# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 09 30_S21 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) hoͤrſam in äußerlichen Kirchenſachen; denn der gehört nicht zur Seligkeit! Aber ſeinem eige⸗ nem Witz und Willen folgen und das Beſte ver⸗ werfen, das gehört zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes! Warum? weil man damit be⸗ ſtehet in der Freiheit, damit uns Chriſtus befreit hat. Der HErr ſchelte dich Satan! Wir wol⸗ len ſolche Beelzebübſche Freiheit nicht.“ Wenn nun ſchon ſolches unchriſtliche lieblos richteriſche Schimpfen und Schelten es jedem unbefangenen und verſtändigen Chriſten klar ge⸗ nug macht, daß Herr Paſt. Grabau nicht von der heiligen Liebe der Wahrheit wider den Irr⸗ thum, ſondern vom blinden und gehäſſigen Par⸗ theieifer des Irrthums wider die Wahrheit ent⸗ zündet und getrieben iſt, ſo wird dieſes traurige Ergebniß auch ſonſtig aus jenem Synodalbriefe klar; denn nach wie vor beharret er in ſeiner falſchen Lehre vornaͤmlich vom heiligen Predigt⸗ amt in deſſen Verhältniſſe zur Gemeinde und umgekehrt und von der Ordination; woraus denn rückwärts ſich auch ſeine irrige Vorſtellung vom Weſen der Kirche ergiebt; und in der That ſcheint er dem geſetzlich ſelbſtgemachten papiſtiſch⸗ episcopaliſtiſchen Standpunkt näher zu ſiehen, als dem evangeliſchen der lutheriſchen Kirche, wie dieſe ihn nach Gottes Wort in den ſymbo⸗ lichen Büchern Cund zwar ſonderlich in dem An⸗ hang zu den Schmakaldiſchen Artikeln von der Oberkeit des Papſtes und von der Biſchöfe Ge⸗ walt und Jurisdiction) und in den wichtigſten Lehrvätern des 16. und 17. Jahrhunderts feſt⸗ bält. Denn auch Herr Paſt. G. ſcheint viel⸗ mehr die Gemeinde weſentlich und urſprünglich vom Pfarramte oder Kirchendienſte abzuleiten als umgekehrt, und dieſes, der Art nach, über jene zu ſtellen, gleich als ſei es an einen durch die Ordination geiſtlich gezeugten Prieſterſtand und ſonderlich gehtiligte Amtsperſonen gebunden, indeß ſich die Sache doch umgekehrt verhält. Denn der HErr Chriſtus hat ſeiner Kirche resp. jeder noch ſo kleinen Verſammlung ſeiner Gläu⸗ bigen, als ſeiner Hausehre, die Schlüſſel des Himmelreichs d. i. das Evangelium ſammt den heiligen Sakramenten, zugleich mit dem Befehle rer, je nach beider Amt und Beruf, mit Luſt und Liebe un⸗ terwerfen, aber weder herriſche Anmaßung des Lehramts und knechtiſche Bannfurcht der Hörerſchaft, noch freches Uber⸗ greifen der letztern und bauchdieneriſche Menichenfurchi des erſiern. Vielmehr wird er ſicherlich wahrnehmen einerſeits eine ungebeuchelte Demuth und Ehrerbirtung der Kirchkinder gegen ibren geiſtlichen Vater, als Hausbalter über Gottes Geheimmiße, als Botſchafter an Chriſi Statt, als Mitar⸗ beiter und Mithelfer des heiligen Geiſtes, zugleich aber doch gepa art mit beſcheidenem Freimuthe und brüderlicher Ver⸗ traulichkeit, als rie da wiſſen, daß ſie weſentlich und urſprüng⸗ lich mit ibm Kinder desſelben Vaters, Brüder deeſelben Hei⸗ lands, Wohn⸗ und Werkſtätten desſelben heiligen Geiſſes ſeien. Andrerſeits aber wird er eben ſo gewißlich entvecken wahre