# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 08 03_S201 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — — —— — ——— — — 5 (Offenb. Joh. Cap. 14, v. 6. 7.) „Gettes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ — — —— — Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſonri, Ohio und andern Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. Jahrg. 7. St. Louis, Mo., den 19. Auguſt 1851. No. 26. Bedingungen; Catſeriptiensvreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche denſelten voraus zube⸗ ahlen und vas Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Ceuts verkauft. Der Lutheraner erſcheint ale zwei Wochen einmal für den jährlichen Nur die Briefe, welche Mitthellungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen aber, welches Geſchäftliches, Beſtellnngen. Abbeſtellungen. Gelder 16, enthalten, unter der Adreſſe Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott durch den Glauben an Jeſum Chriſtu*m. ö Aus Chemnit. Exam. Concil. Trid. — Aus dem Lateiniſchen überſetzt von J. G. Fortſetzung. Mhalt: Wahrer Stand der Streit⸗ frage in dieſer Lehre zwiſchen den eutheranern und Papiſten. — Es pird gezeigt, daß es nicht etwabloß tin leerer Wortſtreit ſei, ſondern daß ſich's um das Weſen und die Beſchaffenheit der Nechtfertigung ſelbſt handle. Aber, möchte hier Jemand ſagen, wenn das alſo iſt, was iſt es denn, um das ihr alſo heftig, nit Erregung faſt des ganzen Erdkreiſes, in die⸗ ſem Artikel von der Rechtfertigung ſtreitet? Denn fürwahr, ſo wohl als ihr die Erneuerung nicht läugnet, noch auch die Liebe ſchlechterdings Rerwerfet: ſo läugnen auch die Papiſten die Ver— gebung der Sünden nicht, ſondern bekennen ſie. Und wenn über die Sachen ſelbſt beide Theile tinig ſind, ſo werden es wohl nur Wortſtreitig⸗ keiten ſein, oder, wie man ſagt, ein grammati⸗ ſcher Krieg. Denn die Papiſten verſtehen das Wortrechtfertigen (qustificarc), nach Art und Brauch der lateiniſchen Zuſammenſetzung, wie gerecht machen (justum facere), näm⸗ lic, durch Schenkung und Eingieſſung einer alsdann innerlich haftenden und inwohnenden Eigenſchaft, Fähigkeit und Fertigkeit, woraus dann Werke der Gerechtigkeit hervorgehen: die Lutheraner aber nehmen das Wort rechtfertigen nach hebräiſchem Sprachgebrauch und Bedeu⸗ tung; darum erklären ſie Rechtfertigung durch Losſprechung und Abſolution von Sünden, oder durch Vergebung der Sünden, durch Zarech⸗ nung der Gerechtigkeit Chriſti, Annehmung an Kindes Statt und Erbſchaft des ewigen Lebens; und das Alles nur um Chriſti willen, den der Glaube ergreift; lehren aber doch zugleich, daß die Erneuerung darauf folge, ſammt einem An-— fang der Liebe und guter Werke. Alſo nicht um die Sachen ſelbſt, (möchte es ſcheinen) ſondern nur um das Wort Rechtfertigung wird der Streit ſein, welcher daher entſteht, weil Einer das Wort ſo verſteht und auslegt, ein Anderer anders. Und in der Kirche will ſichs doch nicht ziemen, wenn die Sachen ſelbſt nicht gefährdet ſind, um Worte zu zanken und Unruhe zu erre⸗ gen. Denn Paulus ſagt 1 Tim. 6. ſehr ernſt⸗ lich, daß es eine verderbliche Krankheit der Kir— che ſei, wenn man ſeichtig ſei in Fragen und Wortkriegen, woraus entſpringet Neid, Hader, Läſterung, böſer Argwohn; Schulgezänke ſol⸗ cher Menſchen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubet ſind. Dieſen Einwurf habe ich deswegen angeführt, damit deſto beque⸗ mer und deutlicher erklärt und gezeigt werden könnte, welches denn eigentlich der ſtreitige Punkt ſei, um den ſichs hier in dem Artikel von der Rechtfertigung handelt. Hierauf iſt unſere einfache und offene Antwort dieſe: Keineswegs ſind wir ſolche unruhige Köpfe und Friedensſtörer, und einer wahren, dauerhaften und heilſamen Eintracht ſo feind, noch auch ſo begierig nach Streit, Zank und Hader, daß wir auch dann, wenn über die Sa⸗ chen ſelbſt, eine wahre, chriſtliche und heilſame Uebereinſtimmung und Einigkeit zu Stande ge— kommen und aufgerichtet worden wäre, dennoch Urſach und Anlaß zu Zank und Wortgefechten ſuchen würden. Denn mit den Vätern, (ob⸗ gleich ſie öfters das Wort rechtfertigen für die Erneuerung nehmen, in welcher durch den heili⸗ gen Geiſt Werke der Gerechtigkeit in uns gewirkt werden) — fangen wir nicht an zu ſtreiten, wo ſie nur ſonſt die Lehre nach der Schrift richtig und angemeſſen vortragen, wie und wodurch der Menſch mit Gott verſöhnt werde, Vergebung der Sünden und die Kindſchaft empfange, und zum ewigen Leben angenommen werde. Oft auch iſt von den Unſern jener Unterſchied der Bedeutungen gezeigt und erinnert worden, wie nach der Aehnlichkeit des Glaubens und der be⸗ ſtändigen Lehre der Schrift auch jene Bedeutung, wenn ſie mit den Vätern nach Brauch und Sinn der lateiniſchen Zuſammenſetzung und Wortbil⸗ dung genommen werde, chriſtlich und recht ver⸗ ſtanden und angenommen werden könne. Aber dadurch ſind die Papiſten um Nichts milder oder geneigter gegen uns und unſere Lehre geworden, denn ſie ſelbſt ſtreiten nicht über Worte, ſon⸗ dern vornehmlich über die Sachen der Rechtfer⸗