# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1851 06 22_S180 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Hierunter einige Proben davon, daß die neuen Heiden das, was ſie nicht gehörig erforſcht und erkannt haben, mit der größten Zuverſicht be⸗ haupten. Ende vorigen Jahrhunderts gab ein Englän⸗ der Namens Brydone ein Werk unter dem Ti⸗ tel einer Reiſe durch Sicilien und Malta heraus, das auch bald darauf ins Deutſche überſetzt wur⸗ de. Eins der anziehendſten Stücke in demſel⸗ ben war die Beſchreibung des Atna, des bekann⸗ ten feuerſpeienden Berges auf der Inſel Sici⸗ lien. Brydone erzählt, wie er den Berg beſtie⸗ gen, und was er da alles geſehen und beobachtet habe. Um dem einen oder andern der lieben Le⸗ ſer verſtändlicher zu machen, was wir nun gleich aus Bydrone's Erzählung anführen wollen, erlauben wir uns, folgende kleine Erläuterung zu geben. Die Lava, welche aus feuerſpeien⸗ den Bergen hervorbricht, wenn ein Ausbruch Statt findet, überſchwemmt und verheert zwar Strecken Landes, ſo daß blühende Gärten und Felder in Wüſteneien verwandelt werden, auf renen anfänglich auch kein grüner Halm zu fin⸗ den iſt; allein es pflegt ſich inn Laufe der Zeit auf den alten Lavaſtrömen wieder eine Erddecke zu bilden, die an Dicke allmählig zunimmt, ſo daß das Land nach langen Jahren endlich wie— der in ſeiner alten Fruchtbarkeit und Pracht da⸗ ſteht. Dann erfolgt wol ein neuer Ausbruch des feuerſpeienden Berges, eine neue Überflu⸗ thung von Lava und eine neue Verwüſtung, darauf jedoch auch wieder, wie das erſte Mal, eine allmälige Bildung einer Erdſchicht auf dem Lavaſtrom und eine Rückkehr der Strecke zur voͤrigen Fruchtbarkeit. Und dieſer Wechſel kann ſich öfters wiederholen. Brydone nyn erzählt, raß er an einer Seite des Berges Atna einen Lavaſtrom gefunden, auf dem ſich noch keine Erdſchicht gebildet habe, ſondern der noch ganz nackt geweſen ſei. Von dieſem ver muthete Brydone in Berückſichtigung einer gewiſſen Stelle bei einem alten Autor, er rühre von einem Aus⸗ bruche des Berges her, der 1700 Jahre zuvor Statt gefunden habe. Weiter erzählt er, daß, wenn man am Fuße des Berges einen Schacht in die Erde treibe, man durch 7 Erdſchichten und eben ſo viel Lagen Lava komme, indem ei⸗ ne jede Lage Lava von einer Erdſchicht bedeckt ſei. Was für einen Schluß macht nun der kluge Mann? „Jener Lavaſtrom, der noch nackt und unbedeckt iſt, hat (nach meinerVermuthung) ein Alter von 1700 Jahren. Es bedarf alſo zum allerwenigſten 2000 Jahre, um einen La⸗ vaſtrom mit einer Erddecke zu überziehen. Nun finden ſich am Fuß des Berges 7 Lavaſtröme mit ſolchen Erddecken, die eine über der andern. Zur Bildung eines jeden hat es alſo 2000 Jahre bedurft. Siebenmal 2000 Jahre macht 14000 Jahre, das ſoll mir Niemand widerlegen. Al⸗ ſo der erſte Ausbruch des Atna hat vor 14000 Jahren Statt gefunden. Nach der Bibel iſt die Erde kaum halb ſo alt. Ich, Brydone, kan mich nicht irren, alſo muß die Bibel falſch ſein.