# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S189 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) detlöteſt, ſo haſt du Chriſtum verloren. Wenn bet der dahin iſt, ſo wird dir freilich der Liebe Kinigkrit nichts nütze ſein. Dagegen wenn du die Einigkeit des Geiſtes und Chriſtum erhälteſt, ſchadet dirs nicht, ob du Ileich mit denen nicht eines biſt, ſo das Wort vdetkehren und fälſchen, und dadurch die Einig— kit des Geiſtes zertrennen. Darum will ich liebe, daß nicht allein ſie, ſondern auch die ganze Welt von mir abfalle, und meine Feinde werden, denn daß ich von Chriſto abfallen und ihn zum Feinde haben ſollte; welches aber denn geſchähe, wenn ich ſein klar öffentlich Wort fah— nn ließe, und hinge ihren loſen Träumen an, dadurch ſie die Worte Chriſti auf ihre Meinung nvingen wollen. Miriſtdereinige Chri⸗ ſus viel größer und mehr, denn un⸗ zäblig viel Einigkeiten der Liebe. Mit denen aber, ſo Chriſtum lieben und ſein Pott recht lehren und gläuben, erbieten wir uns, daß wir nicht allein wollen Friede und Einigkeit halten, ſondern wollen auch herzlich gern leiden und tragen alle ihre Schwachheit und Sünde; wollen ſie gern mit ſanftmüthigem Geiſt unter⸗ vtiſen, wenn ſie gefallen ſind; wie St. Paulus nicht allein hier lehret, ſondern auch mit der That beweiſet. Denn er hat den Galatern ihre Echwachheit zu gute gehalten, da ſie ſo greulich gjallen ſind; item, andern Gemeinden mehr, ſo die falſchen Apoſtel verkehret haben, da ſie ſch von Herzen und mit Ernſt bekehrten und beſ⸗ ſttn. Alſo hat er auch den Blutſchänder wie— der aufgenommen, 2 Cor. 2. 5. ſag. Item den Kuecht Oneſimon, welchen er zu Rom im Ge— fingniß zum Glauben bekehrete, hat er mit ſei⸗ nem Herrn wiederum verſöhnet, dem er entlau— ſen war, Philem. v. 10. ſag. Hat alſo eben das, ſo er hie und anderswo lehret, durch ſein ſelbſt Erempel fein bewieſen, wie man denen wirder aufhelfen ſoll, ſo da gefallen ſind.: doch die ſolche ſind, ſo ihnen rathen laſſen, das iſt, die ihren Irrthum, Sünde und Fall von Her— zn erkennen, und ſich wiederum beſſern; da— gezen aber hat er aufs allergeſchwindeſte gefah⸗ un mit den falſchen Apoſteln, ſo verſtockk waren, und ihre Lehre, als wäre ſie nicht irrig, ſon⸗ demn rechtſchaffen vertheidigen wollten: „Wollte Gott, ſagt er cap. 5, 12., daß ſie auch ausge⸗ dottet würden, die euch verſtören!“ Item v. 10: Wer euch aber irre machet, der wird ſein Ur⸗ tbeil tragen, er ſei wer er wolle.“ Item cap. 1, 8: „So auch wir oder ein Engel vom Him- uel herab u. ſ. w. der ſei verflucht.“ Und iſt kein Zweifel daran, es werden viel geweſen ſein, die die falſchen Apoſtel wider St. paulum vertheidiget und geſagt haben: Sie hänen gleich ſowohl den Geiſt, und wären Chri— fi Diener, die das Evangelium lehreten, als St. Paulus. Ob ſie nun gleich mit ihm in al— Un Artikeln der Lehre nicht übereinſtimmeten, ſollte er darum wider ſie ein ſolch Urtheil nicht hrchen; ſintemal er dadurch, daß er ſo ſteif tin wollte, anders nichts ausrichtete, denn daß er die chriſtliche Gemeinde nur irre machte, und ihre ftine Einigkeit zertrennete u. ſ. w. Er läßt ſich aber ſolche ſchöne Worte gar nichts ö —189— anfechten, ſondern gehet frei hindurch, verdam⸗ met und verflucht die falſchen Apoſtel, nennet ſie ohne allen Scheu Verſtörer der Gemeinden und Verkehrer des Evangelii Chriſti; erhebt dagegen ſeine Lehre ſo hoch, und will, daß ihr alles ſoll weichen und Platz geben, es ſei Einig⸗ keit der Liebe, Apoſtel, Engel vom Himmel, oder was endlich ſein möge u. ſ. w. Darum mögen die, ſo da wollen treue Seel⸗ ſorger ſein, aus dieſer Lehre St. Pauli mit Fleiß lernen, wie ſie mit denen umgehen ſollen, ſo da gefallen ſind. Lieben Brüder, ſaget er, ſo ein Menſch übereilet wird, verbittert noch betrübet ihn nicht weiter, verwerfet oder verdammet ihn nicht; ſondern helfet ihm zur Beſſerung, er⸗ quicket oder unterweiſet ihn, (denn alſo hält das griechiſche Wort,) und was der Teufel durch ſeine Liſt und Schwachheit des Fleiſches in ihm verderbt hat, das bringt wiederum zur Beſſer⸗ ung durch eure Sanftmüthigkeit. Denn das Reich, darin ihr berufen ſeid, iſt nicht ein Reich, darinnen man die Gewiſſen ſchrecken und mar⸗ tern, ſondern ſie zurecht bringen und tröſten ſoll. Derhalben wo ihr etwa einen Bruder ſehet, der erſchrocken iſt um ſeiner Sünde willen, ſo er ge⸗ than hat, da laufet flugs zu, reichet ihm die Hand, daß