# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S191 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) einer häßlicheren Geſtalt aufgetreten als in die⸗ ſem ſchönen Ländchen, wo ſchien Tod und Gleichgiltigkeit größer als dort! Und gerade bort hat Gottes Wort und Luthers Lehre einen nächtigen Anklang gefunden. Pfarrer Brunn in Sterden, einem Dorfe im ſchönen Lahnthale, it das Waizenkörulein, welches dort hundert— und tauſendſältige Frucht bringt. Bereits ſind in Naſſau drei neue lutheriſche Gemeinden zu Eneden, zu Anspach im Amte Uſingen und zu Gmünden im Weſterburgiſchen. Und noch ſheint die Bewegung nicht ſtille zu ſtehen, ſon- enn ſie greift weiter, ſo ſehr auch die Welt voll Ertannen iſt und ſich dagegen wehren möch— 1. — Eine gewaltige, von jüngeren Geiſtlichen msgthende Bewegung bemerken wir auch im Geßherzogthunn Heſſen. Zwar iſt es noch nict zur Bildung neuer Gemeinden gekommen, aber man ringt mit jugendlicher Kraft der Neu⸗ geturt entgegen und des HErrn gnädiger Se⸗ gen wird nicht fehlen. Man leſe nur das heſ⸗ ſſhe Kirchenblatt und ſag uns ein zweites, in nelchem mit gleich kräftigen Schlägen Helm und Aurſche des Unglaubens und unkirchlichen We— ſus belezt wird! — In dem armen zerriſſenen daden, wo die Unionsformel das Daſein einer lulberiſchen, wie einer reformirten Kirche ver⸗ neint, wo keine Eingabe mehr zur Wiederherſtel— jang der lutheriſchen Kirche angenommen wird, onütilich auch noch der Kirchenhimmel bedeckt fu. Der Erſtling — denn gewis wird er nicht der einzige ſein — Pfarrer Eichhorn zu gußloch bei Heidelberg, ein unbeſcholtener und (ccler Diener Gottes, iſt von Gottes Wort und tinen Gewißen getrieben, aus den Feßeln der knien ausgegangen und hat gewagt was noch nehr als einer wagen, ja ohne alles Gefühl u Wagniſſes mit Freuden thun ſollten. — lud wer wüßte nicht vom lieben Elſaß, Ba— dn gegenüber, wo Pfarrer Horn ing in Euaßburg, wo Pfarrer Magnus in Biſch⸗ kein, wo der liebe Sänger Weierm üller in Niderbronn Leier und Schwert führen und dit Preſſe gebrauchen, ihren Gegnern Angſt⸗ ſweiß und Geſtändnis auszupreſſen? — — Bahrich eine Heimſuchung Gottes im Nhein⸗ gllände, für die wir loben und preiſen ſollten. Eo wird aber der Nhein weder die Gränze noch dnieeinzige Heimat der neueſten lutheriſchen Be— regung ſein. Wol wird zu hoffen ſtehen, daß zuch andere Gegenden von Gottes Lob und ſei⸗ ur Kirche Segen blühen werden? Wenn an In Nordſee, wenn von den Alpen demnächſt en Freudenton der Kirche erſchallt, ſo ſollte es uns nicht wundern. Denn das iſt gewiß, keine Luche in unſern Tagen iſt ſo voll Lebensregung id Vewegung als die lutheriſche, und wenn miun ſagt, es ſei heut zu Tage nirgends mehr int Kraft zu gebären und zu ſchaffen, ſo iſt ſie uch im Himmel und kommt von dort zu der kuretenſten und geſchlagenſten Gemeine, über rie 300 Jahre lang alle Wetter giengen, zu i lutheriſchen. Von alle dem wiſſen ſo we— diht, und ſo wenig Hände heben ſich zum Him⸗ Rul auf, um ferneren Segen zu erflehen. Da il wenigſtens ein Morgenſtern der Beſſerung, — 191— möchten wir gerne zuweilen, wie bisher für die lutheriſche Kirche in Nordamerika, ſo auch für den Bau der heimatlichen Kirche in dieſen Blät⸗ tern zum Gebete ermuntern, — und weil dies Bättchen auch in Nordamerika geleſen wird, möchte es forthin nicht bloß kirchliche Mitthei— lungen aus und über Nordamerika, ſondern auch für die Freunde und Brüder in Norda— merika geben, auf daß die Einigkeit und das Band der Wahrheit und Liebe zwiſchen hier und dort feſtere Verbindung ſchließe. Der Schwerpunkt der lutheriſchen Kirche iſt noch immer in Deutſchland und, ſo viel uns fehlt, er wird am Ende doch in Deutſchland bleiben. Wenigſtens wagen wirs zu hoffen und die nord⸗ amerikaniſch-lutheriſche Kirche kann ſich des nur freuen. Denn von wannen iſt ſie? Und woher nimmt ſie auch jezt noch ihre Kräfte? Was ſie amerikaniſirt, kommt es nicht aus dem Lande, ob deſſen kirchlichen Verhältniſſen man bange Beſorgniſſe hegt? Indeſſen, wenn wir in Deutſchland und die Brüder in Nordamerika uns durch gemeinſamen Gottesſegen gegeuſeitig erfreut fühlen, es ver— bindet uns außer dem Einen Glauben, außer dem neuen Gottesſegen noch gar manches. Noch ſind wir dieſſeits und jenſeits in Anfän— gen begriffeu — Mangel und Elend hier und dort treibt uns hier und dort zu einträchtigem Gebet. Als einmal Paſtor Forſtmann einen Kranken fragte, was ihn mit ſeinen Freunden ſo innig verbinde, antwortete er: „Das gemein— ſame Elend.