“ Und Hunderte nahmen ſeinen Bericht mit dem daraus gezogenen Schluß mit Frohlocken auf. Dir armen Leute thaten wie ein Menſch, der im V — 180 Ertrinken begriffen iſt, und nach einem Stroh⸗ halm greift, um ſich zu retten. Sie wußten, denn die Bibel bezeugte es ihnen im Bunde mit ihrem Gewiſſen, daß ſo ſie nicht Buße thäten, ſie ewig verloren ſein müßten; darum ſuchten ſie, weil ſie nicht Buße thun wollten, vor Angſt und Schrecken dadurch ſich zu bergen, daß ſie ſich einbildeten, weil Brydone einen Lavaſtrom ge⸗ ſehen habe, der noch nackt ſei, und der doch ſei⸗ nem Vermuthen nach ein Alter von 1700 Jahren habe u. ſ. w., ſo ſei auch die Bibel nicht wahr. Seitdem iſt es bekannt geworden, daß über Herculanum und Pompeji, zwei Städten am Fuße des feuerſpeienden Berges Veſuvius im Königreich Neapel, die vor Alters durch einen Ausbruch jenes Berges verſchüttet ſind, ſtellen⸗ weiſe 6 Lager von Lava, ein jedes mit einer Erdſchicht auf ihr, ſich finden. Wann dieſe Städte verſchüttet ſind, weiß man ganz genau, und iſt in jeder Weltgeſchichte zu ſinden. Es geſchah nämlich in demſelben Jahre, in welchem der römiſche Feldherr Titus, der Jeruſalem zer— ſtörte, römiſcher Kaiſer wurde, nämlich a. D. 79. Es ſind alſo noch nicht volle 1800 Jahre her. Da jene Lavaſtröme mit ihren Erdſchichten über den Häuſern und Straßen der Städte ſich fin⸗ den, ſo iſt kein Zweifel, daß ſie innerhalb 1800 Jahren entſtanden ſind. Sind aber 6 Lavaſtrö— me mit ihren Erdſchichten in 1800 Jahreu ent⸗ ſtanden, ſo können auch 7 am Fuß des Ätna in 2100 Jahren entſtanden ſein, von denen Bry⸗ done ſagt, es habe zu ihrer Bildung 14000 Jah-⸗ re bedurft. Das Alter des Lavaſtromes an der Seite des Atna hatte Brydone gar nicht erforſcht, er hatte nur Vermuthungen, es belaufe ſich auf 1700 Jahr. Ferner erkante er nicht, daß, angenommen 1700 Jahr wäre auch das Alter jenes Lavaſtromes, daraus noch keines— weges folge, daß anderwärts 7 Lavaſtröme, ein jeder mit ihrer Erdſchicht nun auch ſiebenmal ſo alt ſein müßten, wie ſich aus Vernunftgrün⸗ den abnehmen ließ, und wie ſich aus Thatſachen begründen läßt. Aber obwohl er die Sache nicht gehörig erforſcht, noch erkannt hatte, ſo behaup— tete er ſie doch mit ſolcher Zuverſicht, daß ſogar eher die Bibel falſch ſein muſſte, als er Unrecht haben. Eben ſo leichtfertig, und des Namens ernſter und geſetzter Männer unwürdig zeigen ſich denn auch alle diejenigen, welche Brydone in dieſem Punct Beifall zollten. Einige Jahrzehnde nach Brydone kam ein deutſches Buch heraus, das zwar einen Predi⸗ ger, aber eben nach jenem Buch zu urtheilen, einen ſolchen, deſſen Gott der Bauch war, zum Verfaſſor hatte. Der Titel war „Die Urwelt, oder Beweis von dem Daſein und Untergange von mehr als einer Vorwelt von Ballenſtedt“. Derſelbe hat ſich anſcheinend einen ähnlichen Zweck geſtellt, als Brydone in dem angeführten Puncte, nämlich aus gewiſſen Beobachtungen in der Natur zu erweiſen, daß die Welt viel, viel älter ſein müſſe, als ſie der Bibel nach iſt, daß alſo die Bibel keinen Glauben verdiene. Er ſagt unter anderem: Der Granit ſei eine dauerhafte