# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 22_S181 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — „ In neueſter Zeit hat Jemand irgendwo ſich verlauten laſſen, die Aſtronomie ſei den Bibel⸗ freunden ſehr zuwider; denn ſie zeige, daß die Bibel falſch ſein. Nämlich das Licht brauche et⸗ wa acht Minuten, um von der Sonne zur Erde zu gelangen. Die Sonne ſei aber 95 Millio⸗ nen Engliſche Meilen von der Erde entfernt. Alſo brauche das Licht acht Minuten um eine „Etrecke von 95 Millionen Engliſchen Meilen zu durchlaufen.“) Nun gebe es aber Sterne, die ſo viel weiter von der Erde ſeien, als die Sonne iſt, daß ihr Licht, zwiſchen 36 — 48000 Jahr gebrauche, um zu uns zu gelangen. uns gelangt, denn wir ſehen ſie. Alſo ſei das Licht von ihnen zu uns 36 — 48000 Jahre un⸗ terwegs geweſen, folglich ſei die Welt wenigſtens 36 — 48000 Jahr alt, und die Bibel im Irr⸗ thum. Iedem Anfänger in der Aſtronomie iſt be⸗ kannt, daß die Entfernung der Himmelskörper, rie zu unſerm Sonnenſyſtem gehören, zwar mit ziemlicher Genauigkeit ſich berechnen läßt, daß äaber die Berechnung der Entfernung der Fir⸗ ſierne bis vor wenig mehr als 10 Jahren eine ganz ungewiſſe Sache war, und auf bloßen Ver⸗ muthungen beruhte, bis Profeſſor Beſſel in Köͤnigsberg eine Berechnung machte, nach wel— cher ein gewiſſer Firſtern *) 657700mal ſo weit von der Erde entfernt iſt, als die Sonne, — die erſte Berechnung der Art, welche von Sach— verſtändigen als wenigſtens der Hauptſache nach richtig anerkannt iſt. Hiernach würde das Licht alſo noch 657700 mal mehr Zeit gebrauchen, um von jenem Sterne zu uns zu dringen, als das Licht der Sonne, und dieſe Zeit würde ſich auf nicht 11 Jahre belaufen. Wer weiß nun, wie viel andere Firſterne, die wir ſehen, weiter ſind, als jener? Vermuthen läßt ſech freilich wol, daß unter denen, die wir ſehen, auch ſolche ſind, deren Entfernung von uns eiwa Zmal, Zmal u. ſ. w. ſo groß iſt, als die jenes Firſters. Aber beweiſen kann's Riemand; und angenommen auch, es ließe ſich beweiſen, daß einer unter den Sternen, die wir ſehen, 10mal ſo weit wäre, als jener im Stern⸗ bilde des Schwans iſt, ſo bedürfte das Licht voch noch nicht 110 Jahr, um von ihm zu uns zu gelangen. Wiederum, angenommen auch: ts gäbe in dem großen Weltenraume Sterne ſo weit von uns, daß das Licht 36 — 40000 Jahre gebrauchte, um zu uns zu kommen, wer kann beweiſen oder auch nur wahr— ſchteinlich machen, daß unter denen, die wir jetzt wirklich ſehen, deren Licht alſo zu uns gedrungen iſt, auch den allerfernſten, ſolche ſind? Sagen alſo, wir ſehen Sterne, ſo entlegen von uus, daß das Licht 30 — 40000 Jahr gebrauche, um zu uns zu gelangen, iſt eine Schwindelei; und gar daraus ſchließen zu wol⸗ len, daß die Bibel im Irrthum ſei, heißt, ſich 1 1 4) Bis ſo weit iſt Alles recht, nun aber weiter. *) Es iſt ein kleiner Stern in dem Sternbilde „der Schwan“ oder auch „das Kreuz“ genannt, das man jetzt Abends ziemlich boch am Himmel in nordöſtlicher Richtung ſeht. Es ſei zu 181— ſelbſt in den Augen der alten Heiden als einen leichtfertigen und des Namens eines ernſten und geſetztenMannes unwürdigen Menſchen erzeigen. Die alten Heiden beſchämen die neuen. Wo⸗ her kommt das? Ihnen, den neuen, war in Chriſto das Licht der Welt aufgegangen, das der ganzen Welt erſchienen iſt. Sie verſchlie⸗ ßen ihre Augen muthwillig gegen daſſelbe. Deshalb ſehen ſie gar nichts mehr, während die alten doch noch ſo viel ſahen, als ſich in einer Privatcorrespondenz aus Oſtindien. — 1 Cor. 1, 30. Poreiar, bei Trankebar, den 10. Dee. 1850. Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, unſerem Vater, und Jeſu Chriſto, unſerem HErrn und Heilande ſei mit Dir! Amen. Geliebter Bruder in dem HErrn! dunklen Nacht ohne Licht ſehen läßt. Wie es mit dem Verſtande ſolcher Leute ausſieht, davon hier ein Beiſpiel aus dem Buche des oben ange⸗ führten fleißigen Mitarbeiters an religiöſer „Auf⸗ klärung“ Ballenſtedt. Es rühmt ſich derſelbe, alte Vorurtheile, welche die Zeit geheiligt habe, angegriffen und etwas Beſſeres an ihre Stelle geſetzt zu haben. Dazu rechnet er auch die Ge— ſchichte der Erſchaffung des Menſchen. Die bi⸗ bliſche Erzählung davon greift er nämlich an, und ſetzt dafür (Theil 3., Seite 151.): „Der Menſche ging durch ſich ſelbſt aus dem Nichts hervor, und war der Schö⸗ pfer ſeiner nachmaligen Größe.