# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 10 27_S40 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) chen Zucht und Schule aufgewachſen waren, von rieſem Taumelweine trunken und von den Zau⸗ berſchlingen jener dämoniſchen Poeſie alſo um⸗ ſricket, und zugleich innerlich dergeſtalt entnervt und vergiftet wurden, daß, wie ſehr zu befürchten iſt, die Meiſten dadurch ewig verloren gehen und eben erſt die Ewigkeit dieſen unſäglichen Schaden und dieſe Seelenvergiftung bis zum hölliſchen Verderben in ihrem ganzen Umfange offenbar machen wird. Als nun H. Heine, dieſer Verführte Satans, und dieſer Verführer der Jugend, geſund und woblgemuth zu Paris lebte, und den gröberen und feineren Lüſten des Fleiſches fröhnte, von gllichgeſinnten Brüdern und Geſellen umgeben war, da hatte'er keinen Hehl, daß er ein franzö⸗ ſiter Epikurer und Sadduzäer ſei. Er erklärte gradezu, wie er auf die „trübſinnigen Nazarener“ mitleidig herablächle und ſagte grade heraus: „wir wollen nicht Enthaltſamkeit, nicht Entſa⸗ gung und Abtödtung, — wir wollen Ambroſia „Götterſpeiſe) duftende Gärten, Rauſch, Harmo⸗ nie und Lebensgenuß.“ Und dieſem Bekenntniß gemäß hat er ſich all⸗ wege in ſeinen Schriften ausgeſprochen; und es würde hier zu weit führen, wenn man mit Stiel⸗ Ilen daraus beweiſen wollte, wie er theils den wabren Gott und HErrn und deſſen ewige und hbimmliſche Güter und Freuden, die das Wort eer beiligen Schrift bezeuget, verſpottet und ge⸗ läſtert und aller chriſtlichen Tugend und Sitte Hobn geſprochen, theils das lüſterne Fleiſch und die Welt des Sinnenreizes und beider flüchtige Genüſſe und Lüſte zum Himmel erhoben hat, als beſtünde in ihnen das wahre, das göttliche Leben. große Umwandlung mit mir vorgegangen. Ich bin kein Gott mehr, ich bin nicht mehr der „frei⸗ eſte Deutſche nach Göthe,“ wie mich Ruge in geſündern Tagen genannt hat; ich bin nicht mehr der große Heide No. 2. den man mit dem weinumkränzten Dionyſus“*) verglich, wäh⸗ rend man meinem Collegen No. 1. Göthe den Titel eines Großherzogl. Weimarſchen Jupi⸗ Narrheit und Wahnwitz. Es ergreift ihn mit bitterer Gewalt die Wahrheit, daß die Güter dieſer Welt und die Freuden und Genüſſe des Fleiſches eitel und leer, nichtig und flüchtig ſeien und das menſchliche Herz unmöglich befriedigen können. Es bemächtigt ſich ſeiner Seele derUnglau⸗ be an ſeinen früheren Unglauben; und hinter ſich ein verlorenes Leben, vor ſich ein langſames ters) ertheilte; ich bin kein lebensfreudiger Hel⸗ len (Grieche) mehr, der auf trübſinnige Nazare⸗ ſchmerzliches Dahinſterben, in ſich das erwachen⸗ de und erſchreckte Gewiſſen, über ſich den heiligen Gar anders aber lautet Heine's Bekenntniß, als er, wahrſcheinlich in Folge ſeines ausſchwei⸗ fenden Lebens, in Paris an der Rückenmark⸗ ſchwindſucht krank darnieder lag, als die ſüße Ambroſia in bittere Wermuth, die duftenden Gärten in das öde Krankenzimmer, Nauſch und Harmonie in fade Nüchternheit und disharmo⸗ niſche Schmerzenslaute und Seufzer, der Lebens⸗ genuß in ſchmerzliche und widerwillige Lebens⸗ entſagung ſich verwandelt haben. Da beginut das Gewiſſen zu erwachen, dieſe richtende Stimme Gottes in ſeinem Herzen, die er bis daher durch die Lüſte des Fleiſches betäubt hatte; — da kommt ſeine Vernunft aus ihrem natürlichen Lichte, das er bis daber (durch So⸗ pyiſtereien des vom Irrlichte des Teufels ver— führten fleiſchlichen Verſtandes geblendet) faſt ganz ausgelöſcht hatte, wieder zu ſich ſelbſt. Denn er ſchreibet alſo: „In manchen Momenten, beſonders wenn die Krämpfe in der Wirbelſäule allzuſtark rumoren, durchzuckte mich der Zweifel, ob der Menſch wirk⸗ lich ein zweibeinigter Gott iſt, wie mir der ſelige Profeſſor Hegel vor 25 Jahren zu Berlin verſi⸗ chert hatte. In Wonnemond —welch' merkwür⸗ rigt Fügung für einen Mann, der irdiſche Won⸗ ne und Genuß für die Beſtimmung des Men⸗ ſchen erklärte — mußte ich mich zu Bette legen und bin ſeitdem nicht wieder aufgeſtanden. Un⸗ terdeſſen, ich will es freimüthig geſtehen, iſt eine auch nur der ſchwächſte Hoffnungsſchimmer ent⸗ ner (Chriſten) herablächelte. Ich bin jetzt nur noch ein armer todtkranker Ju⸗ de, ein abgezehrtes Bild des Jam⸗ mers, ein unglücklicher Menſch.