# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 09 01_S9 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Zeiten; und ſtehe uns und unſern Nachkommen noch ferner bei mit Deiner Gnade; daß wir in Deiner Furcht leben, Dir die Ehre geben, und würviglich dem Evangelio Chriſti wandeln. Schlußwunſch: Es wolle der barmherzige Gott uns und un⸗ ſern Nachkommen vor dem Antichriſt und ſeinem Anhang, ſonderlich den blutdürſtigen Jeſu⸗Wi⸗ dern, Calviniſten und Sakramentirern, allen Ketzern und Schwätzern, ſo uns von dieſem unſerm Glaubensbekenntniß abführen möchten, gnädiglich behüten und bewahren, und uns ſeine Gnade verleihen, daß wir uns allein halten zu ſeinem Wort, welches uns weiſet Jeſum Chri⸗ ſtum, den Weg, die Wahrheit und das Leben, damit wir durch ſein Verdienſt gerecht und ſelig werden. Das gib und verleihe uns Allen mit ewigen Gnaden, Gott Vater, Sohn und heiliger Geiſt, hochgelobter Gott in alle Ewigkeit, Amen! Darunter ſteht: Placent homiliae istae per omnia, et dignas judico, quae typis publicis exprimantur. 12. Maji 1632. d. Hoo. das iſt: dieſe Predigten gefallen durchaus, und ich achte ſie des Druckes werth. Dr. Hoe (erſter Hofprediger). Nachricht. Voranſlehende Predigt iſt aus 3 Jubelpre⸗ digten aue-und zuſammengezogen, welche am erſten Augs⸗ burgiſchen Conſeſſions -Jubelſeſte anno 1630 den 25. 26. und 27. Juni in der Churfürſtl. Schloßkirche zu Dresden gehalten worden ſind von M. Chriſtoph Laurentiue/ Churfürſtlich Durchlaucht. zu Sachſen beſtalltem Hofprediger. Hundert Jahr darauf a. 1730 „bei dem andern Augsbur⸗ giſchen Confeſſſons⸗Jubiläo zu einer neuen Auflage beför⸗ derr“ durch M. Joh. Chriſtian Langbein, Diac. und Mit⸗ tagerrtdiger zum h. Kreuz in Dresden 1730. M. Langbein gibt nun nachfolgenden Bericht hierüber: der ſelige Autor derſelben war dazu⸗ mal der andere Hofprediger in der Ordnung. Denn die Oberhofpredigerſtelle bekleidete bekann⸗ termaßen der vortreffliche Theologus Dr. Mat⸗ thias Hoe von Hoenegg, welcher uns von dem damaligen Jubiläo eine ausführliche Nachricht hinterlaſſen; und der dritte Hofprediger war M. Chriſtian Willius, nachmals Superinten⸗ dent zu Colditz. Unſer M. Laurentius hat auch anno 1632. am 7. Septbr. eine ſchöne Dankpredigt gehalten wegen des im Jahr vor⸗ her an eben dem Tage durch Guſtav Adolph, König von Schweden und dem Durchl. Chur⸗ fürſten Joh. Georgen, den Erſten, chriſtmilde⸗ ſten Andenkens, bei Leipzig zu Breitenfeld er⸗ haltenen großen Sieges; als welche er dieſen beiden Evangeliſchen hohen Häuptern dedieiret. Was die drei Jubelpredigten, wel⸗ che mir nebſt der Dankpredigt vor einiger Zeit in die Hände gekommen, ſelbſt anbelan⸗ get, ſo ſind ſie über die Augsbur⸗ giſche Confeſſion gehalten wordenz und ob ſie wohl kurz haben gefaſ⸗ ſetwerden müſſen, ſo wird doch der Nutzen und die Erbauung nicht ge⸗ ring ſein, wenn man auch daͤdurch ſeine Jubelfreude wird zu erwecken ſuchen. Der Herr Verleger hat ſich eine Freude daraus —6j — gemacht, ſie auf's Neue den Lieb⸗ habern der ungeänderten Augsb. Confeſſion zu liefern. Und gewißlich, fährt M. Langbein wei⸗ ter fort, es haben unſere gottſeligen Vorfahren eine beſondere Hochach⸗ achtung gegen die unverfälſchte Augsb. Confeſſion vielfältig an den Tag gelegt. Dagegen will zu unſern Zeiten die ſchändliche Geringſchätzung derſelbi⸗ gen deſto mehr ſich hervorihun. Sehr viele Ur⸗ ſachen würde man davon anzeigen können, wenn man eine ausführliche Betrachtung darü— ber anſtellen wollte. Einige derſelben ſollen angezeigt werden in der folgenden Fort ſetzung. — mm Der Austritt Johannes von Winkler's aus dem Papſtthum zur Evangeliſchen Kirche. Der treue Zeuge des Herrn, Johannes von Winkler, wurde im Jahre 1656 zu Klein-Glogau in Ober-Schleſien geboren. Sein Vater, Valen⸗ tin von Winkler, gehörte der papiſtiſch-katholi⸗ ſchen, ſeine Mutter, eine geb. von Linken, aber der lutheriſchen Kirche an. Dieſelbe war, wie er ſelber erzählt, eine Lutheranerin von ganzem Herzen. Er wurde von Jugend auf in allen freien Künſten und Wiſſenſchaften erzogen. Un⸗ ter allen Studien aber war unſerem Winkler kei⸗ nes lieber, als das der Theologie. Dies trieb er bis zu ſeinem ſiebzehnten Jahre ſeines Alters zu Hauſe, hernach aber noch ſechs Jahre in Breslau unter Anleitung der