# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 09 30_S26 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Eine Strafrede Lutheri 1. gegen Zuhörer, welche die Lehre von Chri⸗ ſto ausgelernt zu haben vermeinen, und . gegen Prediger, welche aus Weisheitsdün⸗ lll ihre Gedanken drucken laſſen, thrils ſolche, uelche aus Trägheit nicht ſelbſt ſtudiren wol⸗ len, ſondern ſich allein auf Poſtillen verlaſſen. (S. Luthers Vorrede zu M. J. Spangenbergs Poſtille vom Jahre 1542. Werke, Hall. A. Tom. XIV, 376. ffl. *Sanct Paulus ſchreibet hin und wieder, daß Chriſtus unſer Herr ſei ein Geheimniß, Myſte⸗ num, und darf wohl auch die heilige Kirche (zu ren Epheſern e 5, 32) mit Chriſto, ihrem Bräu⸗ gam, ein Geheimniß heiſſen. Solches hielt ich „Ntzeiten, da ich ein Doctor der heiligen Schrift „nich mußte nennen laſſen, für eine ſchlechte Re⸗ e, die ich ſehr wohl vorſtünde. Aber nun ich (Gott Lob) wiederum ein armer Schüler worden ähin in der hl. Schrift, und je länger je weniger hann, hebe ich an, ſolche Worte wunderlich anzu⸗ ſehen, und finde aus der Erfahrung dieſe Gloſſe, naß es müſſe ein Geheimnis heiſen: denn ſo helle und klar die Apoſtel (auch mit Wunderzei⸗ hen,) davon predigten, noch bliebs verborgen u. heimtich den allerhöchſten und klugen Leuten auf Emen, wie er ſpricht Matth. 11, 25: Du haſt ſzolches verborgen den Weiſen u. Klu⸗ gen, aberoffenbaret den Kindern pp. Inicht Wunders genug? heißt das nicht heim⸗ lich genug! welches ſo öffentlich geprediget, und heler, denn die Sonne, leuchtet, dazu mit ſo goßen vielen Wunderzeichen (die man nicht lann leugnen, Gott müſſe ſie thun,) beſtätigt iſt, Eedennoch die Allerhöchſten, Klügſten, Heiligſten, Beſten, bier ſollen blind, taub und unſinnig ſein, daß ſie es nicht ſehen, hören noch fühlen fönnen? Rath hier, Räther, gut, was iſt das? Es iſt nichts offenbarlichers, u. doch nichts heim⸗ liches: nichts begreiflichers iſt, denn Chriſtus in Krippen u. am Kreuz, nichts unbegreiflichers iſt, denn Chriſtus zur Rechten Gottes u. Herr über alles. Alſo iſt ſein Wort, das von ihm predigt, auch gethan. 2 Unſere Erfahrung muß doch auch Zeugniß gchen, wie gar reichlich, hell u. klar haben wir daſſelbe heilſame Wort von Chriſto? Aber wem ij ſolch offenbarlich, helle, klar Licht bekannt und engenehm? iſts nicht Myſterium u. heimlich ge⸗ nug, nicht allein den Papiſten, ſondern auch den unſern, ſo ſich faſt Evangeliſch rühmen? welche Rrichts anders meynen, wenn ſie es einmal gele⸗ ſnn oder gehöret haben, ſie ſeyn ſo gar ſatt und ge⸗ nug, daß ſie auch wohl alle Apoſtel lehren könn⸗ ten, ſchweige ihre arme Pfarrherrn u. Prediger. „Solche halten, es ſei kein Myſterium noch tiefe Kunſt, ſondern ein Löffel voll Weisheit, den ſie in einem Schluck austrinken mögen. „3. Nun, was wollen wir Prediger thun, ſo unter ſolchen Erzengeln und über Erzengeln ſollen Kirchen regieren? Das wollen wir thun, wir wollen ſie laſſen alles beſſer, und huntermal beſſer wiſſen, denn wir ſelbſt. Und Chriſtus