# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 11 11_S47 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und gewaltiglich mit ſich gebracht beide Verſtand und Urtheil, was Kirche oder nicht Kirche wäre. Denn wer da hätte gehört dies Wort, chriſtlich heilig Volk, der hätte flugs können urtheilen: Der Papſt iſt kein Volk, vielweniger heilig chriſt⸗ lich Volk. Alſo auch die Biſchöffe, Pfaffen und Mönche. die ſind kein heilig chriſtlich Volk; denn ſie gläuben nicht an Chriſtum, leben auch nicht heilig, ſondern ſind des Teufels böſe, ſchändlich Volk. Denn wer nicht recht an Chri⸗ ſtum gläubt, der iſt nicht chriſtlich oder ein Chriſt. Wer den heiligen Geiſt nicht hat wider die Sünde, der iſt nicht heilig. Darum können ſie nicht ein chriſtlich heilig Volk ſein, das iſt, Sancta et Catholica Ecclesia. Aber weil wir dies blinde Wort (Kirche) brauchen im Kinderglauben, fället der gemeine Mann auf das ſteinerne Haus, ſo man Kirchen nennt, wie es die Maler malen; oder geräth es wohl, ſo malen ſie die Apoſtel, Jünger und die Mutter Gottes, wie auf dem Pſingſttag, und den heiligen Geiſt vben über ſchwebend. Das gehet noch hin; aber das iſt nur einer Zeit hei⸗ lig chriſtlich Volk, als im Anfang. Aber Eecle- sia ſoll heißen, das heilige chriſtliche Volk, nicht allein zur Apoſtel Zeit, die nun längſt todt ſind, ſondern bis an der Welt Ende. Daß alſo im⸗ merdar auf Erden im Leben ſei ein chriſtlich hei⸗ lig Volk, in welchem Chriſtus lebet, wirket und regieret per redemptionem, durch Gnade und Vergebung der Sünden, und der heilige Geiſt per vivificationem et sanctificationem, durch täglich Ausfegen der Sünden, und Erneurung des Lebens, daß wir nicht in Sünden bleiben, ſondern ein neu Leben führen können und ſollen, in allerlei guten Werken, und nicht in alten bö⸗ ſen Werken, wie die zehn Gebote oder zwo Tafeln Moſes fordern: das iſt St. Pauli Lehre. Aber der Papſt mit den Seinen hat beide Namen und Gemälde der Kirchen allein auf ſich und auf ſei⸗ nen ſchändlichen verfluchten Haufen gezogen, unter dem blinden Wort Ecelesia, Kirchen ꝛc.“ 6. Aus der Schrift: an den Chriſt⸗ lichen Adel deutſcher Nation. (Th. 10. S. 302.) „Man hats erfunden, daß Papſt, Biſchöffe, Prieſter, Kloſtervolk wird der geiſtliche Stand genennet; Fürſten Herren, Handwerks⸗ und Ackersleute, der weltliche Stand. Welches gar ein fein Comment und Gleiſſen iſi. Doch ſoll Niemand darob ſchüchtern werden. Und das aus dem Grund: Denn alle Chriſten ſind wahrhaf⸗ tig geiſtliches Standes, und iſt unter ihnen kein Unterſcheid, denn des Amts halben allein, wie Paulus 1 Cor. 12, 12 seqq. ſagt, daß wir alle⸗ ſammt ein Körper ſind, doch ein jeglich Glied ſein eigen Werk hat, damit es dem andern die⸗ net. Das macht alles, daß wir eine Taufe, ein Evangelium, einen Glauben haben, und ſind gleiche Chriſten. Eph. 4, 5. Denn die Taufe, Evangelium und Glauben, die machen allein geiſtlich und Chriſtenvolk. Daß aber der Papſt oder Biſchoff ſalbet, Platten machet, ordiniret, weihet, anders denn Läyen kleidet, mag einen Gleisner und Oehlgötzen — 44— machen, macht aber nimmermehr einen Chriſten oder geiſtlichen Menſchen. Demnach ſo werden wir alleſammt durch die Taufe zu Prieſtern ge⸗ weihet, wie St. Peter 1 Petr. 2, g. ſaget: „Ihr ſeid ein königlich Prieſterthum, und ein prieſterlich Königreich.“ Und Offenb. 5, 10.: „Du haſt uns gemacht durch dein Blut zu Prie⸗ ſtern und Königen.“ Denn wo nicht ein höher Weihen in uns wäre, denn der Papſt oder Bi⸗ ſchof gibt, ſo würde nimmermehr durch Papſt's und Biſchof's Weihen ein Prieſter gemacht, möchte auch noch Meß halten, noch predigen, noch abſolviren. Darum iſt des Biſchof's Wei⸗ hen nichts anders, denn, als wenn er an Statt und Perſon der ganzen Sammlung einen aus dem Haufen nähme, die alle gleiche Gewalt ha⸗ ben, und ihm befähle, dieſelbe Gewalt für die andern auszurichten; gleich als wenn zehn Brüder, Königs-Kinder, gleiche Erben, einen erwählten, das Erbe für ſie zu regieren; ſie wären je alle Könige und gleicher Gewalt, und doch einem zu regieren befohlen wird. ö Und daß ich's noch klärer ſage, wenn ein Häuflein frommer Chriſtenläyen würden gefan⸗ gen, und in eine Wüſtenei geſetzt, die nicht bei ſich hätten einen geweiheten Prieſter von einem Biſchof, und würden allda der Sachen eins, erwählten einen unter ihnen, er wäre ehelich