er von ſeinem Fall wiederum auf— ſtehe, tröſtet ihn mit ſüßen, lieblichen Worten, nehmet ihn mit mütterlichem Herzen auf. Dieſe Hartſinnigen und Verſtockten aber, ſo ohne Furcht in aller Sicherheit in Sünden beharren und fortfahren, die ſcheltet und ſtrafet hart; wieder— um aber, die, ſo etwa von einem Fehl übereilet werden, denen ihr Fall leid iſt, und drüber in Traurigkeit kommen, denen ſollt ihr, die ihr geiſtlich ſeid, aufhelfen, und ſie unterweiſen, und ſolches mit ſanftmüthigem Geiſt. Nicht mit großer Schärfe und Strenge; wie weiland etliche Beichtväter zu thun pflegten, welche alſo geſchickt waren, wenn ſie die betrübten ſchwachen Herzen mit einem ſüßen, lieblichen Troſtſpruch laben und erquicken ſollten, gaben ſie ihnen an— ders nichts, denn eitel Eſſig und Gallen zu trinken, wie die Jüden Chriſto am Kreuz tha⸗ ten. Daraus denn genugſam zu verſte⸗ hen, daß die Vergebung der Sün⸗ den nicht gelten ſoll, wenn man in der Lehre irret, oder wider die erſte Tafel ſündiget, und will es noch dazu für Recht erſtreiten, wie die Sa⸗ cramentirer fürgeben; ſondern wenn es einer verſiehet, fället in eine Sünde, und iſt ihm doch leid u. ſ. w. da ſoll einer den andern nicht ver— dammen, noch mit großem Zorn und Grimm ſchelten; wie der Prophet Ezechiel von den Hir— ten Israels ſaget (cap. 34, 4.), daß ſie ſtrenge und hart über die Heerde Gottes geherrſcht ha— ben; ſondern wenn etwa ein Bruder gefallen iſt, ſoll ihn ſein Seelſorger oder ein anderer Bruder mit ſanftmüthigem Geiſt tröſten. Da ſoll denn, der gefallen iſt, ihm ſagen laſſen, dem gläuben, das ihm aus Gottes Wort geſaget wird, und es annehmen als Gottes Troſt. Denn es will ja Chriſtus nicht, daß man die, ſo zer⸗ brochenen Herzens ſind, wegwerfen, ſondern 4 ihnen aufhelfen ſoll, wie der 146. Pſalm v. 8 ſaget: Sie koſten ihn zu viel, nehmlich ſtin Le⸗ ben und Blut, darum ſollen auch wir ſolche mit Sanftmuth aufnehmen, ihnen helfen und ſie heilen. Derhalben ſagen wir die Vergebung nicht ab, weder den Sacramentirern, noch an⸗ dern gottloſen Rotten; ſondern von Herzen gern wollen wir ihnen verzeihen, was ſie wider Chri⸗ ſtum geläſtert haben, wollen auch alles deß, ſo ſie uns mit Gewalt und Unrecht aufgelegt ha⸗ ben, gerne vergeſſen; doch mit der Bedingung, daß ſie Buße thun, laſſen ab von ihrer gottlo⸗ ſen Lehre, damit ſie die chriſtlichen Gemeinden verwirrt haben, und wandeln hinfort auf rich⸗ tiger Bahn. Wo ſie aber in ihrem Irrthum beharren, iſt es umſonſt, daß ſie von uns bitten, daß wir ihnen vergeben und zu gute halten ſol⸗ len. Alſo laſſen wir uns kurzum die⸗ ſen Handelnicht ſogeringe machen; denn dem er angehöret, iſt ein gro⸗ ßer Herr. Einmal iſt er wohl klein geweſen, nehmlich, da er in der Krip⸗ penlagzaberwie geringeer dazumal immerwar, warergleichwohlſo groß und herrlich, daß ihn die Engelan⸗ beten, und einen Herrn über alle Herren rühmen und bekennen muß⸗ ten. Darum können noch wollen wir es nicht leiden, daß ſein Wort in einem einigen Artikel verletzet oder verrücket werden ſoll. Denn in den Artikeln des Glaubens ſoll uns nichts gerin— ge und klein dünken, daran wir etwas begeben oder nachlaſſen ſollen oder können. Die Vergebung der Sünden gehört für die, ſo im Glauben und Leben ſchwach und gebrech— lich ſind, und doch ihre Sünden erkennen und Vergebung bitten: für die aber, ſo die Lehre verkehren, gehöret ſie nicht; denn ſie erkennen ihre Sünde nicht, ſondern mit aller Gewalt ver⸗ theidigen ſie ſie, als wären es nicht Sünden,‚ ſondern die lautere göttliche Wahrheit und Ge— rechtigkeit, und machen dadurch, wenn man ih⸗ nen nicht widerſtehet, daß wir die rechte Verge⸗ bung der Sünden verlieren; denn das Wort, ſo uns Vergebung der Sünden verkündiget und bringet, das verkehren und fälſchen ſie. Dar⸗ um, iſt es ihnen ein Ernſt mit ihrer Einigkeit, ſo werden ſie aufs erſte mit uns in Chriſto ei⸗ nes, das iſt, ſie erkennen ihre Sünde, und ſte— hen von ihrem Irrthum ab, ſo ſoll es am ſanft⸗ müthigenGeiſt auf unſerer Seite gewiß nicht feh⸗ len. Fehlet es aber, ſo mögen ſie denn billig über uns klagen. Und wer die Worte des Apoſtels mit Fleiß anſiehet und ihnen nachdenket, der ſieht klärlich, daß er nicht von Ketzerei oder Sünden wider die Lehre redet, ſondern von viel geringern und leichten Sünden, darin der Menſch fället, nicht aus vorſetzlicher Bosheit, ſondern aus Schwach⸗ heit.“ (Opp. Hal. VIII. 2781. ff.)