# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 09 01_S5 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) thronet die Moira (Fatum) das allbeherrſchen⸗ de Schickſal über allen ihren ſ. g. Göttern, in denen ſie meiſt die wohlthätigen oder zerſtören⸗ den Naturkräfte vergötterten. Die Stimme Gottes im Gewiſſen bezeuget deutlich ein So⸗ krates und redet hie und da von einer Gottes⸗ furcht, die den Menſchen abhalte, das Böſe zu thun; die Trauerſpiele der edleren griechiſchen Dichter ruhen durchaus auf der wahren ſitt⸗ lichen Weltanſchauung, die ſie eben aus dem Lichte der natürlichen Gottes-Erkenntniß beſaßen (dieſem zu rückgebliebenen Fünklein der vor dem Sündenfall im göttlichen Ebenbilde anerſchaffe⸗ nen urſprünglichen Gottes⸗Erkenntniß), daß der heil. und gerechte Gott der Sünde das Übel als Strafe folgen laſſe, daß er das verletzte Recht durch ſtrafende Vergeltung an dem Schuldigen räche und herſtelle; ja wenn heidniſche Dichter in ſinnreichen Dichtungen abbilden, wie dieſe und jene Uebelthäter, nach der Art ihrer Über⸗ tretung, in der Unterwelt ewige Strafe und Pein leiden, ſo bezeugen ſie darin, daß und wie die ewige Strafgerechtigkeit Gottes ein der menſch⸗ lichen Vernunft und dem natürlichen Lichte der Gottes⸗Erkenntniß weſentlich einwohnende un⸗ austilgbare Wahrheit ſei. Und wenn wir ſchließlich unter allerlei heidni⸗ ſchen Völkern alter und neuer Zeit auf die noch ſo frazenhaften Selbſtpeinigungen, auf die blu⸗ tigen Opferungen ihrer Kinder u. dergl. hin⸗ ſchauen: — ſind dieſe nicht lebendige Zeugniſſe von dem im erwachien Gewiſſen richtenden und rächenden Geiſte Gottes und von der unerträg⸗ lichen Qual dieſer innerlichen Strafe? ſind ſie ferner nicht ein kläglicher Nothſchrei der unter der Herrſchaft der Sünde, in der Angſt des Ge⸗ wiſſens, unter dem Fluche des Geſetzes und dem Zorne Gottes, in der Furcht des Todes und der ewigen Verdammniß dahin ſchmachtenden Men⸗ ſchenkinder? — ein Nothſchrei nach Verſöhnung und Erlöſung, die ſie freilich aus eigenem Ver⸗ mögen, durch jene ohnmächtigen Verſuche den beleidigten Gott zu ſühnen, nicht bewirken kön⸗ nen? — ein Nothſchrei, der aber klärlich ihre Erlöſungsbedürftigkeit anzeigt, der jedoch nur durch einen gottmenſchlichen Erlöſer, nämlich durch den HErrn Chriſtum konnte abgeholfen werden? Alſo dachten, redeten und thaten Heiden aus dem Lichte der Vernunft und der natürlichen Gottes⸗Erkenntniß. Unſere heutigen verlogenen und abgefallenen Chriſten aber, die da wähnen frei zu ſein und doch nichts als Knechte und Narren des Satans ſind, haben ſich von dieſem jenes natürliche Licht ausblaſen und ein Blendwerk vorgaukeln laſſen, das ſie „religiöſe Aufklärung“ zu nennen be⸗ lieben. In dieſem Lichte, wollt' ſagen Finſterniß, ſchauen dieſe Aufklärer oder eigentlich Verfinſte⸗ rer, Wahrheiten, wollt' ſagen Lügen, über denen ſie dereinſt, ſo ſie nicht durch Gottes allmächtige Gnade daraus errettet werden, von jenen Hei⸗ den werden verdammt werden am Tage des Gerichts. 