# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 01 06_S81 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſie dadurch auch dir Rath und Aniwort erthei⸗ len? Oder wenn ſie dem ganzen Volk der Grie⸗ chen, oder auch allen Menſchen, durch Wunder⸗ zeichen, die ſie erſcheinen laſſen, anzeigen, was ihnen bevorſtehe: meineſt du, daß dieſes dir al⸗ lein nicht gelte, daß ſie dich allein aus ihrer Vorſorge ausſchließen? Oder meineſt du, die Götter würden den Menſchen den Glauben, daß ſie vermögend ſeien, ihnen Gutes zu thun, oder auch ſie zu ſtrafen, eingepflanzt haben, wenn ſie dieſes nicht wirklich vermöchten? Oder, wenn dieſer Glaube aus'einer Täuſchung käme, mei⸗ neſt du, die Menſchen würden in ſo langer Zeit dieſe Täuſchung nicht gemerkt oder entdeckt ha⸗ ben? Siehſt du nicht, daß die älteſten und weiſeſten Einrichtungen und Anſtalten der Men⸗ ſchen, Volks⸗ und Staatsverfaſſungen, am mei⸗ ſten auf Religion gegründet, und am Innigſten mit Religion verbunden ſind;“) daß die älteſten und weiſeſten Völker die religiöſeſten ſind, und daß ber Menſch in ſeinem gertifteren Lebensal⸗ ter auch mehr und ernſtlicher nach Gott fragt? Betrachte doch, mein lieber Freund, wie dein eigener Geiſt, der in deinem Leibe wohnt, den⸗ ſelben braucht und regieret, wie er will: ſollte nicht der allweiſe Geiſt, der das Weltall erfüllet, nach ſeinem Wohlgefallen über dasſelbe verfügen können? Dein Auge kann große Strecken weit ſehen; ſollie nicht das Auge Gottes Alles zugleich auf einmal ſchauen? Deine Seele kann für Dinge in Athen, Egypten und Sicilien ſorgen; Gottes Vorſorge aber ſollte ſich nicht über die ganze Welt zugleich erſtrecken köunen? Zu die⸗ ſer Überzeugung können dich ſchon führen die Wahrnehmungen und Erfahrungen, die du im Umgang mit Menſchen machſt: beweiſeſt du Auf⸗ merkſamkeit und Ehrerbietung gegen Menſchen, erzeigſt du dich dienſtfertig und gefälltg gegen ſie, ſo ſiehſt du, daß ſie hin wiederum auch gegen dich ſich gern auf gleiche Weiſe erzeigen; fragſt du ſe um Rath, ſo kannſt du von ihrer Geſin⸗ nung und ihrem Verſtande Erfahrung machen: eben ſo kannſt du auch erfahren, ob die Götter Willen und Neigung haben, den Menſchen in dunkeln und ſchweren Sachen Rath und Auf⸗ ſchluß zu ertheilen; nämlich, wenn du ihnen Verehrung und Dienſt erweiſeſt; wirſt du dieſes thun, ſo wiyſt du erfahren und erkennen, daß es ein göttliches Weſen giebt, und zwar von un⸗ endlicher Größe, Macht und Herrlichkeit, das alle Dinge zugleich ſchauet, Alles höret, überall 4., Auch wit dieſer durch die Geſchichte beſtätizten Wahr⸗ heit zeuget der Heide Sokrates wider die heutigen Gottes⸗ leugner, die als ſolche auch Männer des Umſturzes, Freunde und Beförderer der rothen Republik ſind und an deren gu⸗ tem Willen es nicht liegt, wo möglich an tinem Tage alle Fürſien und Pfaffen zu ermorden, Ehe und Eigenthum auf⸗ zuheben und alle heilſamen Schranken auch der bürgerlichen Geſetze und Ordnungen, die ihrem wilden Communismus und ihren zuchtloſen Gelüſten widerſireben, über den Haufen zu werſen. Dagegen iſt es wahr, daß die erſten Gründer geſetzlicher Ordnungen und bürgerlicher Verfaſſt ſungen, wel⸗ che den der menſchlichen Vernunft eingepflanzten wahren .