# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 12 08_S65 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Luther ſeine Noth klaget: „Ihr wollt ein erdich⸗ teter (gemalter) Sünder ſein und Chriſtum für einen erdichteten Heiland halten. Gewöhnt euch daran, daß Chriſtus der wahrhaftige Heiland und ihr ein wirklicher Sünder ſeid. Gott ſpielt kein Schattenſpiel und ſcherzt nicht, da er ſeinen Sohn uns ſendet und für uns dahin giebt.“ Da ſchickt der HErr Luthern aus demſelben Munde, als er über die Verſehung und Gnaden⸗ wahl Gottes harte Anfechtung und Verſuchung hatte, neuen Troſt durch die Worte: „in den Wunden Chriſti wird die Verſehung verſtanden u. gefunden, ſonſt nirgend nicht; denn es ſteht ge⸗ ſchrieben: den ſollt ihr hoͤren. Der Vater iſt zu hoch; darum ſaget er: ich will euch einen Weg geben, darauf man zu mir kommen möge, näm⸗ lich Chriſtum; an den gläubet und dem hanget an; ſo wird ſichs zu ſeiner Zeit wohl finden, wer ich bin. Denn Gott iſt unbegreiflich, und wir können nicht verſtehen, noch uns denken, was er ſei, viel weniger, wie er geſinnet iſt; er wird auch nicht begriffen und will kurzum unge⸗ faſſet ſein, außer Chriſto.“ Ferner, als einſt die Rede auf das Wort poenitentia oder Buße kam, ſagte Staupitz: es ſei keine wahre Buße, als die, welche aus der Liebe Gottes und ſeiner Gerechtigke't herfließt; und dieſes Wort haftete — wie Luther Staupitzen ſpäter bei Überſendung ſeiner Theſen ſelbſt er⸗ zählte — in ſeiner Seele, „wie der ſcharfe Pfeil eines Starken.“ Dazu trieb ihn nun der Geiſt Gottes immer mehr in die heil. Schrift und immer mehr ward er zuerſt angeſtrahlt, je länger je mehr aber auch innerlich erleuchtet von der ſeligmachenden Wahrheit des Evangelii, ſonderlich in den Brie⸗ fen St. Pauli, daß der Sünder in Adam al⸗ lein aus Gnaden durch das Verdienſt Chriſti, das er lediglich und ausſchließlich mittelſt des Glaubens ergreife und ſich aneigne vor Gott und ſeinem Gericht als gerecht erklärt und ſeiner Schuld losgeſprochen werde, ohne Zuthun der Werke. Doch erſt nach und nach ward ihm dieſe ſelig— machende Wahrheit aus Gottes Wort innerlich bell und klar; langſam und allmählig erſt ge⸗ langte er zur innerlichen göttlichen Gewißheit derſelben und zur rechten innern Erfahrung des rechtfertigenden Glaubens; lange wehrten ſich in ihm die papiſtiſchen Irrthümer gegen dieſe beſeligende Wahrheit des Evangelii; lange ſträubte ſich in ihm der hoffärtige werkeriſche Mönch gegen das allgenugſame und vollgütige Verdienſt Chriſti; und wiewohl ihm ſchon früher der Spruch: „der Gerechte wird ſeines Glau- bens leben.“ mit ſeiner göttlichen Kraft man⸗ nigfach das Gemüth gerühret hatte und mächtig durchs Herz gegangen war, ſo war er, als er 1510 in Sachen ſeines Ordens ſich zu Rom auf⸗ hielt, doch noch ein ſo „toller Heiliger“ wie er ſich ſelbſt nennt, daß er auf den Knieen die Stufen an der ſogen. Pilatusſtiege hinaufrutſchte, um den Ablaß zu empfangen, welchen der Papſt de⸗ nen, die ſolches Werk verrichten würden, ver⸗ ſprochen hatte. Da geſchah es nun aber, während er, in ſei⸗ nem immer noch in der Menſchenlehre gefange⸗ nen Gewiſſen, ſolches Narrenwerk ausrichtete, daß ihm auf einmal nicht anders zu Muthe ward, als wenn ihm eine Donnerſtimme zurief: „Der Gerechte lebt ſeines Glaubens.“ Nach ſeiner Heimkehr aber ging er von Neuem daran, dieſen Spruch in und mit der Schrift noch genauer und ſchärfer zu betrachten und zu erwägen; und endlich durchbrach dieſe Sonne der evangeliſchen Wahrheit in ſeiner Seele die Nebel der Geſetzes- und Menſchenlehre mit gro⸗ ßer Gewalt und erfüllte ſein Herz mit Gerechtig⸗— keit, Friede und Freude im heiligen Geiſt, davon er ſelbſt dieſe denkwürdigen Worte ſchreibet: „Hier fühlte ich alsbald, daß ich ganz neu gebo⸗ ren wäre und nun gleich eine weite aufgeſperrte Thür, in das Paradies, ſelbſt zu gehen, gefun⸗ den hätte; es ſahe mich auch die liebe heilige Schrift nunmehr viel anders an, denn zuvor ge⸗ ſchehen war, lief derhalben bald durch die ganze Bibel, wie ich mich derſelbigen erinnern konnte, und ſammelte auch in andern Worten, nach die⸗ ſer Regel, alle ihre Auslegung zuſammen, als, daß Gottes Werk dies heiße, das Gott in uns ſelbſt wirket; Gottes Kraft, damit er uns kräftig und ſtark machet; Gottes Weisheit, damit er uns weiſe machet, alſo die anderen, Gottes Stärke Gottes Heil, Gottes Herrlichkeit und dergleichen. Wie ich nun zuvor dieſes Wörtlein „Gottes Ge⸗ rechtigkeit“ mit rechtem Ernſt haſſete, ſe fing ich auch dagegen an, dasſelbe als mein allerliebſtes und tröſtliches Wort theuer und hoch zu achten und war nun derſelbige Ort in St. Paulo in der Wahrheit die rechte Pforte des Paradieſes.