# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 07 20_S196 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) —— gen Satzes aufrecht erhalten zu wollen anders, als daher, daß er ſich in völliger Unwiſſenheit darüber befindet, daß es ſolche Beweiſe, näm⸗ lich Wahrſcheinlichkeits-Beweiſe, in Menge für das höchſte Alter der kanoniſchen Evangelien giebt, indem ſogar in den Schriften der apoſto⸗ liſchen Väter (d. i. der unmittelbaren Schüler der Apoſtel) als Barnabas, Clemens Romanus, Ignatius und Polykarp Stellen als „Worte des des Herrn“ angeführt werden, die ſich bei St. Matthäus, St. Marcus, St. Lucas und St. Johannes ſinden, z. B. Ev. Matth. 16, 26; 18, 16; 19, 12; 20, 16; Ev. Lucä 6, 36; Ev. Joh. 3, 8 ꝛc. Solche Wahrſcheinlichkeits— Beweiſe hätten wir auch gebrauchen können, aber wir verwirren ſie weder mit Gewißheits⸗ Beweiſen — ein Unterſchied, den Herr S. trotz ſeiner „geſunden Logik“ nicht gefaßt zu haben ſcheint, — noch wollten wir erſtere gebrauchen, da uns letztere zu Gebote ſtanden. Wir hatten geſagt „der erſte Kirchenvater, der bekanntlich das ſogen. Thomas-Ev. erwähnt, iſt Origines. Das Wort bekanntlich ſcheint ganz beſonders Herrn S. Indignation er⸗ regt zu haben. Obwohl wir nun den Grund davon müſſen dahin geſtellt ſein laſſen, ſo iſt doch das gewiß, daß Herr S., indem er ſeiner Indignation über jenes Wort Luft macht, wieder als der alte erſcheint, wie zu erwar⸗ ten ſtand. Um das Wort bekanntlich recht auszubeuten; ſo legt der große Denker, der neuerdings, nachdem ihm die lieben Kirchen⸗ Väter ein wenig verleidet find, viel von „geſun⸗ der Logik“ zu reden und zu rühmen angefangen hat, das logiſche Meſſer an. Aber unglücklicher Weiſe für ihn gehts ihm dabei als Autor, wie es einem Schneider oder Schuſter geht, der ſei⸗ nem Meiſter aus der Lehre gelaufen iſt, und zwar noch weiß, wie man Meſſer oder Scheere anſetzt, um etwas auszuſchneiden, aber der, wenn's nun an's Schneiden geht, nicht z u-⸗ ſchneidet, ſondern verſchneidet. Herr S. ſagt nämlich: Bekanntlich kann nur heißen: ent⸗ weder: wie allen, oder doch vielen Leſern des Lutheraners bekannt iſt; oder: ſo viel allein dem Schreiber des Artikels, und zwar unabhängig von den Forſchungen Anderer bekannt iſt. Und daraus macht er denn einen Schluß auf entwe⸗ der hiſtoriſche Fälſchungen, oder „eine ſchrecklich blaſſe Nenommage“ unſerer Seits (der geneigte Leſer wundere ſich nicht über Herrn S's. Lakeyen⸗ ſtil); allein, der Schluß, wenn er auch ſonſt richtig wäre, gilt nichts, weil Herr S. das Ganze von vorn herein verſchnitten und nicht bedacht hat, daß es noch ein zweites oder gäbe, und daß das Wort bekanntlich noch eine dritte Bedeutung haben könne, nämlich: ſo viel unter denen, die ſich mit den betreffenden Wiſſenſchaften, namentlich der Einleitung in's N. T. beſchäftigt haben, bekannt iſt. Dies war gerade der Sinn, in welchem es von uns ge⸗ braucht war. Schreiber dieſes hatte keinen Zweifel, daß es keinen frühern Kirchenvater, der das ſogen. Thomas⸗Ev. Ermähnung