# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 09 15_S15 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ben das Permögen nicht, unſern Sobt tudiren laſſen zu können! Das mag ſein. Allcin euch liegt 26 Rnächſt ob, wenn ihr den Willen Gottes erfüllen, dem Ruf des HErrn Gehör geben wollt, euren Sohn mit willigem Herzen dem HErrn darzubringen, eurem Prediger anzuzeigen, daß ihr euren Sohn gern der Kirche geben, dem Predigtamte⸗ weihen wolltet. Gott wird ſich ihhn dann auch ſchon dit Mittel erſehen. Ihr habt dann das Eure gethan uud könnt ruhigen Gewiſſens ſein. Stellt nur erſt eure Kinder 7 Aber freilich ganz beruhigt ſeid ihr dabei noch nicht, die Mittel liegen euch dennoch ſchwer auf dem Herzen. Und — leugnen können wir es nicht — uns auch! Die Frage drängt ſich uns immer wieder auf: wo kommt das Geld her? Renten von liegenden Grundſtücken, Ver⸗ mächtniſſe, Stiftungen und ſonſtige ſichere Ein⸗ nahmen haben wir für unſer Seminar und Col⸗ lege, wie das bei den Univerſitäten und kirch⸗ lichen Bildungsanſtalten in Deutſchland der Fall iſt, nicht. Wir ſind in der That arm; können kaum unſern Profeſſoren einen ganz ge⸗ ringen Gehalt, geſchweige den Studirenden Frei⸗ ſtellen geben. Wir hängen und ſtehen ganz an und auf'der Liebe der Gemeinden; haben dieſe warme Herzen und offene Hände, ſo können Pre⸗ diger gebildet und den verlaſſenen Gemeinden zugewieſen werden. Darum wollen wir nun auch noch ein Wort mit den Gemeinden reden. Goit hat an den Gemeinden Großes gethan, hat ſie aus der deutſchen Noth glücklich hierher⸗ geführt, ihren irdiſchen Beruf außerordentlich geſegnet, ihnen Eigenthum, zum Theil ſchon. Wohlhabenheit, ja Reichthum, gegeben; ja noch mehr: Er hat auch ganz beſonders für ihre See⸗ len geſorgt, hat ihnen Prediger gegeben, die es treu mit ihnen meinen, die, wenn auch unter viel Kampf, Sturm und Widerſpruch, nicht wei⸗ chen von der rechtſchaffenen Predigt des allmäch⸗ tigen, ewigen Wortes, die ihnen den Weg zur Seligkeit ohne Menſchenſatzung und Meinung, einſach, dem Worte gemäß vor Augen legen und ihnen die heil. Sacramente der Einſetzung des HErrn Chriſti gemäß darreichen. Und wenn gleich nun nicht zu verkennen iſt, daß durch Got⸗ tes Hülfe der deutſche Schlaf immer mehr weicht, das Auge des Geiſtes wach und klarer wird, die Erkenntniß wächſt, der Glaube hervorbricht; ſo dringende Bitte nicht unterdrücken: daß ſich die Dankbarkeit und Liebe nun auch lebendiger, hä⸗ tiger erweiſen möchte, und zwar in dem Haupt⸗ werke, das die Liebe treiben kann, nämlich in der Förderung des Reiches Gottes durch Heran⸗ bildung treuer Prediger und Lehrer. — Woher kommt es überhaupt, daß, einige we⸗ nitze ältere Gemeinden ausgenommen, im Gan⸗ zen ſo Geringes für allgemeine kirchliche Zwecke, Erhaltung kirchlicher Lehranſtalten, Unterſtützung armer Studenten ꝛc. gethan wird? — Ach! es iſt ein wahres Leiden, die traurige Frucht des unglücklichen, knechtenden, kirchlichen Bevor⸗ mundsſyſtems im alten deutſchen Baterlande, nas keine Selbſtthätigkeit und Betheiligung der —12.