oder nicht, und befählen ihm das Amt zu täu⸗ fen, Meß halten, abſolv iren und predigen, der wäre wahrhaftig ein Prieſter, als ob ihn alle Biſchöffe und Päpſte hätten geweihet: Daher kommt's, daß in der Noth ein Jeglicher täufen und abſolviren kann; das nicht möglich wäre, wenn wir nicht alle Prieſter wären: Solche große Gnade und Gewalt der Taufe und des chriſtli⸗ chen Standes haben ſie uns durchs geiſtliche Recht faſt niedergelegt und unbekannt gemacht. Auf dieſe Weiſe erwählten vor Zeiten die Chri⸗ ſten aus dem Haufen ihre Biſchöffe und Prieſter, die darnach von andern Biſchöffen wurden be⸗ ſtätiget ohn alles Prangen, das jetzt regieret. So ward St. Auguſtinus, Ambroſius, Cypria⸗ nus Biſchof.“ nn“ (Eingeſandt.) Über Zauberei. Es iſt eine traurige Thatſache, daß ſo viele auch unter denen, welche dem göttlichen Worte nicht abhold ſind, bei Verletzungen, Krankheiten ꝛc. ihre Zuflucht nehmen zur Sympathie, d. i. in ihrer Sprache, zu denen, welche „brau⸗ chen, beſprechen oder büßen“ können. Da ſu⸗ chen ſie die Hilfe, welche ihnen, nach ihrer Mei⸗ nung, durch rechten Gebrauch der natürlichen Mittel und durch gläubiges Gebet entweder gar nicht oder doch nicht ſo ſchnell zutheilwerden kann, als durch „Zauberei; — das iſt Sprache der hl. Schrift — für „büßen, brauchen“ ꝛc. — Macht man dann ſolche Leute auf ihr Treiben aufmerkſam als auf ein böſes, dem Worte Got⸗ tes zuwider laufendes —, ſo wird man, im be⸗ ſten Falle, mit großen Augen angeſehen als ei⸗ ner, der nicht recht weiß, was er will. — „Brauchen oder beſprechen ſoll böͤs, dem Worte Gottes zuwider ſein?! Herr Pfarrer, lernen Sie das Ding erſt 'mal kennen, ehe Sie drüber urtheilen. Name Gottes, Wort Gottes und — Hilfe iſt hie beiſammen; wie ſollt' das bos ſein? Mein Kind hier hatte das Zahnfieber; alle Mittel, die der Arzt anwandte, halfen nichts; da kommt mein Nachbar und ſagt im Namen Gottes ſein Sprüchlein — und ſiehe, die Krank heit nimmt ab, ſo daß jetzt ſchon nach 2 Tagen das Kind wieder munter iſt und herumlauft — da ſehen Sie ſelbſt!“ — So oder ähnlich iſt wohl ſchon manchem Sel⸗ ſorger auf liebreiche und ernſte Vermahnung und Warnung hin geantwortet werden. Was darauf zu ſagen ſei, wird der „Herr Pfar⸗ rer“ wohl wiſſen — ſoll es wenigſtens wiſſen! Andere möchten es aber gerne hören; darun⸗ ter ſind ſolche, welche für ſich überzeugt ſind, daß das „brauchen“ Sünde ſei, die aber den Mann, das Weib, den Freund und Nachbar nicht davon überzeugen können; dieſe wollen brauchen laſſen, brauchen vielleicht ſelbſt und das ſind die, welche, die Hand in die Seite ſtemmend, 'mal den ſehen wollten, der was da⸗ gegen einwenden könnte. — Dieſen allen gibt wohl die rechte „Antwort“ ein Schriftchen mii dem Titel „Das Büßen, oder die Heilkraft der Sympathie. Ein Geſpräch mit Anhang. Hof, 1846 bei G. A. Grau.“ Da nun auch un⸗ ter den Leſern des „Lutheraner“ ſolche ſein möch⸗ ten, die ihren „Brauchern“, von denen ſie ge⸗ plagt werden, gern die rechte Antwort gäben, ſo mögen ſie dieſelbe aus dem obgenannien Ge⸗ ſpräch ſuchen; und zu dem Ende wird daſſelbe hier abgedruckt. Leſer des „Lutheraner“ ſollten freilich keine „Braucher“ ſein; wenn's aber unglücklicherweiſe Einer oder der Anderr wäre, ſo wünſche ich ihm von Herzen, daß er durch dies „Geſpräch“ zur Erkenntniß ſolcher Sünde und ernſtlicher Buße kommen möge. Das walte Gott! W. St. Ch. Haſt Du denn auch ſchon davon ge⸗ hört, daß unſer Vicar einen Verdruß mit den .—— —.—— cs B . . . Leuten gehabt? Mich. Ich hab' davon gehört. Man hat mir auch die Urſache mitgetheilt. Die B... Margareth litt an der Gicht, und zwar ſo ge⸗ waltig, daß ſie lautauf ſchrie. Statt nach dem Arzt zu ſchicken, haben ſie den R... kommen und büßen laſſen. Der Vicar erfuhr dieß und ließ ſie darüber hart an. Ch. Ich glaube auch, er hat Recht gethan. Was chriſtliche Leute ſein wollen, ſollten ſich nicht der Welt gleichſtellen, ſondern auf Gottes Won und ein gläubiges Gebet mehr halten, als auf Büßer und Zauberer. Das Büßen iſt eine Sünde. So glaube ich. Mich. Du gehſt zu weit mit dieſer Behaupw⸗ tung. Wie kann das Sünde ſein, bei dem Gottes Wort iſt, und noch dazu nicht mit leich⸗ ſinnigem Gebrauche. ſondern in allem Ernſte. Ch. Ja leider! im Ernſte. Hab's auch ſchon geſehen! Im Beiſein eines Büßers oder lugen Mannes ſind die Leute meiſt viel andac ö