# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 12 22_S69 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Das ſind wunderliche Reden! Ja freilich wun— derlich. Der Evangeliſt aber ſpricht nicht ſchlecht, der Sohn; ſondern das Wort; wiewol es recht wäre. Er hat aber ſo müſſen reden. Denn zu derſelbigen Zeit ſtunden Ketzer auf, die leugne⸗ ten, daß Marien Sohn GOttes Sohn wäre; darum nennet er den Sohn das Wort, das im Anſang war, ehe alle Creaturen geſchaf— fen worden, und ſaget: Im Anfang war das Wort, das iſt, da alle Creaturen, Him— mel und Erden, und was darinnen iſt, anfin⸗ gen zu werden, die vor nichts waren geweſen. Außer der Creatur aber kann nichts ſein, denn der Schöpfer. Denn alles, das da iſt, iſt ent⸗ weder der Schöpfer, oder ſeine Creatur. Alſo unterſcheidet hier der Text gewaltiglich d as Wort von der Creatur. Das Wort iſt nicht unter dem Haufen derer, die angefangen haben, ſondern iſt bereits in ſeinenn Weſen ge⸗ weſen. Darum ſchleußt der Evangeliſt wider Cerinthum, und andere, die ihm anhingen, daß ihre Lehre falſch, und ein läſterlicher Irrthum und Lügen wäre wider den Sohn GOttes, von dem ſie ſagten, er wäre nicht GOttes Sohn, ſondern ein pur lauter Menſch. Es wäre wol eine ganze Predigt davon zu thun, warum der— Evangeliſt den Sohn GOttes das Wort heiße; s iſt aber auf dießmal zu lang, ſo iſt der Text 3 oſt gehandelt worden. Ihr Einfältigen habt Acht darauf, wenn ihr höret: „Im Anfang war das Wort;“ daß ihr wiſſet, daß es ſo viel geſaget iſt: Im Anfang war der Sohn, und der Sohn war bei GOtt, und der Sohn war auch ſelbſt GOtt, und war im Anfange bei GOtt. Alſo auch: „Das Wort ward Fleiſch,“ iſt ſo viel: Der ewige Sohn iſt ein zeitlicher Sohn worden; nicht zweene: und ſind doch (wie geſagt,) zweierlei Geburten. Da— her Lueä am 2. v. 11. wird der Jungfrauen Sohn, der in der Krippen lag, vom Engel ge⸗ nannt der HErr, da er zu den Hirten ſpricht: „Euch iſt heute der Heiland geboren, welcher iſt CHriſtus“ der HErr.“ Heiland iſt er; die Engel aber bekennen zugleich mit uns, daß er auch ihr HErr und GOtt ſei, und beten ihn auch an. Aber kurz ſollet ihr wiſſen: daß der Evange— liſt den Sohn GOttes das Wort heißt wider die Ketzer, thut er um Moſis willen, dem St. Johannes folget, der eben auch alſo redet, wie St. Johannes, da er ſpricht: „Da kein Licht. war, ſondern eitel Finſterniß, auch ſonſt keine andere Creatur, ſprach Gott: Es werde Licht, 1 Moſ. 1, 9., das iſt, GOtt ließ ein Wort ge⸗ hen, das war ein vollkommen Wort, und das Wort, durch welches alle Dinge geſchaffen ſind. Alſo ſchleußt er wider die Ketzer, daß das Wort vor im Anfang war, und doch die Perſon nicht war, die da ſprach; darum mußte das Wort ja bei dem Sprecher ſein, nicht bei der Creatur, die noch nicht geſchaffen war, ſondern war außer, über und vor der Crratur bei Gott. Demnach möchteſt du ſagen: Sind zween Götter? Nein. Das Wort iſt bei GOtt, aber eine unterſchiedene Perſon. Alſo ſtärket Unſer, nicht der Engel, und