# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 09 29_S12 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 12 weisen, da sie aber von einer Kirche zur Erreichung ihrer religionsmengerischen Zwecke beliebt und zu ihrem Schibboleth erwählt worden ist, in welcher jenes Geheimniß geglaubt und auch nicht geglaubt werden kann, so müssen wir sie als eine Geburt der Heuchelei verdammen, die um so strafbarer ist, weil sie das unverletzliche Heiligthum der göttlichen Wahrheit antastet. Demgemäß heißt es in der Concordienformel, diesem wichtigen Bekenntnisse der luth. Kirche: „Wir glauben, lehren und bekennen auch, daß zur Zeit der Bekenntniß, da die Feinde Gottes Wortes die reine Lehre des heil. Evangelii begehren unterzudrücken, — daß alsdann in diesem Falle auch in solchen Mitteldingen den Widersachern nicht zu weichen, noch leiden sollen, ihnen dieselbigen von den Feinden zu Schwächung des rechten Gottesdienstes und Pflanzung und Bestätigung der Abgötterei mit Gewalt oder hinterlistig aufdringen zu lassen. — Denn hie ist es nicht mehr um die äußerlichen Mitteldinge zu thun, welche ihrer Natur und Wesen nach für sich selbst frei sein — sondern es ist erstlich zu thun um den hohen Artikel unseres christlichen Glaubens, wie der Apostel zeuget, „„auf daß die Wahrheit des Evangelii bestehe,““ Gal. 2, 5.“ — Wie unrecht Hr. N. uns thut, wenn er es dem böswilligen Argwohn unseres angeblichen Ultra-(überspannten) Lutherthums zuschreibt, daß wir in der Evangelischen Spendeformel Bezweiflung der Wahrheit der Worte JEsu finden, dies kann derselbe daraus ersehen, daß z. B. der nichts weniger als streng lutherische Dr. Tittmann dasselbe geurtheilt hat. Dieser schreibt: „Es ist in diesem Zusatze (Christus spricht), in diesem Zusammenhange, kein andrer Sinn, als wenn es hieße: Christus sagt zwar: Das ist mein Leib u. s. w., aber ihr könnt es nehmen, wie ihr wollt. Das Wörtchen zwar liegt in dem Zusammenhange, und der Gegensatz auch; sonst bedürfte es des Zusatzes nicht. Jedes Wort, das bei Darreichung der gesegneten Zeichen des Sacraments zu den eignen Worten Christi (das ist mein Leib, das ist mein Blut) hinzugesetzt wird, ist zum mindesten überflüssig und jene Worte sind mehr als überflüssig.“ (Siehe seine Abhandlung „über Vereinigung der ev. Kirchen“ S. 10.) Diesen Worten eines Unparteiischen denke nun Hr. N. weiter nach. Wir können nicht umhin, mit einer Ermahnung an unsere l. lutherischen Leser zu schließen. Sollte der eine oder andere einen Seelsorger haben, der das h. A. mit der Formel: „Christus spricht: das ist mein Leib“ ꝛc., austheilt, so protestire er dagegen, ebenso bescheiden, als ernstlich und lege seinem Prediger die Gründe vor, warum diese Ausspendungsweise seinem Gewissen anstößig sei. Zeigt aber bei dieser Protestation der Prediger, daß er den zwinglischen oder calvinischen Glauben, oder vielmehr Unglauben hege, oder daß er doch darum jene Formel gebrauche, damit sowohl Lutherisch-, als Reformirtgesinnte bei ihm communiciren können, so meide er das Abendmahl eines solchen Kirchendieners, sollte er auch dann lebenslang das Sacrament entbehren müssen; denn bei solcher Communion würde er doch seinen Glauben nicht stärken, sondern vielmehr schändlich verleugnen und somit verlieren; auch würde er dadurch die lutherische, als seine Mutterkirche verlassen, denn die Sacramente sind die Siegel der Lehre; in welcher kirchlichen Gemeinschaft man daher dieselben genießt, zu deren Lehre bekennt man sich. Dies ist nicht unser, sondern Luthers Rath, welcher also schreibt: „Wer seinen Seelsorger öffentlich weiß, daß er Zwinglisch lehrt, den soll er meiden, und ehe sein Leben lang des Sacraments entbehren, ehe er's von ihm empfangen sollte, ja auch eher darüber sterben, und alles leiden. Ist aber sein Seelsorger der Zweizüngigen einer, der mit dem Maul fürgibt, es sei im Sacrament der Leib und Blut Christi gegenwärtig, und doch verdächtig ist, daß er im Sacke verkaufe, und anders meine, weder die Worte lauten: so gehe oder sende frei zu ihm und laß dir's deutlich heraussagen, was das sei, das er dir mit seinen Händen reicht und du mit deinem Mund empfähest, hintangesetzt auf dasmal, was man im Herzen gläube oder nicht gläube; schlecht gefragt, was Hand und Mund hier fasset. Ist's ein redlicher Schwärmer, der aufrichtig mit dir handeln will, der wird dir also sagen, er reiche dir eitel Brod und Wein, dabei du sollst denken und glauben den Leib und Blut Christi ꝛc. Ist's aber der Gaukler einer, die unter dem Hütlein spielen, so wird er mum mum sagen und den Brei im Maul herum werfen und also geifern: Ei, es ist genug, daß du glaubest den Leib, den Christus meint. Das heißt denn fein geantwortet und Urkund gegeben der Hoffnung, so in uns ist, wie St. Petrus lehret 1 Ep. 3, 17. — Denn was soll doch das schreckliche Gaukelspiel sein? darin sie das Volk wollen lehren, und sagen ihnen doch nichts, sondern weisen sie in's finstere Loch und sprechen: Glaube, was Christus meinet. Was aber Christus meinet, wollen sie nicht sagen.