ſoll bey ihnen kein Myſterium noch Geheimniß, ſondern tine ledige Nußſchalen ſeyn, da ſie den Kern — 23— längſt, ehe ſie geboren ſind, ausgehölt und die Schalen weggeworfen haben; wir aber wollen dieweil an dieſem Geheimniß ſaugen, wie ein Kind an der Bruſt ſeiner Mutter, bis wir auch ein mal etwas davon kriegen, und uns nicht ſo frühe und zeitlich davon entwehnen laſſen, wie ſich dieſe hohe Leute ſelbſt entwehnen und ſich ſchämen, der Mutter Zitzen zu ſaugen. Denn ſie können ſelbſt laufen ehe denn ihnen die Beine und Füſſe gewachſen ſind. 4. Summa, wir müſſen die Welt und Teufel laſſen ihren Lauf laufen, und mit predigen, ſchelten, vermahnen, immer anhalten, um derer willen, ſo ſolch Geheimniß ſollen erkennen: den andern iſts gepredigt wie der Regen ins Waſſer fällt, oder, wie unſer Herr ſagt Matth. 13, 19. an den Weg geſäetwird; es will doch das Geheim⸗ niß allein auf dem vierten Theil des Ackers Frucht bringen. Demnach ich wohl gerne ſehe, daß die und dergleichen Bücher unter die Leute kommen, nicht allein ſolch Geheimniß zu offen⸗ baren, ſondern auch zuvorzukommen anderer mehr falſcher Bücher. Denn ſie ſind nicht alle rein, die jetzt ſchreiben, und will jedermann im Laden feil ſtehen, nicht daß er Chriſtum oder ſein Ge⸗ heimniß wolle offenbaren: ſondern ſein eigen Geheimniß und ſchöne Gedanken, die er über Chri⸗ ſti Geheimniß hält, nicht will umſonſt gehabt haben, damit er hoffet auch die Teufel zu bekeh⸗ ren, ſo er noch nie eine Mücke bekehret hat, oder bekehren kann, wo nicht das Verkehren das ärgſte daran wäre. 5. Aber gleich wohl find wiederum etliche faule Pfarrherren und Prediger auch nichtgut, die ſich auf ſolche und andere mehr gute Bücher ver⸗ laſſen, daß ſie eine Predigt draus können neh⸗ men, beten nicht, ſtudiren nicht, leſen nicht, trachten nichts in der Schrift, grade als müßte man die Biblia darum nicht leſen. Brauchen ſolcher Bücher, wie der Formular und Calender, ihre jährige Nahrung zu verdienen, und ſind nichts den Pſittig oder Dolen, die unverſtändlich nachre⸗ den lernen: ſo doch unſere und ſolcher Theologen Meynung dieſe iſt, ſie damit in die Schrift zu weiſen und zu vermahnen, daß ſie denken ſollen, auch ſelbſt unſeren Chriſtlichen Glauben nach unſerm Tode zu vertheidigen, wider den Teufel, Welt u. Fleiſch. Denn wir werden nicht ewiglich an der Spitzen ſtehen, wie wir jetzt ſtehen. 6. Und wie unſere Vorfabren haben aufgeer⸗ bet diß Geheimniß, wiewohl durch den Pabſt greulich vernichtet; ſo erben wirs ihnen auch auf; und ob ſie nicht ſo viel zu thun haben werden, ſol⸗ che Greuel auszufegen, wie wir gethan haben, ſo werden ſie doch eben (wo nicht mehr,) ſo viel zu thun kriegen, dem Teufel widerzuſtehen und zu wehren, daß er nicht wiederum ſolche Greuel in die Kirche werfe. Darum heiſſets, wache, ſtu⸗ diere, attende leotioni. Fürwahr, du kannſt nicht zu viel in der Schrift leſen, und was du wohl lieſeſt, kannſt du nicht zu wohl verſtehen, und was du wohl verſteheſt, kannſt du nicht zu