# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 01 20_S86 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Geitesmanne folgen, um die Bibel von ihm verſteben zu lernen, und wenn ſie ihm kein Pferd geben wolle, ſo werde er ihm zu Fuß nachlaufen. Da die Aebtiſſin in dieſem Drange einen gött⸗ lichn Ruf erkannte, ſo ließ ſie ihn mitziehen und Vinfrid bildete aus ihm ein geſegnetes Rüſt⸗ kug, denn er vollendete nach dem Tode ſeines kihrers die Bekehrung der Frieſen. Winfrid wandte ſich nun zu den Heſſen, die am weiteſten in die Chriſtenlande hinein noch heiden geblieben waren und pflanzte zuerſt in dr Gegend von Amöneburg das Kreuz auf. Zaulende beugten ſich in kurzer Zeit vor der Kaft des göttlichen Wortes. Zwei ganze Stäm⸗ ne mit ibren Fürſten nahm er durch die Taufe in die chriſtliche Gemeinſchaft auf und legte zur Be— ſelizung des Glaubens unter ihnen ein Kloſter an, in welchem er etliche Gehülfen zurückließ, das uſte in Deutſchland diesſeits des Rheins. Unter unſäglichen Mühſeligkeiten, in ſtetem Kampf mit Mangel und Noth und Gefahren aller Art drang udurch die Wildniſſe bis an die Grenzen der hartnäckigſten Heiden, die Sachſen, im heutigen Braunſchweigiſchen, Hannöverſchen und in Weſt— ſhalen bis über die Weſer hinͤber und ſtreuete hier die erſten Samenkörner des göttlichen Wor— tis aus. Dieſe glänzenden Erfolge zogen das guze des Papſtes noch mehr auf ihn und er luͤd ihn zu einer nochmaligen Beſprechung zu ſch nach Rom ein. Dahin begab ſich demnach Winfrid im fol⸗ genden Jahre 723, und dieſe Reiſe wurde für die ganze Zukunft der Kirche in Deutſchland entſcheidend. Gregor II. nämlich weihete den lichigen Mann zum Biſchofe, um ihm mehr Auſehen, und ſeinem Wirken mehr Nachdruck zu etleiben. Zuvor aber ließ er ihn folgenden Eid ſchwören: Im Namen Gottes, unſers Herrns Ind Heilandes Jeſu Chriſti verſpreche ich, Boni⸗ ficius, von Gottes Gnaden Biſchof, dir, ſeliger petrus, Fürſt der Apoſtel, und deinem ſeligen Etelloertreter Papſt Gregorius und deſſen Nach— folgern beim Vater und Sohn und heiligen Griſte, der untheilbaren Dreieinigkeit und die⸗ ſm deinem geheiligtſten Leibe: daß ich will dem hellgen katholiſchen Glauben alle Treue halten Ind in der Einheit dieſes Glaubens mit Gottes chriſten ruhet, in Niemandes Rath wider die Enbeit der allgemeinen Kirche willigen, ſondern ale Treue und Beiſtand leiſten dir und dem Beſten deiner Kirche, als welchem von Gott dem herrn die Macht zu binden und zu löſen gege— ben iſt, und von benanntem deinem Siellver⸗ tleter und deſſen Nachfolgern. Aber auch wenn ich efahre, daß Vorſteher der Kirche gegen die alen Satzungen der heiligen Väter wandeln, vill ich mit ihnen keine Gemeinſchaft oder Ver— thun. Sollte ich wider dieſes mein Gelöbniß, pas ferne ſei, irgend Etwas thun oder zu thun berſuchen, ſo will ich ſchuldig erfunden werden in ewigen Gerichte und die Strafe leiden des Manias und der Sapphira, welche auch um hile verharren, in welchem alles Heil der lindung haben, ſondern