# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 09 15_S13 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Blicken wir aber jetzt hinaus in andre Theileals ſie ſich und andern Vörzaukel K vermeintliche Fortſchritt und die ünane hö⸗ der lutheriſchen Kirche hier zu Lande, ſo ſinden wir noch mehr Veranlaſſung züzdiſtlicher Be⸗ kümmerniß und Traurigkeit. Denn da erſehen wir leider noch keine beſſern Zuſtände, als es im vorigen Jahre war, ja hin und her ſieht es noch übler aus, alſo daß es uns leider noch nicht Herzens⸗ und Gewiſſensſache ſeyn kann, mit den andern lutheriſchen Spynoden —eine einzige aus⸗ genommen — in kirchliche und brüderliche Ge⸗ meinſchaft zu treten, ſo ſehr dieſes nothgedrun⸗ gene Alleinſtehen uns auch ſchmerzlich betrübet und wehe thut und allerdings ſeine Gefahren bei ſich fübrt; denn was wollten wir lieber, als mit allen lutheriſchen Synoden Ein Herz und Eine Seele ſeyn, in Einem Glauben mit ihnen beken⸗ nen, kämpfen und dulden, in Einer Liebe mit ibnen die Werke Gottes treiben, in derſelben Hoffnung die zukünftige Herrlichkeit und die Vollendung der triumphirenden Kirche feſthal⸗ ten; aber, Gott ſey es geklagt, ſo ſüß und lieblich auch ſolch' einmüthiges Glauben, Bekennen, Streiten, Wirken, Dulden und Hoffen unſeren. Herzen wäre und ſo ſehr wir uns nach ſolcher wahren Vereinigung ſehnen, ſo iſt ſie rermalen leider noch nicht möglich, Denn nach wie vor beharrt die ſogenannte lu⸗ iberiſche General-Synode in theilweiſe reformirter Lehre, methodiſtiſcher Praris und unioniſti⸗ ſcher Zerfloſſenheit t) und ihre Stimmführer gaukeln ſich und andern vor, als habe die neuere ſogen. wiſſenſchaftliche Theologie in Deutſchland' auch in Hinſicht auf Glaubenslehre ſolche Fort⸗ ſchritte gemacht, daß ſie das Zeitalter der Refor⸗ mation weit hinter ſich gelaſſen, mit deren wich⸗ tigſten Lehrern ſie übrigens, nach landesüblicher Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit, ſchwerlich vertraut ſind. Dieſe Gaukelei nun fördern ſie mit gewohnter Schwatzhaftigkeit und Scheinweisheit, indem ſie ſich fleißig auf den dommon sense (geſunden Menſchenverſtand) als Erkenntnißquelle berufen, durch ibre Zeitſchrift den lutheran abserver zu Tage; und leider fehlt es dem Lutheran Stand- ard, dem engliſchen Organ der luther. Spnode von Ohio, obwohl es ihm nicht an confeſſionel⸗ lem guten Willen mangelt, doch theils an durch— greifendem Ernſte der bekenntnißtreuen Geſin⸗ nung und an kräftiger Mannhaftigkeit des Charakters, theils an Geiſt, Gaben und Kennt⸗ niſſen, um jene Gaukeleien und Blendwerke der falſchen Brüder als ſolche nachzuweißen und in ihrem hoblen nichtigen Weſen, in der Schande ihrer Blöße den engliſchen Leſern aufzuzeigen; denn in Hinſicht auf den eigentlichen Wahrheits⸗ beſtand der ſchriftgetreuen Glaubenslehre der luth. Kirche hat es ſchwerlich in den drei Jahr⸗ hunderten nach der Reformation eine ſogenannte „Fortentwickelung“ gegeben, mit welchem Worte die Lehrherren der Gen. Synode ſich ſo die Ba⸗ cen aufblaſen und das Maul voll nehmen, ohne ſeinen Sinn zu verſtehen; und es kann auch nimmer eine ſolche Entwickelung hierin geben, 1) Es iſt3. B. nichts Seltenes, daß ſie mit Methodiſten, Baptiſten, Presbyterianern das hi. Abendmahl halten. 