# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 22_S183 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) laſſung nahm und nach Hauſe zurückkehrte. Dem berrn allein iſt bekannt, welche weitere Folgen zas Ganze haben werde. Br. Mylius, mit dem ich ein Herz und eine Seele war, iſt ein treuer, demüthiger und aufricht ger Knecht des HErrn. Sein Abgang ſchmerzt mich beſonders tief. Er ſt jetzt auf dem Wege nach Hauſe. Möge ihn der HErr dort noch recht lange zum reichen Se— gen ſetzen. (Nebenbei bemerke ich, daß Br. My⸗ lius den von uns vor zwei Jahren an Euch Brüder in Nordamerika geſchriebenen Brief ab⸗ gefaßt habe.) — Obſchon die Umſtände ſo wenig ernuthigend ſind, hat uns doch der Herr gezeigt daß wir unſere Hoffnung nicht ſollen ſinken laſen, indem Er uns auch in Tritſchinopoli eine Thür aufgethan hat. Dort haben ſich nämlich ltzten Monat September mehrere Familien von der engliſchen Kirche getrennt und an uns ange— ſhloſſen. So macht der HErr Weg und Bahn und gibt Seiner Kirche eine Stätte nach der an⸗ dern zu Seinem Preiſe. — Gegenwärtig ſind alo folgende Arbeiter hier: 1. in Trankebar dis Brüder Cordes und Appelt; 2. in Poreiar ich: 3. in Majaweram Br. Ochs; 4. in Madras r. Kremmen; 5. für Tritſchinopoli und Pudu-— ketla iſt Br. Wolff beſtimmt, wohnt aber noch in Trankebar. — Seit meiner Wiederankunft hier iu März 1845 bis jetzt ſind hier in Trankebar und Poreiar in unſern zwei Kirchen 566 Perſo⸗— nen aus den Heiden durch die heilige Taufe zur 4Gemeinde des HErrn hinzugethan worden. Da von taufte ich 336; Br. Mylius 178; Br. Cor⸗ des 41; der ſelige Bruder Schmeißer 7; Br Volff 2; Br. Appelt 1; und Br. Kremmer 1. Wie viele in Maſaweram, Madras und Pudu lotta getauft wurden, weiß ich nicht genau. Es nögen indeß auch etwa 150 Perſonen ſein. Die ſnd nun allerdings meiſtens von den Geringſten in dieſer Welt; die Armen und Elenden; Kran⸗ ke, Lahnte, Blinde und Aus ätzige; wie ſie eben getroffen werden an des Landſtraßen und an den Zännen; die Hilfsbedürftigen, die in ihr— en Blute liegen und den Helfer nicht verſchmä— zen. Dieſer achtet die Welt nicht; um ſo mehr achtet ſie der HErr und ſetzt ſie zur Zierde in Seinem Heiligthume. Wie es ſonſt hier in Indien ausſehe, bedarſ ih Dir nicht gerade zu ſagen. Es iſt hier wie aler Orten in der Welt, wo der HErr gegen Seine Feinde zu Felde liegt. Das Heidenthum ier iſt abgelebt und hat keine poſitive Kraft um Widerſtande; deſtomehr aber negatide. das Volk verehrt faſt durchgängig nur einen Gott, und das iſt ihr Bauch; was dieſem be— lebt, ſuchen ſie mit aller Macht; was dieſem uwider iſt, vermeiden ſie auf jegliche Weiſe. Der Predigt des Wortes hören ſie gewöhnlich En, und erkennen die Wahrheit des Geſagten auch mit dem Munde an; bleiben aber nach »vor. Das iſt ein herzzerreißender Jam⸗ ner! — Dazu kommt denn das Miſſionsge⸗ eibe aller möglichen Secten; das unausſteh⸗ e Geſchreibſel in ihren Zeitungen und Blät⸗ tun; das fortwährende Erperimentiren u. dgl., durch ſie die Theilnahme