bekräftiget St. Johannes unſern Glauben, daß wir gewiß ſind, daß der Vater, Sohn und Heiliger Geiſt drei unterſchiedliche Perſonen ſind; aber nicht drei unterſchiedliche Götter, ſondern ein GOtt iſt. Darum beten wir Chriſten nur einen einigen GOtt an, haben den Vortheil über alle Jüden, Heiden, Türken, daß wir alleine GOtt recht und wahrhaftig erkennen. Sie ſe— hen allein das Geſchöpffe, und nicht den Mei— ſter an. Daher rühmen Jüden und Türken, daß ſie das rechte Volk GOttes ſind, weil ſie nur einen GOtt anbeten; läſtern und ſchmähen uns Chriſten als Götzendiener und unſinnige Narren, die drei Götter anbeten. Es iſt nicht wahr, ſie reden uns ſolches in den Rücken zu, bei ihren Schülern, wiſſen nicht, was ſie ſagen, ſind Blinde und Blindenleiter. Wir ſagen und bekennen beſſer, denn ſie, daß nicht mehr, denn ein GOtt ſei, der, gegen der Creatur zu rech— nen, alles geſchaffen hat. Weiter ſagen wir, daß wir Chriſten nicht ge— nug daran haben, wie der Schöpfer zu rechnen und zu halten ſei gegen der Creatur; ſondern wir wiſſen und lehren aus der Schrift, was GOtt in ſich ſelber iſt, ja, daß er ſein göttlich Weſen bei ſich ſelber hat. Da bekennen wir, daß der einige HErr, König, GOtt u. Schöpfer, durch ſeinen Sohn ſich alſo abgemalt und zu er⸗ kennen gegeben hat, daß es. in der Gottheit alſo ſtehet, daß das Wort geſprochen wird durch den Vater, und der Heilige Geiſt (wie man ſagt) darein williget, daß ein Gedrittes iſt, und doch in ſich ſelbſt nur eins; gegen der Creatur zu rechnen. Daher ſagt Auguſtinus und andere alte Lehrer: Opera Trinitatis ab extra sunt in- divisa; das iſt: die Werle der Heiligen Dreifal⸗ tigkeit ſind von außen unzertheilet; der Vater, Sohn, Heiliger Geiſt, iſt ein einiger Schöpfer, nicht drei, gegen der Creatur. So weit kom— men Jüden, Heiden, Türken. Wir ſollen aber GOtt nicht allein anſehen von außen in ſeinen Werken; ſondern er will auch erkannt ſein, was er innwerts iſt. Inn⸗ wendig iſt ein einig Weſen, und drei Perſonen, der Vater, Sohn, Heiliger Geiſt; nicht drei Göt— ter. Beten derohalben nur einen GOtt an. Wie gehet's denn zu? Unausſprechlich iſts. Die lieben Engel können ſich nicht gnugſam dar— über verwundern für Freuden; uns wird's in's Wort gefaſſet und vorgeprediget. Wenn wir den ſchwarzen, garſtigen, unfläthigen, ſtinkenden Ma— denſack abgelegt haben, wollen wir es mit den lieben Eugeln ſehen, unſere ewige Frende und Seligkeit daran haben, und der Jüden, Heiden, Türken wieder ſpotten, die uns jetzt für Klötze halten, als die nicht wiſſen noch verſtehen, daß nur ein GOtt ſei. Sie aber ſind trefflich ſpitzig, verwundern ſich über ihrer hohen Weisheit und Verſtand, daß ſie nur einen GOtt bekenneu und anbeten; ja, den leidigen Teufel in der Hölle. Haben's doch die Heiden erſchnappet mit natür— licher Vernunft, daß nur ein GOtt ſei, geſehen und gemerket, wie Paulus zun Römern am 1. Cap. v. 10. ſaget. „an den Werken, die GOtt an der Welt thut, die er ſo weislich geſchaffen hat, daß die Sonne