# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 07 20_S198 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) vorigen Artikel ſchon erklärt haben, und begnü⸗ gen uns damit, in den oben angeführten Stel⸗ len einige Proben von den in unſerm vorigen Artikel angedeuteten klaren und unwiderſprech⸗ lichen Beweiſen beigebracht zu haben, daß die chriſtliche Kirche, die den 4 kanoniſchen Evan⸗ gelien die Ramen kata Matthaion ꝛc. gab, da⸗ runter verſtand, daß Matthäus ꝛc. dieſelben geſchrieben haben. In den Worten Herrn S's: „Soll ſofort der ganze griechiſche Sprach ge⸗ brauch darnach (nach 2. Makkab. und Epi⸗ phanius a. h.) zu beurtheilen ſein?“ läßt er noch einmal ſein Licht leuchten. Denn entwe⸗ der weiß er gar nicht, was er ſagt, indem es ſich bei der Frage, was kata in den Überſchrif— ten der Evangelien bedeute, nicht um den ganzen griechiſchen Sprachgebrauch ſondern um den kirchlichen handelt; oder er weiß nichts von dem Unterſchiede des klaſ⸗ ſiſch griechiſchen und des kirchlich griech— iſchen Sprachgebrauchs, der doch ſo groß iſt, daß er eine eigene Litteratur hervoͤrgerufen hat. In Verbindung mit dem vorliegenden Artikel! von Herrn S. ſteht ein anderer „Die Kirchen- väter haben Recht“ überſchriebener. Der Zweck des Artikels iſt, ſich die Kirchen-Väter vom Halſe zu ſchaffen, die ihm bei ſeinen Sudeleien über die Bibel angefangen haben, höchſt unbe⸗ quem zu werden. Dazu bahnt er ſich den Weg durch einen wahrhaft beluſtigenden Eingang, der alſo lautet „Jagt einen Prieſter mittelſt Vernunft— gründen, geſunder Logik und nicht wegzuläug— nenden Thatſachen in die Enge; weiſet ihm haar— ſcharf nach ꝛc.“ Ei freilich, Herrn S's. Be— weiſe ſind j a, wie der geneigte Leſer bereits ge— fühlt haben wird, ſo haarſcharf, daß einem faſt die Haut ſchaudert. Dann erklärt er, wie ihm jetzt zwar beim An— blick her Kirchen-Väter zu Muthe ſei, wie er ſich doch aber damit zu helfen gedenke, daß er das ſogenannte hiſtoriſche Gewiſſen verbanne und eine eiſerne Stirne mache, indem er ſpricht, „Man ſieht und erkennt auf den erſten Blick, daß man (in den Kirchen-Vätern) eben nichts, gar nichts vor ſich habe, als einen hohlen Tod— tenſchädel, der nur Kinder und Haſenherzen Furcht einjagen kann, den der beſonnene Mann aber ohne die geringſte Furcht- und Reſpects- Anwandlung zu denandern Todtenknochen wirft“. Ei, wo bleibt doch da die zuvor ſo hochgerühmte Geſchichts-Anſchauung? Nach dem was vorliegt muß der geſunde Men— ſchenverſtand Herrn S. mindeſtens eben ſo ſehr verleidet ſein, als die lieben Kirchen-Väter, indem derſelbe ja noch öfter und ärger Herrn S. bloß geſtellt hat, als jene. Darunm iſt es nicht unwahrſcheinlich, daß Herr S. bald, etwa in einem Gegenſtück zu dem Artikel „die Kirchen— Väter haben Recht“, auch den Regeln des ge⸗ ſunden Menſchen-Verſtandes förmlich den Ab— ſchied giebt, und den für ein Kind und einen Dummkopf erklärt, der noch an ſolche verjährte Grundſätze ſich kehrt, wie: daß ein Ding nicht zugleich ſein und nicht ſein könne, daß jedes Ding eine zureichende Urſache haben müſſe ꝛc., — 198— dagegen zu der Stufe der Intelligenz ſich ſelber empor geſchwungen zu haben bekennt, auf der es einem ganz natürlich iſt, auch ſolche Sätze bald ſelber aufzutiſchen, bald zu verſchlucken wie „Der Menſch ging durch ſich ſelbſt aus dem Nichts hervor, und war der Schöpfer ſeiner nachmaligen Größe.“ Wir gehen auf Anderes in dem zuletzt be— rührten Artikel nicht ein, indem wir denn über— haupt hiermit wenigſtens fürs Erſte, was uns Pflicht ſchien gegen die Welt, die Schwankenden und die Schwachen unter den Chriſten, denken geleiſtet zu haben. Schreiber dieſes glaubt in dieſem Artikel in Verbindung mit den früheren auf klare und überzeugende Weiſe dargethan zu haben — wovon er aber das Verdienſt nicht ſich, ſondern Herrn S.'s allzu großer Schwäche beimißt, — daß Herr S. in allen von uns berückſichtigten Artikeln in ſeinem Blatt, das ſich zur Aufgabe macht, die Bibel anzufeinden, und den Glauben der Chriſten zu untergraben, große Beſchränktheit des Verſtandes, Unwiſſen— heit und Unredlichkeit an den Tag gelegt hat, und ferner, daß, je mehr Herr S. ſich über ein und denſelben Punkt ausgelaſſen hat, deſto mehr von jenen übeln Eigenſchaften an den Tag gekommen iſt. Es brauchen ſich nun, mieinen wir, ſo weit unſere Artikel bekannt ge— worden ſind, durch Herrn S.'s „Freie Blätter“ die Welt nicht in ihrer Sicherheit vor dem