4 — 10— A, Rahd here Entwickelungs⸗Stufe eine weſentliche neue Wahrheit zu Tage brächte, die nicht in dem kür⸗ zeſten, einfachſten, aber natürlich allein auf Gottes klarem Worte ruhenden Glaubensſatze bereits keimartig enthalten geweſen. 7) Oder gar, als ſey es alſo, wie ſie ferner gaukeln, daß eine ſolche Glaubenslehre (wie ſie die lutheriſche Lehre vom Weſen des h. Abendmahls freventlich beſchuldigen) weſentl. Irrthum ſey, aus welchem jedoch durch die aus dem common sense entwi⸗ ckelnde Thätigkeit der Calviniſten und ihrer Brü⸗ der, der General-Synodler, die überraſchende, weithin leuchtende Wahrheit ſich erzeuge, daß auch im h. Abendmahl Brot Brot und Wein Wein ſey. O welche weiße Taube iſt doch ans dem alt⸗ lutheriſchen Schlangenei entwickelt und ausge— brütet worden! — Wenden wir nun unſern Blick auf die älteſte und zahlreichſte luth. Synode dieſes Landes, nämlich auf die deutſche lutheriſche Spnode von Pennſolvanien, ſo ſcheint hier je länger je mehr in Erfüllung zu gehen, was ihr ſchon vor ſieben Jahren in der luth. Kirchenzeitung vorhergeſagt ward, nämlich daß ſie ſich je länger je mehr die⸗ ſen antilutheriſchen Lutheranern der Gen.⸗Sp⸗ node zuneigen werde. Statt ſich von ſolchen zu hun, die Zurtren⸗ nung und Aergerniß anrichten, neben der rechten vehre, — ſtatt ketzeriſche Menſchen zu meiden, nachdem ſie einmal und abermal ermahnt ſind, ſo thut die Sonode von Pennſplvanien das grade Gegentheil. Miſſions -Gemeinſchaft mit der irrgläubigen unioniſtiſchen Gen.-Synode, und jetzt iſt ſie auch daran, mit ihr gemeinſchaftlich eine neue Auflage ihrer „Liturgie und Kirchen-Agende“ heraus⸗ zugeben, ſo daß der förmliche Anſchluß nicht mehr ferne zu ſeyn ſcheint. Zwar mag es wohl Einzelne in dieſem kirchli⸗ chen Körper geben, die eine gewiſſe Pietät (from⸗ me Scheu) gegen das unverkümmerte und un⸗ gefälſchte Bekenntniß der luther. Kirche in ihren ſymbol. Büchern haben; aber aus den Synodal⸗ berichten und ſonſtiger Kunde lüßt ſich nicht er⸗ ſehen, daß das reine Bekenntuiß der Väter Leben und Kraft in ibnen geworden ſey, ſo daß ſie zeugen müßten aus dem innerſten Grunde ihres Herzens wider die herrſchende confeſſionelle Erſtorbenheit und unioniſtiſche Gleichgültigkeit, wider die kirchliche Gemeinſchaft mit der falſchgläubigen General⸗Synode, wider das Bedienen ſo vieler wohlhabenden Gemeinden von je einzelnen Pre⸗ digern, wider die Vernachläſſigung kirchlicher Gemeindeſchulen, wider die Verweltlichung und Farmerei dieſer und jener Diener der Kirche. Denn wenn auch vielleicht in dieſem und jenem Einzel⸗ nen das Gewiſſen heilſam erwacht, daß er es für ſich 1.So z. B. iſt im 2. Art. des apoſlol. Glaubenebekeunt⸗ niſſes das ausführliche Bekenntniß der Coucordienformel „von der Perſon Chriſti, ja die tieſe und ſcharfſinnige Abhandiung von Martin Chemnitz „von den beiden Na⸗ Auren in Chriſio u. ſ. w. ſchon dem Keime nach, einge⸗ ſchl oſſen; und dies iſt eine wahre Entjaltung. ſelber nun anders und beſſer anfängt, ſo iſt doch Schon ſeit Jahren ſteht ſie iũ; leider meiſt die Menſchelei und Liebedienerei, von der das ganhe amerikaniſche Kirchenweſen durch⸗ freſſen iſt, zu ſtark, um als ein glaubens muthiger Zeuge wider verderbte herrſchenve