2— nun vornämlich folgende; daß es keinen perſön⸗ lichen Gott außer und über der Welt gebe, ſon⸗ vern dieſe ſelbſt Gott und aus ſich ſelbſt entſtan⸗ neriſchen Kraft der Erde ſein Daſein verdanke, indem er aus einem Urſtoffe erſt durch niedere Lebensſtufen (Pflanzen und Thiere) hindurch gegangen ſei und daß in ihm erſt Gott (d. i. die Welt) zum Selbſtbewußtſein komme; daß dem⸗ gemäß der Menſch, da er weſentlich der ſelbſtbe⸗ wußte Gott ſei, auch das nicht thun könne, was die dumme, abergläubiſche, von den Pfaffen ver⸗ führte Menge und auch ſonſtig ſog. moraliſche Menſchen Sünde wider Gott und ſeine Gebote nennen: es ſei eben nur der Mangel an „reli⸗ giöſer Aufklärung“ daß ſolche Pfaffenknechte und Finſterlinge noch nicht einſähen, wie das, was ſie bis jetzt, aus abergläubiſcher Befangenheit, noch Fluchen, Läſtern, Falſch-Schwören, Morden, Huren, Ehebrechen, Stehlen, Rauben, Freſſen, Saufen, Lügen und Betrügen ꝛc. nenneten, ei⸗ gentlich und weſentlich göttliche Werke ſeien; denn da der Menſch nun einmal der weſentliche Selbſtgott ſei, ſo könne er auch nur göttliche Werke thun. Demgemäß ſei im Lichte der wahren „religid⸗ ſen Aufklärung“ auch weſentlich kein Menſch ſchuldig und ſtrafbar, wenn er obige göttliche Thaten ausrichte; und es ſeien leider noch die— ſelben abergläubiſchen Vorurtheile und verhaß⸗ ten Überreſte der alten Tyrannei, daß Obrigkeit beſtehe, die einige jener göttlichen Werke des Menſchgottes,“*), als z. B. Morden, Rauben ꝛc. beſtrafe und durch ſchändlichen Zwang die Söhne der Freiheit ins Gefängniß lege; deß⸗ halb müßten denn dieſe letztern, die ihre Selbſt⸗ gottheit und darin das „wahre Menſchenthum“ durch das Licht der neuen „religiöſen Aufklä— rung“ nun endlich be⸗ und ergriffen hätten, mit allem Ernſt und Eifer dahin wirken, daß man die Obrigkeit, die doch mitunter den freien Selbſt⸗ göttern, d. i. Menſchen fatale Beſorgniſſe erwecke, baldmöglichſt abſchaffe und damit zugleich andre widerwärtige Schranken der nenen Freiheit und des „wahren Menſchenthums“ abthue, als da vornämlich ſind: Ehe und Eigenthum und dagegen Weiber- und Gütergemeinſchaft ein⸗ führe; denn wenn es auch im ſchlimmſten (oder beſten 2) Falle dahin geriehe, daß die Menſchen ſich alle untereinander erwürgten und auffräßen, ſo bliebe doch immer jener göttliche Urſtoff brig, aus dem ſich dann durch die Brütkraft der Sonne und durch die Bildkraft der Erde, durch die Mittelſtufen des Pflanzen-und Thierlebens hin⸗ durch ein neues Menſchgöttergeſchlecht erzeugte, der um ſo friſcher und fröhlicher in den Tag hineinlebte und jene gewohnten göttlichen Werke ausrichtete. Weil es ſich nun alſo halte, nämlich daß der *) Es iſt Gottes gerechtes Gericht, daß wenn der Men ſch als den einigen wahren Gottmenſchen gläubig an⸗ nimmt, er durch den erſten Betrug des Teufels „ihr werdet ſein wie Gott“ und durch den angebornen Hochmuth ſeines Herzens aus ſich und ſeines Gleichen ſich einen Men ſch⸗ Zu dieſen groben Lügen nnd Leugnungen der gott