# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 08 03_S204 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) der Rechtfertigung nicht ſo oben drüber weg gießen und ſchmieren, ud die Wunden ſo oben hin zuheilen: Nein, wir müſſen zugleich bei der Vergebung der Sünden durch das Blut und die Wunden Chriſti auch wirklich geheilet wer⸗ den, daß wir auch die Herrſchaft über die Sünde erlangen, und ganz andere, neue Menſchen werden. Der Menſch kann auch der Abſolution, Rechtfertigung und Losſprechung von der Sün⸗ de nicht theilhaftig, vielweniger derſelben recht froh werden in ſeinem Gewiſſen, wenn er nicht zuvor wegen ſeiner Sünden die Anklagen des Geſetzes und böſen Gewiſſens fühlet, und dar⸗ über göttlich traurig, gebrochen und niederge⸗ ſchlagen wird; denn der Herr tröſtet nur alle Traurigen, Pf. 6t., und richtet auf Alle, die niedergeſchlagen find, Pſ. 146. und ſiehet nur an die Elenden, die zerbrochenen Geiſtes ſind, und hilft denen, die zerſchlagen Gemüth haben, Pſ 34. die Opfer, die Gott gefallen, ſind ein geängſteter Geiſt: ein geängſtetes und zerſchla⸗ genes Herz wirſt Du, Gott, nicht verachten. Pf. 51. Und das iſt es eben, was Chemnitz meinet, wenn er ſagt: Es kann die ganze Lehre von der Rechtfertigung nicht einfältiger, richtiger und füglicher verſtanden werden, und zu einem ernſt⸗ lichen Gebrauch in den Hebungen der Buße und des Glaubens angewendet werden, als aus Be⸗ obachtung des gerichtlichen Sinnes des Wortes Rechtfertigung; wie vieler Bäter Erempel zei⸗ gen, die oft von den Werkon und Verdienſten trefſtich previgen : aber in ihren andächtigen Betrachtungen und Uebungen der Buße und des Glaubens, wo ſie dieſes Bild des göttlichen Gerichts und diefen gerichtlichen Proceß ſich vor⸗ ſtellen, ſo erklären ſie die Lehre dieſes Artikels mit den ſüßeſten Sprüchen. — Fort ſetzung ſelgt. (Eingeſandt.) Methodismus. Herr Naſt hatte in No. 13. und 14. die evangeliſch⸗lutheriſche Kirche lügenhafter Weiſe beſchuldigt, ſie lehre: „daß das Gnaden⸗ mittel unfehlbar ſelig mache; daß die Sakra⸗ mente eine inwohnende göttliche Kraft hätten, zufolge welcher Alle, welche ſie empfangen, der Seligkeit ſicher ſein könnten; daß der Ge⸗ brauch des Sakramentes ohne den Gehorſam des Glaubens durch die dem Sakramente in⸗ wohnende eigene Kraft ſrlig machen könne; daß die Salramente eine an und für ſich ſeligmach⸗ ende Kraft hätten.“ Den Sinn dieſer verſchie⸗ denen Beſchuldigungen hatten wir nun kurz zu⸗ I und geſagt: „Mit dieſen Worten rdet uns Herr Naſt folgenden ſchändlichen Irrthum auf, als Kaubten wir Wir nut an⸗ mal mit dem' Taufwaſſer begoſſen ſei, wer nur das Abendmahls⸗Brod und ⸗Wein genoſſen habe, der werde unfehlbar ſelig, gleichviel ob er glaube oder nicht.“ Jeder unpartheiiſche Leſer wird zugeben miiſſen, daß wir hiemit den in Herrn Naſt's. Worten liegenden und darum —204.— von ſelbſt ſich ergebenden Sinn genau und treu wiedergegeben haben. Wenn daher Herr Mul⸗ finger in No. 27. des Apologeten dies nicht zugeben will, ſo bezeugt er damit nur ſeinen Mangel an Verſtand und gutem Willen. Wie groß überhaupt die Unwiſſenheit dieſes armſeligen Menſchen ſei, davon liefert er in ſei⸗ nem Aufſatze den traurigſten Beweis. Er wirft uns vor, wir hätten geſchrieben: „Wir aber ſtreiten gegen den Herrn Naſt nicht: weil wir dieſen elenden Lgner haſſen.“ Das haben wir aber keineswegs geſagt. Wenn Herr Mulfin⸗ ger deutſch verſtünde, fo hätte er uns nicht ſo mißverſtehen können. Wir bitten den Luthera⸗ ner No. 21. nachzuſehen. Da heißt es buch⸗ ſtäblich ſo: „Wir aber ſtreiten gegen Herrn Naſt, nicht: weil wir dieſen elenden rügner haßten; — wir bedauern ihn, daß er ſich immer mehr verflockt; — ſondern weil wir den Kindern Gottes, die in der Methodiſten⸗Secte gefangen ſind, den Troſt des rechten Glaubens und den Schatz der vollen Wahrheit wünſchen.“ Jeder verſtändige Deutſche kann dieſen Satz nicht an⸗ ders, als ſo verſtehen: „Wir aber ſtreiten ge⸗ gen Herrn Naſt, nicht etwa deßhalb, weil wir dieſen elenden Lügner haßten“ ꝛc. Wir ſagten alſo mit dieſen Worten: Wir haſſen Herrn Naſt nicht, ſondern wir bedauern ihn vielmehr, daß er ſich ſelbſt immer mehr verſtockt. Möchte doch Herr Mulfinger ſeine grenzenloſe Unwiſſenheit mit Demuth erkennen, und aufhören, über Dinge zu ſchreiben, von denen er nichts ver⸗ ſteht. Auch das bezeugt Herr Mulfinger durch ſei⸗ nen Aufſatz auf das klarſte, daß er die Heili⸗ gungsgnade nicht beſitzt. denn ſonſt würde er Chriſti Gebot: „Richtet nicht, ſo werdet ihr auch nicht gerichtet“, nicht ſo ſchamlos über⸗ treten. Er ſagt von mir, daß ich „in der Ver⸗ blendung meines gräulich mit Haß erfüllten Herzens den Himmel für jeden anderen, als einen Altlutheraner gern verſchließen möchte.