ſuchen rege zu er⸗ hilen, und wodurch ſie im Grunde doch nur — 183 — ſich und andere täuſchen. Im Selbſtrühmen übertreffen die Schotten von der ſogenannten Freikirche alle Parteien, und ihr nun nach Hauſe genangener Dr. Duff ſpricht mit einer Anmaß⸗ ung über andere, beſonvers ältere treue Knechte Gottes, die in Erſtaunen ſetzt. Vor 2 Jahren kam er auf ſeinen Reiſen auch hieher und hielt ſich einen Tag hier auf. Ich kann nicht ſagen, ob er auch nur einen unſerer Chriſten geſehen oder geſprochen habe, zumal er von der Landes⸗ ſprache ja nichts verſteht. Dennoch als er bald ntachher in Calkutta einen ſehr reiſigen Vortrag hielt, ſigte er unter andern: Um Tranlebar herum ſeien 2000 eingeborne Chriſten; aber geiſtliches Leben ſei nicht unter ihnen zu finden. Möchte doch dieſer Mann leſen, was der HErr Matthäi 7, 1 — 5. geſagt hat! — Gemeſſen und klug iſt der Gang der Hochkirche, die den größten Vortheil von dem Gewirre der Serten hat, indem ſie einſammelt, was die übrigen äen. Wir ſind den Hochkirchlichen ein Dern im Auge, weil ſie gar wohl erkennen, daß ſie es zier mit einem Gegner zu thun haben, den ſie nicht gewachſen ſind. Wir müſſen daher nun curch gar viele böſe Gerüchte gehen, und müſſen gar nicht ſelten hören, daß man uns unſre Ge— mneindeglieder durch Geld, andere Verſprechun— gen und Verdächtigungen abwendig zu machen ſucht. So lange wir indeß treu bleiben im Be— kenntniſſe der Wahrheit, werden ſie ihre Ab ſicht nicht erreichen. Ihr in Nordamerika habt es beſonders mit nethodiſtiſchen, unirten und dergleichen Unwe— en ſo wie auch mit falſchen Brüdern zu thun. Herrn Steiner aus Langenzenn kenne ich wohl. Vor etwa drei Jahren be— kam ich ein Circularſchreiben des Dr. Varth in Calw an die Basler Miſſionare in Indien in die Hände, in welchem folgende Mittheilung ſtand: „Steiner iſt, um ſeine gebildete Braut heirathen zu können, in Amerika zur reformirten Kirche übergetreten.“ Der arme Steiner! dachte ich, und ſchrieb deswegen an Herrn Pfarrer Loſchge in Langenzenn. Dieſer meinte, das dürfte ein grundloſes Gerüchte ſein. Allein Dr. Barth muß die Sache doch beſſer wiſſen. — Dumſer, dein eigner Rival, iſt ja, glaube ich, auch aus Bayern, aus Mkt. Steft. Das ſind wunderliebe Leute, die dich hinter dem Rücken mit der Zunge todtſchlagen, und dann doch ver— langen, Du ſollſt ihr guter Freund ſein. — Du haſt doch wohl auch vor einigen Jahren in Herrn Pfarrer Löhe's Nordamerikaniſchen Nach⸗ richten einen Brief aus Indien an Dr. Barih und die Beleuchtungen dazu von Herrn Pfarrer Löhe geleſen. Selbigen hat Herr Mſſionar Lechler geſchrieben, auch ein Zögling aus der Basler Anſtalt. Dieſer gute Freund heuchelte unſern Bruder Ochs auch unter die Augen, während er in ſolcher Weiſe ſchrieb. Laſſen wir ſie indeß machen, da es ihnen einmal ſo beliebt; ſie werden weder vor Gott noch Menſchen Segen und Lob damit einerndten! — Die Stellung, welche Grabau und ſeine Anhänger gegen Euch einnehmen, iſt betrübend, da es keinem Zweifel unterliegt, daß