# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 10 27_S31 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) müſſen, welches Alles herbeizuführen doch allein Gott vermag. Und wozu hätten jene Menſchen alles dies veranſtaltet, wenn ſie's hätten veran⸗ ſtalten können? Um verachtet und verſpottet, ge⸗ haßt und verfolgt zu werden; denn das war das Loos der chriſtlichen Kirche während der erſten drei Jahrhunderte. Hiernach iſt nun offenbar, wer nach den Grundſätzen der Vernunft und des gemeinen Menſchenverſtandes handelt: wir, die wir ſagen, Gott, der die Weiſſagung vor Zeiten gegeben, und da die Zeit herbeigekommen war, dieſelbe hat in Erfüllung gehen laſſen; oder die Gegner, die ſagen: Es ſind Menſchen, welche die Begeben— heiten, die den Weiſſagungen entſprechen, veran⸗ ſtaltet haben. Es dünkt uns, wir haben nun zur Genüge geſehen, daß man entweder der Vernunft und dem gemeinen Menſchenverſtande den Abſchied geben, oder glauben muß, daß die Uebereinſtim⸗ mung der Weiſſagungen des Alten Teſtaments mit den im Neuen Teſtament erzählten Begeben- heiten kein Zufall ſei; ferner, daß es mit den Weiſſagungen des Alten Teſtaments und auch mit den im Neuen Teſtament enthaltenen Bege⸗ benheiten ſeine volle Richtigkeit habe d. h. ſo ſei, wie die Chriſtenheit glaubt.“) Wer ſind nun die Verſtändigen, die Chriſten, oder deren Gegner; und wer ſind die Unver— ſtändigen? Die Ungläubigen ſind die Unverſtändigen; und wie ſich dies an den Weiſſagungen gezeigt hat, ſo läßt ſich dasſelbe auch an andern Bewei? ſen für die Wahrheit der chriſtlichen Religion ſehen. Hievon machen wir nun noch eine kurze An⸗ wendung. Wenn denn die Gegner des Chriſtenthums bei ihrer Behauptung, die Lehren der chriſtlichen Religion ſeien nicht wahr, und die Bibel, welche dieſelben enthält, nicht Gottes Wort, wider alle Vernunft und gemeinen Menſchenverſtand han⸗ deln; woher kommt es doch, daß ſie ſich gleich— wohl darauf berufen? Aus ihrer Vernunft und ihrem Verſtande kann es nicht kommen, denn da⸗ rin liegen, wie wir geſehen haben, grade Gründe für das Gegentheil; wollten ſie ihre Vernunft fragen, oder den Regeln des gemeinen Menſchen⸗ verſtandes Gehör geben; ſo würden ſie wie Chri⸗ ſten glauben und reden. Aus ihrem Herzen *) Dies in, was der berüchtigte franzöſiſche Freigeiſt Rouſſeau verlangt hatte. Er ſagt nämlich: „Wenn ich die Weiſſagungen als Beweis ſollte gelten laſſen, ſo müßte drei⸗ erlei zuſammenkommen, was unmöglich iſt, nämlich ich hätte muſſen ein Zeuge ſein der Weiſſagungen; ich hätte müſſen kin Zeuge ſein der Erfüllung derſelben; und es müßte mir bewieſen werden, daß es kein Zufall iſt, daß die Erfüllung mit der Weiſſagung überein ſtimmt.