“ Und dieſelbe ſeligmachende Wahrheit vom rechtfertigenden Glauben bezeuget er auch ſpäter in einem Briefe an ſeinen Freund und Ordens⸗ bruder Georg Spenlein in Memmingen, darin er unter andern alſo ſchreibet: „Darum, mein lieber Bruder, lerne Chriſtum und zwar den Gekreuzigten, lerne ihm ſingen und an dir ſelbſt verzweifelnd ſprechen: „Du, mein HErr Jeſu, biſt meine Gerechtigkeit, ich aber bin deine Sünde. Du haſt angenommen, was mein iſt und mir gegeben, was dein iſt. Du haſt angenommen was du nicht warſt, und mir gegeben, was ich nicht war.“ (Schluß folgt.) 27 Berichtigung eines Artikels im „kirchlichen Informatorium“ des Herrn Paſt. Grabau, die Angelegenheiten der lutheriſchen Ge— meine zu Detroit, Mich., betreffend. (Fortſetzung.) Seine Willensmeinung, die Sache durchaus von einer zu berufenden Comittee verhandeln zu laſſen, hatte Winkler am Schluß des bereits an⸗ geführten Briefes vom 16. März v. J. mit dür⸗ ren Worten erklärt. Es hieß darin: „Des Unterzeichneten Wahl iſt bereits getrof⸗ „fen: Ihnen als Klägern liegt es jetzt ob, Ihre „Wahl auch zu treffen, damit die Sache eine „Erledigung finde. — Sie mögen Ihre getrof⸗ „fene Wahl ſchriftlich entweder an mich oder ſonſt teeglied erſehen habe. * „an ein Glied des Kirchenvörſtands in Kürze „einſenden.“ *. Merkwürdig iſt dabei, daß er wie hier ſo nir⸗ gend erwähnt, wen er ſeiner Seits als Comit⸗ teeglied berufen habe, und doch in Nro. 3 des kirchlichen Informatoriums ſagt, ſeine Wahl ſei nicht nach dem Wunſch derjenigen Prediger von der Miſſouri⸗Synode geweſen, die ſich in dieſer Angelegenheit betheiligt hätten; ja ſich die Mühe gibt, weitläufig mit Gründen zu beweiſen, war⸗ um ſeine Wahl ſo und nicht anders habe aus⸗ fallen müſſen. Weiß doch Herr Paſtor Winkler gar wohl, daß der Unterzeichnete erſt am 15, Juni, am Ende ſeiner Verhandlungen mit ihm, aus ſeinem Munde erfuhr, wen er als Comit⸗ Es kann alſo von einer Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit ſeiner Wahl gar nicht die Rede ſein. Aber ſo geht's, wenn man einmal um jeden Preis eine ſchlechte Sache als gut darſtellen will, dann kann man das Dichten und Lügen ſelbſt da nicht laſſen, wo es gar nicht einmal dem böſen Zwecke etwas dient. Winkler erzählt weiter: die Beſchwerde⸗ führenden hätten zwar den vorgeſchlagenen Weg der Unterſuchung angenommen, hätten aber Wo⸗ chen lang nicht hören und ſehen laſſen, daß ſie etwas in der Sache thäten. Auch dies iſt der Wabrheit nicht gemäß. In einem Briefe vom 21. März hatten die Leute zwar, wiewohl „nicht als Kläger, ſondern als Bittſteller,“ darein ge⸗ willigt, die Sache „einem ehrlichen, competen⸗ ten, bekenntnißmäßigen, kirchlichen Gericht zur Unterſuchung und reſp. Entſcheidung zu unter⸗ werfen,“ hatten aber auch gebeten, daß ihnen Winkler ſein Committeeglied nennen möchte, da⸗ mit ihre Wahl nicht auf denſelben Mann falle und abermals Verzug entſtünde. Da nun Wink⸗ ler in ſeiner Antwort vom 26. März dieſer Bitte nicht willfahren mochte, ſo haben ſich die Leute ſchon am folgenden Tage brieflich an den Präſes unſerer Synode mit der Bitte gewendet, ſich ih⸗ rer Sache anzunehmen. Derſelbe hat auch be⸗ reits unterm 5. April an den Unterzeichneten Meldung ergehen laſſen, daß er ihn mit dieſer „Angelegenheit betraue und ihn gebeten, ſich zu dem Zwecke nach Detroit zu begeben. Der Brief,‚ der dies enthielt, trägt das St. Louiſer Poſtzei⸗ chen vom 7. April, ging aber leider ſtatt unmit⸗ telbar nach Bridgeport (der damaligen Poſtoffice des Unterzeichneten), zuvor nach Bridgewater in die Irre, wie auf dem Couvert deutlich zu er⸗ ſehen iſt, und ſo kam er erſt den 24. April am Ort ſeiner Beſtimmung an. Mittlerweile hatte Winkler unterm 9. April folgendermaßen an die Leute geſchrieben: „Wie ſchon am 16. und am 26. März geſche⸗ „hen, werden Sie hiermit noch einmal dringend „erſucht, Ihren Theil der Committee zu wählen „und uns die Zeit zu beſtimmen, wann unſer „Theil hier ſein ſoll. Wenn nichts der Art in „den nächſten drei Tagen geſchieht, ſo ſind wit „genöthigt, ohne Rückſicht auf ſpätere Beſtim⸗ „mungen vonIhrer Seite unſere eignen Wege in „dieſer Sache zu gehen.“ Dies ſchien ſelbſt zweien ſeiner Vorſtände zu