thut, gebe, als Origines, weil er bei gelehrten Forſchern, die vom ſogen. Thomas⸗Ev. reden, keinen ange⸗ R zeigt fand. Da dies aber noch kein abſoluter Beweis von der Unmöglichkeit iſt, daß das ſog. Thomas-Ev. von einem frühern Kirchenvater, als Origines erwähnt wird; ſo wollte Schreiber dieſes auch ſolche abſolute Unmöglichkeit nicht. behaupten, wie denn das auch kein beſonnener Menſch thun wird, ſondern eben nur ſo viel ſa⸗ gen, als ſich der Wahrheit gemäß ſagen ließ. In unſerm Wort bekanntlich lag alſo: Es ſind alle Anzeigen dafür, daß Herr S. eine Wind⸗ beutelei ſagt, wenn er behauptet, daß das ſogen. Thomas⸗Ev. von einem frühern Kirchenvater, als Origines erwähnt wird; und wie der Er⸗ folg nun deutlich gezeigt hat, ſo haben die Anzeigen nicht getrogen. Herr S. hat alſo in dem Ausdruck ſeiner In⸗ dignation über das unſchuldige Wort be—⸗ kanntlich nur eine Probe gegeben, wie einem ſchwachen, oder vernachläſſigten Verſtande auch die logiſche Scheere des Entweder, oder nichts nützt. Herr S. läßt ſich dann über den andern Punkt in unſerm Beweiſe, den er nicht gelten laſſen will, nämlich daß ſchon von Papias des Evan⸗ geliums St. Matthäi gedacht werde, aus. Herr S. äußert, Papias ſage nicht blos, daß Matthäus ein Evangelium, ſondern daß er ein Evangelium in hebräiſcher Sprache geſchrieben haͤbe. Da nun aber das Evang. St. Matthäi uns in griechiſcher Sprache vorliege, und das Gepräge der Originalität an ſich trage; ſo könne das Evangelium, von welchem Papias rede, dasjenige nicht ſein, welches ſich im N. T. be⸗ finde; die Stelle beweiſe alſo nichts. Ferner, wir hätten in unſerer Anführung die Worte „in hebräiſcher Sprache“ ausgelaſſen, um ſo der Stelle den Schein zu geben, als rede ſie von et— was, wovon ſie doch nicht rede, und hätten uns ſo zugleich „eine geſchichtliche Fälſchung“ zu Schulden kommen laſſen. Damit zeigt Herr S., daß er ein Halb wiſſer, und daß Halb wiſſerei ſchlimmer als Unwiſſen⸗ heit iſt. Denn obwohl Papias ſagt, Matthäus habe ein Evangelium in hebräiſcherSprache geſchrieben, in⸗ dem die betreffende Stelle bei Papias unverkürzt lautet „Matthäus ſchrieb ein Evangelium in he— bräiſcher Sprache, und ein jeder deutete es, ſo gut er konnte“; ſo liegt dennoch ganz unzweifelhaft in derſelben was wir daraus genommen hatten, nämlich, daß Papias unſer Ev. St. Matthäi, dasjenige, welches wir im N. T. haben, erwähnt. Einem Halbwiſſer, d. i. einem, der etwas weiß, und über anderes ſich in Unwiſſenheit befindet, iſt das freilich ein böhmiſches Dorf. Es hängt die Sache aber ſo zuſammen. Die Kirchenväter Papias, Irenäus, Origines, Euſe- bius und Hieronymus berichten zwar, daß Mat⸗ thäus ſein Ev. in hebräiſcher Sprache geſchrieben habe. Nun ſind aber die Stellen, die ſowohl von dieſen genannten Kirchenvätern als von an⸗ dern, ihnen gleichgigen, als Clemens Aleran⸗ drinus, Tertullian u. a. aus dem Ev. Matthäi angeführt werden — ſei es, daß ſie Matthäus ausdrücklich nennen, ſei es, daß die Umſtände erkennen laͤſſen, die Anführung ſei aus ſeinem Evangelio — ſolche, die ſich in unſerm Evan⸗ gelio St. Matthäi, d. i. im urſprünglich griechi⸗ ſchen, finden. Z. B. Irenäus „gegen Ketzer“ 3, 11,8 Matthäus verkündigt Seine (des Herrn) Abkunft nach dem Fleiſch, indem er ſpricht „died iſt das Buch von der Geburt Jeſu Chriſti, der da iſt ein Sohn Davids, des Sohnes Abra⸗ hams.