väterliche Liebe der Hirten gegen ihre Heerden, verbunden eiuestheils mit der Erkenntniß der Würde und Herrlichteit ibres Berufs, der als Träger und Verkündiger des göttlichen Wortes in Geſetz und Evangelio unbedingten Gehorſam fordert, anderen theils mit ebenſo herzlicher Dimuth und Grerkictung gegen die Gemeinden, als die da wiſſen, daß dieſt nicht weſenttich und eigentlich ihre, ſondern des le⸗ bendigen Gottes Gemeinden ſeien und daß um deren Veſeligung und drreinſtigen Verherrlichung willen das heil. Predigtamt ein Dienſt ſei. —18.— vertraut, dieſe Gnadenmittel durch rechtgläu⸗ bige, lehrtüchtige und im Wandel unſträfliche Perſonen als ſeine und ihre Diener öffentlich verwalten zu laſſen; und demgemäß fließet, nach der Wahrheit der evangeliſchen Kirchen⸗Ordnung des Herrn Chriſti, das Pfarramt oder der Kir⸗ chendienſt, wie es ja auch vornämlich dieſer letzere Ausdruck nachweiſet, aus der Kirche reſp. jeder Einzel⸗Gemeinde. Die Aufeinanderfolge iſt alſo dieſe: 1. Chriſtus, 2. die Gemeinde, 3. das Pfarr⸗ amt; aber nicht dieſe: 1. Chriſtus, 2. das Pfarramt, 3. die Ge⸗ meinde. Wir wollen übrigens ſchließlich, obwohl wir die falſche unlutheriſche Lehre des Herrn Paſt. G. von Herzen haſſen und fliehen und andere Unkundige vor ihr warnen, dennoch gegen ſei⸗ ne Perſon nicht ſo bitter und gehäſſig geſinnt ſein, als er gegen uns; vielmehr wollen wir der Hoffnung noch Raum laſſen, daß die praktiſchen Folgen ſeiner falſchen Lehre, als z. B. ſein vie⸗ les ungerechtes Bannen, aus der mangelnden Erkenntniß der evangeliſchen Lehre und ihres Zuſammenhangs, alſo aus irrendem Gewiſſen, verbunden mit einer noch nicht gründlich gebro⸗ chenen natürlichen Hartnäckigkeit des Willens und Charakters und noch nicht aus böſem Wil⸗ len und ſataniſchem Hochmu th und Herrſchſucht, bei klarer Erkenntniß der reinen Lehre, herſtam⸗ me. Aus ſolcher Hoffnung heraus wünſchen wir denn je eher je lieber dem armen unglücklichen Manne, der ja doch innerlich nicht den Frieden Gottes und den Gott des Friedens haben kann, von Herzen erleuchtete Augen des Verſtändniſſes, damit er und ſein mit ihm in den Banden der fal⸗ ſchen Lehre gefangenes Volk frei werde, die furcht⸗ baren Folgen ſolcher Lehre, als da ſind: Haß, Bitterkeit, blinder Partheicifer und Ketzermache⸗ rei, liebloſes Richten und Verfolgen, ungerechtes Bannen und Verdammen, Argwohn, Miß⸗ trauen, Spionirſyſtem und Angeberei ꝛc. ſammt dem böſem Gewiſſen aufhören, und endlich aus dem Grunde des durch Erneuerung des Glau— bens gereinigten, in Gott fröhlichem und fried— ſamen Gewiſſens die entgegengeſetzten chriſtli⸗ chen Tugenden hervorkeimen und die Gemeinde zu Buffalo zu einem geſunden evangeliſchen Ge⸗ meindeleben hindurchdringe, darin Lehrer und Hörer in wahrer Einigkeit des Geiſtes, ſich ge⸗ meinſam erbauen auf unſern allerheiligſten Glau⸗ ben und in gegenſeit:ger Liebe und Vertrauen Gottes Werke zur Erhaltung und Ausbreitung ſeiner heiligen Xirche treiben. Wir aber, die wir Diener Chriſti und ſeiner heiligen Kirche innerhalb unſeres Synodalver⸗ bandes ſind, wollen fortfahren, Gott zu