# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 07 20_S194 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) da er nun einmal von Straßenbuben verfolgt zu ſein vorgiebt, er keinen innern Gehalt und Würde hat, und daß — ſtatt etwa die angeblichen Buben freundlich oder ernſt zu vermahnen, oder wenn es ihm dazu an ſittlicher Größe fehlt, ſich doch wenigſtens nicht mit ihnen einzulaſ⸗ ſen — er in Wuth geräth, ſchimpft, ihnen nach⸗ ſetzt, nach Dreck und Steinen greift, hie und dorthin rennt, und da er doch keinen trifft, in⸗ dem dieſelben immer „Reißaus nehmen“, immer wüthender wird. Wer Luſt hat, darfe nur Hrn. S's Blatt zur Hand nehmen, um in der Schreib⸗ weiſe jenes Artikels das eben Geſagte und von Herrn S. ſelber mittels Vergleichs deutlich An⸗ gezeigte thatſächlich ausgemahlt und verwirklicht zu finden. Wir laſſen alſo dies, und gehen in den fol⸗ genden Zeilen Herrn S's. Artikel in der Abſicht durch, an demſelben wiederum dem geneigten Leſer darzuthun, wie Herr S. fort und fort in ſeinen gegen die chriſtliche Religion unmittelbar oder mittelbar gerichteten Artikeln Dummheit, Unwiſſenheit und Unredlichkeit zur Schau trägt. Schreiber dieſes wünſcht ſich aber zuvor zu ver⸗ wahren. Worte, wie die obſtehenden, mögen harte Worte geſchienen haben, und noch ſchei⸗ nen. Sie ſind aber nach Uberzeugung nur dann gebraucht, wenn dem geſunden Menſchenver⸗ ſtand, den alſo auch Chriſten, Juden, Türken und Heiden mit einander gemein haben, zuwi⸗ der geredet iſt, oder wo grober Mangel an Kenntniſſen auf einen Gebiete ſich zeigt, auf welchem Jemand ſogar zu einem Lehrer ſich auf⸗ wirft, oder wo ſelbſt Gegner, wenn ſie nur ehr⸗ lich ſein wollen, zugeben müſſen, hier ſei eine Unredlichkeit vorgegangen. Ferner, wenn wir es als unſere Abſicht ausſprechen, im Folgen⸗ den Herrn S. noch einmal in ſeiner Blöße dar⸗ zuſtellen, ſo muß der liebe Leſer nicht denken, daß wir etwa einen Gefallen an der Gleichen hätten, oder daß Schreiber dieſes, während er dieſe Zeilen zu Papier bringt, der Furcht Gottes vergeſſen wollte. Nein, Schreiber dieſes iſt ſich auch jetzt bewußt, daß auch für Herrn Schmidt der liebe Heiland am Kreuz geſtorben iſt, ob⸗ wohl Herr Schmidt Deſſen Blut mit Füßen tritt; Schreiber dieſes iſt ſich auch bewußt, daß er von einem jeglichen unnützen Wort wird Re⸗ chenſchaft geben müſſen, und hat deshalb Gott den Herrn gebeten, Er wolle ſeine Lippen und Feder bewahren. Aber eben dabei fühlt ſich auch Schreiber dieſes gedrungen, gegen ſolchen Greuel, wie er in Herrn S's. Blättern ſich findet, und wodurch die Welt in ihrer Gottloſigkeit beſtärkt, Schwankende zu Falle gebracht, und Schwache beunruhigt und betrübt werden, nach Vermögen Zeugniß abzulegen, was nach ſeinem Bedünken. nicht bündig er und kür zer geſchehen kann, als wenn an den Tag gelegt wird, wie Herrn- S's. Angriffe auf die chriſtliche Religion über⸗ haupt und die Bibel insbeſondere, ſie geſchehen nun mittelbar oder unmittelbar, nichts ſind, als ein Gewebe von Unwiſſenheit, Dummheit und Unehrlichkeit, und