“ „Vergl. Matth. 1, 1. Euſebins, Kir⸗ chengeſch. 3, 24.“ Matthäus bezeichnet nach dem 40tägigen Faſten und nach der Verſuchung, die auf dasſelbe folgte, die Zeit, zu welcher ge⸗ ſchah was er erzählt, damit, daß er ſpricht „da Er (der Herr) nun hörte, daß Johannes über⸗ antwortet war, zog er aus Judäa ins galiläi⸗ ſche Land.“ Vergl. Matth. Cap. 4, 1 — 12. Tertullian de carne Christi c. 22. Matthäus ſelber, der ſo treue Zeuge des Evangelii, wit er Nachfolger des Herrn war, beginnt aus kä⸗ ner andern Urſache, als um uns die Abkunft Chriſti nach dem Fleiſch zu lehren, zuerſt alſo. „Dies iſt das Buch von der Geburt Jeſu Chriſti der da iſt ein Sohn Davids, des Sohnes Abra⸗ hams.“ Vergl. Matth. 1, 1. ꝛc. Ferner be⸗ gegnen wir, wie ſchon oben bei anderer Gele⸗ genheit bemerkt worden, Stellen in den Schrif⸗ ten der apoſtoliſchen Väter, die in unſerm Ev. St. Matthäi ſtehen z. B. bei Barnabas Matth. 20, 16 und 22, 14 ꝛc. Daraus folgt unmittelbar, daß es anfänglich ein Ev. Matthäi in hebräiſcher, und eins in griechiſcher Sprache gab, die beide vom Apoſtil' St. Matthäus herrührten. Was nun das Ver⸗ hältniß des einen zum andern betrifft; ſo machl. die Stelle bei Papias es wahrſcheinlich, daß Matthäus ſein Evangelium erſt in hebräiſcherz Sprache geſchrieben, und daß es nachher ins Griechiſche überſetzt ſei; und Hieronymus ſagt ausdrücklich, nachdem er berichtet, Matthäns habe ſein Evangelium in hebräiſcher Sprache ge⸗ ſchrieben, „es ſei nicht ausgemacht, wer das⸗ ſelbe hernach ins Griechiſche überſetzt habe“ Dabei aber trägt das Ev. St. Matthäi nicht das Gepräge einer wirklichen Überſetzung, ſondem vielmehr das einer Schrift eines ſelbſtſtändige Verfaſſers, wie iur Einzelnen beſonders an der Citaten aus dem A. T. bemerklich iſt (aber nicht wie jener Haſenfuß ſagt, an Wortſpielen, womit es „ausgeſpickt“ wäre, indem nur ein ſolchei im griechiſchen Matthäns vorkommt.) Anblich dieſer Umſtände haben nun einige Gelehrte ge⸗ meint, das griechiſche Ev. St. Matthäi ſei u Originalſchrift, und das hebräiſche die Ube⸗ ſetzung; andere umgekehrt, das hebräiſche ſu die Originalſchrift und das griechiſche die Üba— ſetzung, während noch andere der Anſicht ſin, beide ſeien für Originalſchriften zu halten, in— dem Matthäus erſt ſein Evangel. in hebräiſch Sprache geſchrieben, nachher aber dasſelbe aug in griechiſcher Sprache aufgeſetzt habe. Wit dem nun aber auch ſein mag; d. i. mag dabhE griechiſche Ev. St. Matthäi eine Überſetzund oder eine Originalſchrift ſein, ſo hat es doch di Apoſtel St. Matthäus zum Verfaſſer, und ver dient im eigentlichen Sinne des Worts den N⸗ men Evangelium St. Matthäi. Darüber ſud alle gewiſſenhafte und beſonnene Forſcher ſt