Steinart; die über 3000 Jahr alten ägyptiſchen Pyramiden*) ſeien nicht ver⸗ wittert “*); der Granit auf dem Brocken ſei aber verwittert. „Was folgt nun hieraus? Nach dem Grade der Verwitterung der, der Luft ausgeſetzten Granitblöcke zu urtheilen, muß die Erde ſchon 40 bis 60,000 Jahre alt ſein! — Alſo weg mit der jüdiſchen Zeitrechnung von der Erſchaffung der Welt, die nur für das Kindes⸗ alter der Welt paßlich war, aber worüber jetzt jeder beſſer Unterrichtete und Einſichtsvolle lä— cheln und die Achſeln zucken muß.“ Daß Ballen⸗ ſtedt Beifall fand, ſo wie Brydone, läßt ſich denken, und geht daraus hervor, daß ſein Buch mehrere Auflagen erlebte. Nun iſt aber Folgen⸗ des eine auf die zuverläſſigſten Berichte gegrün⸗ dete Nachricht von den Pyramiden: „Sie beſte⸗ hen aus ungeheuren Quadern von Kalkfel⸗ ſen —; im Alterthum waren ſie mit Mar⸗ mor oder Granit ſo bekleidet, daß ſie eine glatte Oberfläche hatten.“T) So ſtehts alſo. Die Welt muß 40 bis 60,000 Jahre alt, und die Bibel falſch ſein, denn der Pyramiden-Gra⸗ nit, der nirgends anders als in Ballenſtedt's und einiger anderer gleich übel berichteter Leute Kopfe exiſtirt, iſt noch nicht verwittert. Dazu kommt, daß man gefunden hat, daß ein Obe⸗ listff) der in Alerandria, der Hauptſtadt Agyp⸗ tens, umgeſtürzt zwiſchen Schutt lag, auf der obern Seite ganz verwittert, auf der untern, ge⸗ gen die Witterung geſchützten, wohl erhalten war. Und dieſer Obelisk iſt wirklich von Gra⸗ nit. 4⁷ Es wiederholt ſich alſo bei Vallenſtedt, und denen, die ihm Beifall gaben, was wir bei Bry⸗ done und ſeinen Jüngern ſahen. Er hatte nicht erforſcht, woraus die Pyramiden beſtanden, fer⸗ ner von ſolchen Thatſachen, wie die Verwiter⸗ ung des Obelisken-Granits keine Kenntniß ge⸗ nommen, und behauptete gleichwohl, eben weil er über das eine in Irrthum, und über das an⸗ dere in Unwiſſenheit ſich befand, alſo auf Grund von Irrthum und Unwiſſenheit, mit der größ⸗ ten Zuverſicht von der Welt, die Erde ſei 40 bis 60,000 Jahr alt, und die Bibel falſch. Gewiß ein leichtfertiger und des Namens eines ernſten und geſetzten Mannes unwürdiger Menſch ſelbſt nach dem Urtheil des alten Heiden. Kein gün⸗ ſtigeres Urtheil trifft die, welche ihm Beifall ga⸗ ben. *) Die hier gemeinten Pyramiden ſind noch vorhandt⸗ ne ungeheure, thurmförmige, vierſeitige Bauten in Agypten am linken Nilufer, dee Stadt Eairo gegenüber, und von al⸗ ten ägyptiſchen Königen aufgeführt. **) d. i. von der Oberfläche nach innen zu durch die zer⸗ ſtörenden Einflüſſe der Witterung in eine bröcklichte oder er⸗ dige Maſſe verwandelt. 1) Die Stelle findet ſichin Blauc's Handbuch des Wiſ⸗ ſenswürdigſten aus der Natur u. ſ. w., der in dieſem Stüt Reiſebeſchreibungen wie die von Nrebubr u. a. zur Gewäht hat. f) Obelis:en ſind behauene Felsblöcke von ähnlicher Gt⸗ ſtalt wie die Pyramiden, jedoch kleiner als ſie. +1 Nach Dr. Clar'e's Reiſebeſchreibung, eines Sch'iſt ſtellers von anerkannter Gemwiſſenhaftigkeit, von umfaſſen⸗ den Keutniſſen und großer Sorgfalt in ſeinen Beobachtun · *