— Gemeinden amaWohl und Wehe der ganzen Kirche wie ihrer Theile zuließ, daß nun die Ge⸗ meinden auch das Leben und die Liebe für's Ganze verloren haben, nun nur hinſehen, wenn es hoch kommt, eine jede auf ihren Weg; wenn ſie nur für ſich ſo einigermaßen in Beziehung auf Kirche und Schule geſorgt haben, ſo denken ſie dem Reiche Gottes und der Liebe für dasſelbe übrig genug gethan zu haben. Der Liebesbe⸗ fehl des Apoſtels „trachtet nicht nach dem, das euer iſt, ſondern das des Andern iſt!“ iſt ihnen nicht aufgegangen; der köſtliche Arttkel „ich glaube eine heilige chriſtliche Kirche“ lebt nur noch im Munde; und ſo iſt das lebendige, liebe⸗ erzeugende Bewußtſein nicht vorhanden, als Glied der chriſtlichen Kirche zugleich mit allen wahrhaft Gläubigen auf das innigſte, brüder⸗ lichſte vereinigt zu ſein, mit ihnen dazuſtehen auf dem großen, gefährlichen Kampfplatze dieſer Welt, Herz an Herz, in einem Glauben, einer Hoffnung, einer Sehnſucht, unter einem Heer⸗ führer und Herzoge der Seelen, in einem Kampfe, in derſelben Freude und demſelben Leide, ein jeder fürs Einzelne, wie fürs Ganze, mitringend, mithelfend, mitleidend, mitbetend. Dieſer Glau⸗ be iſt zuſammengeſchrumpft in das engherzige, liebeleere, ſelbſtſüchtige Bewußtſein, durch einen gewiſſen jährlichen Geldbeitrag Glied einer Ge⸗ meinde, und dadurch berechtigter Theilhaber am Kirchengute zu fein. Das iſt der eigentliche Grund, der Sitz des Uebels, der Glaube des Artikels von der Kirche iſt ſo ſchwach, darum auch die Liebe zur Kirche ſo matt, und die Ga⸗ ben für dieſelbe ſo gering. Ach hier möge ſich Gott erbarmen! — Ihr lieben lutheriſchen Ge⸗ meinden, ſollen wir denn nicht zuſammenhalten, ſollen wir dem Teufel, der durch die Welt ſtürmt, um die Heerde Chriſti auseinanderzuſprengen, nicht gemeinſam widerſtehen? Wenn der Feind naht, ſammelt ſich das Heer; ſollen wir vor den feindlichen Schaaren der Un⸗ und Irrgläubigen uns nicht zuſammenthun, und ſtatt deſſen noch immer weiter auseinandergehen? Sollen wir in diefen gefährlichen, dunkeln Zeiten, wo es Abend wird und der Tag ſich neigt, uns nicht einander zurufen, einander ermuntern zu ge⸗ meinſamer Vorſicht und Wachſamkeit, gemein⸗ ſamer Arbeit und Ausdauer? ſollen wir uns nicht aufmachen, beten, ringen, daß aller Ei⸗ gennutz, alle Gleichgültigkeit und Kälte ſchwinde läßt ſich doch ver aufrichtige Wunſch und die und wir uns immer inniger in Liebe und Ver⸗ trauen miteinander verbinden, damit wir durch Gottes Hülfe iumermehr Eins und ſtark wer⸗ den, und ſo unſer reines Glanbensbekenntniß, das unſere Väter in ſo heißem Kampfe aus Got⸗ tes Wort erſt wieder errungen und erſtritten ha⸗ ben, als unſer Panier und unſere Fahne hoch und feſt halten und muthig durch jeden Wider⸗ ſtand hindurchtragen, bis wir es endlich unſern Kindern unverletzt und ungefähwet, als ihr beſtes Erbtheil, überantwortet haben? Wie kann das aber anders geſchehen, als daß wir es un⸗ ſere erſte und dringendſte Angelegenheit fein laſ⸗ ſen, dafür zu ſorgen, daß wir und unſert Kinder immer tüchtige, wohlgerüſtete, in