# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 10_S188 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) weiter eine Veränderung des äußerlichen Weſens. Denn wo das Herz durch ein neues Licht einen neuen Verſtand und neue Sinne gewinnt, da fehlt es nimmermehr, es werden auch die äußer⸗ lichen Sinne, Weſen und Wandel verändert. Das iſt denn eine Veränderung, die nicht in Worten, ſondern im Werk und in der Kraft beſicht (Fortſetzung folgt.) m Wer trägt die Schuld, daß die proteſtan⸗ tiſche Kirche ſo zertrennt iſt? Auf dieſe Frage hat Luther bereits die Ant⸗ wort gegeben; außer anderen Stellen, die bereits mitgetheilt worden, in ſeiner Auslegung des Briefes St. Pauli an die Galater. Daſelbſt ſchreibt er erſtlich über die Worte: Laſſet uns nicht eitler Ehre geizig ſein, unter einander zu entrüſten und zu haſ⸗ ſen.“ (5, 26.) Folgendes: „Da zeiget er (Paulus) an, was aus dem Ehrgeizendlich zu folgen pflege. Wer etwas Neues hervorbringen und Irrthum lehren will, der kann es nicht umgehen, er muß andere en t⸗ rüſten. Denn wenn dieſelben ſeine irrige Leh⸗ re nicht allein nicht annehmen, ſondern als Irr⸗ thum verdammen, wird er drüber zornig, und will es für Recht vertheid igen. Das leiden die andern nicht; da hebt ſich's denn . . Da wir den Schwärmergeiſtern, die das Abendmahl Chriſti anfechten, nicht weichen und ihre verführiſche Irrthümer nicht billigen wollten, ging es uns auch alſo. Wir haben, Gott Lob! den Vortheil, daß wir ſie nicht zum er⸗ ſten entrüſtet haben; denn wir haben keine falſche Lehre in der Welt ausgebreitet, ſon⸗ dern die Mißbräuche in der Chriſtenheit geſtra⸗ fet und den Artikel, welcher lehret, wie man vor Gott gerecht muß werden, treulich gepflanzet, ſind alſo auf der rechten Bahn geblieben. Dieſen Artikel haben jene „(Zwingli und ſeinesgleichen) „fahren laſſen und viel gottloſes Dinges geleh⸗ ret, das Gottes Wort ſtracks entgegen iſt: von den Saeramenten, von der Erbſünde, von der mündlichen Predigt )ꝛc. Sollte nun da die *) Wie unbibliſch unter Anderen Zwingli von den S a⸗ cramenten gelehrt habe, iſt bekannt. Er ging hier ſo weit, daß ſelbſt Calvin im September des Jahres 1542 von Zwingli an Viretus ſchreibt: „Vielleicht hat er (Zwing⸗ li) gegen Endt ſeines Lebens die Sache wieder vorgenom⸗ men und das Verſehene wieder gut gemacht. Aber was die erſten Schriften betrifft, ſo erinnere ich mich, wie gemein und ungöttlich (profana) ſeine Lehre von den Sacramenten ſel.“ Leider aber konnte Calvin wohl wiſſen, daß Zwingli ſeine rationaliſtiſche Lehre von den Sacramenten nie wieder⸗ rufen, ſondern dieſelbe nur, nach erhaltener vielfacher Er⸗ mahnung, immer ärgerlicher vorgetragen hatte. Hatte er doch kurz vor ſeinem Tode noch ſolgendes Bekenntniß gethan b „Ich wünſchte ſehr, daß das Wort „ Sacrament“ nie von den Deutſchen angenommen worden wäre, außer wenn man es in ſeinem urſprünglichen ächten Sinne genommen kätte. Denn wenn die Leute das Wort „Sacrament“ bören, ſo verſtehen ſie gleich etwas Großes und Heiliges darunter, was durch ſeint Kraft das Gewiſſen von den Sünden befreie.