“ Zwar iſt aus dieſem Bekenntniß erſichtlich, daß das Gewiſſen und das göttliche Geſetz der 10 Gebote, die er ſicherlich kannte, noch nicht gründlich in ihm erwacht und lebendig geworden war; denn zoch fehlte die Anerkennung des per⸗ ſönl. ewigen und allmächtigen, heiligen und ge⸗ rechten Gottes, wider den und ſein Wort und Willen Heine's ganzes Leben nur eine große unermeßliche Sünde war; noch fehlt ſelbſt die verſtandesmäßige Erkenntniß ſeines angebornen ſündlichen Verderbens und der daher rührenden ſündlichen Gedanken, Worte und Werke; und noch mehr fehlt die reumüthige Erkenntniß der eignen Fluchwürdigkeit und Verdammlichkeit gegenüber dem heiligen und gerechten Gott und ſeinem Geſetz. So iſt auch noch nicht die leiſeſte Ahnung vorhanden, daß Jeſus Chriſtus doch am Ende etwas anderes ſei, als Heine früher gewähnet, da er ihn „den Juden von Nazareth nannte, der eine düſtre Weltanſchauung in's frohe genießende Heidenthum gebracht habe;“ und noch weniger kann in jenem Bekenntniß und Miſſethaten, unter ſich den gähnenden Ab⸗ grund der Hölle, ſehnet ſich ſeine Seele vergeblich nach Vernichtung. — gend und laß dein Herz guter Dinge ſein in deiner Jugend. Thue was dein Herz lüſtet dich Gott um dies Alles wird vor Gericht führen.“ Pred. Salom. 11, 9. Es hat ein Dichter das Syſtem der Hegelianer kurz in Verſe gebracht. alſo: Der Menſch iſt frei und haßt den Zwang, Er ſelbſt gibt ſich Geſetze, Er muß nur folgen ſeinem Drang Dann blüh'n ihm gold'ue Schätze⸗ Die Ewigkeit iſt Mährchenland, Religion ein Gängelband, Das braucht man nur für Kinder. Sich ſelber iſt der Menſch genug, In jedem Stand und Lande, Er iſt ein Gott, ja Zug für Zug, Im richtigſten Verſtande, Das hat ein Hegel in Berlin, Um recht die Menſchheit aufzuzieh'n, Voll Demuth jüngſt bowieſen. Bereits war's finſter auf der Welt, Sounſt hätt' man's längſt geſehen, Daß nur der Menſch die Schöpfung halt, So lang' ſie wird beſtehen. Wenn einſt ſie aus den Angeln fliegt, Ihr eig'nes Feuer ſie beſiegt, Dann iſt das nur ein Zufall. — deckt werden, daß am Ende in dieſem Jeſu doch noch für ihn ein Tröpflein Schächersgnade vor. handen ſei, obgleich er früher ſein Läſterer und Verächter geweſen ſei. Und man muß aller⸗ dings annehmen, daß niemals und nirgends auch nur das kleinſte Saamenkörnlein der evan⸗ geliſchen Wahrheit, in ſein Herz gefallen ſei, als er, wenn auch ein Jude, doch wenigſtens in Deutſch⸗ land im Bereich des Evangeliums lebte; und dieſes konnte auch ſchwerlich geſchehen, da er ja grade Gott ſtracks entgegen wandelte und durch den Betrug des Teufels und die böſe Luſt des Fleiſches ſelbſt das natürliche Licht der Vernunft und die Stimme des natürlichen Gewiſſens be⸗ täubte und erſtickte. Tieſe ernſte Wahrheit jedoch tritt klar aus je⸗ nem Bekenntniß hervor, daß ihm ſeine frühere Meinung von der Göͤttlichkeit des Menſchen als Wahn und Thorheit erſcheint, daß ſein froher heidniſcher Lebensgenuß ihm unter den Händen verwelkt und verdorrt iſt und der früheren ſüßen Berauſchung jetzt eine furchtbare Leere und Er⸗ nüchterung, ein ekler Lebensüberdruß gefolgt iſt; er höhnet und ſpottet jetzt der Scheinweisheit ſeines ehemaligen Lehrers und erkennt ſie als Der Menſch iſt Gott und Niemand mehr Hier unten und dort oben, Da iſt es freilich öfter ſchwer, Mir dieſen Gott zu loben: Der Eine hat's Delirium, Der And're geht vor Hunger krumm, Dem Dritten wird gar übel. Doch alles dieſes gibt ſich ſchon, Beſieht' man's nur bei Lichte, Der Gas⸗Aufklärung echter Sohn Macht's Dunk'le baß zu Nichte. Das iſt es, was den Feuergeiſt Der jungen Zeit ſo klar beweiſ't, Per Dampf geht's immer weiter. Natürlich ſieht nun jeder gleich, Und liegt's ja auch nicht ferne: Die Erde iſt das Himmelreich: Was kümmern ſie die Sterne? Dem Laſter huld'gen iſt Gebrauch Und alles And're iſt nur Rauch, Das Fleiſch iſt uns vergöttert! *) Dionyſus war in der gricchiſchen Götterlehre der ſog. Gott des ſrohen Lebensgenuſſes, von den Römern Bachus genannt. )] Zupiter war der ſogen. Vater der Götter. und gerechten Richter und Rächer ſeiner Sünde „So freue dich, Jüngling, in deiner Ju⸗ und deinen Augen gefällt und wiſſe, daß Sie denken und ſagen