Zuſtunde fentlich aufzuterten. Was nun die Ohio⸗Synode, unſere Nachba⸗ rin betrifft, ſo hatten wir früher, nach dem ſie ſich offen und entſchieden für die kirchlichen Bekennt⸗ nißſchriften ausgeſprochen hatte, allerdings gute Hoffnung mit ihr in lebendige kirchliche Gemein⸗ ſchaft treten zu können, was uns keine geringe⸗ Srrure geweſen wäre. Leider aber haben wir ſeit ihrer canfrſtonaler Erklärung nicht die lleberzeugung gewinnen kön— nen, daß es ihr mit ihrem erneuerten Sichbeken⸗ nen zu den kirchlichen Symbolen ein grümdlicher Ernſt und rechtſchaffenes Weſen ſeiz denn theils hat ſie nicht durch entſchiedene Synodalbeſchlüſſe und die kräftige Durchführung derſelben die bekennt— nißwidrigen Uebelſtände in ihrer kirchlichen Hand⸗ lungsweiſe, davon neuerdings in der Sihler⸗ Lehmannſchen Streitſache wieder Erwähung geſchehen, abgethan, theils hat ſie die freundliche Aufforderung zu ſolcher Abthuung und dit chriſtl. wohlgemeinte Beſtrafung, die ſie erſt neu⸗ lich durch die Spalten des „Lutheraner“ be— kam, um ihrer ungerechten und partheiiſchen Praris in der Gockelen-Heidſchen Sache willen. ſehr unwillig aufgenommen. Wahrſcheinlich in Folge deſſen hat ſie ſich denn neulich auf ihret Verſammlung zu Canton nicht nur wider den „luther. Kirchenboten“ als zu „unentſchit den,“ ſondern auch wider den „Lutheraner“ als zu „ſchroff“ erklärt; und da es zudem freilich ziemlich ungeſchickt herauskäme, daß ihre Ge⸗ meinden ſolche und ähnliche Beſtrafungen der Ehrw. Synode leſen ſollten, ſo hat dieſe, wie billig, beſchloſſen, den im Laufe dieſes Jahres erſchienenen „lutheriſchen Herold“7) als welcher die rechte Mitte zwiſchen jenen beipen Aeußer⸗ ſten getroffen, ihren Gemeinden zu empfehlen. Ob ſie nun bierin aus menſchelndem Für und Wider oder nach beſtem Wiſſen und Gewiſſen gehandelt habe und wirklich der Meinung ſey, daß der „lutheriſche Herold“ im Großen und Ganzen nicht blos für ſie ſelbſt, nach ameri, kaniſchem Geſchmack, mannigfaltiger und unter⸗ haltender, ſondern auch für ihre Gemeinden, die ) Es thut auch uns herzlich leid, daß Hr. Ludwig nicht au! den Vorſchlag von Prof. Waltber eingegangen iſt, eine von chriſtl. Geiſte überwachte und der Geſinnung nach geleiter politiſche Zeitſchrtſt herauszugeben, als an welcher es durh- aus fehlt, in dem faſt alle entſchieden gottlos und den San find. Damit pätte er ſicherlich allen gottesſürchtigen Deni⸗ ſchen auch aus andern Kirchen einen großen Dienſt gethan. Denn was ſeine Leiſtungen als Redakieur eines kirchlichtn Blattes betrifft, ſo ſtecken wir zwar keinesweges in dem thi⸗ richten Pfaffendün kel, als könne nur ein Kirchendiener ein gutes kirchl. Blatt ſchrriben, aber in dem dunten Allerleibes „luth. Herolv“ haben wir beim beſien Willen noch keiner eigentlichen Plan entrecken können, theils in Bezug auf deg Leſerkreis, theils in Hinſicht auf die demſelben gemäße Auß nahme und Anerdn ung des Leſeſtoßs. Es ſcheint, daß kiers in Hr. L. mehr ſeinem perſönlihen Geſchmack folge und trucken laſſe, was ihm aus alter und neuer Zeit intereſanf und piqu ant iſt, als daß er darin einem in luth. Lehrern odtt Hörern vorhandenen und durch den „Lutheraner“ nicht ſacil gemäß befriedigten Bedürfuiſſe gründlich Abhülße thur. r —*