“ So iſt es in der That auch bei uns, den Lutheranern Nordamerikas und Deut⸗ ſchlands. Wir haben für einander viel zu be— ten und zu arbeiten. Wie viele Gegenden Nordamerikas, Centralamerikas, Südamerikas könnten lutheriſche Hilfe brauchen und können ſie von wegen der Armuth an Arbeitern und al⸗ lem Nöthigen nicht haben. Von Oregon und Californien nicht zu reden, auf welche beide mehr als eine Hand zu zeigen pflegt, wenn von geiſtlichem Elend und Hilfsbedürftigkeit die Rede iſt. Und dieſſtits! Wie verlaßen ſind hunderte von Deutſchen, von Lutheranern in Frankreich, in großen Städten und Gegenden, für welche das geiſtliche Directorium der lutheriſchen Kir— che Frankreichs, das zu Straßburg ſizt, kein Herz zu haben ſcheint! Und Oeſterreich, Sie— benbürgen, Oberſchleſien, Ungarn! Was gilt dort für lutheriſch! Was weiß man dort von Union zu einer Zeit, wo der Satan gerne wie— der einmal vereinigen möchte, was getrennt auf friedlicherer Bahn geht, was vereinigt ſich ſchwer trennt und dann doch getrennt werden muß! Ach und Italien und Rom, wo viel edles lu⸗ theriſches Leben unter den Streichen der Jeſui-— ten erliegt, die alle Fehler der Landeskirchen, alle Thorheit der Union kennen und auszubeu⸗ ten wißen, — wo kein Menſch iſt, an den man angefochtene, wankende Lutheraner zur Klärung nud Stärkung weiſen könnte! Da helfe Gott! Und wenn wir fortan von Gottes Gnade in der alten Welt zwiſchenein in die amerikaniſchen Mittheilungen erzählen möch⸗ ten; ſo möchten wir auch von den Röthen des alten Euopa erzählen. In dieſem Sinne möchten wir aufhören einſeitig zu ſein — und vielſeitiger werden, um mehr Liebe und Luſt unter den Brüdern aufzuwecken und zur Einig⸗ keit aller Lutheraner in der Welt das unſrige, ſo wenig es auch ſein wird, beizutragen. So helf uns Gott zum neuen und zum alten, zum Schreiben von Amerika für Deutſche und von Deutſchland für Amerika. Sein gnädiger Segen ſei mit allem unſern Thun! Amen. EIEE (Eingeſandt.) An eine unglänbige Seele. 1. Du zieheſt aus, die Wahrheit zu erringen; Denn Dich verlangt nach ihrer ſel'gen Schönt. O d.ß ſie ſeibſt Dein ernſtes Suchen kröne! Doch wirſt Du nicht zum hohen Ziele dringen Auf Deinem Wege; — laß mich's offen ſingen! — Ich bin ein Chriſt; ob mich Dein Herz verhöhne, Daß ich nicht auch der großen Menze fröhne? — Ich weiß es nicht. Auf, heben wir die Schwingen! Doch wer mit Ernſt die Wahrhtit will erjagen, Beſtimmit ihr nicht im Voraus Ort und Grenze: Er grüßt ſie jauchzend, ohne nur zu ſragen, In weicher Form ſie izm entgegenglänze, Drum, daß Dein Flug die Wahrheit nicht verfebler Eutwirfenicht ſelbſt zuvor ihr Bild, o Seele! 2. Es prangt wohl ſchön in ihren Büthenhallen Natur und uns erireut ihr friſches Leben; Doch iſt ſie nur Geſchöpf; und hözer ſchweben Mußt Du, um hin zum ew'gen Licht zu wallen. Unſterbliche! ach wolltſt ſo tief Du fallen, Und ewig nur am bloßen Stoffe kleben? — Es will Natur uns über ſich erheben; O bör ihr tauſendſtimm'ges Lied erſchallen, Und folge ihrem treuen Ruft weiter. So ahnſt Du, daß ein Get: im Himmel thronet. Dann ſuche einen anderen Begleiter, Um den zu finden, der im Lichte wohnet, Nimm Gottes Wort, die ſich're Himmelsleiter, Damit Dein Suchen ſel'ges Finden lohnet. DTTTPTT (Eingeſandt.) L Scit in vielen Gemeinden Deutſchlands und Nordamerikas der urſprüngliche rhythmiſche Kirchengeſang wieder eingeführt iſt, wurde von mehreren Seiten her der Wunſch laut, daß die Glieder jener Gemeinden hieſigen Landes zur Unterſtützung beim Geſang in Kirche und Haus, ein Melodien-Büchlein in den Händen haben möchten. Im Namen des Herrn machte ſich daher Herr Lithograph Gaſt an die Arbeit und ſparte weder Mühe noch Koſten, um dieſem Wunſche nach— zukommen und den Chriſten deutſcher Zunge in Nordamerika ein ſolches Büchlein liefern zu kön— nen. In ſpäteſtens drei Wochen wird nun daſſelbe in gefälligem Format und ſo hübſcher äußerer Ausſtattung, als für den billigen Preis von 25 Cts. möglich, unter dem Titel „Melodien deut— ſcher Kirchengeſänge in ihren urſprünglichen Tönen und Rhythmen nach Layritz“ in der Ex⸗ pedition des „Lutheraner“ zu haben ſein. St. Lonis, 19. Juli 1851. J. K.