der Lehre reine und treue Prebiger und Lehrer haben und da⸗ * rum mit Ernſt die Anſtalten unterſtüten, auf denen die Prediger und Lehrer unſerer Kircht herangebildet werden? Sollie nicht eine jedt Gemeinde freiwillig wenigſtens ein en Juͤng⸗ ling ſtudiren laßen können? — Ach, wenn ſie Glauben und Liebe hätte, nicht einen, ſon⸗ dern zehn. Muß nicht eine Familie für einen Knecht jährlich 100 Dollars und darüber geben und ſollten 30, 40, 50, 100 Familien für dit Ausbildung eines Jünglings nicht jährlich 60 Dollars geben können“)? Ja! — aber ein Knecht verdient mir Etwas, ein ſtudirender Jüngling verdient mir nichts, von dem habe ich nichts, für den gebe ich auch nichts! O, der greulichen Finſterniß, des erbännlichen Gei⸗ zes, der ſchändlichen Undankbarkeit gegen Gott! Leute, die ſo ſprechen, haben gar kein Herz, kti⸗ nen Glauben, keinen Funfen Chriſtenthum! Man wendet jährlich ſo viel an zur Herſtel⸗ lung und Ausbeſſerung der Häuſer, Scheuern, Felder, Magazint ꝛc., damit man nur zeitlich Gemach, Auskommen und Wohlleben habe, und man ſollte uicht vielmehr Etwas anwenden zur Unterſtützung armer Jugend, um geſchicte ö Männer zu erhalten? — Es liegt ja einer Ge⸗ meinde Gedeihen nicht darin, daß man großt Schätze ſammle, ſchöne Häuſer baue, große Ge⸗ ſchäfte treibe, vielen Gewinn mache; ja wo der Güter viele ſind, und es kommt der Geiſt der Narrheit, Hoffahrt und Wolluſt vazwiſchen, wird der Schade und Fall um ſo größer und ärger, da hingegen dies das allerreichſte Gedeihen und Heil iſt, wenn durch tüchtige, geſchickte Prediger in einer Gemeinde rechte Erkenntniß, lebendiget Glaube und Liebe im Schwange geht. — Wo ſoll man aber Prediger hernehmen, da allent⸗ halben Mangel und Klage iſt, daß es an tüch⸗ tigen Leuten fehlt? ſoll man warten, bis ſie, wie Dr. Luther ſagt, ſelbſt wachſen, können wir ſie aus Steinen hauen und aus Holz ſchnitzen darum müſſen wir jetzt dazu thun und Muͤht und Koſten nicht ſparen. — In Deutſchland mußten wir gezwungen auch zur Erhaltung der KircheSteuern bezahlen, hier iſt's nicht der Fall, die Kirche hat keine Hülfe vom Staate, Nie⸗ mand iſt gezwungen, ihr zu geben, ihre Anſtal⸗ ten zu erhalten, wir find hier frei; ſollen wir darum nun auch Nichts geben, und frei ſein von aller Gottesfurcht, frei von aller Dankbar⸗ keit, von aller Liebe? Sind wir darum nah Amerika gekommen, um hier freie, gottloſe vBn⸗ ächter des HErrn und Seiner Kirche zu werden giebt uns Gott darum hier ſo reichlich irdiſche Güter, damit wir unſere Seelen immer mehr im habſlichtigen Geize verlieren ſollen? Nein! liebe, theure Gemeinden des HErrn, ihr ſeid von Gott herübergeführt nach Amerika, um hin das Licht eures reinen Glaubens leuchten laſſen, um hier in der Hand Gottes das Sah gegen die allgemeine Fäulniß zu ſein, um hin in freier, reicher Liebe zu helfen, „daß Gottts Reich komme, und Sein Name geheiligt werde! So bringet denn, ihr Eltern, eure Söhne *) die jährlichen Unterhaltungsboſten in Fort Garn aber — Kleider und Taſchengeld abgerechuet — baradü,. kaum 30 Dollars. — —= *