— Grundfatz des Rechtes in das Leben einführten, ihn durch beſtimmte Geſetze darſtellten und mit dieſen des ge⸗ genſeitige Thun und Handeln dieſer und jener Völker oder ämme ordneten und regelten — daß dieſe Gründer, je nach dem Grade auch ihrer natürlichen Hunte Erenn gottesfürchtige Männer waren. — —78— gegenwärtig iſt, für alle Geſchöpfe ohne Aus⸗ nahme ſorgt, und ſtets ein wachendes Auge auf ſie hat. Unterredungen wie dieſe (ſagt hier Renophon) mußten einen ſehr heilſamen Einfluß auf Sokra⸗ tes Freunde und Schüler haben; daß ſie nicht nur, wenn ſie von Menſchen geſehen wurden, ſich keine ruchloſe, oder ungerechte, oder ſchänd⸗ liche Handlung beikommen ließen, ſondern auch, wenn ſie allein waren, weil ſie glaubten, daß von Allem, was ſie thäten, den Göttern Nichts verborgen ſei. Iz — “. Berichtigung eines Artikels im „kirchlichen Informatorum“ des Herrn Paſt. Grabau, die Angelegenheiten der lutheriſchen Ge— meinde zu Detroit, Mich. betreffend. (Fortſetzung.) Wenn nun Winkler weiter berichtet, daß als⸗ bald bei Crämers Auftreten von den Rottierern ſelbſt die Rede ausgegangen ſei, die Paſtoren wären da, eine Gemeinde zu ſtiften, und daß das ganze Verfahren des Paſt. Erämer mit die⸗ ſer Rede übereingeſtimmt hätte, denn er habe wider Wiſſen und Willen Winklers in deſſen Ge⸗ meinde Verſammlungen und Reden gehalten, habe amtliche ſchiedsrichterliche Berhandlungen in der Gemeinde vorgenommen und die aufge— regten Gemüther dermaßen in ihrem Treiben be— ſtärkt, daß dieſelben nach ſeinem, am 9. Mai erfolgten Weggang ſich auffallend frecher als vorher betragen hätten: ſo muß er freilich eine eiſerne Stirne haben, ſolche freche Lügen o wiſ⸗ ſentlich in die Welt hineinzuſchreiben. Weiß er doch am beſten, wie und zu welchem Zweck der Unterzeichnete nach Detroit gekommen iſt. Konn te er doch, ſelbſt wenn ſich, was nicht wahrſchein⸗ lich iſt, aus Unverſtand irgend ein falſches Ge⸗ rücht darüber verbreitet hätte, am beßten Beſcheid geben und deſſen Nichtigkeit darthun. Weiß er ja, daß ſich unſere ganze Thätigkeit in Detroit allein darauf beſchränkt hat, unſern Auftrag auszuführen. Dazu ſo hat er zwar mit Still⸗ ſchweigen übergangen, aber gar wohl gewußt, daß wir die meiſte Zeit zwiſchen dem 2. und 9. Mai in Monroe zugebracht haben, von wo wir am Dienstag-Morgen zurückkehrten, um bis Mittwoch-Mittag auf ihn zu warten, da wir dann freilich bis- Donnerstag-Morgen bleiben mußten, weil es keine frühere Gelegenheit gab, abzureiſen. Wenn er aber wiederholt behauptet, daß wir wider ſein Wiſſen und Willen in ſeiner Gemeinde Verſammlungen gehalten hätten, ſo iſt das eine ſchnöde Verläumdung. Jedermann wird leicht einſehen, daß es den Leuten darum zu thun ſein mußte, ihr berufenes Committee⸗ glied auch zu ſehen und zu ſprechen, dasſelbe mit ihren Wünſchen bekannt zu machen, und don demſelben zu hören, welchen Fortgang die Sache nehme. Da nun die Leute meiſt Hand⸗ werker waren, die den ganzen Tag ihres Ge⸗ ſchäftes zu warten hatten, was Wunder, daß ſie dann des Abends an einen