# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 08 03_S206 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Da es nach Herrn Schmidt keinen gerechten Rich⸗ ter giebt, der die Unbarmherzigen beſtraft und da die Seele des Menſchen im Tode vernichtet wird, ſo iſt es ja höchſt überflüſſig, ſich mit ei⸗ nem Kranken noch viele Mühe zu machen; man laſſe ihn liegen, damit er deſto eher ins Nichts zerfahre. Wir ſehen hieraus, daß die Gottes⸗ läugner auch nicht einmal das Geſetz der Näch⸗ ſtenliebe mehr gelten laſſen; denn wenn ſie es thäten, ſo würden ſie ja ihren kranken Nächſten bis zu ſeinem letzten Athemzuge treu und lieb⸗ reich pflegen, und wenn es ihnen Hunderte ko⸗ ſtete. Doch wenden wir uns ab von ſolch' ſchnöder Liebloſigkeit, zu welcher endlich die Gottesleug— nung führt: erquicken wir uns an dem ſeligen Lichte wahrer Liebe, das in der Offenbarung uns entgegenglänzt. Schon das natürliche Sit⸗ tengeſetz, welches in das Herz eines jeden Men⸗ ſchen geſchrieben iſt und laut im Gewiſſen ſich bezeugt, gebietet uns: Du ſollſt Gott über Al⸗ les lieben und deinen Nächſten, wie dich ſelbſt. Dieſes Geſetz wird durch das Wort Gottes be⸗ ſtätigt und verklärt. Gott ſelbſt iſt die weſent⸗ liche Liebe, und hat ſich dem menſchlichen Ge— ſchlechte als die erſchaffende, erlöſende, heiligen⸗ de und beſeligende Liebe offenbart. In Gott ſchauen wir das vollendetſte Vorbild aufopfern⸗ der Liebe: Gott, der Vater ſchenkt der Welt ſeinen eingeborenen Sohn, Chriſtus hat ſein Le— ben für das menſchliche Geſchlecht in den ſchmerz— lichſten Tod dahin gegeben. Auch wir ſollen das Leben für unſre Brüder laſſen. Eine Men⸗ ſchenſcele iſt unendlich mehr werth, als die ganze Welt mit aller ihrer Herrlichkeit: darum ſollen wir kein Opfer für unſre Brüder ſcheuen. Betrachiet Chriſtum recht, ſo zeigt ein Meer von Liebe ſich deinem entzückten Auge, ein neues ſel⸗ iges Leben geht dir auf und du wirſt es an dei⸗ nem eigenen Herzen erfahren, daß Gottes Wort die ewige Wahrheit iſt. Dann wirſt du wahr⸗ haft ſittlich frei, dann wird es deine Freude wer— den, dem wahren, lebendigen Gott zu dienen, deſſen unendlicher Liebe du jetzt deinen Haß ent⸗ gegenſtellſt, um für deine Brüder dich aufzu— opfern. Einſendung für den Lutheraner. Eine herzliche Bitte — Es wird den meiſten Gliedern uͤſeres Sy⸗ nodalverbandes bewußt ſein, daß der Herr P. Nöbbelen 2 große Gemeinden in Liverpool mit unermüdeter Treue und aufopfernder Liebe 3 — 4 Jahre lang bedient hat. Da aber an dieſem, wie an vielen andern Orten Amerikas, Leute aus verſchiedenen Gegenden Deutſch⸗ lands beiſammenwohnen, ſo war der kirchliche Zuſtand daſelbſt in mehrfacher Bezlehung ein faſt bedauernswerther zu nennen. Paſt. Röb⸗ belen mußte deßhalb ſein ohnedies ſchon ſchwe⸗ res Amt nur mit Seufzen in dieſen Ge⸗ meinden verwalten. Endlich kam es auch —206— hier, und zwar noch vor ſeiner Wegberufung von Liverpool nach Frankenmuth zu einer Trennung. Aber auch hierbei zeigte ſich die Erfüllung der Verheißung des Herrn Jeſ. 55, 11. daß ſein Wort nicht leer zurückkommen ſoll; denn der Herr hatte die Treue meines ge⸗ ehrten Vorgängers alſo geſegnet, daß ſich ein guter Kern von Leuten in den Gemeinden be⸗ fand, der, von der heilſamen Lehre mehr oder minder lebendig überzeugt, dem reinen Bekennt⸗ niß unſerer lutheriſchen Kirche treu blieb. So geſchah es denn, daß von dieſen, um ihr See⸗ lenheil bekümmmerten Leuten, im Febr. d. J. eine Berufung durch Vermittelung des Herrn Vice⸗Präſes unſerer Synode, des Herrn Dr. Sihler, an mich den Unterzeichneten gelangte, der ich alsbald folgte. Die große Mehrheit beider Gemeinden hingegen, welche unſere Sy⸗ node verwarfen, hat ſich einen Prediger nach ih- rem Geſchmacke aufgeladen und gedingt. Ob⸗ wohl zwar die Conſtitution beider Gemeinden einen nur lutheriſchen Prediger verlangt, ſo iſt doch dieſer angeblich lutheriſche Predigers in der That und Wahrheit nichts weniger, als ein ſolcher. Da er aber dem Scheine nach der Conſtitution entſpricht und der Mehrheit eben ſo recht iſt, ſo ſind die treuen Glieder, welche ſich nicht mit gutem Gewiſſen zu ihm bekennen können, beider Kirchgebäude verluſtig gegangen. Letztere, faſt enkmuthigt, ſehen ſich nun in den Nothſtand verſetzt, ein neues zu bauen, und ſind im Vertraun auf Gottes gnädige Hülfe durch Ankauf eines Stück Landes bereits dazu geſchritten. Da aber die Kräfte dieſer wenigen Treuen zu ſchwach und die Anſprüche auf ein nach hieſigen Verhältniſſen zu errichtendes Kirch— gebäude für uns zu hoch ſind, ſo ſehen wir uns genöthigt, im Vertrauen auf den Geber aller guten Gaben, die Hülfe der Glaubensgenoſſen in Anſpruch zu nehmen. Wir wollten daher die lieben Leſer dieſes Blattes mit Hinweiſung auf Gal. 6, 9. 