“, „Solch' ein beſchränkter Kopf würde gegen ſeine Mitchriſten fürchterlicher hauſen, als es je ein Papſt oder Inquiſitor gethan hat, wenn er die Macht dazu hätte.“ So urtheilt er über den Grund meines Herzens und greift damit Gott, dem alleinigen Herzenskündiger in ſein Amt. Auch hat er gar kein Recht, mich ſo zu verdam⸗ men; denn ich hatte geſagt, No. 21. des Lu⸗ theraner, daß wir die Kinder Gottes, welche im methodiſtiſchen Babel gefangen ſind, als un⸗ ſere Brüder in Ehriſto lieben; die methodiſt⸗ iſchen Verführer und Irrlehrer aber mit dem. Worte Gottes bekämpfen. Und zwar thun wir dieß nach dem Worte Chriſti: Sehet euch vor vor den falſchen Propheten. Matthäi 7, 16. ö Die methodiſtiſchen Prediger ſind aber falſche Propheten, denn ſie leugnen in mehreren Punc⸗ ten die klare Wahrheit der hl. Schrift. Gottes Wort ſagt, daß vie Taufe das Bad der Wieder⸗ geburt und Erneuerung des hl. Geiſtes iſt und daß wir im hl. Abendmahle Chriſti Leib und Blut empfangen, Tit. 3, 5. 1 Cor. 11, 24, 25. Beides leugnen die Methodiſten⸗Prediger, elch bekanntlich die hl. Sakramente zu leeren 2 unendlich beleidigt hat. Zeichen herabwürdigen. Sie nehmen den Sa“ kramenten den Kern, und laſſen nur die leeren Schalen und Hülſen davon übrig; und damii rauben ſie ihren Gemeinden all den unendlichen Troſt, welcher im rechten Verſtändniſſe und im gläubigen Gebrauche der hl. Sakramente liegt. Darum dringt uns die Liebe zu den Kindern Gottes, welche auch in der Methodiſten-Secte verborgen ſind, daß wir die Lügen und Irrleh⸗ ren der Methodiſten⸗Prediger aufdecken und ſie davor warnen. Uebrigens haſſen wir die Me⸗ thodiſteuprediger nicht, ſondern bedauern ſie, wenn ſie ſich verſtocken. Darum würden wir auch keinesweges, „fürchterlich“ gegen die Metho⸗ diſten hauſen, wenn wir die Macht dazu hätten, ſondern dieſelbe nur zu ihrem Beſten gebrau⸗ chen. Herrn Mulfinger würden wir z. B., wenn er ſich deſſen werth zeigte, in eine gute Schule ſchicken und in der deutſchen Spracht unterrichten laſſen. Wir hatten mit Joh. 1, 8. den alten me⸗ thodiſtiſchen Irrthum von der Heiligungsgnade, als könne ein Menſch in dieſem Leben ſchon zu ſündloſer Heiligkeit gelangen, widerlegt. Selbſt auf Herrn Mulfinger macht Gottes Wort noch einigen Eindruck, denn er ſagt davon: „Ich ge⸗ ſtehe, daß mich der Herr Einſender durch dieſe kräftige Widerlegung beinahe betäubte.“ .... Doch verſteht Herr Mulfinger den folgenden Vers nicht und fragt, „wie viel Sünde nach der Reinigung durch Chriſto noch im Herzen übrig bleiben darf.“ Wiewohl wir leider befürchten x müſſen, daß Herr Mulfinger mit der Wahr— heit nur ſeinen Spott treibt, ſo wollen wir doch um der redlichen Seelen willen darauf ant⸗ worten. Die hl. Schrift unterſcheidet zwiſchen Recht— fertigung und Heiligung und beſchreibt die Rechtfertigung als eine richterliche Handlung Gottes. Das Geſetz nämlich verurtheilt den Menſchen zur ewigen Verdammniß, weil et Gottes Gebote übertreten und Gottes Majeſtät Das Evangelium aber weiſtt den erſchreckten Sünder zu Chriſta, der an unſerer Statt das Geſetz vollkommen er⸗ füllt und alle Strafen, die wir mit unſerm: Sünden verdient haben, vollkommen gebüßl hat. Wer nun Chriſtum mit wahrem Glauben ergreift, der wird von Gott gerechtfertigt, d. . Gott rechnet ihm Chriſti Gerechtigkeit und Ver⸗ dienſt zu und vergiebt ihm um Chriſti willen alle ſeine Sünden. Auf die Rechtfertigung des Menſchen folgt ſofort ſeine Heiligung. Wenn nämlich der Menſch durch die Gnade des heil Geiſtes an Chriſtum gläubig geworden und ſon mit gerechtfertigt iſt, beginnt der heil. Geiſt dei Menſchen zu heiligen und ihn zu erneuern nach dem Ebenbilde Gottes, indem er ihm Kraſf giebt, die Herrſchaft der Sünde zu brechen, Gol immer mehr zu lieben und ſeinen Willen immei völliger zu erfüllen. Allein die Rechtfertigun und Heiligung unterſcheiden ſich dadurch, daf die Rechtfertigung vollkommen, die Heiligunz aber in dieſem Leben noch unvollkommen iſt Denn die Gerechtigkeit Chriſti iſt eine volllont mene, ſie bleibt auch eine vollkommene, went;