Ort kamen, wo unterwerfen würden, auch wenn es ſie ſelbſt ver⸗ ſie uns finden und ſprechen konnten. Nie hat jedoch ſolches den Character einer Verſammlung; angenommen, wird auch nie von einem Redli⸗ chen dafür erklärt werden. Will Winkler bei ſeiner frechen Lüge verharren, ſo wird das bei allen ehrlichen Chriſtenmenſchen nur ihm, nicht aber uns ſchaden. Er mag dann immerhin auch ſagen, wir hätten Reden gehalten, ſintemal wir doch die Leute anreden und ihnen ſagen mußten, weß ſie ſich zu uns zu verſehen hätten, nämilich daß wir nach Gottes Wort richten und ſchlichte“ würden und was wir dagegen von ihnen erwar“ teten, nämlich, daß ſie ſich dem Worte Gottes dammen ſollte, womit ſie ſich auch alle einver⸗ ſtanden erklärten. Es möge uns ferner Herr Paſt. Winkler doch einmal ſagen, was für amt? liche, ſchiedsrichterliche Handlungen wir in ſe⸗ ner Gemeinde gepflogen haben, es ſei denn, dah er gehört, wie wir in chriſtbrüderlicher Weiſe zwiſchen zwei Nachbarn, unſern alten Bekannten von Deutſchland her, von denen ſich der eine Gewiſſenshalber gar nicht an Winklers Gemeinde hat anſchließen können, auf ihren ausdrücklichen Wunſch' und Bitte Friede geſtiftet haben, und daß er böswillig und verläumderiſch genug iſt, dies eine amtliche, ſchiedsrichterliche Handlung zu nennen. Endlich, wenn er ſagt, wir hätten die aufgeregten Gemüther in ihrem Treiben fre— ventlich beſtärkt, ſo iſt es freilich leider wahr. daß wir die Gemüther über die ſchrecklichen Bann⸗ flüche, die ſie uns erzählten und über das herrü ſche Weſen Winklers, das ſie bitterlich gegen uns beklagten, höchſt aufgeregt gefunden haben, aber eben ſo wahr iſt's, daß wir ſie die wenigen Male, die wir ſie ſahen, auf alle mögliche Weiſt beſchwichtigt und mit Erfolg zum geduldigen Abwarten der Unterſuchung ermahnt haben. Sa möge er auch den Rachweis wirklich liefern, daß ſchen geraume Zeit Pläne im Werk geweſen ſeien, in Detroit für die miſſouriſche Synode Poſto zu faſſen. Dagegen wolle er ſich der Sünden ſchä⸗ men, in ſeinem Bericht weiter zu ſagen, daß das durch Crämer mächtig angeblaſene Rottenfeltr ſeine ganze Gemeinde zu verwüſten gedroht habt und dem kein Einhalt anders zu thun geweſen ſei, als durch eine ſcharfe, gründliche und auf⸗ richtige Unterſuchung der gegen den Paſtor vor' gebrachten Beſchwerden, weshalb er, in Buffdld zu der Ueberzeugung gekommen, daß ein Han⸗ deln mit der Miſſouri-Synode zuſammen in einer Angelegenheit, „das Amt der Schlüſſel“ betreffend, nicht möglich, ja ſündlich ſei, und daß alſo keine Committee zu Stande kommen könne, den andern Weg, den die Conſtitution vorſchreibe, habe einſchlagen und die Sache einer rechtgläubigen lutheriſchen Synode habe vorle— gen müſſen, was jedenfalls auch der kirchlicht Weg und dem weltlichen Committeeweſen vor⸗ zuziehen ſei. — Da hat ja Herr Winkler in der That vergeſſen, daß er oben ſelber berichtet, wie unter den obwaltenden Vichältniſſen, da die Gemeinde an keine Synode angeſchloſſen war, conſtitutionsmäßig gar kein anderer Weg einge⸗ ſchlagen werden konnte, ja von ihm ſelber kein anderer vorgezeichnet und betreten worden iſt als