beſonders, wenn dies eben in einem Artikel nachgewieſen wird, der dazu dienen ſoll, ſich wegen der, Herrn S. vorgewor⸗ 194— fenen, eben genannten, übeln Qualitäten zu rechtfertigen. ö Wir wollen nun Herrn S's. Artikel der Reihe nach durchgehen. Herr S. ſagt in dem einleitenden Theile deſ— ſelben, daß wir ihn in dem Artikel in Nummer 18 des Lutheraners „kraft kirchenväterli⸗ cher Autorität anzugreifen verſucht hätten“. In jenem Artikel, deſſen Länge Herr S. ſelber als ſieben Spalten angiebt, nehmen geſchicht— liche Zeugniſſe, die aus den Kirchenvätern an— geführt ſind, um Unwiſſenheit in Herrn S's., dem Thomas Paine entlehnten, Motto nachzu⸗ weiſen, nicht eine Spalte ein. Sonſt, und enmittelbar gegen Herrn S. iſt nurr auf Grund anderen als aus den Kirchenvätern geſchöpf— ten Wiſſens und kraft der Autorität des geſunden Menſchenverſtandes ver⸗ fahren. Das wünſcht freilich Herr S. ſeine Le— ſer nicht wiſſen zu laſſen; daher nimmt er ſeine Zuflucht zu einer Entſtellung, und ſagt, wir hätten ihn „kraft kirchen väterlicher Autorität angegriffen“. In dem erſten Theil ſeines Artikels gebehrdet ſich Herr S. ſehr übel über unſern Artikel „Rück⸗ erwiederung“ überſchrieben, in Nro 21 des Lu⸗ theraners. Wir hatten in demſelben geſagt: Wir ſtellen es dem Urtheil eines jeden, dem dar⸗ an liegt, der Sache auf den Grund zu ſehen, er ſei nun ein ſogenannter Bibelgläubiger oder nicht, nur daß er Verſtand genug habe, den Artikel im Lutheraner und Herrn S's. Erwie⸗ derung darauf zu faſſen, und Ehrlichkeit genug, wahr ſein zu laſſen, was wahr iſt — wir ſtellen es dem Urtheil eines jeden Solchen anheim, zu entſcheiden, ob Herr S. in ſeiner Erwiederung nicht ſo zu Werke gegangen iſt, daß er einige Punkte in dem Artikel des Lutheraners über— gangen, andere (wir laſſen es dahin geſtellt ſein, ob abſichtlich, oder unabſichtlich) mißverſtanden, und die übrigen entſtellt und verdreht hat, und nachdem er ſich ſo Boden verſchafft, ſeine Witze⸗ leien angebracht hat. Herr S. hat gewiß dar— auf gerechnet, daß iſeine Leſer den Lutheraner nicht zu Geſicht bekämen, ſonſt würde er ſich ſchwerlich gegen dieſelben eine ſo große Blöße gegeben haben. So weit wir. Herr S. ſagt in Beziehung auf denſelben Artikel, wir hätten drei Beſchuldigungen gegen ihn erhoben, und „auch nichteine Sylbe geſagt, um dieſelben zu erweiſen, ſondern nichts, aber auch gar nichts als die pure Beſchuldi⸗ gung hingeſtellt.“ Dies iſt nach Obigem offenbar eine Entſtel⸗ lung, denn wo bleibt Herr S. mit unſern Wor⸗ ten: Wir ſtellen es dem Urtheil eines jeden an⸗ heim, zu entſcheiden, ꝛc.? Der Sinn derſelben war — und wir meinen es bedarf nur eines mittel⸗ mäßigen Verſtandes, um denſelben zu faſſen: — Herr S. verdient die ausgeſprochenen Beſchul⸗— digungen, und dies iſt ſo klar, daß es keines weitern Beweiſes unſerer Seits bedarf, ſondern daß ein jeder (unter den obigen Beſtimmungen), gleichviel ob Freund oder Feind, nur Herrn S's. Artikel und unſern Artikel zu vergleichen braucht, um ſich davon zu überzeugen, daß die