ihren Lauf hat, auch die Erde ihre gewiſſe Zeit, wenn man pflügen, ſäen und ernten ſoll“ ꝛc. Allein wir Chriſten ſollen ſo blinde, grobe Narren ſein, die nicht verſtehen‚ daß nur ein GOtt zu ehren und anzubeten ſei, der Himmel und Erde geſchaffeu hat. Dieſer Jüdiſche, heidniſche, Türkiſche Glaube und Erkenntniß thut es nicht, Gott hat nicht gnug daran, daß er Schöpfer Himmels und der Erden geheißen wird. Die Jüden rühmeten hoch den GOtt, der ſie aus Egypten in das Ge⸗ lobte Land geführet hatte; und zu Chriſto ſpra⸗ chen ſie Joh. 8. 41.: „Wir haben einen Vater, GOtt. Darauf der HErr Chriſtus ſagt v. 42. 43. 44.: „Wäre GOtt euer Vater, ſo liebetet ihr mich; aber ihr erkennet weder mich, noch meinen Vater; ja, ihr ſeid von dem Vater, den Teufel. Und Johannis am 16. Cap. v. 2. 3. ſpricht er zu ſeinen Jüngern: „Sie werden euch in den Baun thun und tödten, und meinen, ſie thun GOtt einen Dienſt daran. Aber es ge⸗ ſchieht alles darum, daß ſie weder meinen Va⸗ ter, noch mich erkennen.“ Alſo rühmen Tür⸗ ken und Heiden viel von GOttes rechter Erkennt⸗ niß und Glauben; reden aber davon, wie ein Blinder von der Farbe, ja, als raſende, unſin⸗ nige Leute, vom Teufel verblendet nud verſtockt. Kurzum, GOtt will erkannt ſein nach ſeinem Worte, darinnen er ſein göttlich Weſen und Wil— len geoffenbaret hat. „Die Welt (ſaget Sanct Paulus 1 Cor. 1, 21.) erkannte GOtt nicht in ſeiner Weisheit, durch ihre Weisheit; darum gefiel es GOtt wohl, durch thörichte Predigt ſe⸗ lig zu machen, die, ſo daran gläuben. Und zun Röm. am 1. Cap. v. 20. 21. ſpricht St. Paulus, daß die Heiden haben geſehen an den Werken der Schöpfung, daß ein GOtt ſei, ha⸗ ben ihn aber nicht gepreiſet als einen GOtt, noch gedanket.“ x Darum ſo hat GOtt ſein göttlich Weſen aus⸗ geſchüttet, und angezeiget durch das Evangelium, daß er einen Sohn habe; wie er ſelber vom Himmel herab rufet: „Das iſt mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den ſollt ihr hören, Mare. 9, 7. Als wollte er ſagen: Den nehmet an, haltet ihn für euren HErrn und GOtt, ehret und betet ihn an; oder ihr ſollt mich zum GOtt nicht haben, wenn ihr noch eins ſo hoch und herrlich rühmet, ich ſei euer GOtt, den ihr allein recht erkennet und anbetet Denn „wer den Sohn nicht ehret, der ehret den Vater nicht, der ihn geſandt hat, Joh. am 5. v. 23. Wer den Sohn GOttes nicht hat, der hat das Leben nicht, 1 Joh. 5. v. 12. Item: „Wer in der Lehre CHriſti nicht bleibet, der hat keinen GOtt: Wer in der Lehre CHriſti bleibet, der hat beide, den Vater und den Sohn, 2 Joh. v. 9. Dieſen ſeinen göttlichen Willen hat und. der Sohn, der in des Vaters Schooß iſt, gnug⸗ ſam offenbaret, Joh. 1, 18. das Predigtamt, die Taufe, das Sacrament geſtiftet und einge⸗ ſetzet, mit Wunderzeichen beſtätiget und bekräf⸗ tiget. Summa: Er will allein im Sohne er⸗— kannt, geehret und angebetet ſein; wer es an⸗ ders machet oder erkennet, der ehret und beitt GOtt nicht an, ſondern den Teufel. Darum kann niemand Gtt recht erkennen,