nach Kräften ihnen vehren, und wo ich das nicht vermag, meinem qpoſtoliſchen Herrn alsbals treulich Meldung. —83— Eigenthum betrügen wollten. Dieſes Eides⸗ eigenhändig geſchrieben und auf den geheiligt⸗ ſten Leib des heiligen Petrus gelegt und, Gott ſei- Zeuge und Richter, einen Eid geſchworen, den ich auch zu halten verſpreche. Zur Richtung ſeines Verhaltens erhielt der neue Biſchof Bonifacius ein Büchlein, in wel— chem die Ordnungen, Rechte und Gewohnheiten des Papſtes und der römiſchen Kirche niederge— ſchrieben waren, denn dieſe ſollten künftig auch in Deutſchland zur Gültigkeit gebracht werden. So wurde Bonifacius das Werkzeug, die deut⸗ ſche Kirche auf 800 Jahre an Rom zu binden, da ſie vorher mehr als Landeskirche ohne äußern Zuſammenhang mit dem Papſte beſtanden hatte. Ob Papſt Gregor II. dabei ganz ehrlich und aufrichtig das Beſte der Kirche und die Ehre des Stuhl eingemengt habe, das kann nur der Her⸗ zenskündiger entſcheiden. So viel iſt gewiß, daß Bonifacius für ſich Nichts damit ſuchte, ſondern den Anſchluß der deutſchen Kirche an Rom für nothwendig zu ihrem Gedeihen hielt. Er theilte mit der ganzen damaligen Chriſtenheit die feſte Ueberzeugung, daß die Einheit der Kir⸗ che ſich auch in ihrer Verfaſſung äußerlich dar⸗ ſtellen müßte und glaubte mit allen abendlän⸗ diſchen Chriſten, daß Petrus von Chriſtus ſelbſt ſchen Päpſte zu deſſen Nachfolgern beſtimmt ſeien. Auch hielt er eine ſolche Unterordnung der deutſchen Kirche unter den Biſchof zu Rom, beſonders im Hinblick auf das junge Alter der evangeliſchen Pflanzungen und auf die Rohheit und Wildheit der deutſchen Volksſtämme, dem Gedeihen der deutſchen Kirche ſelbſt für förder— lich. Durch ſeine päpſtliche Vollmacht gewann Winſcis in Deutſchland Einfluß zur Herſtellung einer feſten kirchlichen Ordnung, und durch die unterordnung unter den römiſchen Stuhl be— wirkte er, daß ſeine Einrichtungen mit ſeinem Tode aus Mangel an Aufſicht und Leitung nicht wieder verfielen. Der Irrthum, daß dieſe äuß⸗ erliche Einheit der Kirche in Geſtalt eines Rei⸗ ches zum Heile nothwendig und don Gott geordnet ſei, trug erſt ſpäter ſeine bit⸗ tern Früchte. Winfrid ſelbſt war noch ſo weit von blinder Unterwürfigkeit unter den Papſt ent⸗ fernt, daß er ſich nicht ſcheuete, ihm ernſtliche Vorſtellungen zu machen, wo er Unrecht that. Ueberhaupt hat unſer Winfrid, um das gleich hier mit zu beſprechen, gar nichts von finſterm Mönchsgeiſt, wenn ſich das auch Viele von je⸗ ner Zeit gar nicht anders denken können. Ob⸗ gleich in den Dienſt des römiſchen Stuhles ge⸗ wechſels mit ſeinem geiſtigen Leben dem Boden ſeiner Heimath eingewurzelt und obgleich durch unausgeſetzte Thätigkeit gehindert, ſein England wiederzuſehen, wie er ſich oft vorſetzte, blieb er ihm doch in heißer Liebe zugethan. Nicht blos Geldunterſtützungen und Geſchenke an Altar⸗ tüchern und heiligen Gefäßen für ſeine Kirchen, ſo wie Kleider für ſich und ſeine Gehilfen bezog zeugniß habe ich, Bonifacius, geringer Biſchof Herrn Jeſu