“ Man bedenke: der Menſch ging aus dem Nichts hervor. Er war alſo Nichts, und doch brachte er ſich hervor, und noch dazu aus dem Nichts!! Und das ſoll beſſer ſein, als: Gott ſchuf den Menſchen. Und wie weit es auch mit ſolchen Leuten kommt, bezeugt derſelbe Ballenſtedt, indem er in eben dem Buch (Th. 3., Seite 25.) ganz offenherzig ſagt: „Sind die Thiere nicht eben ſo künſtlich und bewundernswürdig organiſirt, wie der Menſch? Iſt man nicht längſt von dem Vor— urtheil zurückgekommen, unſern Halbbrü— dern, den Thieren, Beſinnung, Denkkraft, Vernunft und Beurtheilungskraft abzuſprech⸗ en?“ Die Thiere haben ſich bekanntlich noch nicht verändert. Gans und Eſel ſind noch, was ſie vor Zeiten waren. Wenn nun Herr Ballen— ſtedt und ſeine gleichgeſinnten Freunde von dem „Vorurtheil“ zurückgekommen ſind, daß die Thiere keine Beſinnung, Denkkraft, Vernunft und Beurtheilnngskraft haben, und dieſelben alſo für ihre Halbbrüder, oder richtiger ausge— drückt, ihre Gan zbrüder anſehen, — denn was bleibt noch für ein Unterſchied übrig, wenn man den Thieren Vernunft u. ſ. w. zugeſteht, als daß ſie etwas andere Geſtalt haben, nicht aufrecht gehen und keine? Kleider tragen — ein Unterſchied, der ſich ja großentheils leicht aus— gleichen ließe — worin kann das anders ſeinen Grund haben, als darin, daß Herr B. und ſeide Meinungsgenoſſen merken, wie weit ſie ſich den Thieren genähert haben? Der liebe Herr Gott aber, der da iſt barm⸗ herzig und gnädig, geduldig und von großer Güte, wolle ſich doch aller Verirrten erbarmen, und verleihen, daß ſie ſich zu dem Lichte der Of⸗ fenbarung wenden, auf daß ſie in ihrem ver⸗ kehrten Sinn ſich nicht ſelbſt von den alten Hei⸗ den beſchämen und dereinſt am Tage des Ge⸗ richts dieſelben gegen ſich auftreten und wider ſich zeugen laſſen müſſen. nn Deinen mir äußerſt lieben Brief vom 10. Juni 1. J. habe ich am 30. Augu richtig empfan⸗ gen, und habe mich deſſen recht herzlich gefreut, da er nicht nur ſo viele gute und lröſtliche Nach⸗ richten aus Eurem Amerika brachte, ſondern mir vor allen Dingen davon Zeugniß gab und gibt, daß ich und die übrigen Brüder in dieſer Miſſion, ſo wie das ganze Werk des HErrn hier bei Dir in liebevollem Andenken ſtehen, und uns deiner Fürbitte zu erfreuen haben. — Auch ich gedenke Deiner und aller Brüder in Amerika allewege, und flehe ſtets zu dem HErrn, daß Er Euch ſtärke in der Arbeit in dem Euch zugewieſenen Theile Seines Weinberges und Euch Gnade ge⸗ be, ſtets das gute Bekenntniß abzulegen unter dem unſchlachtigen und verkehrten Geſchlechte, und unter dieſer gottvergeſſenen Welt. Die in Deinem lieben Briefe mitgetheilten Nachrichten über unſere liebe Kirche, die in Amerika weilt, haben mich ſehr erfreut, geſtärkt, und zu vielem Danke veranlaßt. Iſt doch des HErrn Werk ſo ſichtlich überall im Fortgange und Wachſen be— griffen; und macht er ſich doch aller Orten ſelbſt Bahn und Platz. Erſt ſind es wenige Jahre, ed war 1842, als der liebe Wyneken nach Deutſch⸗ land kam, und da auch Erlangen und Neu-— endettelsau beſuchte. Wer hätte damals gedacht, daß in ſo wenig Jahren eine rüſtige Streiterzahl daſtehen werde, verbreitet über das ganze Land, und allenthalben Zeugniß davon ablegend, daß der HErr Sein Zion nicht verlaſſen habe, ſon— dern es noch liebe, baue, erweitere und ſchmücke? Das hat der HErr gethan! — Hat Er aber ſo viel bereits gethan, ſo mögen wir ja getroſt hof⸗ fen, daß Er unſeren Kleinglauben noch mehr beſchümen, und auch fernerhin über Bitten und Verſtehen thun werde. Darum ſind wir getroſt und fröhlich.— Auch hier bei uns hat der HErr Großes gethan, und hat auch hier gezeigt, daß Er Seine liebe Kirche, die das reine Wort pre⸗ digt und bewahrt, und die heiligen Sacrameste nach Seiner Einſetzung verwaltet, zu Ehren ſetze. Das Meiſte und Hauptſächlichſte davon weißt Du zwar ſchon aus den Miſſionsblättern; da aber ſelbige die Nachrichten nur fragmentariſch ge— ben, und wir die Gnadenerweiſungen unſeres Gottes nicht genug loben können, ſo wirſt Du es mir zu Gute halten, wenn ich Dir in einem kurzen Abriſſe mittheile, was der HErr hier ge⸗ than hat, ſeit ich in Indien bin. Am Morgen des heiligen Chriſtfeſtes 1843 langte ich nach einer glücklichen wenn auch kei⸗ neswegs gefahrloſen Seefahrt an Indiens Ufer in Madras an. Br. Ochs, der mir entgegen gekommen war, erwartete mich bereits dort, und mit ihm reiſte ich im Januar 1844 nach Tarn⸗ bar. Der Stand der Dinge in der Miſſion,