# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 09 15_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 kann—beide aber auf eine unfehlbare Art durch den heiligen Geist (Cor. I. 2, 13.) O, wie verliert sich da mein Geist in diesem unermeßlichen Meer der Gottheit, und wie gern nimmt er eine Offenbarung an, deren Absichten die seligsten mit dem Menschen sind und ihn von Stufe zu Stufe leiten! Daß ich nun in dem rechten Verständniß und Auffassung der Schriftlehre oft mit augenscheinlicher Gewißheit feststehen kann, so ich anders mich von demselben Geist treiben lasse, welcher die Verfasser beseelte und ihnen ein neues göttliches, vorher nicht gekanntes Leben einhauchte: dazu tragen — um der unerwiesenen Behauptung des Hrn. Münch S. 4, geradezu zu widersprechen — eben die von so verschiedenen großen Männern in der Kirche Gottes zu verschiedenen Zeiten gegebenen Auslegungen und Uebersetzungen nicht wenig bei, die, wenn sie nur nicht nach dem Geist des Unglaubens und dem Gotte dieser Welt gegeben worden, in der Hauptsache völlig, nur in Nebendingen und unbedeutenden Einzelheiten nicht übereinstimmten. (Man vergleiche auch die Uebersetzungen der verschiedenen Religionsparteien untereinander, die römische durch Casp. Ulenberg, die reformirte durch Joh. Piscator, die jüdische des Joseph Athiä, die holländische auf Verordnung der Generalstaaten, von den ausländischen die englische zu Boston bei Langdon Coffin with Canne's marginal notes and references, wo die Abweichungen von dem wörtlichen hebräischen Texte mit angegeben sind, und die französische durch David Martin. Namentlich behalten aber für Gelehrte die griechische Uebersetzung der 70 Dolmetscher (200 J. v. Chr.), die alte syrische (im 1. Jahrhundert n. Chr..), die alte Vulgata, (ebenfalls aus dem 1. Jahrhundert, obschon dann späterhin, etwa die Psalmen ausgenommen, vielfältig verändert,) vor allen aber für Gelehrte und Ungelehrte durch Treue und Erhabenheit der Schreibart die deutsche Luthersche Bibelübersetzung Vorzüge, welche ihnen von allen Sachverständigen niemals genommen worden sind.) Durch den erstaunungswerthen Fleiß und Natur- und Gnadengaben der christlichen Ausleger von Origenes, dem Kirchenvater, an bis auf unsere Zeiten, sind wir in den Stand gesetzt, einen jeglichen Artikel der Einen heiligen allgemeinen Kirche mit einer unumstößlichen Sicherheit aus dem hebräischen oder griechischen Grundtext zu beweisen; und der unkundige Landsmann halte sich nur getrost und muthig zu seiner lieben vaterländischen Bibel; es gibt doch keine bessere, weder in der deutschen noch einer ausländischen Sprache, die den Sinn (wenn auch nicht allemal Wort für Wort) der heiligen Schriftsteller und ihres himmlischen Lehrers so erreiche, als das Meisterwerk unsers deutschen Apostels. Es ist kein Zweifel, daß es für ihn auch besser sei, wenn er der Anleitung eines in der Schule des heiligen Geistes gebildeten lehrhaftigen Mannes genießen kann, (vergl. Apostelgesch. 8, 30 fgg.:) doch wird er niemals allen den künstlichen Verdrehungen und Angriffen eines geschickten Ungläubigen die Spitze bieten können; es ist das aber gar nicht nöthig, wie aus dem Folgenden erhellen wird. Es gab einmal eine Zeit, wo einem gewissen Einwurfe Niemand zu begegnen vermochte, bis auf das 16. Jahrhundert. Der alte Ptolemäus hatte ein Verzeichniß von 1026 Sternen festgesetzt, mit welcher bestimmten Zahl der Unglaube Mos. I, 15, 5. nicht vereinigen konnte. Nach der Erfindung der Ferngläser und den riesigen Fortschritten in der Mathematik und Astronomie muß man diese Freigeister des Mittelalters belachen. War es nöthig, daß man sich zu jener Zeit in dem Glauben und in der Ehrerbietung gegen die göttliche Schrift irre machen ließ? (Fortsetzung folgt.) Frage die darum, die gehöret haben, was ich zu ihnen geredet habe. Joh. 18, 21. Auf der 19. Seite der Nollau'schen „Vertheidigung gegen die Angriffe des Lutheraner,“ wird in einer Anmerkung auch der hiesige Hr. Past. Keyl erwähnt, und in Folge des von ihm gegen die Agende der lutherischen Synode von Ohio erhobenen wohlbegründeten Tadels, das ganze Gebiet und Element, in dem sich P. Keyl nebst „den strengen Lutheranern“ hauptsächlich bewegen soll, für so verdächtig und von so verderblichem Einfluß gehalten, daß dadurch der Vortrag der hochwichtigen Lehre von der Rechtfertigung leide. Da diese Lehre, wie Hrn. Past. Nollau von ganzem Herzen zugegeben wird, allerdings die Perle der lutherischen Kirche, ja