“ (De vera et falsa rel. P. II. Opp. p. 197.) Es war alſo Zwingli ſchon zuwider, daß der Name „Sacrament“ die Leute allerviigs auf die Gedanken bringt, Taufe und Abendmahl müſſe wohl etwas weget hat, denn Ehrgeiz. 188— Weahrheit des Evangelii erhalten und nicht ver⸗ loren werden, haben wir ihnen widerſtehen und ihre ſchädlichen Irrthümer verdammen müſſen; da haben ſie ſich wider uns geſetzt und ihren Irrthum für Wahrheit erhalten wollen, wie al— ler Rottengeiſter Art iſt; haben uns alſo ohne unſere Schuld am erſten entrüſtet; ſind uns da⸗ zu bitterfeind worden, dazu ſie doch nichts be— Denn darum war es ihnen zu thun, daß ſie uns allerdings unter⸗ drückten und ſie allein oben ſchweben möchten.“ Gal. 6, 1:„Lieben Brüder, ſo ein Menſch etwa von einem Fehl über⸗ eilet würde, ſo unterweiſet ihn mit ſanftmüthigem Geiſt, die ihr geiſt⸗ lich ſeid.“ „Die Sacramentirer wenden dieſen Spruch für, wollen daraus ſchließen, daß wir den Brü⸗ dern, ſo gebrechlich ſind, etwas zu Gute hal— ten ſollen, mit ihnen Geduld haben, und ob ſie gleich etwa in der Lehre geirret hätten, ſolchen Irrthum hingehen laſſen um der Liebe willen, welche alles gläubet, alles hoffet, alles zu gute hält. Sonderlich weil St. Paulus allhier mit klaren, hellen Worten lehret, daß die Geiſtlichen die, ſo von einem Fehl übereilet werden, mit ſanftmüthigem Geiſt unterweiſen ſollen. Geben weiter für, die Sache ſei nicht ſo groß, daß man um des einigen Artikels willen vom Sacrament die Chriſtliche Einigkeit zertrennen ſollte, weil die Chriſtenheit kein feiner nützlicher Ding ha— be, denn ſolche Einigkeit u. ſ. w. Machen alſo ein groß Geplerre, wie man gerne die Sünden vergeben ſoll, denen, ſo gefallen ſind, aufhelfen u. ſ. w. Weil wir ſolches nicht thun, geben ſie uns ſchuld, wir ſein gar zu eigenſinnig, die ih— nen nicht ein Haar breit weichen, ihren Irr⸗ thum nicht zu gute halten, (den ſie doch nicht bekennen) viel weniger aber ſie mit ſanftmüthi⸗ gem Geiſt unterweiſen wollen u. ſ. w. Alſo wiſſen ſie ihre Sachen bei den Leuten fein zu färben und ſchmücken, und uns allen Unglimpf in Buſen zu ſchieben. Nun weiß aber mein HErr CHriſtus ja wohl, daß mir viel Jahre her kein Ding ſo wehe gethan hat, als dieſe Uneinigkeit in der Lehre, welcher Uneinigkeit ich doch je keine Urſache und Anhe⸗ ber bin, wie die Rottengeiſter ſelbſt wohl wiſſen, wenn ſie die rechte Wahrheit bekennen wollen. „Großes und Heiliges“ ſein! Kann der feindſeligſte und irreligibſeſte Rationaliſt hiernach verächtlicher und profaner von den Sacramenten ſchreiben, als Zwingli kurz vor ſei⸗ nem Tode geſchrieben hat? — Von den anderen von Luther oben namhaft gemachten Puncten ſchreibt Zwingli übrigens nicht beſſer und chriſtlicher. Von der Er bſünde nehm⸗ lich ſchreibt er in ſeiner Augsburgiſchen Confeſſion: „Wir mögen wollen oder nicht, wir müſſen zugeben, daß die Erb⸗ ſünde, wie ſie in den Kindern Adams iſt, keine eigent⸗ liche Sünde ſei . . ſie iſt eigentlich nur eine Krank⸗ heit“. Vom mündlichen und ſichtbaren Wor⸗ te aber ſchreibt er ebendaſelbſt: „Der heilige Geiſt braucht keinen Führer noch Wagen... Wir ſehen, daß bei allen Völkern die äußerliche Predigt der Apo⸗ ſtel und Evangeliſten oder Biſchöfe dem Glauben vorherge⸗ gangen iſt, den wir doch dem heiligen Geiſte al⸗ lein zu dankenhaben; denn wir ſehen, leider! nicht wenige, welche die äußerliche Predigt des Evangeliums zwar hören, aber nicht glauben, weil ſich ein Mangel am Geiſt ereignet.