gegen Herrn S. erhobenen Beſchuldigungen völlig be⸗ gründet ſind. Heißt das „auch nicht eine Sylbe“ zum Erweiſe einer Sache ſagen, wenn man erklärt, eine Sache ſei ſo offenbar, daß ſie Jedermann ohne weitere Anleitung ſelber einſt⸗ hen werde, und daß ſelbſt Gegner ſie zugeben müßten? Herr S. hat ſich alſo wieder eine Entſtellung zu Schulden kommen laſſen. Dazu greift er aber, weil er keine gute Sache hat. Denn wollte er nicht entſtellen, ſo hätte er ſeinen Leſern ſagen müſſen, daß der Lutheraner es den Urtheil eines Jeden anheim ſtelle, zu entſchei⸗ den ꝛc. Deßhalb fordere er, Herr S., diejeni⸗ gen, denen daran liege, ſich von der Wahrheit oder Unwahrheit jener Beſchuldigungen zu über⸗ zeugen, auf, den Artikel im Lutheraner und den ſeinigen mit einander zu vergleichen, und zu ur⸗ theilen. Hätte er aber ſo gehandelt, ſo wäre er übel gefahren, ſo gewiß als wir glauben, daß noch nicht aller Verſtand und alle Ehrlichkeit aus der Welt gewichen ſind. Darum nimmt Herr S. ſeine Zuflucht zu der Entſtellung, „wir hätten auch nicht eine Sylbe geſagt um unſere Beſchuldigungen zu erweiſen“, macht aber ſo ſeine Sache nur immer ärger, indem er jetzt, eben um ſich von dem Vorwurf, namentlich der Entſtellung, zu rein⸗ gen, zu einer neuen Entſtellung greift. Wenn deßhalb Herr S. bei Strafe, daß er noch einmal auf uns zu ſprechen kommen will ꝛc. „Be w eiſe“ und zwar „bündig und klar, ohne alle Seiten⸗ ſprünge und Querzüge“ oder „Widerruf“ jener Beſchuldigungen fordert; ſo können wir dem geſtrengen Herrn nur mit der gehorſamſten Bitte erwiedern, ſich erſt ehrlich zu bezeigen, und die zweite Entſtellung, durch die er die erſte bemänteln wollte, zurückzuneymen, und ſeine Leſer auf den von uns angezeigten Beweis auf⸗ merkſam zu machen. Das muß erſt geſchehen. Sollte es ſich dann ergeben, daß der Grund der gegen Herrn S. gemachten Beſchuldigungen nicht ſo einleuchtend ſchiene, wie er uns iſt, ſo wür⸗ den wir gern zu der geringen Mühwaltung er⸗ bötig ſein, denſelben aufs klarſte und bündigſte und „ohne alle Seitenſprünge“ ins Licht zu ſetzen. Nur möchten wir freilich auch erſt wiſſen, was Herr S., falls Solches unſerer ſeits wirk⸗ lich geſchähe, zu thun gedächte? Denn er ſagt wol, was er thun will, wo wir nicht Beweis oder Widerruf leiſten, aber nicht, was er thun will, wenn wir Beweis liefern. Und bisher iſt Herrn S's. Leſern, ſo viel an ihm liegt, von Aufdeckung ſeiner Blößen unſerer Seits nichts, oder nur Witzeleien zu Gute gekommen. ö Nachdem Herr S. ſo im erſten Beſtand⸗Theil ſeines Artikels einen neuen Beweis ſeiner Un⸗ ehrlichkeit gegeben, ſo tritt uns gleich ein neuer in dem zweiten entgegen. Dieſer zweite Theil ſoll eine Entgegnung auf unſern längern Arti⸗ kel in Nro. 21 des Lutheraners ſein. Ein Anlaß zu unſerm Artikel war die in Nrb. 2 der „Freien Blätter“ aufgeſtellte Behauptung „Unſer Thomas⸗Evangelium wird in den Schrif⸗ ten der alten Kirchenväter ſo früh erwähnt, wie irgend eins der im neuen Teſtament enthaltenen, daß alſo mit Hülfe der Kirchenväter die Behaup⸗