erträumt. heutigen Freigeiſter und Genteskeugyer gehhren den ſei; daß der Menſch urſprünglich der bild⸗ nicht mit Dank und Demuth unſern HErrn Jeſum Chriſtum,) Menſch weſentlicher Selbſtgott ſei, der im eben angeveuteten Kreislaufe des Vergehens und Ent⸗ ſtehens ſich immer wieder aus ſich ſelbſt erzeuge, ſo ſei es endlich das ungereimteſte aberwitzigſte Pfaffenmährchen, daß es ein Ende der Welt, eine Auferſtehung des Fleiſches, ein jüngſtts Gericht und eine ewige Vergeltung, d. i. ein ewiges Leben und eine ewige Höllenpein gebe; denn da eben der Menſch der weſentliche Selbſt⸗ gott ſei und kein anderer Gott außer und über ibm, ſo ſei es auch undenkbar, daß es einen Richter für ihn gebe. Hier haſt du nun, lieber Leſer, dir Summe der neuen „religiöſen Aufklärung“, deren Mor⸗ genroth bereits auch in den hier herauskommen⸗ den „freien Blättern“ zu ſchauen iſt; hier haſt du Anfang, Mittel und Ende des neuen Blend⸗ werks und Gaukelſpiels, womit der alte Lügen⸗ vater und Erzgaukler, der Teufel, als mit ganz neu erfundener Weisheit die jetzigen Gottesleug⸗ ner und Bibelfeinde äffet und närret und die Kinder der fleiſchlichen Freiheit und des Unglau⸗ bens gefangen führet. Mögen aber dieſe Feinde des HErrn und ſei⸗ nes Geſalbten noch ſo ſehr wider ihn toben und ſchreien: laſſet uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile! (Pſ. 2, 3) ſo wird es doch dabei bleiben, was ferner geſchrieben ſteht: „Aber der im Himmel wohnet lachet ihrer und der Herr ſpottet ihrer; Er wird einſt mit ihnen reden in ſeinem Zorn und mit ſeinem Grimm wird er ſie ſchrecken.“ Mögen ſie noch ſo wüthend anlaufen wider die Kirche des Herrn, ſie werden die Grundveſte, darauf ſie ſteht, näm⸗ lich das Bekenntniß von Chriſto nimmer erſchüt⸗ tern und die Gemeinde Gottes, die auf dieſen Fels erbauet iſt, nimmer herabſtürzen; denn ſit hat die Verheißung: die Pforten der Hölle ſol⸗ len ſie nicht überwältigen. — (Schluß folgt.) Vater Matthew in Pittsburgh. Der Wahrheitsfreund, die in Cineinnati er⸗ ſcheinende römiſch-katholiſche Zeitſchrift, berich⸗ tete neulich, daß obiger bekannte irländiſche Temperance-Werber in dem Schulhauſe der röm. Kirche von St. Paul in Pittsburgh eine — Rede über Mäßigkeit und Temperance Pledge gehalten. Und ſiehe da! der hochwürdigſte Herr Biſchof ward entweder von der unwiderſtehlichen Beredſamkeit des reiſenden Temperance⸗Advo⸗ katen alſo mächtig ergriffen oder von einer echt⸗ römiſchen Rührung über die wahrſcheinliche Macht eines edlen Exempels von Innen her alſo herzlich getrieben, daß er, wie der Wahrheits⸗ freund ſehr beifällig bemerkt, „aus der Hand des ehrwürdigen Mäßigkeits⸗Apoſtels das Pledge erhielt und ſeinen Namen denen beifügte, welche ſich der großen Sache bereits angeſchloſſen ha⸗ — ben.“ Und in der That folgten alsbald 600 Schäflein ihrem Hirten in dieſer Sache nach. So unwichtig nun dieſe Thatſache an ſich iſt, ein ſo wichtiger und neuer Beleg iſt ſie von der alten römiſchen Blindheit über die evangeliſche