zu— künftigen Gericht beſtärken, die Schwankenden nicht zu Falle bringen, und die Schwachen nicht betrüben laſſen; denn alle dürfen denken: Herrn S'és bibelfeindliche Artikel ſind nur aus Verſtaͤndes-Schwäche, Unwiſſenheit und Un— redlichkeit hervorgegangen, und je mehr er ſich über einen Punkt ausgelaſſen, deſto mehr ſind die Quellen offenbar geworden, aus denen jene bibelfeindlichen Artikel kommen; darum ſind dieſelben faules Gechwätz, und ſollen uns nicht anfechten, ſondern uns nur als Zeugniß dienen von dem traurigen Zuſtande derer, die in ihrem verkehrten Sinn ihre eigenen Wege gehen, und den Weg des Friedens nicht wandeln. mmmm (Eingeſandt.) Urtheil eines älteren bewährten Lehrers unſrer Kirche über die Kirchenvereinigung der Proteſtanten. Der nachfolgende Brief des theuern Theologen unſrer Kirche, des Dr. Ernſt Salomo Cyprian, weil. Kirchen-und Conſiſtorialraths zu Gotha, enthält ein kurzes, aber kräftiges Zeugniß wider die auf Koſten der reinen Lehre verſuchte Ver— einigung zwiſchen den Lutheranern und Nefor⸗ mirten. Ein ſolches Zeugniß wieder ins Ge— dächtniß zurückzurufen, welches den Stempel der Redlichkeit, Gottesfurcht und Wahrhaftigkeit ſo offen an ſich trägt, wird gewiß Riemand für überflüſſig halten; denn obwohl die Umſtände, unter welchen damals die Union eingeführt wer— ven ſollte, nichi eben auf unſere Zeit, und auf die kirchlichen Verhältniſſe unſres Landes paſſen, ſo ſind doch die Lehren und Erfahrungen, welche Cyprian in Bezug auf das Unionswerk darlegt, noch heute vollkommen anwendbar und beherzi⸗ genswerth. Denn die Reformirten haben bis heute noch keinen ihrer alten Irrthümer wider— rufen; ſie beſtehen noch immer auf ihren alten Symbolen, welche die ſchroffſten Lehren eines Zwingli und Calvin ausſprechen; ſie nehmen bis auf den heutigen Tag die Glaubens-Ver— einigung nur zu einem Vorwand, ſich deſto mehr auszubreiten und ihren Glanbens-Meinungen Geltung zu verſchaffen; ſie feinden noch immer unſere lutheriſche Lehre vom heil. Abendmahl, von der Perſon Chriſti, von der Gnadenwahl bitter an, und wir wären warlich arg betrogen, wenn wir uns überreden ließen, ſie erkenneten die Schriftmäßigkeit unſrer Lehre in dieſen Punk— ten an. Wer wird leugnen wollen, daß es un— ter den reformirten Lehrern damals wie jetzt gute Ausnahmen giebt, die nicht fern von der Wahr— hein ſind und mit aufrichtigem Herzen ſich nach einer Vereinigung ſehnen; ſie ſinds aber nicht, von denen die neuern Unionsbeſtrebungen aus— gegaͤngen ſind, denn dieſe haben, wie die Erfah⸗ rung bewieſen und noch beweiſ't, nur Unter— drückung des lutheriſchen Bekenntniſſes zum Zweck. Das Zeugniß Cyprians muß um ſo mehr Gewicht haben, weil ihm ſelbſt von Feinden das Lob eines ſanften, friedfertigen und liebreichen Theologen gegeben werden muß, der vielleicht nie etwas über die Unionsſache geſchrieben hätte, wenn er nicht durch die wiederholten Angriffe. der Gegner auf ihn, dazu gezwungen worden wäre. Der hier mitgetheilte Brief, der die Ver— anlaſſung wurde zu dem von Cyprian ſpäter ge⸗ ſchriebenen vortrefflichen Buche über die kirchliche Vereinigung der Proteſtanten, kann zugleich als ein kurzer Auszug desſelben dienen. Die Ver— anlaſſung zu dem Briefe ſelbſt gab der berühmte Kanzler der Tübinger Univerſität Chriſtophor. Matth. Pfaff, ein Maun, der damals an der Spitze der Unionsbewegungen ſtand. Dieſer hatte ſich an Cyprian in einem höflichen und wohlwollenden Schreiben gewendet und ihn ge⸗ beten, ihm ſeine Meinung über die von ihm vorgeſchlagene Vereinigung zu eröffnen. Wie ſehr wünſchte ich, ſchrieb er an Cyprian, Deine Geſinnung über dieſe Angelegenheit zu wiſſen. Ich weiß, wie viel Du zu Gotha vermagſt. Und ſürwahr, nur durch ſolche Friedenshandlungen kann die evangeliſche Sache aus der Gefahr ge— rettet werden, in welcher ſie heut zu Tage ſchwebt. Schreibe mir alſo ja, was Du, hoch⸗ berühmter Mann, über dieſe Sache denkſt. Sie iſt von großem Gewicht und werth, ſorgfältig überlegt zu werden. Das, was ich für dieſelbe geſchrieben habe, iſt von den Engliſchen und Berliner Höfen vollkommen gebilligt worden. Wie ſehr wünſchte ich, daß mir von den Sächſi⸗ ſchen Höfen gleiche gute Botſchaft käme. Dein Urtheil wird das größte Gewicht in die Wag⸗ ſchale legen, wenn die Friedensvorſchläge, wie ich glaube, Deinen Beifall finden ſollten.“ Die Antwort des treuen und redlichenCyprian, der ſich ſolche ſüße, ſchmeichelnde Worte nicht