unter jenen Gemeinden viel kirch⸗ — licher Kern und Bekenntnißtreue zu finden ſel. Ich bin ſelbſt eine kleine Zeit in Preußen gewe⸗ ſen, habe meine amtliche Wirkſamkeit unter un⸗ ſern lutheriſchen Brürern dort begonnen, und babe ihren Kampf kennen gelernt. Es ſind treue Bekenner; obſchon ſich nicht leugnen läßt, daß die von den Unirten erlittene Verfolgung, und die erfahrne vielfache Verkennung von de— nen, die mit ihnen auf gleickem Bekenntniß⸗ grunde ruhten, manche Ecken in ihre Anſichten brachten und nicht wenig Mißtrauen erzeugten. In Deutſchland gleicht ſich das nun mehr aus; diejenigen der Ausgewanderten dagegen, die außer ſich keine lutheriſche Kirche mehr anerken⸗ nen wollen, verfaͤhren ſich tiefer, um ſo mehr, wenn ſich ihre Paſtoren einmal in den Kopf ge⸗ etzt haben, in ihnen, und zwar nur in ihnen, ſei die Kirche perſeniſieirt. Ich glaube auch, daß es ſchwer halten dürfte, bevor Ihr Euch mit Grebau einigen könntet; doch will ich noch nicht daran verzagen. Die potitiſchen und kirchlichen Wirren, in welche unſer liebes Vaterland jetzt verwickelt iſt, führen wol in dieſer Zeit eine nicht geringe Zahl Deutſcher nach Amerika. Wie viel aber die Kirche daber gewinnt, werdet Ihr am Beßten erkernen. Die Sucht nach Freiheit, Ungebun— denheit und Zügelloſigkeit, das Einſtimmen in das Geſchrei jenmer, die da ſagen: Laßt uns zer⸗ reißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile! iſt es ja, was ſo Viele unſtät und flüch— tig macht, und ſie von einem Lande ins andere jagt. Die Kirche gewinnt gewiß durch ſie nicht viel an Umfang, noch weniger an innerer Kraft, obſchon auch aus ihnen noch ſo Mancher nach langem Heſchen und Jagen hinter einem eitlen Fantome endlich die Freiheit in dem Herrn fin⸗ den mag. Es muß Alles der Kirche des HErrn und Seinen Kindern zum Beßten dienen, und ſo gewiß auch die letzten traurigen Ereigniſſe in Deutſchland, und die daſelbſt noch herrſchende Zerriſſenheit in politiſcher und kirchlicher Bezie— hung. Die Mittheilungen, welche Du mir über Deine häuslichen- und Familienverhältniſſe machleſt, haben mich recht ſehr gefreut, und ich wünſche, es möge der HErr Dich das Dir ge⸗ ſchenkte Glück recht lange in Friede und Ruhe genießen laſſen. Grüße die lieben Deinigen herzlichſt, wenn auch als unbekannt von mir. — Was nun mich betrifft, ſo kann ich zum Preiſe des HErrn ſagen, daß ich mich durch Seine Gnade ſeit meinem Hierſein einer faſt ungeſtör⸗ ten Geſundheit zu erfreuen gehabt habe. In meinem Hauſe dagegen hat mich der HErr den Kelch der Freude und des Schmerzes im Laufe eines Jahres leeren laſſen. Am 29. Novem⸗ ber 1848 verheirathete ich mich und lebte 11. Monate in einer höchſt glücklichen Eehe. Am 6. November 1849 aber nahm der HErr mein theures, liebes Weib in ihrem erſten Wochen⸗ bette nebſt unſrem neugebornen Söhnlein von meiner Seite wieder zu ſich. Mein Schmerz war groß; die vom HErrn geſchlagene Wunde ſchnitt tief ein; doch erquickte das Wort unſres GOttes mich in meinem Elende. Er macht