bitten, daß Er uns in dem guten Bekenntniſſe unſerer Väter, in der einen und reinen ſeligmachenden Lehre des göttlichen Wortes, in unſträfllichem Wandel, in ungefärbter Liebe und in dem beil. Eifer gnädiglich erhalte, auch unſere lieben Ge⸗ meinden auf demſelben Heilsgrunde in aller Geduld und Lehre immer mehr zu erbauen und mit ihnen, geſchmückt mit Früchten der Gerech⸗ — *— EE tigkeit, dem Mannesalter in Chriſto entgegenzu⸗ ———— reifen. „Dann werden wir auch — und mögen wit . noch ſo ſehr wie bisher verkannt, verachtet und gehaſſet werden — in göttlicher Lauterkeit und! einem unverletzten Gewiſſen beides gegen Gon und gegen Menſchen ſeliglich erhalten und alſo bewahret werden, daß wir weder in todten Or⸗ thodoxismus, noch in bekennmnißwidrigen Uni⸗ onismus, weder in erſtorbene Geſchäfts⸗ und Miethspredigerei, noch in pietiſtiſch⸗geſetzlicht Vielgeſchäftigkeit und Werkerei zu großer Beſchu⸗ digung und Gefahr unſerer Seelen hineingera⸗ then. Das walte Gott, Amen! — — Predigt über 2 Peiri 1, 19 — 21. gehalten vor der Evang. luther. Gemeine zur St. Louis im Monat Auguſt 1851, und auf Verlangen dem Druck übergeben ö von A. B. Andächtige Verſammelte, es hat dem Chriſten⸗ thum zu keiner Zeit an Feinden gefehlt, und dieſe haben es, je nach Gelegenheit. bald mit der That, bald mit Worten bekämpft. Iſt Letzteres geſchehen, ſo haben ſie dem Gegenſtande ihne Haſſes eine empfindliche Wunde insbeſondelt durch die Behauptung zu verſetzen gemeint, daß man der Vernunft zuwider handeln müſſe, wenn man die Lehren der chriſtlichen Religion für wahr, und die Bibel für Gottes Wort halten wolle. Dieſen Satz führen auch die Gegner des Chriſtenthums, die heutiges Tages leben, laut und oft im Munde. Wie könne, ſagen ſie, Ein Gott und drei Perſonen ſein; wie könne Gon ſich um die Menſchen kümmern, und ſie gar ſo lieben, daß Er ſeinen Sohn für ſie hingäbe; wit! könne Gott Menſch werren; wie könne Einer, der. geſtorben, wieder auferſtehen, und darnach gar gen Himmel fahren u. ſ. w.; und wiederum, wir ſollte Gott ſeinen Willen und ſeine Rathſchlüſſe! den Menſchen offenbaren; wie durch Menſchen zu andern Menſchen reden; und — thäte Erd auch — wie ſollten Menſchen, durch die Gott zu andern redete, einfältig, wie andere Menſchen auch, reden? Dies Alles, und noch vieles Ande⸗ re, ſagen ſie weiter, ſei wider die Vernunft. Was aber wider die Vernunft ſtreite, das brauche, j das dürfe man nicht für wahr annehmen. Des⸗ halb ſei's nichts mit den Lehren der chriſtlichen Religion und der Bibel; und diejenigen, die je⸗ ne für wahr und dieſe für Gottes Wort hielten ſeien Narren. — Es iſt nun wol mancher Chriſt, wenn er der⸗ gleichen hat anhören müſſen, ganz ruhig geblie⸗ ben, und hat ganz einfältiglich darauf geantwor⸗ tet: Narr hin, Narr her. Ich weiß, daß in kei⸗ nem Andern Heil iſt, iſt auch kein anderer Name; den Menſchen gegeben, darinnen wir ſollen ſelig werden, denn der Name Jeſu Chriſti. Muß ich ein Narr ſein, oder bei der Welt dafür gelten, wohlan! ich will's mit Freuden; gering und! zeitlich iſt ja dabei mein Verluſt, überſchwenglich