im Auge gehabt, oder ob ſich auch Herrſchbegierde und Eifer für den päpſtlichen zum Haupte ſeiner Kirche geſetzt und die römi⸗ treten, blieb er doch nach Ausweis ſeines Brief- er als Liebesgaben von dorther; gar häufig er⸗ bat er ſich auch Theile der heiligen Schrift und andere Bücher, desgleichen Rath und Troſt für die ſchwierigen Lagen, in welche er häufig gerierh, und den höchſten Werth legte er auf gegenſeitige Fürbitte und die liebliche geiſtliche Gemeinſchaft, in welcher er mit vielen Gläubigen in England ſtand. Ein lebendiger reiner evangeliſcher Sinn leuchtet uns aus ſeinem Briefwechſel entgegen. Eine Aebtiſſinn Bugga ſchreibt ihm aus Eng⸗ land, daß ſie Gott täglich danke für ſeine glück⸗ lichen Erfolge, daß ihre Liebe zu ihm nie er— kalte, da ſie durch Mithülfe ſeiner Fürbitte in den Hafen des Friedens gelangt ſei, daß ſie das gewünſchte Buch von den Märtyrern für ihn noch nicht habe erlangen können. Seinen Freund Nidhard, mit dem er nicht durch ir— diſche Bande, ſondern durch das geiſtliche Band chriſtlicher Liebe verbunden ſei, ermahnt er zum Studium der heiligen Schrift als der Quelle aller Güter und höchſten Seligkeit. Eine Aeb— tiſſinn, Kangythh, von Sünden und Trüb⸗ ſalen gebengt, will nebſt einer Freundinn ihr Herz durch Beichte in Rom erleichtern und bittet Bonifacius um Rath, weil Vitle meinten, ſie müſſe an dem Orte bleiben, wo ſie ihr Gelübde abgelegt. Seine Antwort iſt nicht mehr da, aber der Bugga ſchreibt er darüber, er wolle nicht zu- und nicht ab reden, ihr aber rathen, erſt den Ausgang von den Einfällen der Sara⸗ zenen in Italien abzuwarten. Sonſt rieth er von den Wallfahrten nach Rom ab und erwähnt mit Schmerzen, daß von ſolchen Wallfahrerin⸗ nen faſt in allen Städten Einzelne zurückgeblie⸗ ben wären und als öffentliche Dirnen lebten zur Schmach des engliſchen Namens. Den Erz⸗ biſchof Nothelm in England bittet er ein— mal um ſein Gutachten, ob er wirklich, wie die Nömer behaupteten, eine Sünde begangen durch die Trauung eines Mannes mit einer Wittwe, deren Kind er früher aus der Taufe gehoben; er ſähe nicht ein, wie ſolche geiſtliche Verwandt— ſchaft eine fleiſchliche Verbindung verbieten kön— ne, da wir doch Alle durch die Taufe Chriſti und der Kirche Söhne und Töchteszund alſo Brüder und Schweſtern ſeien. ö (FJortſetzung folgt) '— Berichtigung eines Artikels im „kerchlichen Informatorium“ des Herrn Paſt. Grabau, die Angelegenheiten der lutheriſchen Ge— meinde zu Detroit, Mich. betreffend. — (Schluß.) Wenn Hr. Paſt. Winkler in Bezug auf den traurigen Vorfall am Abend des 17. Juni v. J. berichtet, daß er da einen letzten Verſuch habe machen wollen, den Unterzeichneten von fer— neren Sünden abzuhalten, und deßhalb gedacht habe, ihm vor dem Vorſtand und anderen chriſt⸗ lichen Zeugen, die alles mit erlebt hätten, das ganze Treiben der Rottierer darzuthun, zu wel⸗ chem Zweck er ihn, und zwar ihn allein in ſein Haus eingeladen habe: ſo iſt das von vorn— herein eine ſchnöde Verfälſchung des Thatbe—