# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 11 11_S48 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) hger, als in der Kirche und bei'm Gebete, das der Geiſtliche ſpricht. Der Büßer meint es unſtlich mit ſeinem Beutel, und der Kranke und ſeine Verwandte geben ihr Geld natürlich nur in der ernſtlichen Hoffnung hinaus, daß des Büß⸗ uns Kunſt und Wort die erſehnte Hilfe bringen verdt. Daß Gottes Wort bei dem Büßen iſt, nacht die Sache nur ſchlimmer. Eebrauche keine Zauberei, ſprich nicht: Gottes Wort iſt 2* dabei. hiil'ger Wort“ je größer Sünd, Weil Gott daran Gräuel find! Erbarm dich Herr! Den Vers kennſt Du doch wohl aus dem al⸗ tn Geſangbuche! Wir haben ihn ja in der Schule gelernt, und ſingt man ihn gleich nicht vehr in der Kirche, ſo ſingen wir ihn deſto fleiß⸗ tzer zu Hauſe. Nicht wahr? Mich. (wird roth und ſucht ſeine Verlegenheit iu verbergen, doch nimmt er ſich zuſammen und entgegnet:) Mir fällt da ein Spruch ein; zwar veiß ich nicht, wo er ſteht, doch weiß ich die Vorte: „Es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.“ Ich meine, das ließe ſich auch auf das Büßen bezieh'n. Ch. Du haſt doch Deine Schriftweisheit nicht aus der Wüſte und von der Zinne des Tempels gebolt? Der dort — es war keiner im weißen glänzenden Gewande — hat das Ding auch verſianden! Ei, ei, Michel! — den Teufel willt du weis waſchen mit Gottes Wort, und eer Sünde einen heiligen Schein umthun? Das zweite Gebot — nimm Dich in Acht — tö ſchägt Dich auf den Mund! Mich. Das zweite Gebot? ö Eb. Ja, das zweite Gebot; denn es gebie⸗ et uns, daß wir den Namen Gottes nicht ſollen vergeblich führen, und betheuert, der Herr werde den nicht unſchuldig halten, der ſeinen Namen vergeblich führt. Mich. Iſt's denn aber auch ſchon entſchie⸗ den, daß das Büßen ein Mißbrauch des gött⸗ lichen Namens ſei? Ch. Für Einen, der ſein zweites Gebot wirk⸗ lch gelernt hat und verſteht, für den iſt's ent⸗ ſhitden. Frag' Deinen Buben, er wird Dir ſgen aus der Erklärung des zweiten Gebotes, raß ſchon der alte Luther das Zaubern unter rie Sünden gegen das zweite Gebot gerechnet hat; und das Büßen iſt auch eine Zauberei. Mich. Wie ſo? Ch. Weil der Büßer vorgibt, er beſitze über⸗ menſchliche Kräfte und vermöge übermenſchliche Dinge. Dabei konnnt es ihm nicht darauf an, ob dieſe Kräfte aus der Hölle oder aus dem Himmel ſind, ob dieſe Dinge zum Nutzen oder jum Schaden des Nächſten gereichen. Ja, noch uehr: Das Büßen läuft geradezu auf eine Ver⸗ höhnung Gottes hinaus, denn man thut oder pricht dabei ſo viel Sinnloſes, Seltſames und Aentheuerliches in Verbindung mit dem gött⸗ ſchen Namen, daß man auf den Gedanken kom⸗ nen muß, es ſei gerade auf eine Verhöhnung der Majeſtät Gottes abgeſehen. Mich. Ich dachte immer, nur das Teufel⸗ aurufen und dem Teufel ſich verſchwöͤren, und ö —45— mit ſeiner Hilfe Böſes übernatürlicher Weiſe zu verrichten, wäre Sünde? Kräfte durch des Teufels Hilfe ſich dienſibar zu machen, um übermenſchliche Dinge zu verrichten; aber es iſt ſchon eine große Sünde, des dreiei⸗ nigen Gottes Wort zu allerlei verbotenen Din⸗ gen mißbrauchen. Mich. Ja, wenn man, um Böſes zu bewir⸗ ken, Wort und Name Gottes mißbraucht, das laſſe ich mir wohl gefallen, daß es Sünde ſei; aber wenn man Gutes damit verrichten will, als z. B. Krankheiten heilen, kann denn da der Ge⸗ brauch des göttlichen Namens und Wortes Sün⸗ de ſein? Chr. Ja, auch dann iſt's Sünde; denn ein⸗ mal iſt es noch nicht zugegeben, daß eine derar⸗ tige Krankenheilung wirklich etwas Gutes ſei, und dann muß Gottes Name und Wort nur nach Gottes Willen gebraucht werden. Jeder Gebrauch, der über dieſen Willen hinausgeht, iſt Sünde. Gott hat dem Menſchen ein gewiſ⸗ ſes Bereich von Kräften zugewieſen, darin ſoll er bleiben und ſie nach Gottes Willen benützen. Strebt er nach Höherem, will er Übermenſchli⸗ ches ſich aneignen, ſo fällt er in die Sünde Sa⸗ tans, der auch Gott ſein wollte. Beides iſt wahr: wer wider Gottes Willen thut, der iſt vom Teufel, und umgekehrt: wer vom Teufel iſt (teufliſche Geſinnung hat), thut Sünde. Mich. Sage, ſuͤndigen auch die, welche bü⸗ ßen laſſen? Chr. Allerdings ſündigen auch die, welche zu den Zauberern und Büßern ihre Zuflucht nehmen; denn das werden nur ſolche thun, die zu ihnen und ihrem Wort und Werk mehr Glau⸗ ben und Vertrauen haben, als zu Gott und den Verheißungen ſeines heiligen