10. herzlich bitten, uns in die⸗ ſer Noth nicht zu verlaſſen. Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Es iſt uns zwar bewußt, daß die Liebe unſerer Glaubensgenoſſen auf ſol⸗ che Weiſe ſchon ſehr oft in Anſpruch genommen worden iſt; dennoch aber iſt unſere bedrängte Lage allen zur Beherzigung ſehr zu empfehlen. Der Beſuch des ſonntäglichen Gottesdienſtes iſt ſehr zahlreich, ſo daß hier ein zu dieſem Zwecke geeignetes Local nicht zu bekommen, auf der andern Seite Rechnung auf Zuwachs vorläufig wenig zu machen iſt, da es hier noch viele Schwache giebt, die ſich wegen des abermals zu erbauenden Kirchgebäudes ſcheuen, ſich jetzt uns anzuſchließen. Das Recht der uns ange⸗ hörigen Gebäude iſt wegen eines ſolchen Betrugs vor weltlichen Gerichten nicht zu erlangen, des— halb wiſſen wir keinen andern Ausweg, als den, in ſolchem Nothſtand ſo bald als möglich ein neues zu bauen. Daher hoffen wir zuverſicht⸗ lich, unſere demüthige und brüderliche Bitte, unſer um Chriſti willen zu gedenken, werde nicht vergebens ſein. Der Herr aber, der die Herzen regiert wie die Waſſerbäche, und der verheißen hat, einen Trunk kalten Waſſers nicht unbe⸗ lohnt zu laſſen, wolle ſelbſt die lieben Freunde zur herzlichen Theilnahme bewegen. Die wohlwolleuden Leſer bittet, gütigſt ihre Gaben unter folgender Adreſſe zu ſenden: Rev. F. Steinbach, Liverpool P. 0. Medina Co., O. F. Steinbach, Pfarrer. Zur Berichtigung. Da die Mehrheit beider Ge⸗ meinden unſere Synode verworfen hat und ſo nit aus zweien eine dritte entſtanden iſt, ſo heißt die jetzt roh un ſerer Synode angehörige Gemeinde in Liverpool: Sct. Pauls-Gemeinde. —. —— Die Methodiſten in Deutſchland. Es war zu erwarten, daß dieſe krankhaften Gefühlschriſten ihre ſchwärmeriſche und geſetzes⸗ treiberiſche Bekehrungsmethode auch nach Deutſch— land verpflanzen würden; und dieſes iſt denn auch ſeit einiger Zeit nicht ohne Erfolg geſchehenz denn bereits haben ſie an einigen Punkten Poſto gefaßt. Leider iſt man neuerdings in einigen lutheriſchen Ländern, nämlich im Hannöverſchen und Braunſchweigſchen, wie der Apologet meldet, gewaltſam gegen ſie verfahren, und die Polizei hat es nicht gehindert, daß einer ihrer Sendlinge geſchimpft und geſchlagen wurde. Wir tragen darüber aufrichtiges Beileid, weil die Geſchichte und Erfahrung ausweiſen, daß durch ſolche Begegnung ihr hoffärtiger Bekehreifer ſich nur verwandelt in hoffärtiges Märtyrerthum und ſie um ſo mehr in Verblendung gerathen. Sie könnten . übrigens Zeit, Geld und Mühe erſparen, ihre Methode und Bekehran-— ſtalten in ſolche Gegenden Deutſchlands zu tra⸗ gen, die bereits von dem werkeriſchen vielgeſchäf— tigen Gefühlschriſtenthum der unirten Kirche durchſäuert ſind; denn zwiſchen dieſer und ih— nen iſt kein weſentlicher Unterſchied; ſie ſind Einsu im Nichterkennen und Verkennen der göttlichen“ Gnadenmittel, und ſonderlich der heil. Sakra⸗ mente, in Hinſicht auf deren Weſen und Wirk⸗ ſamkeit; ſie ſind ferner Eins in der Unklarheit über die Art und Natur des rechtfertigenden Glaubens und in dem verworrenen Durchein⸗ ander von Rechtfertigung und Heiligung, das ſie predigen und ſchreiben; es iſt in beiden da⸗— ſelbe Drängen und Treiben auf geſetzliche und werkeriſche Heiligung, die aber leider keine Frucht des geſunden, rechtfertigenden Glaubens iſt; es iſt in beiden das Perſoͤnlein, das liebe Ich nicht“ erſtorben in der Sache des HErrn; denn ſie wol⸗ len nicht allein dieſe, gleichgültig ob und wir Gott durch oder ohne ſie ſeine Werke treibet, ſondern ſie wollen darin auch etwas ſagen und gelten. Und daher iſt denn freilich zu erwarten, daß ſie mit ihren lieben unirten Brüdern in al⸗ lerlei fatale Grenzberührungen kommen werden. Rechtgläubigen und lebendigen lutheriſchen Paſtoren und Gemeinden werden die Methodiſten drüben eben ſo wenig Schaden thun als hier; vielmehr wird auch dort daſſelbe Zeugniß wider ſie erhoben werden, daß ſie unrein in der Lehre und ſchwärmeriſch in der Praxris ſind. Hoffentlich werden ſie lutheriſcherſeits des