“ Der liebe Leſer wird ͤben, was Rouſſeau in der erſten Forderung verlangt, näm⸗ lich Gewißheit, daß es mit den Weiſſagungen ſeine Richtig⸗ keit hat, in unſerm zweiten Theile; was er in ſein er zweiten Forderung verlangt, nämlich Gewißheit, daß es mit der Er⸗ füll ung ſeine Richtigkeit hat, in unſerm dritten Theile, und was er in ſeiner dritten Forderung verlangt, in unſerm erſten Theile gewährt finden. So muß denn ein Fürſi der Un⸗ eläubigen Zeugniß für die Gültigkeit eines Beweiſes für die Wahrbeit der chriſtlichen Religion, und ſo für dieſe ſelber, ablegen, den Gläubigen zum Troſt, den Ungläubigen zum — 28— kommt es alſo. imt es Sie ſind des Lichts Feinde, der Finſterniß Freunde. Denn das Dichten des menſchlichen Herzens iſt böſe von Jugend auf, und aus dem Herzen des Menſchen kommen arge Gedanken. Daraus folgt zweierlei. Einmal, ſie verwerfen-Gottes Wort; und zum andern, ſie wollen den Grund, weshalb.ſie dieſes thun, verbergen, und berufen ſich deshalb nicht auf die Bosheit ihres Herzens, ſondern auf ihren Ver— ſtand. Ihr Verſtand aber läßt ſie, wie ſich ge— zeigt hat, nicht nur jämmerlich im Stich, ſondern zeugt wider ſie. Dies iſt ein warnendes Wort für die Gegner des Chriſtenthums. Sie ſollen zu Herzen faſſen, daß es eine Schande iſt, ſich auf einen Zeugen zu berufen, der gegen ſie guftreten muß; ſie ſol⸗ len wiſſen, daß fie dadurch ihr dereinſtiges Ur⸗ theil noch verſchlimmern, denn ſie rufen grade einen Zeugen, nicht ſie zu entſchuldigen, ſondern ſie zu perklagen, auf; ſie ſollen endlich bedenken, daß es in dieſem Falle keine Kleinigkeit iſt, wi— der die Vernunft und den gemeinen Menſchen⸗ verſtand zu handeln. Es wäre wider den gemei— nen Menſchenverſtand, ein altes Kleid mit einem neuen Lappen zu flicken, und Trauben auf den Dornen und Feigen auf den Diſteln zu ſuchen; indeß handelt Jemand in Dingen, die dies Le⸗ ben angehen, wider den gemeinen Menſchenver— ſtand; ſo iſt etwa ein wenig zeitlicher Spott und geringer zeitlicher Verluſt die Folge davon; han— delt aber Jemand in geiſtlichen Dingen dawider, ſo iſt ewige und unausſprechliche Schande, und unerſetzlicher Verluſt ſein Lohn. Wollten doch darum die, welche bisher die chriſtliche Religion verworfen haben, aus dem Grunde, daß es vernunftwidrig ſei, an ihre Leh— ren zu glauben, bedenken, wie es grade umge⸗ kehrt iſt, und eben der Vernunft, auf die ſie ſich berufen, Gehör geben wider ihr boſes Herz, da⸗ mit ſie ihr Ohr ernſtlich zur heilſamen Lehre nei— gen und aufmerken, und der Herr zu ihnen dann rede, und ihren Sinn und ihr Herz ändere, und zu einem Gefäß der Gnade mache, ſo daß daſſelbe endlich zu Chriſto ſpricht: Mein Herr und mein Gott, und dahin kommt, daß es ſagt: Bezeugten auch mein Verſtand und meine Vernunft mir's nicht, ja ſagten ſie das Gegentheil, ſo will ich dennoch vom Herrn und Seinem Wort nicht mehr laſſen, denn, Herr, wohin ſollen wir gehen? Du haſt Worte des ewigen Lebens. Daß ſolches ge⸗ ſchehen möge, helfe Gott. Ihr aber, Geliebte, die ihr durch Gottes Gna— de ſeid gläubig geworden, wollt dies zu euerm Troſte dienen laſſen, daß es der Vernunft gemäß iſt, die Wahrheit der chriſtlichen Religlon anzu— nehmen, und die Bibel für Gottes