die rechte himmlische Sonne ist, ohne welche nichts denn lauter höllische Finsterniß ist, so kann es den Gemeine-Gliedern des Hrn. P. Keyl allerdings nicht gleichgültig sein, ob ihr Prediger diese theure Lehre nicht nur für seine eigene Person erkannt und richtig gefaßt habe, sondern sie auch als das Eine, was noth ist, seinen Zuhörern dem Worte Gottes gemäß vortrage. Da nun beides, Gott Lob! der Fall ist, wie dies gewiß alle prüfungsfähigen Zuhörer gern zugeben werden, so findet sich einer derselben bewogen, hiermit seinen unschuldig verdächtigten Lehrer gegen Hrn. P. Nollau in Schutz zu nehmen. Es ist nämlich gerade die Lehre von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott, durch den Glauben an Christum, die P. Keyl vorzugsweise in allen seinen Predigten treibt; es ist seine stete selige Aufgabe, die Herzen der ihm anvertrauten Gemeine in der Ordnung wahrer Buße für den himmlischen Trost fähig zu machen, der allein in dieser göttlichen Lehre seinen Grund hat; und im Vortrage selbst folgt er genau dem Vorbilde der heil. Schrift, wie wir es namentlich in den Episteln St. Pauli an die Römer und Galater finden, so wie unsern symbolischen Büchern und dem anerkannt großen Meister Dr. M. Luthern, den er schon Jahre lang mit unermüdetem Eifer und Treue studirt. An den Quellen, woraus P. Keyl schöpft, wird P. Nollau daher gewiß nichts auszusetzen haben. Es fragt sich daher nur noch, ob ersterer auch fähig gewesen sei, seinen Gegenstand so zu erfassen und mit dem innigsten Leben seines Geistes zu vereinigen, daß es ihm möglich geworden ist, ein treuer Vertheidiger desselben zu werden? Hier muß man nun zuvörderst mit dem heiligen Apostel in Demuth bekennen: „Nicht daß wir tüchtig sind von uns selber, sondern daß wir tüchtig sind, ist von Gott.“ 2 Cor. 3, 5. Diesem treuen und wunderbaren Gott hat es aber auch gefallen, den P. Keyl auf dem Erfahrungswege, in Stunden der Angst und Noth, wo ihm um Trost bange war, mit dieser theuren Lehre immer genauer bekannt zu machen, und sie ihm als die unerschöpfliche Quelle alles Trostes von Tag zu Tage immer mehr zu eröffnen, so daß derselbe nun auch in Wahrheit sagen kann: Ich glaube, darum rede ich; ja daß er nicht anders kann, als sein Herz übergehen zu lassen von dem, wovon es voll ist. Doch trägt P. Keyl die genannte theure Wahrheit dennoch nie einseitig vor, sondern verbindet stets Gesetz und Evangelium; der Glaube, den er predigt, kann nur in einem bußfertigen Herzen Wurzel schlagen und hat gute Werke zur unausbleiblichen Folge. Ich glaube daher nicht, daß es möglich sein könne, daß ein prüfungsfähiges Gemeineglied des Hrn. P. Keyl ein anderes Zeugniß für ihn ablege; vielmehr darf man hoffen, daß gar manches mit Lob und Dank gegen Gott den Trost erzählen würde, der ihm auf Grund dieser Lehre von seinem Prediger in das bekümmerte Herz gesprochen worden ist. Aus dem allen ergibt sich nun, daß die Befürchtung Hrn. P. Nollaus ungegründet ist, und daher die Ansicht desselben von dem Gebiete, worauf sich P. Keyl bewegt, falsch und irrig sein müsse. Und darüber nur noch einige Worte. Hr. P. Nollau scheint nämlich den von Gott gebotenen Kampf gegen jede falsche Lehre, und also auch insbesondere gegen die falsche Lehre vom heiligen Abendmahle, so wie den gerechten Tadel einer Agende, die falsche Lehren verbreiten hilft, mit der Streitsucht mancher luther. und reform. Theologen der vorigen Jahrhunderte zu verwechseln, die oft in unheilige Zänkereien und Sylbenstecherei, in ein vom Apostel 2 Tim. 2, 14. verbotenes „Zanken um Worte“ ausartete und daher auch leider unselige Früchte trug. Aber wie verschieden sind beide von einander! — Wären sie sich gleich, dann müßte man den Stab brechen — nicht nur über die heil. Apostel selbst, die mit apostolischem Eifer jeden Irrthum verwerfen, sondern auch über die Väter in den ersten Jahrhunderten der christl. Kirche, und insbesondere über die treuen Knechte Gottes zur Zeit der Reformation, einen Luther, Brentius, und unzählige andere, die alle, nach dem Maße der Gnade und Gabe, die sie zu diesem Kampfe empfangen hatten, und allerdings nicht ohne Einfluß ihres persönlichen Charakters, gegen jeden Irrthum in die Schranken traten, über jeder klar geoffenbarten Wahrheit, als einem „hohen Geheimnisse aus der Ewigkeit“ (wie der sel. Dr. Fresenius sie sehr schön und wahr nennt), fest hielten, wohl wissend, daß die muthwillige Geringschätzung derselben ihren Verlust zur nächsten Folge habe. Mit