute von größerer Statur wagen ſollten; endlich damit, daß er auf's Beſtimm⸗, teſte wiſſen will, Crämer ſei auf Univerſität ein Erzklopffechter geweſen, während er ſelber nit einen Fechtboden betreten habe. Nun wollen wir zwar den Crämer von Univerſität her gar nicht in Schutz nehmen, vielmehr verdammen; wir ihn ſelber, denn er hat nicht nur zu eintr. Zeit ſtudiert, da der Unglaube auf den Univerſi⸗ täten geherrſcht hat, ſondern iſt leider dazumal) ſelber ein Kind des Unglaubens geweſen. Doch bitten wir jeden einfältigen Chriſtenmenſchen dit; Herzenstücke wahrzunehmen, die Winkler hitt offenbart, indem er ohne allen Zweck und Ver⸗ anlaſſung nur alles, was er weiß oder auch.! nicht weiß, hervorſucht, um auf ſeinen Nächſien,. Schmach zu werfen, nur damit er ſeine böſe, Sache ſchmücke. Welcher heidniſche Richter aber. hätte wohl folgenden Beweisgrund gelten laſſen, wenn z. B. die Juden von Lyſtra durch Augen⸗ zeugen überwieſen worden wären, daß ſie Pau⸗ lum geſteinigt hätten, ſie hätten aber vorgewent, det, das könne ja nicht ſein, denn Paulus habe, da er noch ein Saulus war, die Chriſten ver⸗ folgt, ſie aber hätten nie zuvor dergleichen ge⸗, than. Winkler bedenke doch, daß die Augen noch leben, die ſeinen Frevel geſehen haben, und. thue Buße, damit ſie nicht einmal am jüngſten Tag wider ihn zeugen. Er weiß ja zu gut, daß Crämer's Bericht an die Synode in allen ſeinen Theilen der Wahrheit getreu iſt, und ſündigt zweifelsohne wider ſein Gewiſſen, indem er ihn als lügenhaft bezeichnet und in ſeinem kecken Frevelmuth noch obendarein die Synode beſchul⸗ digt, ſie habe ſich der Sünden des Berichterſtat⸗ ters theilhaftig gemacht, während ſie doch die ganze Geſchichte mit der größten Sorgfalt ge⸗— prüft hat. Wenn nun Winkler die Sache wei⸗ ter alſo darſtellt, als habe Crämer mit dem Brief vom folgenden Tag gleichſam einlenken und den Schaden, den er Abends zuvor angerichtet habt- wieder gut machen wollen, ſo iſt auch das natür⸗ lich der Wahrheit nicht im entfernteſten gemäß. Wohl hatte Crämer am Abend des 17., nachdem er alles mögliche verſucht, jeden einzelnen und vor allen Winklern zu überzeugen, daß man entweder zurücknehmen müſſe, zuletzt, da niemand hören wollte, zu ſeiner großen Betrübniß unverrichteter Sache hinweggehen müſſen. Da er aber ſeinen; Bruder ſchwerlich hatte ſündigen ſehen, ſo gebot ihm die Pflicht der chriſtlichen Liebe, ſeinerſeits alles zu verſuchen, um deſſen Seele zu gewin⸗ nen, zu welchem Zweck er denn am andern Tag folgenden Brieſ an Winkler geſendet hat: Detroit, den 18. Juni 1850. Herr Paſtor Winkler! „Leider mußte ich geſtern Abend Augenzeuge „ſein von großen Verſündigungen, deren Sie „ſch ſchuldig gemacht. Da ich nun nach der Liebe „ſchließe, daß es nicht aus vorbedachter Bosheit, „ſondern in augenblicklicher Ubereilung und durch. „Verblendung und arge Liſt des Satans geſchah,,! „ſo treibt mich die Liebe Chriſti, die Sorge für „das mir theure Heil Ihrer Seele und die Dank⸗