Wort zu hal⸗ ten. Wir haben wohl oft gedacht, beſonders wenn wir Spott hören mußten: Mag's auch wi— der die Vernunft ſein, die Bibel für Gottes Wort zu halten; ich glaube dennoch. Nun wiſ— ſen wir, daß unſere Sache gar ſo ſchlecht nicht ſteht; umgekehrt iſt's; die Vernunft iſt für uUns, und wider die Spötter. Laßt Euch dies auch einen Troſt in der Anfechtung ſein; denn ſollten auch viel Zweifel über euch kommen, ſo gedenkt, Schrecken. daß es wider alle Vernunft wäre, nicht zu glau⸗ ben, daß alſo die Zweifel ganz ohne Grund und nur Vorſpiegelungen des Feindes unſerer Seelt ſind, damit er uns berücken will. Das ſoll ihn aber nimmer gelingen. Dazu wolle der Herr auch heute ſeinen Segen auf ſein Wort legen, und ſeine Kinder im Glau⸗ ben ſtärken und erhalten bis an's Ende; und auch ſolche, die Ihn noch nicht Vater nennen, zum Glauben erwecken, auf daß ſie mit jenen die Seligkeit erlangen, und groß ſei die Schaar und. laut der Schall derer, die Ihm und dem Lamme ewiglich Hallelujah ſingen. Amen. I M. Johann Mattheſii Okonomia oder Bericht vom chriſtlichen Hausweſen. (befindlich im Anhang ſeiner Catechismus⸗ Predigten.) Wer ſein Leben mit Freud' und Ruh', In dem Eheſtand will bringen zu, Auf daß ihm's Kreuz auf dieſer Erd, Im Haushalten deſto leichter werd: Ein fromm' gottfurchtig Kind er frey', Das von ehrlichen Eltern ſei, Und ſich vor allen Dingen hür, Daß er nicht frey' zu nah ins Geblüt. Wenn er erſt Gott gebeten hat, Darnach folg' er der Eltern Rath; So er nun ziemlich iſt bei Jahr'n, Hat was gelernet und erfahr'n Er baht nicht vor in allen Pfützen, Und ſauf aus jeder ſchlammig Stützen. Von Eltern erbt man Geld und Gut, Ein fromm' Weib Gott beſcheren thut; Von Mannes Rippen kommt ſie her, Iſt g'ſchmückt mit Tugend, Zucht und Ehr: An ihres Mannes Herz ſie hangt, Nach ihm ſich ſehnet und verlangt; Zum Gehülfen iſt ſie ihm gegeben, Zum Troſt und Freud in ſeinem Leben; Wenn ſich zuträgt Kreuz und Unfall, Ihr freundliches Herz ihn tröſten ſoll. Sie iſt des Mannes Arzenei, Daß er nicht fall in Buberei. Sie trägt Kinder in aller Zucht, Die Welt mehrt ihres Leibes Frucht. Dem Mann erbauet ſie ſein Haus, Erhält und breit't ſein Namen aus, Mehrt und erfreut ſein ganz Geſchlecht, Im Haus ſie alles ordnet recht. Ein'nt fruchtbar'n Weinſtock ſie iſt gleich, Gibt Schatten, iſt an Früchten reich. Sie iſt wie ein edles Geſtein, Und wie ein Perlein rund und rein. Im Haus das G'ſind ſich nach ihr richt't, Ohn' ſie kann man haushalten nicht. Ums Haus iſt ſie ein ſtarker Zaun, Ihr Mann darf ihr kecklich vertrann. In ihrem Herzen viel' Tugend' ſein, Wie ein wohl verſchloſſner Schrein. 4 Das beſt' Recept iſt ſie dem Mann, 4 Desgleichen kein Doctor ſchreiben kann. Wie holdſelig, lieblich und fein, Iſt das Bett, da zwei kommen ein, Die ſich in Züchten und in Ehr'n In rechter Lieb zuſammen kehr'n, Und eins zum andern ſich geſellt, Solch Leben unſerm Gott gefällt. Eheleut verſtehen das allein,