Jeſuiten. Von da wurde er von ſeinen Eltern nach Hauſe gerufen, und von ſeinem Vater, jedoch wider den Willen ſeiner Mutter, welche darüber viele Thränen vergaß, in das Franziskanerkloſter zu Polniſch⸗ Freiſtadt gethan. Hier verweilte er dreizehn Jahre, in welcher Zeit er fünf Jahre das Amt eines Prädikators (Predigers) und Confeſſiona⸗ rius (Beichtvaters) verwaltete. Er ſelbſt er⸗ zählt, er habe bei dieſem Dienſte gute, faule Tage gehabt, allen Überfluß in Küche und Kel⸗ ler, und nimmer empfunden, was Mangel lei⸗ den heiße. Ob ihm nun wohl zu der Zeit ein ſolches Leben wohlgefiel, ſo hatte doch Gott, der Herr, das Gebet ſeiner Mutter erhört, und ſo geſchah es, daß er durch fleißiges Leſen in der heil. Schrift vom heiligen Geiſte erleuchtet wur⸗ de, die Blindheit, in der er geſteckt, erkannte, und die blinden, Leiter des Papſtthums fahren lies, ſich dagegen auf den rechten Weg der allein ſelig⸗ machenden Lehre Jeſu Chriſti wendete. Sobald nun dieſe Erkenntniß in ſeiner Seele lebendig geworden war, ſann er auch auf Wege, den Händen ſeiner Seelenmörder zu entkommen, was ihm dadurch möglich wurde, daß er im Jahre 1692 nach Wittenberg flüchtete, wo ſelbſt er von allen Seiten freundlich und willig aufgenom⸗ men wurde. Im nächſtfolgenden Jahre, alſo 1693, rechtfertigte er ſich über ſeinen Austritt aus der papiſtiſchen Kirche in einer Revokations⸗ Schrift, welche nun zur Lehre, zum Troſte, zur Warnung und Vermahnung Aller, die ſich ra⸗ then und warnen laſſen wollen, wortgetreu fol⸗ gen ſoll: Revokations⸗Schrift. Wenn ich die verderbliche und verdammliche Leibesgefahr und vornehmlich Seelengefahr, dar⸗ in ich bisher in dem irrigen und verfinſterten Papſtthum bei ſo ungegründetem Menſchentande und abgöttiſchem Weſen ſchwebte, mir recht zu Gemüthe führe, und dagegen die wunderbare ö Berufung Gottes und Erleuchtung des heil. Geiſtes erwäge, ſo getröſte ich mich deſſen, daß eben derjenige Gott, welcher zu dem Erzvater Abraham geſagt, auch zu mir geſagt habe: „Gehe aus deinem Vaterlande, und von deiner Freundſchaft, und aus deines Vaters Hauſe in ein Land, das ich dir zeigen will“ (1 Moſ. 120; denn in dieſem Lande dient man andern Göt⸗ tern; oder: „weil man vielen Göttern, und nicht dem einigen Gott des Himmels dienet.“ (Judith 5). Weil ſich mein Gewiſſen verwundet befand, und dasſelbe durch trübſelige Irrthümer von dem Wege zur Seligkeit abgeleitet, auf einen ungebahnten Weg gebracht, auf welchem ich, gleichſam unter die Mörder gefallen, mit einem zweiſchneidigen Schwerte verwundet worden war; ſo konnte ich nicht ſo leicht geheilt werden, als bis der himmliſche Wegweiſer, Jeſus Chri⸗ ſtus, welcher iſt „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ und ohne welchen Niemand zum Vater kommt (Joh. 14.), mich wieder auf den rechten Weg zum Himmel leitete, auf ſein Thier faſſete, und als der beſte Wundarzt aus dem Heilbrun⸗ nen Iſraels das gelinde Ol ſeines heiligen Evan⸗ geliums und allein ſeligmachenden Wortes in mein blödes Gewiſſen goß, dadurch es geheilt wurde, ich die in der Augsburgiſchen Confeſſion gegründete und enthaltene Religion bekannte, und nun freudig und getroſt ſagen kann: Fahre hin, o Vaterland! Gute Nacht, ihr lieben Eltern, ihr guten Freunde und Verwandte! Ich gehe von euch aus und gehe hin zu meinem Gott und in das rechte Vaterland, darin ich ſo lange aus dem Brünnlein Iſraels gelabet und erquicket werde, bis mich Gott mit allen Seligen und Auserwählten aufnehmen wird in die ewigen Hütten, und mit dem rechten himmliſchen Manna ſpeiſen wird. Nun kann ich getroſt mit jenem Altvater ſagen: „Inter brachia salvatoris Jesu mei et vivere et mori cupio, d. i.: In den Ar⸗ men Jeſu, meines Heilandes, will ich leben und ſterben.“ Weil der fromme Abraham Gott gehorſam war, vergalt es ihm Gott auch ſo reichlich, daß er ihn zu einem reichen Mann machte, und ihn ſo ſegnete, daß er deſſen ein rechtes Exempel ge⸗ worden iſt, was unſer lieber Herr Chriſtus ſa⸗ get: „Wer verläſſet Häuſer, oder Brüder, oder Schweſtern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Acker um meines Namens willen, der wird es hundertfältig wiedernehmen und das ewige Leben ererben.“ Woraus auch ich ſchließen und mich gewij tröſten kann, daß, ob ich ſchon Alles im Papſtz⸗