“ (L. Werke. XVII. 2440.) Hier malt Luther diejenigen recht nach dem Leben ab, welche auch jetzt sagen: „Wir gehen auf die klaren Aussprüche heiliger Schrift zurück und bleiben bei denselben stehen“; die sie aber nicht auslegen wollen. „Die christliche Zeitschrift.“ Dieses der hochdeutschen reformirten Kirche angehörende, und in Chambersburg (Pennsylvanien) herauskommende Blatt sagt in der Nummer vom 19. Sept. d. J. von den mit dem berüchtigten Stephan ausgewanderten Lutheranern: „Wir bedauern es, daß der harte und lieblose Geist, der an sich selbst Wohl gefallen und an Andern nur Miß fallen hat, noch immer so vorherrschend ist. — Wer unter diesen, wenn er anders aufrichtig ist, muß es nicht einsehen, daß ihr Grundsatz: „„Wir sind die alleinige evangelische Kirche — die lutherische Kirche (nämlich die sogenannte Alt-Lutherische) ist die seligmachende Kirche,““ den sie thatsächlich aufstellen, ein unchristlicher Grundsatz sei?“ Wir melden dies nur den Lesern unseres „Lutheraners“, da ihnen eine Vertheidigung gegen diese Beschuldigungen ganz überflüssig sein würde; man vergleiche nur wieder No. 24 und 25 des ersten Jahrgangs, wo wir, was wir unter lutherischer Kirche verstehen, deutlich und weitläufig auseinandergesetzt haben. Es ist in der That ein trauriges charakteristisches Zeichen unserer Zeit, daß man jetzt nie ohne die schärfste Ahndung bekennen darf: Es gibt nur Eine Wahrheit; und noch viel weniger; Gottes Gnade hat auch mich diese Wahrheit finden lassen. Es ist höchst betrübend, daß man jetzt die Demuth darin sucht, daß man spricht: Ich denke, ich habe die Wahrheit, aber andere, die anders glauben, haben sie auch. — Uebrigens dient es uns sehr zur Befestigung in unserem Glauben, daß wir die Erfahrung machen, wie man in der Regel nur dann mit Erfolg gegen das von uns aufgestellte Bekenntniß zu kämpfen sich getraut und es nur dann entkräften zu können hofft, wenn man entweder uns arme Sünder an unsere Sünden erinnert und unsere Personen, die ja gar kein Glaubensartikel sind, angreift, oder wenn man uns Behauptungen unterlegt, die uns nie in den Sinn gekommen, geschweige von uns öffentlich ausgesprochen worden sind. Endlich diene zur Nachricht, daß wir etwa noch ferner vorkommendes Geschwätz, daß wir uns allein für die seligmachende Kirche hielten, keiner Antwort würdigen werden. Wer sich entweder die Mühe nicht nehmen will, unsere Lehre von der Kirche in ihrem Zusammenhange zu betrachten, oder dazu unfähig ist, und mit seinen Glossen die, welche den „Lutheraner“ nicht lesen, nur unredlicher Weise im Voraus dagegen einnehmen will, mit dem werden wir uns durchaus in kein Wortgezänk einlassen. Herr S.(chaf?) schließt in der erwähnten Nummer der christlichen Zeitschrift einen Artikel über die Buffaloer „Alt Lutheraner“ mit dem Seufzer: „Gott bewahre uns vor allen Extremen!“ — Wir schließen mit dem Wunsche: Gott bewahre uns vor dem Mittelweg, den man jetzt zwischen der stets extremen Wahrheit der Worte Gottes und dem Irrthum ausfindig gemacht zu haben vermeint. Separatismus. So schreibt E. S. Cyprian: Wenn wir wie Christus, der das Osterlamm in Gesellschaft des Judas und der Pharisäer genossen hat, mit bösen Leuten zum heil. Abendmahl gehen, welche Handlung ja an sich selbst gut und löblich ist, so stellen wir uns nicht ihnen, sondern sie stellen sich uns gleich; wir sündigen daher in solcher Gemeinschaft nicht, sondern sie, die da heucheln. Um der Maulchristen willen darf man die Kirche weder verachten noch gar verlassen. Der gottselige Märtyrer Cyprian schreibt gar recht von solchen Abtrünnigen: „Das sind die, welche sich ohne göttlichen Befehl bei den frechen Zusammenkäufern zu Vorstehern machen. Niemand glaube, daß gottselige Leute sich von der Kirche trennen können. Der Wind führt keinen Waizen weg; die leere Spreu wird vom Sturm herum gewehet.“ Quittung. Erh. von Hrn P. Bartels $2. Gedruckt bei Weber und Olshausen.