“ ‚ Denn ich gläube und lehre ja auf dieſen heutigen Tag nichts anders, denn ebendaſſelbe, ſo ich ge⸗ gläubet und gelehret habe, da ich dieſe Sachen angefangen habe. Denn, wie ich erſtlich von dem Artikel der Chriſtlichen Gerechtigkeit, von den Sacramenten, und allen andern Artikeln unſres heiligen Chriſtlichen Glaubens gelehret habe, dabei bleibe ich noch heutiges Tages; ohne allein, daß ich von GOttes Gnaden ihrer jetz⸗ und gewiſſer bin, denn ich im Anfang war. Das macht mein täglich Studiren, Uebung und Er⸗ fahrung, darüber auch viel große, ſchwere und vielfältige Anfechtungen, und bitte meinen HErrn Chriſtum alle Tage, daß er mich im ſolchem Glauben und Bekenntniß gnädiglich erhalten und ſtärken wolle bis auf den Tag ſeiner herr⸗ lichen Zukunft, Amen. Darüber weiß freilich ganz Deutſchland wohl, daß das Evangelium anfänglich von nie⸗ mand angefochten ward, denn von den Papiſten allein. Die aber, ſo die Lehre des Cvangeliidazumalannahmen, wa⸗ ren der Sacheneins über allen Ar⸗ tikehn; und blieb auch ſolche Einigkeit ſo lar⸗ ge, bis die Rotten mit ihren neuen Grillen und Opinion ſich herfür thaten, nicht allein von den Sacramenten, ſondern auch von andern Artikeln. Die haben aufs erſte die Chriſtlichen Gemein⸗ den verwirret und ihre Einigkeit zertrennet; ſint der Zeit ſind der Rotten je länger je mehr worden. Denn wenn ein Irrthum entſtehet, folgen immer andere, bis man gar von der Wahr⸗ beit kommt. Daraus denn gefolget, daß dit Einigkeit der Herzen über den Artikeln des Glau⸗ bens zertrennet iſt; will ein jeder daraus ma⸗ chen, was ihn gut und recht deucht. Darum thun ſie uns große Gewalt und Unrecht, daß ſie uns ſchuld geben, daß wir die Chriſiliche Einign keit zertrennet haben ſollten. Es thut ſehr wehe, wenn ein Unſchuldiger die Strafe leiden ſoll, ſonderlich in einer ſo großen, hohen Sache. Doch könnten wir dies alles leichtlich vergeſ— ſen, ſie wiederum aufnehmen, und mit ſanft⸗ müthigem Geiſt unterweiſen, wenn ſie nur auf die rechte Bahn kehreten, und mit uns ordent⸗ lich wandelten, das iſt, wenn ſie vom Abendmahl' des Herrn, und andern Artikeln der Chriſtlichen Lehre recht und Chriſtlich halten und lehren woll⸗ ten, und predigten mit uns einmüthig nicht ihre eignen Grillen und Träume, ſondern Chri⸗ ſtum; auf daß alſo der Sohn Gottes durch uns, und der Vater durch ihn gepreiſet werden möch⸗ te. Nun aber mutzen ſie allein die Liebe und Chriſtliche Einigkeit auf, die man nicht zertren⸗ nen ſoll; machen dagegen den Artikel vom Sa⸗ crament geringe; als wäre wenig daran gelegen, wir hielten vom Abendmahl des Herrn, wit wir wollten. Das können wir nicht leiden; ſon⸗ dern, ſo ſehr ſie auf die Einigkeit des Lebens dringen, ſo ſehr drin⸗ gen wir auf die Einigkeit der Lehrt und des Glaubens. Wenn ſie uns die⸗ ſelbe unverletzt bleiben laſſen, wollen wir denn! die Einigkeit der Liebe ja ſo hoch preiſen, als! ſie; doch allzeit ohne Schaden der Einigkeit des Glaubens und Geiſtes. Denn wenn du dits