wohl lehren, und was du wohl lehreſt, kannſt du nicht ſo wohl leben. Experto erede Ruperto. Der Teufel iſts, die Welt iſts, unſer Fleiſch iſts, die wider uns wüten und toben. Darum, liebe Her⸗ ren und Brüder, Pfarrherren und Prediger, betet, leſet, ſtudirt, ſeyd fleißig; fürwahr es iſt nicht faulenzens, ſchnarchens u. ſchlafens Zeit, zu die⸗ ſer böſen ſchändlichen Zeit. Brauchet eure Gabe, die euch vertraut iſt, und offenbaret das Geheim⸗ nis Chriſti: Wers nicht wiſſen will, der ſey un⸗ wiſſend, wie St. Paulus ſagt. 1. Cor. 14, 38. Weil die Taufe und Sacrament da ſind, müſſen wir das Wort des Geheimniß nicht ſchweigen. Es wird ſich wohl finden, wenn wir das unſere gethan haben, Amen. — — — Kirchlicher Zuſtand der deutſchen Prote⸗ 4 ſtanten in New⸗Orleano. Rev. C. Braun, Miſſionar der luth. Sy⸗ node von Pittsburgh nach Teras, war, man⸗ gelnder Schiffsgelegenheit willen, genöthigt, ſich in New⸗Orleans eine ganze Woche lang aufzu⸗ halten und liefert ein kläͤgliches Bild von dem kirchlichen Zuſtand der dortigen deutſchen Nicht⸗ kotholiſchen, deren eine große Zahl vorhanden ſein ſoll. ö Es ſind nämlich daſelbſt vier ſich „evange⸗ liſch“ nennende Gemeinden mit Paſtoren der⸗ ſelben Benennung, die aber mit einander in keiner Synodal⸗Gemeinſchaſt ſtehen; der Kir⸗ chenbeſuch iſt aus nehmend gering, ſo daß Sonn⸗ tags in einer größeren Gemeinde nur etwa 30 Zuhörer vorhanden waren; der bei weitem größte Tbeil dieſer Evangeliſchen geht Sonntags in die Gärten, auf die Bälle und in die Trint⸗ häuſer. Kein Prediger konnte dem Frager die Anzahl der Communikanten in ſeiner Gemeinde angeben; an Beichtanmeldung und ki chliche Seelſorge iſt natürlich nicht zu denken, und Hr. Braun meint ſicherlich nicht mit Unrecht, daß die Leute daſelbſt nur deshalb Prediger hätten, um ihre Kinder zu taufen, zu copuliren, das heil. Abendmahl zu reichen und die Geſtorbenen kirchlich zu beſtatten. ö Von der in Gottes Wort gebotenen Kirchen⸗ zucht iſt natürlich auch nirgends die Rede. Das ganze „evangeliſche“ Kirchenweſen-in New⸗Or⸗ leans ſcheint demnach ein gar loſes äußerliches Ding, und von einem geſunden Gemeindeleben auch nicht der leiſeſte Anſatz vorhanden zu ſein. Herr Miſſionar Braun hat nun jenen Pre⸗ digern den gut gemeinten, aber ſchwerlich richti⸗ gen Vorſchlag gethan, neue Gemeinden mit ei⸗ ner guten Conſtitution und Disciplin zu grün⸗ den und dahinein Alle zu ſammeln, die ein In⸗ tereſſe für Gottes Wort fühlten. Wie aber — ſo fragen wir billig — wenn deren keine da wären? oder falls auch etliche vorhanden wären, iſt es wohl der Weg Gottes und die rechte Weiſe, auf Grund einer noch ſo guten Kirchen-Ordnung aus dem wilden rohen Haufen heraus ein Gemeinlein zu ſammeln? Nicht alſo; ſondern Gottes Wort allein und vor⸗ naͤmlich die Predigt von dem gekreuzig ten Chri⸗ ſtus mit Beweiſung des Geiſtes und der Kraft kann ſolches Werk th un; dies iſt die einige göttliche Ordnung, auch aus Hen verwilder⸗ ten, in Mammons⸗ und Fleiſchesdienſte verſun⸗