Wortes. Mich. Man ſollte freilich ſo meinen. Ich kann mir aber doch den Fall denken, daß ſie ihr Vertrauen zur Hilfe nicht auf den Zauberer, ſondern auf den dreieinigen Gott ſetzen, deſſen Namen und Wort der Zauberer ſpricht. Chr. Wenn die Leute das glaubten, wozu brauchten ſie dann den Zauberer? könnten ſie nicht den dreieinigen Gott für ſich ſelbſt oder für die Ihrigen anrufen? Mich. Das könnten ſie freilich; aber ſie mei⸗ nen eben, des Zauberers Worte helfen mehr. Chr. Ich ließe mir dieſe Meinung gefallen, wenn der Zauberer einen beſonderen Auftrag für ſein Thun von Gott hätte. Aber den hat er nicht; denn erſtlich läßt Gott einen jeden Menſchen in ſeinem heiligen Worte auffordern: „Rufe mich an in der Noth, ſo will ich dich er⸗ reiten.“ Zum andern: hätte Gott beſonderen Menſchen den Auftrag gegeben, für Andere zu beten und ſeinen heil. Namen und Wort über ſie zu ſprechen, ſollte er nicht vor Allen die Diener ſeines heiligen Wortes dazu erwählt haben? Weißt Du nicht, wie die hl. Schrift ſagt, Jac. 5, 14 — 16: „Iſt Jemand krank, der rufe zu ſich die Alteſten von der Gemeine, und laſſe über ſich beten und ſalben mit Oel (Arzenei anwen⸗ den) in dem Namen des Herrn, und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und Chr. Freilich iſt's noch viel ſträflicher, hoͤlliſche der Herr wird ihn aufrichten, und ſo er Suͤnde gethan, werden ſie ihm vergeben ſein.“ ö Mich. Ja, aber gerade Jacobus iſt es, der auch Anderer, als der Diener Gottes, Gebet wirkſam und kräftig ſein läßt, wenn er ſagt: „Bekenne einer dem andern ſeine Sünde und betet für einander, daß ihr geſund werdet.“ Chr. Ganz recht; aber bedenke nur, daß dieß kein Beſprechen iſt, wie bei dem Zauberer, ſondern ein brüderliches Eröffnen von Gewiſ⸗ ſensbeſchwerden, wobei Einer des Andern Laſt ſich aneignet und vor den Gnadenſtuhl Gottes bringt. Soll ein ſolches Gebet wirkſam ſein, ſo muß es aus dem wahren Glauben kommen, der allein vor Gott gerecht macht; denn es heißt: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernſtlich iſt.“ Geſchieht das, ſo wird dem drei⸗ einigen Gott die Ehre gegeben, dem ſie allein gebühret, ſo wird dabei anerkannt und bekannt, daß die Kraft des lebendigen Gottes, nicht die Kunſt und Kraft des Zauberers, geholfen habe. Mich. Ich dächte, auch ohne dies ausdrück⸗ liche Bekenntniß des Glaubens deutete der wirk⸗ liche Eintritt der Hilfe auf das Vorhandenſein des Glaubens, dem Hilfe verheißen iſt. Chr. Du irrſt! Es iſt nicht alles gut, was hilft. Wenn einer ſtiehlt, damit er nicht ver⸗ hungert, ſo hilft das auch, nicht wahr? aber kannſt Du deshalb das Stehlen gut heißen oder loben? findeſt du darin eine That des Glau⸗ bens? Mich. Bewahre! Chr. Du ſiehſt alſo, es iſt die eingetretene Hilfe noch kein Beweis, daß die Sache recht und göttlich ſei; ja es ſieht wie Gottesläſterung aus, wenn man dieß bei einer Sache behaupten wollte, mit der eine Entheiligung des göttlichen Namens und eine Verhöhnung ſeiner Majeſtät verbunden iſt. Erfolgt die Hilfe, ſo kann der Helfende wahrlich nicht Golt *) ſein; auch der Unſinn nicht, den man dabei geſprochen oder ge⸗ trieben hat; auch nicht eine bloße Naturkraft, die durch unſinnige Büßerworie geweckt wäre. Da kommt die Hilfe aus dem Reiche der Finſter⸗ niß, die ihre Hilfe nicht umſonſt bietet, die viel⸗ mehr für das kleine Uebel, von dem ſie uns be⸗ freit hat, das weit ſchrecklichere uns an den Hals wirft, daß wir Gottes Gnade verlieren und dem Dienſte der Finſterniß verfallen. Nein, man darf nicht Alles brauchen, was hilft; und der Umſtand, daß den Leuten zu Zeiten Hilfe zu Theil wird, die ſich an Büßer und Zauberer wenden, entſchuldigt ſie ſo wenig, als die andere Ausrede, daß ja Niemanden Schaden damit ge⸗ ſchehe, wenn ſie ſich an einen klugen Mann wen⸗ deten. Es trägt gar Manches Andere keinen Schaden ein und gereicht doch dem, der es thut, zum allergrößten Schaden. *) Es ſoll darin natürlich nicht geſagt ſein, daß nicht Gott, nach ſeiner allmächtigen Wirkung, auch dieſe Hei⸗ lung wirkte; aber ſie geſchient nicht nach ſeinem guten, gnä⸗ digen Willen, ſondern nach ſeinem heiligen und Yerechten Strafwillen, daß die Verächter ſeines Wortes glauben der Lüge. Aehnlich wirket Er auch das Weichen der Poltergei⸗ ſter auf die Beſchwörung der papiſtiſchen Prieſter, dadurch die Leute um ſo feſter in dem papiſtiſchen Aberglauben wer⸗ ren.